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11.02.2020

Feuer bei Apollo Masters: Droht eine Vinyl-Krise?

Produktionsstätte des weltweit größten Zulieferers für Master Discs fast vollständig zerstört

Sehr schlechte Nachrichten für Vinyl-Fans: Vor wenigen Tagen wurden bei einem Feuer große Teile der Produktionsstätten des Zulieferers Apollo Masters zerstört. Personen sind laut Aussagen des Unternehmens nicht zu Schaden gekommen. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte Nachricht betrifft die zukünftige Produktion von Vinyl – weltweit. Denn Apollo Masters liefert der Branche wichtige Rohlinge für die Herstellung und besitzt einen geschätzten Marktanteil von 80 Prozent.

Master Discs sind für die Produktion von Schallplatten ein wichtiges Utensil. Neben dem Anfang der 80er Jahre von Teldec eingeführten Direct-Metal-Mastering (kurz DMM) wird im Wesentlichen die Lacquer Disc (auch Lackfolie genannt) für die Herstellung eines Vinyl-Masters benutzt. Diese wird dann an die Presswerke weitergegeben, um davon die Kopien herzustellen. Die Verwendung von Lackfolien ist das gängige Verfahren. Zwei Hersteller gibt es dafür weltweit. Die eine Firma heißt MDC, sitzt in Japan und wird von einem älteren Herren betrieben. Der mit geschätzten 80 Prozent größte Anbieter ist Apollo Masters in Kalifornien.

Wie es aktuell aussieht, wird Apollo nun als Zulieferer ausfallen. Das Unternehmen selbst spricht auf der Website von einem verheerenden Feuer und einer katastrophalen Zerstörung. Neben den Master Discs hat Apollo Masters auch die sogenannten Stichel hergestellt – ein weiteres wichtiges Werkzeug für den Schnitt der Masterfolien. Auch hier könnte der Brand für eventuelle Engpässe in der Zukunft sorgen.

Wie schwerwiegend sich die Folgen des Feuers auf die Vinyl-Industrie auswirkt, ist aktuell schwer abzuschätzen. In der Regel kaufen Firmen in der Branche auf Vorrat. Wenn diese Vorräte aber aufgebraucht sind, könnte es eng werden. Allerdings gibt es auch Presswerke wie GZ Media in der Tschechien, die ihre eigenen Master Discs herstellen. Es wäre auch denkbar, dass ein anderes Unternehmen als Lizenznehmer von Apollo Masters auf deren Know-How zugreift und die Produktion übernimmt. Ob so etwas passiert, ist aber reine Spekulation.

Wie die Zukunft für Apollo Masters aussieht, ist gegenwärtig jedenfalls ungewiss. Im schlimmsten Fall kann sich das Unternehmen nicht mehr von dem Schaden erholen. Für die erst jüngst gegründete Vinyl Alliance dürfte die Situation eine Herausforderung und Bewährungsprobe sein, schließlich geht es um die Zukunft des Tonträgers. Und die sieht im Augenblick etwas trübe aus.  

Website Apollo Masters

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