Test
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02.06.2017

Praxis

Sounds

Im Vergleich zum TT-606 mussten bei der TT-78 mehr Sounds untergebracht werden, um den Klangvorrat des Originals abzubilden. Das führt dazu, dass einige der neun Positionen des Instrument-Wahlschalters doppelt belegt sind; die Alternativen lassen sich jeweils durch Druck auf „Function“+“Instrument“ und die Taster 1 bzw. 2 auswählen. Auch bei den Einzelausgängen macht sich das größere Klangangebot bemerkbar, so müssen sich Cymbals und Hi-Hat, Congas und Bongos sowie Cowbell und Clave die jeweiligen Ausgänge teilen.

Insgesamt gibt es 13 Sounds:

 

  • Bass Drum
  • Snare Drum
  • Conga Hi und Lo
  • Bongo Hi und Lo
  • Clave
  • Cowbell
  • Cymbal
  • Hi Hat
  • Maracas
  • Tambourine
  • Guiro

Hinzu kommt der „Metallic Beat“, der jeweils zusammen mit Cymbal und Hi Hat erzeugt wird. Hierfür lassen sich jeweils mehrere „Timbres“ auswählen.

Jeder Sound kann mit dem „Tone“-Regler getweakt werden, wenn er mit dem Wahlschalter ausgewählt ist. So lässt sich bei der Bass Drum das Decay verändern (aber leider nicht das Tuning), bei der Snare kann der „Snap“ reguliert werden und Bongos, Congas, Clave, Cowbell und Guiro lassen sich in der Stimmung verändern. Bei Cymbals und Hi-Hat regelt „Tone“ den Anteil des Metallic Beat Sounds. Der Beat Bot bietet die Möglichkeit zum Speichern von bis zu 32 Kits, die für alle Instrumente die Einstellungen für „Tone“, „Timbre“ und die „Nuance“-Funktion (dazu gleich mehr) umfassen. So kann man die Soundeinstellungen der gesamten Maschine bequem speichern und wieder aufrufen. Sehr praktisch!

Im Folgenden hört ihr die Einzelsounds der TT-78, jeweils mit und ohne Akzent und mit der Modulation durch „Tone“.

Die Sounds der CR-78 sind zwar nicht ganz so berühmt geworden wie die der späteren TR-Maschinen, haben aber ihren eigenen Charme und bringen eine andere Farbe in elektronische Produktionen. Für mein Empfinden bekommt der TT-78 den Sound recht gut hin, lässt jedoch das letzte Stückchen Authentizität vermissen. Puristen, die auf hundertprozentige Originaltreue Wert legen, werden auch weiterhin zum Original greifen müssen. Das bedeutet aber überhaupt nicht, dass der Beat Bot schlecht klänge – im Gegenteil: Löst man sich vom Anspruch eines exakten Abbilds, kann man mit den Sounds viel Spaß haben. Die Bass Drum klingt schön rund und satt; schade bloß, dass man sie nicht tunen kann! Das konnte man zwar auch bei der CR-78 nicht, aber mit Blick auf die Verwendbarkeit des Sounds in einer Produktion wäre ein solches Feature trotzdem schön gewesen. Die Snare ist snappy und crisp und nimmt die TR-Klangästhetik vorweg. Die recht spitzen Hi-Hats und Cymbals gefallen mir gerade wegen ihrer Schärfe gut. Weniger überzeugt bin ich von den Congas, Bongos und dem Clave-Sound, die etwas matt und kraftlos daherkommen. Und der eigenwillige Guiro-Sound ist höchstens als Spezialeffekt verwendbar...

Zu erwähnen ist noch, dass auf einigen Instrumentenkanälen ein deutliches Rauschen zu vernehmen ist. In der Praxis hat mich das aber nicht wirklich gestört, eher erzeugt es ein angenehm analoges Feeling.

Sequencer

Der Lauflicht-Sequencer ist an die Logik der TR-Maschinen angelehnt und verfügt über die vertrauten Modi Pattern Write und Play sowie Track Write und Play, die per Drehschalter ausgewählt werden. Um ein Pattern zu programmieren, versetzt man die TT-78 in den Pattern Write Mode, wählt das gewünschte Pattern aus und startet den Sequencer. Nun kann das gewünschte Instrument ausgewählt und über die Step-Taster programmiert werden. Auf jedem Step lassen sich zudem die „Modifiers“ Accent und Flam oder Roll einsetzen, was durch verschiedenfarbige LED-Beleuchtung der Taster angezeigt wird. Die Lautstärke des Akzents ist ebenso regelbar wie die Flam-Zeit. „Roll“ bewirkt, dass das betreffende Instrument auf dem Step zweimal gespielt wird, bei einem 16tel-Timing also in 32tel-Noten. Außerdem gibt es die Funktion „Tap Roll“: Hält man „Tap“ gedrückt, so wird für das ausgewählte Instrument ein Roll erzeugt, dessen Geschwindigkeit / Notenwert mit dem Tone-Regler variiert werden kann.

