Bass
Test
7
13.04.2021

Praxis

Ein Headless-Bass besitzt aus ergonomischer Sicht natürlich durchaus einige Eigenheiten, die für Spieler von traditionell konstruierten Bässen eventuell anfangs gewöhnungsbedürftig sind. Der wichtigste Punkt ist hier sicherlich die Balance des Instruments: Durch das Fehlen der Kopfplatte verlagert sich der Schwerpunkt deutlich nach rechts, was sich im ersten Moment etwas merkwürdig anfühlt.

Dieser Effekt ist letztlich aber durchaus positiv, denn die Schwerpunktverlagerung führt - zumindest bei meinem heutigen Testkandidaten - zu einer absolut perfekten Balance! Der Merak 5 Headless hängt mit leicht nach oben ragendem Hals ungemein stabil am Gurt, sodass keinerlei zusätzliche Kraft für Positionskorrekturen nötig sind. Beide Hände können deshalb völlig frei und entspannt agieren!

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Dadurch, dass die linke Schulter kaum belastet wird, fühlt sich der Bass zudem leichter an, als er in Wahrheit ist: Mit 4,3 kg ist der Merak 5 Headless zwar nicht wirklich ein Leichtgewicht, liegt für Longscale-Fünfsaiter-Verhältnisse aber noch im Rahmen und lässt sich aufgrund der bereits erwähnten perfekten Balance stundenlang bequem spielen.

Ein weiterer Punkt, den Xaver Tremel ausgezeichnet gelöst hat, ist das obere Halsende: Bei vielen Headless-Bässen endet der Hals relativ abrupt nach dem Sattel oder dem Nullbund, was zu einer äußerst gewöhnungsbedürftigen Haptik führt. Der Hals des Merak Headless besitzt hingegen einen Fortsatz und bietet zudem rückseitig auf Höhe des Sattels eine Verdickung, wie man es von vielen Bässen mit Kopfplatte kennt. Der Bass fühlt sich in den tiefen Lagen deshalb völlig "normal" an. An dem eleganten Endstück lässt sich sogar noch easy ein Cliptuner befestigen - das Design ist also auf ganzer Linie gelungen!

Als absolut gelungen würde ich auch das Halsprofil des Merak 5 Headless bezeichnen. Es ist insgesamt schlank genug für die Vorlieben von virtuosen Spielern, bietet in den tiefen Lagen aber dennoch genug Fleisch und eine solide Haptik. Das Öl/Wachs-Finish fühlt sich außerdem extrem organisch und geschmeidig an - ein absoluter Traum!

In Sachen Ergonomie und Spielkomfort kann der Merak 5 Headless von Franz Bassguitars also auf ganzer Linie überzeugen, und auch beim Thema Sound stehen die Vorzeichen sehr gut. Der Bass spricht ultra sensibel an und die ganze Holzkonstruktion schwingt extrem stark. Über Deadspots oder sonstige Schwachpunkte müssen wir hier nicht reden - alle Töne verfügen über ein sattes Sustain und schwingen gleichmäßig ab.

Diese positiven Tugenden sind zum einen der stabilen Neck-Thru-Konstruktion und zum anderen natürlich der hervorragenden Verarbeitungs- und Materialqualität des Merak 5 Headless zuzuschreiben. Wie sich der jüngste Spross aus der fränkischen Edelbassschmiede am Verstärker macht, hören wir uns anhand der folgenden Audiobeispiele an.

Wir starten im passiven Betrieb mit dem Balance-Regler in Mittelstellung und einer komplett geöffneten Tonblende. Bereits ohne Equalizer liefert der Merak 5 Headless einen immens kraftvollen und klaren Sound. Das Fundament klingt fett, aber trotzdem differenziert. Kräftige Tiefmitten sorgen für ordentlich Punch, und der obere Bereich ist sehr gut ausgeleuchtet. Ein toller Universal-Sound, mit dem man wirklich sehr gut in verschiedenen Musikstilen arbeiten kann!

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Schaltet man den Steg-Tonabnehmer in den Singlecoil-Betrieb, so wird der Sound in den unteren Mitten leicht gescoopt und wirkt dadurch etwas schlanker. Xaver Tremel verwendet bei seinen Fünfsaitern eine etwas längere 34,5-Mensur, die sich in erster Linie positiv bei der H-Saite bemerkbar macht - die Definition der tiefen Töne ist dementsprechend wirklich hervorragend!

Als nächstes hören wir uns die beiden Tonabnehmer im passiven Modus getrennt an: Der fette Humbucker in der Stegposition besitzt erfreulicherweise auch ohne EQ-Unterstützung ausreichend Tragfähigkeit für solide Grooves und liefert wirklich einen extrem direkten und durchsetzungsstarken Fingerstyle-Sound.

Blendet man auf den Split-Coil in der Halsposition, so geht der Sound erwartungsgemäß in die Preci-Richtung. Ich habe bei beiden Aufnahmen die Höhen mit der passiven Tonblende etwa zur Hälfte abgesenkt, der Sound bleibt allerdings trotzdem sehr transparent und klar. Authentische Vintage-Sounds sind allerdings nicht die größte Stärke der Delanos, denn sie bilden ein derart breites Klangspektrum ebenmäßig ab, dass sie dfür schlicht eine Spur zu modern daherkommen.

Ich finde die passiven Sounds des Merak 5 Headless sehr überzeugend und würde ehrlich gesagt auch schon ohne zusätzlichen Preamp super klarkommen: Das Tonabnehmer-Set ist ungeheuer flexibel und die Klangqualität des Basses spricht für sich!

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Mehr Möglichkeiten in Sachen Sound sind aber natürlich per se immer willkommen, und diese ermöglicht beim Merak 5 Headless von Franz Bassguitars der hochwertige und allseits bekannten Dreiband-Preamp von Glockenklang.

Für die Slapsounds im nächsten Beispiels habe ich sowohl die Bässe als auch die Höhen stark angehoben. Die Elektronik erzeugt keinerlei Nebengeräusche und packt an den richtigen Frequenzen effektiv zu. Klangmüll bleibt immer außen vor, sodass nahezu jede Einstellung zu musikalisch sinnvollen Ergebnissen führt!

Der Bass- und Höhenboost funktioniert aber auch ausgezeichnet mit dem Steg-Tonabnehmer im Solomodus. Der kopflose Merak 5 liefert in dieser Einstellungen Stingray-ähnliche Sounds und klingt extrem kraftvoll:

Der Mittenregler greift bei 550 Hz und bringt nach rechts gedreht etwas mehr Agressivität ins Spiel:

Zum Abschluss gibt es noch einen etwas extremeren, aber durchaus noch immer praxistauglichen Sound mit ordentlich Tiefbassgewitter: Ihr hört den Hals-Tonabnehmer im Solomodus, zusätzlich wurden die Bässe heftig geboostet und die Höhen mit der passiven Tonblende deutlich abgesenkt.

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