Bass Recording
Workshop
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05.08.2020

Das beste Homerecording-Equipment für Bass

Dieses Equipment benötigst du, um deinen Bass aufzunehmen!

Bass aufnehmen: Recording-Tipps für Bassisten

Sich selbst daheim aufzunehmen ist heute ein Kinderspiel - immerhin verfügt jedes Mobiltelefon inzwischen über ein eingebautes Mikrofon. Schwieriger wird es allerdings, wenn man seinen E-Bass in guter Qualität und/oder im Zusammenspiel mit anderen Instrumenten aufnehmen möchte. Das können Drumloops zum Üben sein, ein Band-Demo, die eigenen musikalischen Experimente bzw. Songs - oder natürlich auch ein Studiojob, bei dem du Bass zu einem bereits existierenden Track einspielen sollst.

Die große Frage ist: Welches Equipment benötige ich, um mein Bass-Signal am Rechner aufzunehmen? Computer oder Laptops besitzen leider keine passende Schnittstelle für Instrumente, es wird also zusätzliches Equipment benötigt, um den Bass mit dem Rechner zu verbinden. Zusätzlich braucht man aber auch die entsprechende Software, um sein Signal weiterzuverarbeiten und mit anderen Spuren zu mischen.

Die gute Nachricht: In den eigenen vier Wänden den Bass in guter Qualität aufnehmen war vor 20 bis 25 Jahren noch fast undenkbar bzw. unbezahlbar. Heute dagegen kann man mit geringem Budget schon erstaunliche Ergebnisse erreichen ‑ so ändern sich die Zeiten! In diesem Workshop wollen wir klären, was man alles für das eigene kleine Studio benötigt und welche grundsätzlichen Wege des Homerecordings für Bassisten es gibt.

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Homerecording für Bassisten - das Audiointerface

Das erste, was wir benötigen, ist ein sogenanntes Audiointerface, welches per USB oder Thunderbolt mit dem Rechner verbunden wird. Ist man der in der Regel selbsterklärenden Installationsroutine gefolgt, übernimmt dieser kleine Kasten alles, was mit ein- und ausgehenden Sounds zu tun hat. Man muss also auch seinen Kopfhörer und seine Boxen daran anschließen, sonst hört man nichts.

Das Audiointerface wird quasi zur Schnittstelle zwischen Computer und den Instrumenten, denn es bietet Eingänge und Vorverstärker für Mikrofone und einen Bass. Dieser wird meist mit "Instrument" oder "HI-Z" bezeichnet und besitzt die richtige Impedanz, um das Basssignal vernünftig zu verarbeiten.

Ich würde für den Anfang zu einem Interface mit zwei Kanälen raten, für den E-Bass braucht man zwar nur einen, aber die Option eines zweiten Signals (Mikro, Musikerkollege etc.) schadet nie. Hier sind ein paar preiswerte Kandidaten, die bereits alles bieten, was man braucht:

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Homerecording für Bassisten - Software/DAW

Die gute Nachricht: Jedem Audiointerface liegt eine sogenannte DAW (Digital Audio Workstation), also eine Recording-Software, bei. Zumeist handelt es sich um abgespeckte Versionen der großen Namen, wie Pro Tools, Cubase, Studio One, etc. Die Funktionsvielfalt dieser Light-Versionen ist zwar etwas eingeschränkt, reicht aber in der Regel locker aus, um die ersten Gehversuche zu unternehmen.

In der Software integriert ist in der Regel ein Paket an virtuellen Instrumenten (Drums, Keyboards ...) und Effekten, das sollte ebenfalls für den Anfang genügen. Instrumente und Effekte für die Software gibt es darüber hinaus von anderen Anbietern zuhauf am Markt. Diese nennt man "Plugins", denn sie lassen sich in die DAW einbinden, welche dann als sogenannter "Host" (Wirt) fungiert. Diesen Schritt kann man später aber immer noch gehen!

In der Regel erkennt die DAW das Audiointerface sofort und man muss noch nicht einmal per Hand die Ein- und Ausgänge zuweisen. Leider kann ich aufgrund der Vielzahl der Anbieter keinen Crashkurs zu diesem Thema geben, da dies den Umfang dieses Artikels sprengen würde. Daher gibt es hier nur ein paar grundlegende Fotos zu den wichtigsten Punkten:

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Homerecording für Bassisten - Latenz

Ein sehr wichtiger Faktor ist das Thema Latenz. Damit ist die zeitliche Verzögerung gemeint, die entsteht, wenn das Signal seine "Rundfahrt" vom Eingang durch die Software inklusive Plugins und wieder zurück zum Ausgang (Kopfhörer oder Monitore) macht. Ab einem gewissen Punkt ist diese Verzögerung so groß, das man unmöglich "in time" zur Musik spielen kann.

