Bass
Test
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13.04.2021

Franz Bassguitars Merak 5 Headless Test

Fünfsaitiger E-Bass

Kopflos glücklich!

In den 1980er-Jahren, als ich meine Liebe zu den dicken Drähten entdeckte, waren Headless-Bässe ziemlich angesagt. Hauptauslöser für den Boom war sicherlich Daumenkönig Mark King von Level 42, der in jener Zeit zum Idol für zahlreiche Tieftöner wurde und bevorzugt einen Headless-Bass des britischen Herstellers Status spielte. Heerscharen von Bassisten schnallten sich damals wie Mark King den Bass unters Kinn und slappten zu den Songs von Level 42. Obwohl ich nie ein großer Daumen-Spezialist war, legte ich mir damals auch einen Headless-Bass zu - der nächstgelegenen Musikladen hatte schlicht und einfach keinen anderen Bass auf Lager! Es handelte sich um einen Washburn Force 42, der von einigen "Bass-Snobs" etwas abwertend als "Status für Arme" bezeichnet wurde. Aber wie auch immer, fast 40 Jahre später erfreuen sich Headless-Bässe wieder zunehmend an Beliebtheit, sodass immer mehr große Hersteller sowie sogar einige renommierte Boutique-Bass-Schmieden - wie beispielsweise Fodera oder MTD - ihr Portfolio mit dementsprechenden Modellen erweitern. Die deutsche Edelbassschmiede Franz Bassguitars bietet nun ebenfalls ihr Erfolgsmodell Merak als Headless-Version an. Xaver Tremel hat uns erfreulicherweise für diesen Test das erste Exemplar überhaupt zur Verfügung gestellt - worauf wir durchaus stolz sind und uns herzlich bei Xaver bedanken möchten!

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Details

Das Design des Merak erinnert an einen klassischen Jazz Bass und ist dementsprechend auch das traditionellste Design aus dem Hause Franz Bassguitars. Umso erstaunlicher finde ich, dass Xaver Tremel gerade dieses Modell als Grundlage für seinen Headless-Bass auserkoren hat. Ich hätte eher einen kopflosen Sirius erwartet, denn dieses Modell kommt deutlich moderner und eigenständiger daher als der Merak.

Dennoch ist der neue Headless-Fünfsaiter in meinen Augen in optischer Hinsicht rundum gelungen: Das Design wirkt absolut stimmig und dürfte vielleicht sogar einige Traditionalisten ansprechen - "classic meets modern", sozusagen.

Bei der Holzauswahl für sein neues Modell bleibt Xaver Tremel seiner Philosophie treu und verwendet überwiegend Arten deutscher Herkunft, die einer zusätzlichen thermischen Behandlung unterzogen wurden: Die Korpusflügel des Merak Headless bestehen aus Esche und verfügen - vermutlich aus Gründen der Gewichtsreduktion - über Hohlkammern.

Für den durchgehenden Hals kommen fünf Streifen Ahorn zum Einsatz, die mit schmalen Streifen aus Räuchereiche gesperrt wurden. Die aufwändige Holzkonstruktion sollte an sich schon viel Stabilität bieten, zur zusätzlichen Versteifung kommen allerdings trotzdem noch Carbon-Stäbe zum Einsatz.

Auf dem Hals sitzt ein Griffbrett aus afrikanischem Ebenholz, das mit insgesamt 23 "Ferdinand Wagner"-Bünden (22 Bünde + Nullbund) sowie runden Lagenmarkierungen bestückt wurde. Als optisches Highlight dient beim edlen Merak-Headless eine zwar schlichte, aber durchaus sehr eleganten Decke aus gebleichtem Ahorn, die (abgesetzt durch ein Furnier aus Räucheresche) auf den leicht gewölbten Korpus geleimt wurde.

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"Do it Yourself"-Workshop: Saitenlage einstellen

Nicht weniger edel und hochwertig als die Holzkomposition des kopflosen Merak-Fünfsaiters ist die Ausstattung in Sachen Hardware, Tonabnehmer und Elektronik. Alle Komponenten kommen von renommierten deutschen Herstellern und haben sich sowohl qualitativ als auch in ihrer Funktionsweise über viele Jahre bewährt.

Die Headless-Bridge aus dem Hause ETS ist überaus solide gebaut und lässt sich sehr komfortabel handhaben. Der eigentlich Steg der ETS MK3 Headless-Konstruktion bietet Einstellmöglichkeiten für die Intonation, die Saitenlage und die Saitenabstände (18,5 mm ab Werk), das Tuner-Element dahinter dient als Halterung für die Ballends und verfügt über fünf Rändelschrauben, mit denen der Bass gestimmt wird. Auf der anderen Seite des Basses werden die Saiten-Enden wiederum mit fünf kleinen Head-Piece-Elemeneten von ABM arretiert - sie sitzen auf dem elegant geschwungenen Endstück der auslaufenden Halskonstruktion.

Delano lieferte die Tonabnehmer für unseren heutigen Testkandidaten: In der Halsposition sitzt ein JMVC Split-Coil und in der Stegposition ein MC Double Split-Coil. Der hintere Humbucker kann mit einem Schalter im Cockpit des Merak in den Singlecoil-Modus geschaltet werden. Dieses Tonabnehmer-Setup kennen wir zum Beispiel bereits von vielen Sandberg-Bässen - es steht für einen klaren, kräftigen Sound und hohe klangliche Flexibilität.

Damit ist allerdings noch nicht Schluss, denn für den Feinschliff in Sachen Sound wurde dem edlen Headless-Bass aus dem Frankenland zusätzlich ein dreibandiger Preamp der Firma Glockenklang spendiert. Über die erstklassig Qualität dieser Elektronik muss ich wohl keine Worte mehr verlieren - jeder von euch kennt die hervorragenden Produkte der Herforder Ampschmiede.

Das Cockpit ist trotz der vielen Möglichkeiten recht übersichtlich und bietet neben dem erwähnten Coil-Switch insgesamt fünf Regler. Für Bässe und Höhen steht ein Doppelpoti zur Verfügung, mit einem weiteren Regler werden die Mitten justiert. Daneben bietet der Merak eine Tonblende, die sowohl im passiven als auch im aktiven Betrieb funktioniert, sowie natürlich die obligatorischen Regler für Lautstärke und Tonabnehmerverhältnis.

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Beim Lautstärkeregler handelt es sich um ein Push/Pull-Poti, mit welchem der Bass in den passiven Betrieb geschaltet werden kann. Die hochwertige Glockenklang-Elektronik begnügt sich mit einer 9V-Batterie, die in einem praktischen Klappfach auf der Rückseite sitzt und im Notfall blitzschnell ersetzt werden kann.

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