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Die besten Bassriffs in Noten und TABs – Jaco Pastorius: “Teen Town”

Obwohl der legendäre Jaco Pastorius bereits vor 35 Jahren verstarb und seine wichtigste Schaffensperiode „nur“ einen Zeitraum von ca. zehn Jahren umspannt, gilt er immer noch als der „World’s Greatest Bassplayer“. Auch wenn solche Bezeichnungen eher an sportliche Wettbewerbe erinnern, ist auf alle Fälle klar, dass Jaco für die internationale E-Bassszene sowohl Revolution als auch Offenbarung war. Nichts in der Welt der tiefen Frequenzen war nach Jaco mehr so, wie es vor Jaco war. Wir wollen uns heute mit seiner berühmten Komposition „Teen Town“ beschäftigen, welche 1977 auf dem Album „Heavy Weather“ der Fusion-Supergroup Weather Report erschien. Die Melodie des Tracks wird im Original unisono von Jaco und Joe Zawinul auf dem Oberheim-Synthesizer gespielt. „Teen Town“ ist sowohl technisch wie auch rhythmisch eine echte Herausforderung für jede(n) Bassist:in, aber das Ziel muss auch nicht gleich sein, das Originaltempo zu erreichen. „Teen Town“ hat nämlich abseits der hohen spieltechnischen Hürden eine Menge Interessantes zu bieten – sei es melodisch, harmonisch oder rhythmisch.

"Teen Town" - Bassworkshop

Inhalte

  1. „Teen Town“ – das Original im Video
  2. „Teen Town“ – Rhythmik
  3. „Teen Town“ – Tonmaterial/Harmonik
  4. „Teen Town“ – Basssound
  5. „Teen Town“ – Transkription

„Teen Town“ – das Original im Video

Hier kannst du „Teen Town“ im Original von Weather Reports Album „Heavy Weather“ von 1977 hören:

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„Teen Town“ – Rhythmik

„Teen Town“ ist im Prinzip eine Art „Sechzehntel-Masterclass“. Jede einzelne Phrase besitzt einen  unterschiedlichen Start- und Endpunkt innerhalb des Taktes und diese liegen – leider – nicht auf schweren Zählzeiten 1 und 3, sondern „irgendwo im Nirgendwo“. Zudem gibt es nicht nur einen Fluss an zusammenhängenden Sechzehnteln, sondern zahlreiche Synkopen, also Akzente zwischen den Pulsschlägen. Wer also seine Fähigkeiten in Sachen fortgeschrittene Sechzehntel-Rhythmik verbessern möchte, liegt hier folglich genau richtig!

Wichtig: Eile mit Weile!

Wichtig: Um sich dem Song anzunähern, macht es Sinn, die einzelnen Phrasen isoliert zu üben und zu wiederholen, bis diese gut klappen. Zu diesem Zweck habe ich die untenstehenden Playalongs auch entsprechend aufgeteilt. Natürlich ist es auch sinnvoll, das Tempo den eigenen Bedürfnissen anzupassen. Akribisches Arbeiten sollte hier an erster Stelle stehen, nicht sofort die Geschwindigkeit!

Um sich vor allem die unterschiedlichen Startpunkte im Takt zu verdeutlichen, lohnt es sich, „Teen Town“ erst einmal häufig zu hören, so dass man es quasi auswendig kennt. Das spart in der Regel sehr viel Übezeit.

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„Teen Town“ – Tonmaterial/Harmonik

Die harmonische Grundlage für das Hauptthema, um das wir uns heute ausschließlich kümmern, ist eine viertaktige Akkordfolge bestehend aus den Chords C13, A13, F13, D13. Die Zahl hinter einem Akkord nennt man „Option“, und diese bezeichnet alles, was zusätzlich zum Dreiklang an Noten hinzugefügt wird. Steht hinter dem Akkord einen höhere Zahl, so werden alle niedrigere Optionen inkludiert. „C9“ bedeutet also, dass auch die 7 mit dabei ist. Wäre dies nicht erwünscht, so wäre hier „C add9“ zu lesen, dann handelt es sich lediglich um einen Dreiklang mit zusätzlicher None und ausdrücklich ohne Septime.

Üblicherweise geht man im Aufbau des Akkordes weiter in Terzschritten vor. Schauen wir also mal, was das für unserem C13 bedeutet: Nach dem Dreiklang aus Grundton (C), Terz (E) und Quinte (G) käme zunächst die Septime (7, Bb), dann die None (9, D), darauf die erhöhte Elf (#11, Fis) und zuletzt die Dreizehn (13, A). Das sind in der Summe alle sieben Töne der Tonleiter in Terzen aufeinander geschichtet.

