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Test
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29.12.2017

Praxis

Sounds

Insgesamt 400 Klangfarben warten im Casio LK-265 darauf, ausprobiert zu werden. Wie üblich wurde fast nichts ausgelassen: Von Pianos, E-Pianos und Orgeln über Gitarren, Bässe, Streicher und Blasinstrumente bis hin zu Synthesizer-Sounds und einigen Instrumenten der Weltmusik ist alles vertreten. Auch das GM-Soundset und sechs Drumkits liegen im Speicher. Die Qualität der Klänge ist durchwachsen. Natürlich erwartet niemand von einem Einsteiger-Keyboard klangliche Höchstleistungen, aber für mein Empfinden ist die Konkurrenz in dieser Preisklasse etwas weiter. Das Stereo-Piano und die Orgeln gehen in dieser Klasse in Ordnung, während viele andere Sounds doch ziemlich dünn, statisch und leblos daherkommen. Besonders unrühmlich fallen mal wieder die verzerrten E-Gitarren auf, deren nasal-sägender Sound sich leider auch in vielen rockigen Begleitrhythmen bemerkbar macht. In Sachen Synthesizer-Sounds hat Casio das Angebot gegenüber den Vorgängermodellen etwas aufgestockt und um einige Sounds ergänzt, die sich für moderne Dance-Stile eignen sollen. Leider klingen auch diese Sounds aber alles andere als modern, sodass man am Ende feststellen muss, dass hier klanglich noch viel Luft nach oben ist.

Rhythmen

Die 100 Begleitrhythmen des LK-265 decken verschiedenste Stilistiken ab. Neben Pop-, Rock- und Dance-Rhythmen findet man Begleitmuster aus den Bereichen Jazz, Latin und Standardtänze, sowie eine überraschend breite Palette von Weltmusik-Stilen. Jeder Style verfügt über zwei Variationen mit den passenden Fill-ins sowie je ein Intro und ein Ending. Außerdem gibt es zu jedem Style ein sogenanntes „One Touch Preset“, das automatisch ein passendes Tempo und eine passende Klangfarbe einstellt. Die Lautstärke der verschiedenen Parts eines Styles (Drums, Bass, etc.) lässt sich nicht anpassen, wohl aber die Gesamtlautstärke der Begleitautomatik im Verhältnis zu den Keyboard-Sounds.

Im Sound der Begleitautomatik schlägt sich die mäßige Klangqualität vieler Sounds nieder. Vor allem die Gitarren und Bläser wirken oft künstlich. Auch merkt man der Begleitautomatik den geringen Vorrat an Drumsounds an, was besonders bei der Verwendung der moderneren Dance- und Hip-Hop-Stile auffällt. Die Styles selbst sind zum großen Teil aus früheren Casio Keyboards bekannt, mit einigen Neuerungen im Dance-Bereich. Während manche Rhythmen kreativ programmiert sind und sich gut einsetzen lassen, verhindern die manchmal allzu extravaganten Bass- und Bläser-Muster einen musikalisch flexiblen Einsatz. Insgesamt hat für mein Empfinden auch hier die Konkurrenz leicht die Nase vorn.

Dance Music

Der sogenannte Dance Music Mode ist eine Neuheit gegenüber der letzten Keyboard-Generation von Casio und erinnert etwas an die DJ Patterns der aktuellen Yamaha PSR-E-Serie. Insgesamt 50 vorgefertigte Dance Music Patterns liegen im Speicher. Sie bestehen jeweils aus drei Drum Grooves, drei Basslines und zweimal drei Synthesizer-Begleitmustern, die sich über bestimmte Tasten der Klaviatur an- und ausschalten lassen und immer synchron laufen, sodass man das Arrangement nach Lust und Laune zusammenbauen kann. Während der Wiedergabe kann man außerdem per Tastendruck einige Effekte anwenden (Filter, Flanger, Lo-Fi) und automatische Filterfahrten und Dance-typische „Buildups“ starten. Das lässt DJ-Feeling aufkommen! Der obere Tastaturbereich bleibt frei, sodass man dazu live mit einem Keyboardsound spielen kann. Viele der Muster sind durchaus kreativ. Zwar macht sich auch hier bemerkbar, dass das LK-265 mit aktuellen Dance-Sounds und -Drums nicht eben üppig bestückt ist, sodass der Klang recht dünn bleibt. Auch führt die Kombination mancher Basslines und Synth-Patterns zu musikalisch zumindest fragwürdigen Ergebnissen. Trotzdem ist das eine schöne Funktion, die jede Menge Spaß machen kann. Hier hört ihr beispielhaft drei Jams mit verschiedenen Dance Music Patterns:

Songs und Übungsfunktionen

Bei einem Leuchttasten-Keyboard ist dieser Bereich natürlich besonders interessant. Das Casio LK-265 enthält 60 Songs, die man abspielen und mit den integrierten Übungsfunktionen erlernen kann. Etwa die Hälfte des Angebots ist traditionelles Liedgut aus dem angelsächsischen Kulturkreis (Amazing Grace, When The Saints Go Marching In, Greensleeves, Little Brown Jug, etc.). Die andere Hälfte besteht aus „Hits“ der Klaviermusik und Klassik sowie einigen unvermeidlichen Weihnachts-Gassenhauern (We Wish You A Merry Christmas, Jingle Bells...).