Aus diesem Grund laufen die meisten Audiointerfaces von vornherein im "Direct Monitoring", d.h. das Signal wird zusätzlich direkt an den Ausgang geroutet. Dadurch muss man sich zwar nicht mehr mit Latenz herumschlagen, hört aber leider lediglich das trockene Basssignal und kann auch keine internen Plugins (Effekte, Amp Simulation etc.) während des Aufnehmens benutzen. Möchte man dies tun, muss man die sogenannte "Buffer Size" in den Einstellungen des Audiointerface reduzieren. Das verringert die Latenz, verlangt aber auch mehr Rechenleistung vom Computer - das Ergebnis ist also auch von dessen Kapazitäten abhängig!

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Homerecording für Bassisten - Basssound "Inside" oder "Outside the Box"

Eine grundlegende Entscheidung, die man bestenfalls vor der Aufnahme machen sollte, ist, ob man ein möglichst neutrales Signal haben möchte, dass man später im Computer bearbeitet ("In the Box"), oder ob man seinen Sound vorher einstellt bzw. festlegt und dann exakt diesen aufnimmt ("Outside the Box"). Natürlich kann man auch diesen noch digital bearbeiten, aber entfernen kann man nichts mehr (Effekte etc.).

Diese Entscheidung hängt natürlich auch von der Qualität des bereits vorhandenen Equipments ab oder beeinflusst die Frage, ob und welches Equipment bzw. welche Software man sich zukünftig noch anschaffen möchte.

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Homerecording für Bassisten - Den Bass direkt ins Audiointerface stöpseln

Das Paradebeispiel für eine Aufnahme "In the Box" ist folgendes: Einfach das Kabel in den dafür vorhergesehenen Eingang stecken ("Instrument" oder "HI-Z"), auf "Aufnahme" klicken, spielen - fertig! Und so hört sich dieses Signal an:

Keine Frage, damit kann man schon durchaus arbeiten und somit wäre das Audiointerface in diesem Fall das einzige benötigte Equipment, welches wir uns anschaffen müssten. Aber gerade passive Bässe, welche man direkt ins Interface stöpselt, können mitunter etwas nüchtern und leblos klingen.

Der Grund: Die Eingänge sind natürlich sehr "allgemein" ausgelegt und können nicht jedes Basssignal gleich optimal verarbeiten. Natürlich lässt sich jetzt dies mit Effekten bearbeiten, aber je besser die Quelle ist, desto besser wird das Ergebnis sein.

Das nächste Tool zur Aufwertung (vor allem für passive Bässe!) kann eine D.I.-Box sein, die man im Idealfall für Live-Gigs bereits in seinem Arsenal hat.

Was in D.I. Boxen technisch passiert, lassen wir an dieser Stelle links liegen, denn diese Infos findet ihr in diesem Artikel: Testmarathon DI-Boxen für Bass
Uns interessiert viel mehr, was es für unseren Sound bedeutet!

Zwei Dinge sind dabei besonders wichtig: Unser unsymmetrisches Signal wird in ein symmetrisches gewandelt (eliminiert Einstreuungen) und es findet eine Impedanzwandlung statt, denn das hochohmige Signal unserer Tonabnehmer (das eigentlich für einen Verstärker ausgelegt ist) wird in ein niederohmiges gewandelt. Dieses ist viel besser für den Mikrofoneingang eines Mischpults oder eben eines Audiointerfaces geeignet.

Aus diesem Grund gehen wir auch mit einem Klinkenkabel in die D.I.-Box hinein und mit einem Mikrokabel (XLR-Stecker) wieder heraus. Zudem färbt eine D.I.-Box den Sound kaum, und wir möchten ihn für unsere Zwecke ja auch möglichst clean haben.

Es gibt passive und aktive D.I.-Boxen. Erstere benötigt keinen Strom, die zweitere braucht entweder eine Batterie oder wird per Phantomspeisung (48-Volt-Taste am Audiointerface) vom Mikrofoneingang mit Strom versorgt - ein weiteres Netzteil ist also nicht nötig.

Man kann ganz verallgemeinert die Behauptung aufstellen, dass passive D.I.-Boxen für aktive Bässe ausreichen und passive Bässe eher eine aktive D.I. benötigen. Das hängt aber wiederum auch von der individuellen Bauweise und technischen Werten ab. Mit der aktiven Variante ist man auf jeden Fall auf der sicheren Seite. Und so klingt unser passiver Bass durch eine aktive D.I.-Box:

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Homerecording für Bassisten - Aufnahmen mit Amp/Preamp

Hat man keine D.I.-Box zur Hand oder möchte man das Signal nicht ganz so clean haben, kann man zu einem Preamp (Vorverstärker) greifen, der dem Signal bereits ein bisschen Farbe bzw. Charakter verleiht oder sogar eine Klangregelung bietet. Die einfachste Variante ist natürlich der eigene Bassamp und dessen D.I.-Ausgang.

