Der Film „F1“ mit Superstar Brad Pitt war der Blockbuster des Jahres 2025. Hinter dem Kinoerfolg steckt Tech-Riese Apple, der derzeit vermehrt ins TV- und Kino-Business einsteigt. Natürlich braucht ein visuell derart opulenter Film auch einen packenden Titelsong, der auf gleichem Niveau rangiert. Dafür nutzte Apple kurzerhand seine guten Kontakte in die Musikindustrie und fragte bei Produzent Blake Satin an, ob er diesen Job übernehmen möchte. Satin sagte zu und organisierte eine Kooperation mit den Superstars Ed Sheeran und John Mayer, welche die für unsere Zeit äußerst erfrischende Rocknummer „Drive“ zu Papier brachten. Zu unser aller Glück fragte John Mayer seinen langjährigen Weggefährten Pino Palladino, ob er nicht für den Song eine Bassline beisteuern wolle. Und nachdem das Ganze mit dem ersten Drummer nicht so richtig zünden wollte, wurde kurzerhand auch noch Dave Grohl für das Schlagzeug engagiert. Am Ende kann man also durchaus von einer echten Supergroup sprechen, die den Titelsong zu diesem Film beisteuerte.

„Drive“ – Video
In diesem Video kann man diese fantastische Band live bei Jimmy Kimmel erleben:
Wie ist der rhythmische Aufbau der Bassline zu „Drive“ gestaltet?
Mit 82 bpm besitzt „Drive“ ein herrliches „Kopfnicker-Tempo“. Pino Palladino spielt wunderbar laid back, was man sehr gut in einem Making-Of-Video auf YouTube verfolgen kann. Hier kann man sogar Pinos Bassspuren in der DAW betrachten und Ed und John erläutern kurz das Spiel des Meisters – großartig!
Ansonsten haben wir es bei Pinos Bassline mit unterschiedlichen Kombinationen aus Achtel- und Sechzehntelnoten zu tun. Das Ganze ist aber relativ straight und wenig synkopiert, sollte also keine allzu große Hürde darstellen, zumal vieles ohnehin unisono mit John Mayers Gitarre läuft und daher gut hörbar ist.
Schwerpunkte sind während des Main-Riffs und des Refrains die Zählzeiten 1 und 2+, auf die jeweils unterschiedlich hingeführt wird. Der Vers ist sehr luftig – Pino begnügt sich im Wesentlichen mit dem Spielen der ersten Zählzeit.
Beim oberflächlichen Hören des Songs könnte man meinen, dass Pino lediglich die Riffs von John Mayer doppelt. Nachdem ich die Spuren getrennt hatte, offenbarte sich aber wieder einmal das wahre Genie von Pino: Hin und wieder verlässt der Waliser im Chorus den Unisono-Pfad und macht mit kleinen Variationen sein eigenes Ding, um anschließend wieder zurückzukehren.
Welches Tonmaterial benutzt Pino Palladino in „Drive“?
„Drive“ befindet sich in der Tonart C-Moll und die Band hat ihre Instrumente um einen Halbton tiefer gestimmt. Das Tuning lautet also Eb – Ab – Db – Gb. Hat man einen Bass in dieser Stimmung, fühlt es sich gegriffen also wie C#-Moll an. Das Main Riff besteht aus der klassischen C-Moll-Pentatonik, welche einem Großteil des Songs dominiert, so auch den folgenden Vers und Pre-Chorus.
Der Chorus öffnet dann schön mit dem Ab-Dur-Dreiklang und setzt einen helleren Ton als der dunkle und schwere Vers bzw. das Riff. Die weiteren Akkorde Eb-Dur, C-Moll und Bb-Dur bedient Pino abermals mit der C-Moll-Pentatonik.
Ähnlich wie bei der Rhythmik weicht Pino bei Fills und Überleitungen hin und wieder vom reinen Unisono-Spiel ab und variiert gerade so viel, dass der Vibe nicht verloren geht, wodurch die Sache immer spannend bleibt.

(Bild: Alessandro Bosio / Alamy Stock Photo)
Welchen Basssound verwendete Pino Palladino auf „Drive“?
Welches Setup Pino Palladino im Studio bei den Aufnahmen für „Drive“ genau verwendete, konnte ich bei meinen Recherchen leider nicht herausfinden. Im Live-Video spielt er jedoch einen Fender Jazz Bass mit Flatwound-Saiten und einen Ampeg SVT mit einer 8x10er-Box. Und so oder so ähnlich klingt es auch im Original!
Die Kombination aus einem J-Style-Bass plus Flats (ein P-Style funktioniert bei solch einer Nummer natürlich auch bestens!), der Kompression und der warmen Sättigung eines echten Röhrenamps sowie ein kleiner Anteil des reinen D.I.-Signals für die Klarheit, halte ich hier für die wahrscheinlichste Signalkette.
„Drive“ – Transkription
Ich habe euch mit Main Riff, Vers, Pre-Chorus und Chorus die wichtigsten Teile des Songs aufgenommen:
Viel Spaß und bis zum nächsten Mal, euer Thomas Meinlschmidt