Natürlich gibt es auch eine Shuffle-Funktion, die per Tastendruck in verschiedenen Intensitäten eingesetzt werden kann. Sie ist also nicht stufenlos regelbar, aber die verschiedenen Voreinstellungen decken den gängigen Shuffle-Bereich ganz gut ab. Der Sequencer beherrscht die Timing-Auflösungen 16tel, 32tel, 8tel-Triolen und 16tel-Triolen. Ein Pattern kann bis zu 64 Steps beinhalten, bei den triolischen Auflösungen ist die maximale Länge 48 Steps. Bei Patterns, die mehr als 16 Steps lang sind, wird mit der „Page“-Taste zwischen den einzelnen Seiten gewechselt; auch das ist farblich codiert und recht übersichtlich. Praktisch sind auch die Copy/Paste-Funktionen, mit denen sich Instrumente zwischen Patterns kopieren lassen. Bei der Programmierung mehrerer ähnlicher Patterns helfen die sogenannten „Clips“: kurze Passagen, von denen sich für jedes Instrument 16 speichern und auf Knopfdruck in das gewählte Pattern einfügen lassen.

Der Sequencer ist sehr leicht und schnell zu bedienen, wenn man mit dem grundsätzlichen Konzept vertraut ist. Zwar entspricht er nicht dem Originalprinzip der CR-78, aber im Sinne einer größeren Flexibilität ist das aus meiner Sicht eher zu begrüßen. Sehr hilfreich ist die vielfarbige Beleuchtung, durch die sich Akzente, Flams, Rolls, die unterschiedlichen Sounds der doppelt belegten Spuren und die verschiedenen Sequencer-Seiten leicht ablesen lassen.

In diesem Video seht und hört ihr den TT-78 Beat Bot zusammen mit den Kollegen TT-606 Drum Drone und TT-303 Bass Bot.

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Fills und Auto Fills

Für jedes Pattern lässt sich zusätzlich ein Fill programmieren. Im Prinzip ist das eine zweite Pattern-Ebene, die entweder manuell durch Druck auf den Fill-Taster abgespielt wird, oder mit der Auto-Fill-Funktion automatisch alle 1, 2, 4, 8 oder 16 Takte eingefügt wird. Im Track Mode können Takte so eingestellt werden, dass sie das Fill des jeweiligen Patterns statt der Grundvariation abspielen. Praktisch ist, dass bei der Programmierung von Fills das jeweilige Grund-Pattern als Ausgangspunkt herangezogen werden kann. So muss man nicht das gesamte Fill neu programmieren, wenn man bloß ein paar zusätzliche Snare-Schläge am Taktende einbauen möchte.  

Nuance

Mit der „Nuance“-Funktion lässt sich Patterns und Sounds etwas Leben einhauchen. Im Prinzip verbirgt sich dahinter ein zum Tempo synchronisierter LFO, der den Tone-Regler moduliert. „Nuance“ kann für jedes Instrument getrennt programmiert werden. Die LFO-Geschwindigkeit reicht von zwei ganzen Noten bis zu einer Achtelnote; die verfügbaren Schwingungen sind Sägezahn, Dreieck, Rechteck und Random. So lassen sich subtile bis drastische Klangvariationen erreichen, die Patterns ihren statischen Charakter nehmen können und etwas Leben in die Bude bringen.

 

 

Performance-Funktionen

Der TT-78 Beat Bot verfügt über einige intuitive Funktionen für Live Performances. Diese verändern nicht die gespeicherten Patterns, sondern lassen sich spontan einsetzen. In den Modi Pattern Play und Track Play können die „Modifiers“ Accent, Flam und Roll durch Druck auf die jeweiligen Taster spontan eingebaut werden und wirken auf das jeweils ausgewählte Instrument, wann immer es vom Sequencer getriggert wird. Außerdem kann das ausgewählte Instrument mit dem Tap-Taster live gespielt werden. Hält man Tap gedrückt, so kommt dabei eine Note-Repeat-Funktion zum Einsatz, die sich mit dem Tone-Regler von ¼ bis 1/64 regeln lässt. Zudem ist es möglich, in den Play-Modi durch Halten von „Clear“ das ausgewählte Instrument kurzzeitig zu muten. Mit dem Mix-Control-Menü steht außerdem eine umfangreichere Mute-Funktion zur Verfügung, die es erlaubt, einzelne Instrumente per Tastendruck zu muten und wieder hinzuzufügen. Damit kann man während einer Performance spontan eingreifen und Patterns variabel gestalten.

Track Mode

Der Track- bzw. Song-Mode kann bis zu neun Tracks speichern, die jeweils bis zu 240 Takte lang sein können. Für jeden Takt lässt sich ein Pattern auswählen und man kann bestimmen, ob das Grund-Pattern oder die Fill-Variation eingesetzt wird. Verschiedene praktische Details erleichtern die Programmierung von Tracks. So ist es möglich, ein Pattern mehreren Takten auf einmal zuzuweisen, Patterns vorzuhören und Abschnitte zu kopieren. Bei der Wiedergabe eines Tracks stehen die gleichen Performance-Funktionen wie im Pattern Play Mode zur Verfügung. Außerdem ist es möglich, Abschnitte eines Tracks spontan zu loopen.

MIDI-Implementation

Über MIDI lässt sich der Beat Bot in ein Studio- oder Live-Setup integrieren. Die Implementation ist umfangreich: Der Beat Bot sendet und empfängt Noten, MIDI Clock und Transport Messages, sowie MIDI CC-Daten für den Tone-Regler für jedes Instrument. Außerdem lassen sich verschiedene andere Features wie Flam Time, Auto-Fill-Intervall und Shuffle Amount über MIDI CC steuern. Praktisch ist auch die Möglichkeit, Patterns über MIDI von einem Beat Bot zu einem anderen zu kopieren.

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