Das funktioniert definitiv und wird ein besseres Resultat als die direkte Variante liefern, aber in der Regel wird beim Design von Bassamps kein allzu großer Wert auf den D.I.-Ausgang gelegt. Diesen ähnlich hochwertig zu gestalten wie bei einer dezidierten D.I.-Box würde sich nämlich unweigerlich deutlich im Verkaufspreis niederschlagen - die wenigen am Markt erhältlichen Ausnahmen schlagen denn auch einen entsprechenden Krater ins Bankkonto! Daher: Einfach mal den eigenen Amp ausprobieren, und wenn man mit dem Ergebnis bereits zufrieden ist, muss man sich gar nicht zwangsläufig weiter umschauen!

Die nächste Wahl sind Bass-Preamps, die auch in Hinblick auf Aufnahmen entwickelt wurden. In Studios werden auch sehr häufig Mikrofon-Preamps zum Recorden von Bässen verwendet, diese bieten meistens zusätzlich einen Eingang für Instrumente. Der Vorteil beider Lösungen ist ein hochwertiges Signal, da diese Geräte hauptsächlich für diesen einen Zweck gebaut wurden! Der Nachteil ist, dass man doch etwas mehr Geld auf den Tisch legen muss als für eine D.I.-Box. Hier seht ihr einen Bass-Preamp und einen Mikrofon-Preamp mit Instrumenteneingang:

So klingt der Bass-Preamp, bei dem ich das Signal bereits etwas mit dem Bassregler angedickt habe:

Hier sind ein paar noch relativ preiswerte Preamps, welche speziell in Hinblick auf Recording designt wurden:

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Homerecording für Bassisten - Aufnahme mit D.I.-Box und Mikro

Eine D.I.-Box hat noch einen weiteren Vorteil: der sogenannte "Thru"- oder "Link"-Ausgang (siehe obige Fotos). Mit ihm wird das unbearbeitete Signal einfach durchgereicht und man kann es an seinen Amp schicken. Die ermöglicht es mir zum einen, mich während des Recordens nicht nur über Kopfhörer, sondern auch über meinen Amp zu hören, und zum anderen kann ich diesen jetzt noch zusätzlich mit einem Mikrofon abnehmen. Ich habe dann also zwei Signale, ein cleanes D.I.- und ein maximal gefärbtes Mikrofonsignal (inkl. Equalizereinstellungen des Amps, Effekte, Lautsprecher und Raumanteil). Die beiden kann ich dann ganz nach Geschmack mischen oder einzeln verwenden.

Das Gleiche funktioniert auch mit dem D.I.-Out des Amps und einem Mikrofon. Der Vorteil dabei ist, dass ich den tatsächlichen Sound meines Amps aufnehme, der tatsächlich bewegte Luft und somit Live-Feeling bietet. Der Nachteil ist jedoch, dass dies natürlich aufwendiger und mit mehr Materialeinsatz verbunden ist.

Der Mikrofon-Preamp des Audiointerfaces reicht zwar dazu vollkommen aus, aber ein Mikrofon braucht man natürlich. Ich würde für die heimischen vier Wände zu einem sogenannten dynamischen Mikro raten, denn diese sind aus mehreren Gründen deutlich unempfindlicher für Umgebungsgeräusche. Vermutlich wird niemand einen akustisch optimierten Raum in den eigenen vier Wänden oder der Mietwohnung sein Eigen nennen.

Hier hört ihr die beiden Sounds einzeln und zusammen gemischt:

Homerecording für Bassisten - Spezialfälle: Reamping und Amp Modelling

Zwei Fälle möchte ich der Vollständigkeit halber erwähnen: Manche D.I.-Boxen bieten die Möglichkeit des sogenannten Reampings. Dabei wird eine bereits aufgenommenes Signal wieder über das Audiointerface in die D.I.-Box und von dort zum Verstärker geschickt, um diesen mit einem Mikrofon abzunehmen. Das macht Sinn, wenn man einen sehr charakterstarken Amp (z.B. ein Vollröhrentopteil etc.) möchte, führt aber für den Hausgebrauch doch etwas weit und ist ein eigenes Thema.

Der zweite Fall ist das sogenannte "Amp Modelling", welches viele Multieffekte oder Preamppedale bieten. Hier wird das klangliche Verhalten eines bestimmten Bassverstärkers und einer Bassbox inklusive Mikrofon nachgebildet, man kann sich also die aufwendige Prozedur des Mikrofonierens sparen.

Ich persönlich sehe aber den Vorteil hier eher im Livebetrieb mit In-Ear-Monitoring. Falls man Amp Modelling verwenden möchte, würde ich für Recording-Zwecke auf entsprechende Software zurückgreifen und dies "In the Box" erledigen. Hier gibt es etliche Anbieter, die diverse bekannte Amps auf Softwarebasis anbieten.

Der Vorteil ist, dass hier die Rechenkapazität des Computers genutzt werden kann, was die Klangqualität gegenüber den meisten Pedalen (zumindest im Moment noch!) deutlich steigert. Aber auch das ist ein Thema für sich und dazu wird es demnächst einen eigenen Workshop geben, bei dem wir verschiedene Soft- und Hardware-Kandidaten unter die Lupe nehmen.

Ich wünsche euch viel Erfolg bei euren Bass Recordings - bis zum nächsten Mal!

Thomas Meinlschmidt

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