Die integrierte Übungsfunktion besteht aus den beiden Lektionen „Listen“ und „Follow“. Im Zuhör-Modus hört man sich den Song an und kann anhand der Leuchttasten verfolgen, welche Tasten zu spielen sind. Dann wechselt man in den Modus „Follow“, wo das Keyboard mit der Begleitung wartet, bis man die richtige (beleuchtete) Taste gespielt hat. Im Display werden die Noten und der Fingersatz gezeigt und eine Stimme sagt den Fingersatz an (das kann man aber auch ausschalten). Linke und rechte Hand werden getrennt geübt und die Songs lassen sich zum Üben in mehrere Abschnitte aufteilen. Das Keyboard analysiert das Spiel und fällt am Ende der Follow-Lektion sein knappes Urteil: „Again!“ bedeutet, dass man noch etwas üben sollte, während man bei „Bravo!“ stolz darauf sein darf, den Song gelernt zu haben. Das macht durchaus Spaß, wenngleich natürlich klar ist, dass man auf diese Weise kaum richtig Keyboard spielen lernt. Über das einfache „Nachklimpern“ von Melodien kommt man mit dieser Funktion nicht hinaus. Hier versuche ich mich im „Follow“-Modus etwas betont stümperhaft an „Greensleeves“:

Wer sich nicht die Mühe machen möchte, die richtigen Tasten zu finden, kann den „Easy Mode“ aktivieren. In diesem ist es egal, welche Taste man drückt; es geht lediglich darum, beliebige Tasten im richtigen Rhythmus zu spielen.

App-Funktion: Chordana Play

Die sogenannte App-Funktion ist neu in dieser Generation von Casio Keyboards. Über ein gewöhnliches Miniklinken-Audiokabel kann ein Smartphone bzw. Tablet an die Eingangsbuchse des Keyboards angeschlossen werden. Von Casio ist die kostenlose App „Chordana Play“ für iOS und Android verfügbar. Sie enthält 50 Songs, die sich über das Keyboard abspielen lassen. Dabei überträgt die Verbindung nicht nur Audio, sondern auch Daten an das Keyboard, sodass bei der Songwiedergabe aus der App die korrekten Tasten aufleuchten und das Display die passenden Informationen anzeigt. Chordana Play zeigt auf dem Smartphone bzw. Tablet die Noten und eine Pianorollendarstellung an, während auf dem Keyboard die Tasten leuchten.

Auf Wunsch können die Songs auch in den Speicher des Keyboards übertragen werden. Dafür stehen im LK-265 30 Benutzer-Speicherplätze zur Verfügung. Ebenso ist es möglich, über die App externe MIDI-Files zu laden und in das Keyboard zu übertragen. Das ist für ein Einsteiger-Keyboard bemerkenswert, aber bei genauerem Hinsehen kann von einem kompletten Import handelsüblicher Standard-MIDI-Files keine Rede sein: Das Keyboard spielt lediglich eine Melodiestimme und einen Style ab, den man vor der Übertragung in der App wählen kann. Zudem ist der Speicher für externe MIDI-Files mit 32 kB sehr klein.

In der Praxis funktionierte die Verbindung recht gut, allerdings muss die Ausgangslautstärke des Smartphones bzw. Tablets in einem genau definierten Bereich liegen, damit die Datenübertragung reibungslos klappt. Ist die Lautstärke zu hoch oder zu gering, gibt das Keyboard eine Fehlermeldung aus.

Chordana Play ist eine gelungene App und erweitert die Möglichkeiten mit dem Keyboard nicht unerheblich. Wer das LK-265 und ein Smartphone bzw. Tablet besitzt, sollte sich die App definitiv ansehen; man kann damit viel Spaß haben!

Bedienungsanleitung

Ein paar Worte noch zur beiliegenden, deutschen Bedienungsanleitung. Sie erklärt die Funktionen des Keyboards kurz und einigermaßen übersichtlich. Allerdings stößt man mitunter auf etwas schräge Formulierungen, die bei der Übersetzung entstanden sein dürften und mir bei Bedienungsanleitungen von Casio schon öfter aufgefallen sind. Man findet zum Beispiel Perlen wie: „Senden Sie mit der App-Funktion keine Daten von der APP-Funktion, wenn die APP-Funktion auf dem Digital-Keyboard nicht aktiviert ist.“ Solche Sätze stiften natürlich mehr Verwirrung als Klarheit und gelegentlich muss man etwas überlegen, was wohl gemeint ist. Alles in allem bleibt aber wenig offen und im Zweifelsfall führt meist auch Ausprobieren zum Ziel.

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