Jaco Pastorius
Auch in harmonischer Hinsicht ein Genie: Jaco Pastorius (Bildquelle: www.youtube.com/watch?v=xYE-tm8UBSM)

Komplexe Akkordstrukturen können zerlegt werden!

Akkorde wie der C13 beinhalten insgesamt eine komplexe Struktur, daher ist es immer sinnvoll, sich dies in kleinere Einheiten zu zerlegen, die einem eventuell bereits vertraut sind. Den C13 könnte man gedanklich z. B. in einen C7 (C, E, G, Bb, kennt man aus Blues etc.) plus einen Dur-Dreiklang auf der None D (D, F#, A) aufteilen. Wir erhalten dann also einen Basisakkord und einen weitere Struktur obendrauf. Daher nennt man dies im Fachjargon auch „Upper Structure“, ein Akkord auf einem Akkord sozusagen.

Vielleicht ist euch schon aufgefallen, dass die aufgezählten Töne des C13 nicht einer normalen Dur-Tonleiter entspringen. Als wäre es nicht schon kompliziert genug, ergeben diese Töne die sogenannte „Myxolydisch #11-Skala“. Im Vergleich zur Dur-Tonleiter besitzt sie eine kleine Septime und eine erhöhte 11. (Nicht unbedingt wichtig, aber der Vollständigkeit halber: Die „Myxolydisch #11-Skala“ hat ihren Ursprung in G Melodisch Moll und entspricht dort der vierten Stufe. Anders gesagt, C Myxolydisch #11 ist also G Melodisch Moll von C nach C gespielt.)

All das lässt sich natürlich auch analog auf die drei anderen Akkorde übertragen. In dieser PDF-Datei habe ich aus Gründen der Übersichtlichkeit alles noch einmal zum Nachvollziehen notiert:

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„Teen Town“ – Basssound

Jaco Pastorius kennt man eigentlich mit keinem anderen Instrument als mit einem Fender Jazz Bass. Von diesen nutzte er nahezu ausschließlich den Bridge-Pickup, um einen transparenten und knackigen Sound mit viel Attack zu erzielen. Dieser Basssound unterstützte seine extrem artikulierte Spielweise perfekt. Erstaunliche dabei finde ich, dass er von einem Instrument, das ihm eigentlich mehr Möglichkeiten bot, nur eine nutzte, um seinen persönlichen Signature-Sound zu erschaffen. „Mehr“ ist also scheinbar doch nicht immer „mehr“!

In Sachen Verstärkung vertraute Jaco dem legendären Bassverstärker-Bassbox-Duo, bestehend aus einem Acoustic 360 Preamp und der Acoustic 361 PP-Box. Diese war aktiv und besaß eine 200 Watt starke Endstufe sowie einen 18-Zoll-Lautsprecher, welcher in einer Druckkammer montiert war. Der Schall wurde dann durch ein großes Falthorn nach außen geleitet.

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Bei „Teen Town“ kommt aber klanglich auch noch eine dritte Komponente hinzu, denn Weather-Report-Bandchef Joe Zawinul doppelte das Thema mit einem Oberheim-Synthesizer. Auf diese Weise entsteht eine klanglich interessante Mischung aus Mensch und Maschine.

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„Teen Town“ – Transkription

Um „Teen Town“ möglichst effektiv üben zu können, habe ich zum einen mehrere Playalongs in unterschiedlichen Geschwindigkeiten erstellt, und zum anderen die Melodie in sinnvolle Einzelphrasen zerlegt, die du mithilfe einer App oder Software loopen und ggf. im Tempo anpassen kannst. Im beigefügten Video spiele ich neben einer kompletten Version jede einzelne Phrase langsam vor, so dass du die Fingersätze gut sehen kannst.

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Hier die Audiofiles der Einzelphrasen:

Audio Samples
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Phrase 1 – 90 bpm Phrase 1 – 110 bpm Phrase 2 – 90 bpm Phrase 2 – 110 bpm Phrase 3 – 90 bpm Phrase 3 – 110 bpm Phrase 4 – 90 bpm Phrase 4 – 110 bpm Phrase 5 – 90 bpm Phrase 5 – 110 bpm Phrase 6 – 90 bpm Phrase 6 – 110 bpm

Und hier das komplette Thema von “Teen Town”:

Audio Samples
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“Teen Town” – 70 bpm “Teen Town” – 90 bpm “Teen Town” – 110 bpm

Viel Spaß mit “Teen Town aus der Feder von Jaco Pastorius und bis zum nächsten Mal,

euer Thomas Meinlschmidt

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von Thomas Meinlschmidt

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