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Test
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09.05.2018

Praxis

Klang

Unter den 22 Klangfarben des AP-470 Celviano bilden die Flügelklänge die größte und wichtigste Gruppe. Die beiden Hauptklangfarben Grand Piano 1 und 2 liegen jeweils in drei klanglichen Variationen vor. Zusätzlich gibt es noch die drei etwas einfacher ausgestatteten Klänge Modern, Rock und Jazz, sodass man auf insgesamt neun Flügelklänge zugreifen kann. Leider fehlt aber ein Upright Piano; ich persönlich hätte zugunsten eines stimmungsvollen Klaviers gern auf einen oder zwei der Flügelklänge verzichtet.

Grand Piano 1 und 2 basieren auf Casios AiR-Klangerzeugung, die Elemente von Sampling und Physical Modelling verbindet. Dadurch sollen einerseits typische Sampling-Artefakte wie hörbare Loops und Velocity-Sprünge vermieden werden. Andererseits simuliert die AiR-Technik zusätzliche Klangnuancen wie etwa Saitenresonanzen und Tastengeräusche. Obwohl die Grundklangfarben des AP-470 die gleichen sind wie beim AP-270, ist es in dieser Hinsicht besser ausgestattet. Im Gegensatz zum kleineren Modell bietet es Regelmöglichkeiten für Saitenresonanzen und die Geräusche, die beim Anschlagen und Loslassen der Tasten entstehen. Außerdem verfügt das AP-470 über einen Deckelsimulator, der unabhängig von der Deckelöffnung des Gehäuses ist und die Klangveränderung beim Öffnen des Flügeldeckels in vier Stufen elektronisch simuliert.

Die beiden Flügelklänge Grand Piano 1 und 2 gibt es jeweils in einer Standard-Ausführung und in den Varianten Mellow und Bright. Beide Grundklänge gefallen mir gut. Sie zeichnen sich durch einen hohen Dynamikumfang aus, sind gut auf die Tastatur abgestimmt und lassen sich in vielen Stilistiken einsetzen. Dank der 255-stimmigen Polyphonie muss man sich auch bei Akkordspiel mit viel Pedaleinsatz keine Sorgen machen, dass Noten abreißen könnten.

Die zusätzlichen Einstellungen wie Saitenresonanzen, Tasten- und Dämpfergeräusche ermöglichen es, den Flügelklang individuell anzupassen. Hier hört ihr das Grand Piano 1 zunächst ohne alle diese Nebengeräusche, und dann mit den maximalen Settings. Speichern lassen sich diese Einstellungen jedoch nicht; man muss sie nach der Wahl eines Piano-Klangs jedes Mal von Neuem vornehmen. 

Die übrigen Klänge des AP-470 Celviano spielen nur eine Nebenrolle und fallen gegenüber den Flügelklängen qualitativ ab. Die E-Pianos sind noch am besten, obwohl sie keinesfalls mit hochwertigen Rhodes- und Wurlitzer-Emulationen mithalten können. Auch das Vibraphon geht in Ordnung. Die Orgeln und Streicher wirken hingegen wie Füllmaterial; besonders letztere eignen sich bestenfalls als leise Zugabe in einem Piano-Layer.

Effekte

Das AP-470 Celviano bietet einen Halleffekt mit vier verschiedenen Hallräumen und einen Chorus mit ebenfalls vier Typen. Der Klang der Effekte ist deutlich besser als bei Casio-Digitalpianos früherer Generationen. Allerdings gibt es außer den Effekttypen keinerlei Regelmöglichkeiten, sodass man nur in engen Grenzen Einfluss auf den Klang hat. Zusätzlich zu Hall und Chorus bietet das AP-470 einen in sieben Stufen regelbaren Brillanz-Effekt. Da die Flügelklänge ja bereits in je drei unterschiedlich brillanten Variationen vorliegen, dürfte dieser Minimal-Equalizer jedoch nur selten zum Einsatz kommen.

Split und Layer

Das AP-470 ermöglicht es, zwei Klänge übereinander zu schichten. Das Lautstärkeverhältnis ist einstellbar. Ebenso ist es möglich, die Tastatur in zwei Bereiche zu teilen. Allerdings kann in der linken Hand nur die Bass-Klangfarbe verwendet werden, ein wirklich vollwertiger Splitmodus ist das also nicht. Nicht fehlen darf außerdem der Duett-Modus, in dem die Tastatur in zwei Bereiche geteilt wird, die mit dem gleichen Tonumfang der gleichen Klangfarbe belegt sind. Das eignet sich vor allem zu Unterrichtszwecken. In diesem Fall arbeitet das linke Pedal als Haltepedal für den linken Tastaturbereich.

Songs und Recorder

Die integrierte Musikbibliothek des AP-470 umfasst 60 Stücke der Klavierliteratur. Die Noten dazu kann man als Besitzer eines AP-470 auf der Webseite von Casio herunterladen; alternativ sind sie in der Cordana Play for Piano App enthalten. Bei der Wiedergabe der Stücke kann das Tempo gewählt und auf Wunsch die linke bzw. rechte Hand abgeschaltet werden, um sie selbst zu spielen. Zehn Benutzer-Speicherplätze stehen für zusätzliche MIDI-Songs zur Verfügung, die per USB-Verbindung oder über einen USB-Stick in das Piano geladen werden können. Zusätzlich gibt es zehn sogenannte „Concert-Play“-Stücke mit einer Orchesterbegleitung, zu der man mitspielen kann.

Das AP-470 bietet sowohl einen Audio- als auch einen MIDI-Recorder. Wie bereits erwähnt, erstellt der Audio-Recorder WAV-Dateien direkt auf einem USB-Stick. Das ist sehr praktisch und funktioniert unkompliziert, allerdings werden keinerlei Bearbeitungsmöglichkeiten geboten. Der MIDI-Recorder ermöglicht es einen Song mit zwei Spuren aufzuzeichnen, sodass man beispielsweise die linke und rechte Hand nacheinander einspielen kann. Die Kapazität von einem Song ist jedoch enttäuschend und auch etwas unverständlich, denn in der Musikbibliothek steht ja durchaus genügend Speicherplatz für zehn Benutzer-Songs zur Verfügung. Diese sind jedoch vom Recorder unabhängig und lassen sich nicht selbst aufnehmen, sondern nur per USB befüllen. Möchte man selbst aufnehmen, dann ist die Kapazität nach einem Song erschöpft und es bleibt einem nichts übrig, als die Aufnahme per USB zu archivieren, um den internen Speicher für die nächste Aufnahme frei zu machen.

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