VGS Banjo Premium 6-saitig Test

Mit dem VGS Banjo Premium stellt sich ein sechssaitiges Banjo vor, das preislich genau dort beheimatet ist, wo eine recht große Lücke klafft. Denn wer ein Banjo kaufen will, hat die Wahl zwischen sehr billigen und sehr teuren Instrumenten. Dazwischen ist kaum etwas zu finden. Mit einem empfohlenen Verkaufspreis von unter 600 Euro bietet die GEWA-Hausmarke VGS unseren Kandidaten, das Banjo Premium 6-saitig in Vollausstattung an, und das macht sich genau in diesem Preisbereich breit.

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Das VGS Banjo Premium bietet einen authentischen Sound, gute Bespielbarkeit und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.


Mit Vollausstattung ist in diesem Fall vor allem der Standard der Bluegrass-Banjos gemeint. Diese sind generell mit einem Tone Ring sowie zwei Koordinatorstangen bestückt und weisen eine Mensur um 67 Zentimeter auf. Das ist bei einem der renommierten amerikanischen Hersteller erst weit jenseits der 1000er-Grenze zu haben. Tatsächlich ist mir in den letzten Jahren lediglich ein Banjo untergekommen, das deutlich darunter liegt, und das ist das Harley Benton PJ-65 Pro.
Dieses Banjo wird hier nicht von ungefähr angeführt, denn es gleicht unserem Testinstrument wie ein Zwilling dem anderen – sofern sie zweieiig sind, denn an der einen oder anderen Stelle gibt es dann doch deutliche Unterschiede. Dennoch ist klar, dass das VGS aus derselben Fabrik stammen muss wie das Harley Benton. Wir wollen uns im Detail ansehen, ob der mehr als doppelt so hohe Preis des VGS angemessen ist.

Details

Der Kessel unseres Banjo Premium besteht aus massivem Ahorn und ist aus drei aufeinander geleimten Ringen zusammengesetzt. Die Wandstärke beträgt 16 Millimeter. Aufgezogen ist ein Remo-Weatherking-Fell mit einem Durchmesser von 11″. Es ist leicht aufgeraut, aber nicht annähernd so stark wie die üblichen Bluegrass-Felle. Beim Strumming ist das ein Vorteil, denn man kommt ja immer mal wieder mit der Anschlaghand aufs Fell, was zu einem ordentlichen Rauschgeräusch führt. Hier halten sich die Nebengeräusche in Grenzen. Gespannt wird es mit satten 24 Spannschrauben, was mehr ist als bei den meisten andern Banjos.

Fotostrecke: 3 Bilder Das VGS Banjo Premium gehört zu der etwas seltener anzutreffenden Gattung der sechssaitigen Banjos und besitzt einen Kessel aus massivem Ahorn.

Der Resonator besteht wie üblich aus Schichtholz und zeigt ein attraktives Sichtfurnier aus Sunburst-lackiertem Riegelahorn. Er wird mit vier Rändelschrauben am Kessel befestigt. Man kann sie ohne Werkzeug lösen, wenn sie nicht zu stark angeknallt sind, aber es ist teilweise eine elende Fummelei, zum einen, weil die Schrauben unnötig lang sind, zum anderen, weil sich eine der Schrauben direkt unter der Halterung des Arm Rests befindet. Aber das muss man sich ja nicht ständig antun; einmal die Fellspannung und die Saitenlage sauber justiert, und das war es dann – es sei denn, man möchte zwischen Resonator und open back hin und her wechseln.

Der Hals wurde aus Holz gefertigt, mehr ist darüber nicht herauszufinden. Er ist über die beiden Koordinatorstangen mit dem Kessel verschraubt. Als Griffbrettmaterial hat sich VGS laut Datenblatt für Purple Heart entschieden, das dann dunkel gefärbt worden sein muss, denn die schöne violette Farbe, die das Holz eigentlich besitzt, ist kaum zu sehen. Die Mensur beträgt 66,5 cm, was etwas länger ist als die Standard-Gitarrenmensur von 65 Zentimeter und in etwa dem Bluegrass-Standard der 5-string-Banjos entspricht.

Fotostrecke: 2 Bilder Das Griffbrett besteht aus Purple Heart und besitzt 22 Bünde und sehr aufwändige Einlagen.

Im Griffbrett finden sich sehr aufwändige Einlagen, die an die opulente Bestückung teurer Banjos erinnert – und die im übrigen identisch sind mit denen des Harley-Benton-Banjos. Das gilt übrigens auch für die Gravur des Arm Rests. Der verwendete Bunddraht ist schlank, die Bünde sind sauber eingesetzt und abgerichtet. Hier macht das VGS gegenüber dem Harley Benton etliche Punkte gut.

Der Saitenhalter ist eine Konstruktion, die ich in der Art sowohl von Harley Benton als auch von Derring kenne: Er ist so konstruiert, dass er sowohl Ball-End-Saiten als auch solche mit einem Schlaufenende aufnehmen kann, außerdem ist der Winkel zum Fell einstellbar. Die Saiten werden auf den erforderlichen Abstand gespreizt und laufen dann gerade über die Brücke. Die ab Werk aufgezogenen Saiten passen sehr gut und sind vor allem nicht zu hart.

Fotostrecke: 3 Bilder Der Saitenhalter kann sowohl Ball-End-Saiten als auch solche mit einem Schlaufenende aufnehmen.

Die Brücke besteht aus Ahorn und ist auf der Oberseite mit einem dunklen, leicht violett schimmernden Hartholz belegt. Die Kerben für die Saiten stimmen auch, allerdings hätte man die Kanten der Brücke etwas abrunden können.

Fotostrecke: 3 Bilder Bei der frei aufliegenden Brücke kommt Ahorn und ein dunkles Hartholz zum Einsatz.

Unter der Haube, also nach Entfernung des Resonators, sieht es erfreulich ordentlich aus. Die beiden Koordinatorstangen sind sauber installiert und auch hinreichend parallel verlegt. Der Tone Ring sitzt fest auf dem Flansch des Kessel, hat aber zu viel Spiel. Das liegt gerade so noch im tolerierbaren Bereich, aber eine ordentliche Passung sieht anders aus. 

Fotostrecke: 3 Bilder Unter der Haube sieht es erfreulich ordentlich aus, die einzelnen Teile des Kessels sind sauber miteinander verleimt.

Die einzelnen Teile des Kessels sind sauber miteinander verleimt. Am Halsfuß sind ein paar Schönheitsfehler, die jedoch unter dem Resonator verschwinden. Die Konstruktion ist identisch mit der des Harley Benton, die Ausführung ist aber um Klassen besser. Auch die sonstige Verarbeitung genügt Mittelklasseanforderungen.

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