Test
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07.06.2017

Cyclone Analogic TT-606 Drum Drone Test

Drum Machine

Neuinterpretation der TR-606

Die Cyclone Analogic TT-606 Drum Drone nimmt sich, wie unschwer zu erraten ist, die Roland TR-606 zum Vorbild, die ihrerseits als günstige Alternative zur unfassbar teuer gewordenen TR-808 beliebt ist. Mit „21st century transistor technology“ soll die Drum Drone den Sound des Vintage-Originals in die Gegenwart holen. Im Test erfahrt ihr, ob das gelungen ist.

Die Roland TR-606 erblickte im Jahr 1982 das Licht der Welt und war Rolands letzte voll analoge Drum Machine, wenn man von der unter dem Boss-Label erschienenen DR-110 absieht. Sie ähnelt in Format und Design der zur Legende gewordenen TB-303 Bassline und war sozusagen als deren Schlagzeug-Schwester konzipiert. Anders als bei der 303 kann man von der 606 aber nicht behaupten, dass sie einen prägenden Einfluss auf die elektronische Musik gehabt hätte – zu eingeschränkt waren ihre Möglichkeiten, als dass sie sich aus dem Schatten der 808 hätte lösen können. Trotzdem ist die 606 heute wieder beliebt, denn ihre analoge Klangerzeugung trägt durchaus Züge des 808-Sounds, und im Gegensatz zur großen Schwester ist die 606 noch recht günstig zu haben. Das wirft auch die Frage auf, ob es überhaupt eine Nachahmerin wie die TT-606 Drum Drone braucht: Wo liegen die Vorteile des Klons, wenn man mit etwas Glück für gar nicht so viel mehr Geld ein Original ergattern kann, von den zahlreich verfügbaren Samples mal ganz abgesehen? Im Test haben wir der TT-606 auf den Zahn gefühlt und herausgefunden, ob sich die Anschaffung der französischen Neuauflage dennoch lohnt.

Details

Lieferumfang und erster Eindruck

Die Cyclone Analogic TT-606 Drum Drone steckt im gleichen Basisgehäuse wie die Geschwister-Maschine TT-78 Beat Bot. Die Bedienelemente sind exakt identisch mit dem TT-78. Das silbrig-grau glänzende Plastikgehäuse wirkt stabil, könnte allerdings etwas anfällig für Kratzer sein. Ich persönlich bin kein Fan des Designs, aber das ist eine reine Geschmackssache. An der Verarbeitung gibt es kaum etwas auszusetzen, obwohl die Maschine äußerlich komplett aus Kunststoff besteht. Die Bedienelemente sitzen fest und machen einen recht soliden Eindruck. Wie beim Beat Bot finde ich aber auch hier: Die Potiknöpfe dürften gern ein paar Millimeter höher sein, denn sie sind nur mit spitzen Fingern zu greifen.

Mitgeliefert werden neben einem Schutzdeckel aus klarem Plastik eine schwarze Tasche, ein Netzteil und eine ausführliche, gedruckte Bedienungsanleitung (wo gibt’s denn so etwas heute noch). Vor allem die Tasche finde ich eine sehr löbliche Beigabe, denn es ist gar nicht so einfach, für eine Maschine in diesem Format das Passende „von der Stange“ zu finden. Daran dürfen sich einige andere Hersteller gern ein Beispiel nehmen!

Anschlüsse

Auch auf der Rückseite entspricht die Drum Drone dem Beat Bot und verfügt neben einem Stereo-Kopfhörerausgang und einem Mono-Mix-Output (jeweils große Klinke) über sieben Einzelausgänge im Miniklinkenformat. Da die Drum Drone weniger Sounds besitzt als der Beat Bot, müssen sich hier weniger Sounds die Ausgänge teilen: Es gibt Anschlüsse für Bass Drum, Snare Drum, Toms, Cymbal, Hi-Hat, Rimshot und Clap. Werden hier Kabel eingesteckt, so wird der betreffende Sound aus dem Gesamtmix herausgenommen. Außerdem verfügt die Drum Drone über zwei MIDI-Buchsen, die anders als bei einigen anderen aktuellen, kompakten Maschinen im klassischen DIN-Format ausgeführt sind. Der Ausgang lässt sich mit einem Schiebeschalter zum Thru umfunktionieren. Was fehlt, ist eine Möglichkeit zur analogen Synchronisation, was ich etwas schade finde. Die Synchronisation zu Vintage-Maschinen oder einem Modularsystem ist damit nur über den Umweg eines MIDI-to-DIN-Sync-Konverters möglich.

Die Stromversorgung erfolgt über das mitgelieferte Netzteil, wofür es auf der Rückseite einen Anschluss mitsamt einem winzigen Power-Schalter gibt. Manch anderer Tester hat sich über das Mini-Schalterchen beschwert; ich habe daran nichts auszusetzen, denn es ist so fummelig, dass eine versehentliche Betätigung unmöglich ist. Ein Batteriebetrieb ist nicht möglich.

Bedienfeld

Die Bedienoberfläche der TT-606 Drum Drone entspricht der des Beat Bot; anders als bei diesem erinnert das Panel hier aber auch an das Vintage-Original. Wer schon einmal mit einer Roland TR oder einer Emulation gearbeitet hat, findet sich auf der Drum Drone sofort zurecht. Von der TR-606 übernommen wurden die Lautstärkeregler für die einzelnen Kanäle bzw. Sounds in der oberen Reihe. Beim Original findet man hier sechs Regler, bei der Drum Drone sind es acht. Neu dabei sind ein Poti für die bei der TR-606 nicht vorhandenen Sounds Rimshot und Clap sowie eines namens „Tone“, mit dem man pro Sound jeweils einen Klangparameter einstellen kann. Damit sind wir auch schon bei zwei wesentlichen Erweiterungen gegenüber der Vintage Drum Machine angekommen: Die Drum Drone hat zwei Sounds mehr, zudem lassen sich die Sounds hier im Gegensatz zum Original verändern, wenn auch nur in recht engen Grenzen.

Ebenfalls von der TR-606 und anderen TR-Maschinen bekannt sind die beiden mittig platzierten Drehschalter für die Soundauswahl und den Betriebsmodus: Pattern Play, Pattern Write, Track Play, Track Write. Links davon findet man den Temporegler, rechts ist das Poti für die Gesamtlautstärke zu finden.

Der untere Bereich gehört dem Sequencer und ist mit zahlreichen, zumeist mehrfarbig beleuchteten, gummierten Tastern ausgestattet. Die 16 Step-Taster dienen in Verbindung mit dem Function-Knopf auch zur Auswahl und Einstellung diverser anderer Funktionen wie Shuffle oder Mutate. Darüber sind Buttons für Time, Accent, Flam, Roll und Page zu finden; letzterer ermöglicht das Blättern durch Patterns und Tracks mit mehr als 16 Steps bzw. Bars. Links findet man den Start-Knopf und den Clear-Taster zum Löschen, rechts sind ein Button für die Fill-Funktion und ein Tap-Taster platziert, mit dem man Sounds live eintrommeln, das Tempo tappen und die Tap-Roll-Funktion zum Einsatz bringen kann.

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