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Kurzweil PC3 LE 6 Test

Praxis

Überblick über die Klänge
Beim ersten Durchhören der Sounds fällt mir viel Gutes aber auch einiges Unterdurchschnittliches auf, letztlich muss ich aber feststellen: In den mehr als 850 Presets findet man aber immer etwas Passendes! Mischkalkulation nennt man das im Handel. Es gibt zwar auch jede Menge „zeitlose“ Klänge, insgesamt zielt die Ausrichtung des LE 6 jedoch eher auf den Retro-Geschmack ab. Von klassischen E-Pianos, Claviers (so werden hier die Clavinets genannt), Orgeln und Mellotron-Streichern gibt es hier reichlich, und die meisten Sounds dieser Kategorien gefallen mir gut. Sie lösen sofort musikalische Ideen aus – das ist immer ein gutes Zeichen! Genauso ergeht es mir bei den meisten Grand Pianos, Strings und Mallets wie Marimba, Xylophon usw. „Gut“ meine ich jedoch ausdrücklich im Sinne einer Workstation im mittleren Preisbereich. Wer super-realistische Klänge sucht, ist hier nicht ganz an der richtigen Adresse.

Was man von Gitarren-, Chor- und Bläser-Sounds in Keyboards halten soll, lasse ich mal dahin gestellt. Mein Ding ist das nicht, aber es soll ja Anwendungsbereiche für solche Klänge geben. Wer den Michael Jackson Film „This It It“ gesehen hat, hat bestimmt gemerkt, dass die Bläser dort auch aus der „Dose“ kommen. Die Drums im LE 6 sind solide und definitiv gut einsetzbar, der Ästhetiker unter den Programmierern kann hier aber schnell an Grenzen stoßen. Allein wegen mangelnder Bearbeitungsmöglichkeiten würden sie gegen aktuelle Drum-Softwares verlieren. Die Synthesizer-Sounds des LE 6 sind für den ernsthaften Knöpfchendreher eher klischeehaft, zumal man kaum Zugang zur Klangerzeugung hat (wie alle anderen Klänge auch). Für Musiker aber, die überwiegend bei den akustischen Sounds zu Hause sind, sind sie vielleicht genau das Richtige. Klassische Leads, satte Bässe sowie androgyne und warme Flächen gibt’s hier in großer Auswahl.

Zusammenfassend kann man sagen: Das PC3 LE 6 deckt die ganze Palette des General MIDI Standards ab, und ein komplettes Pop/Rock- oder Filmmusik-Arrangement in sämtlichen Stilistiken zu erstellen ist möglich. Sogar ohne Hilfe externer Sequencer, denn das PC3 LE 6 bietet einen eigenen Sequencer mit bis zu 16 gleichzeitig nutzbaren Stimmen. Der Sequencer verfügt über Funktionen wie Quantisierungsraster, Swing, Loop- und Punch-In-Funktionen, hat eine Mixerseite und ist recht einfach zu bedienen. Wer allerdings die Vorzüge Bildschirm-basierter Musikproduktionen kennt, kann hier aber auch ungeduldig werden. So ein Display kann bei komplexeren Anforderungen auch schnell mal Spaßbremse sein.

Hier ein Querschnitt durch die Presets, beginnend mit dem Ausklang des ersten Presets: ein Grand Piano, bei dem man sehr deutlich den schnell einsetzenden Loop hört.

Audio Samples
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Standard Grand Ausklang Horowitz Grand Rhodes Distorted Rhodes E-Piano Clavi Psychedelic Piano
Audio Samples
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Strings Ensemble Romantic Strings Piccicati Orchestra 2x Mellotron Strings Mellotron Flutes Marimba Harp Mexican Trumpets Synth Pad

Sounds finden
Ein Preset ruft man auf, indem man im Program-Mode im Block ganz rechts eine Kategorie aufruft. Beispielsweise „Piano“, „Strings“ oder „Drums“. Es wird nun sofort der erste Sound dieser Gruppe aufgerufen und im Display angezeigt. Per Alpha-Wheel oder den darum angeordneten Cursor-Tastern kann man weitere Klänge dieser Gruppe anwählen. Auch eine numerische Anwahl mit dem Zahlenblock ist möglich. Eine andere Sortierung der Klänge bietet „QAccess“, ein typisches Kurzweil-Feature. In zehn verschiedenen Bänken sind hier jeweils zehn Klänge werksseitig nach Kategorien vorsortiert. Betätigt man den „QAccess“-Taster, werden sie im Display angezeigt, mit dem Zahlenblock (1-10) werden nun die einzelnen Klänge angewählt. Eine andere Zehner-Gruppe ruft man mit den Zone/Cha-Tastern auf. Selbstverständlich lassen sich hier auch eigene User-Bänke anlegen, und gelobt werden soll an dieser Stelle auch, dass die Klänge beim Umschalten nicht abreißen!

Live-Einsatz
QAccess und das Nicht-Abreißen prädestinieren das LE 6 für den Live-Einsatz, aber auch die Möglichkeit, die Tastatur in bis 16 Zonen zu unterteilen oder auch Layersounds aus sich überlagernden Zonen zu erstellen, kann für viele Live-Anwendungen Gold wert sein! An dieser Stelle wiederhole ich mich zwar, aber auch die vielseitig einsetzbaren Pads, Encoder und Switches sowie Tap Tempo und die Riff-Funktion müssen an dieser Stelle natürlich auch genannt werden.

Sounds bearbeiten
Will man ein Preset bearbeiten, greift man zu den Encodern, die in der Regel schon mit den wichtigsten Funktionen belegt sind. Meistens sind dies die Eckfrequenz des Filters und die Filter-Resonanz, EQ Boost, Panorama und Anteil und Länge des Reverbs.
Betätigt man den Taster „Edit“, findet man auf dem Display alle editierbaren Parameter nebst Encoder-Zuordnung wieder. Welche Parameter zur Verfügung stehen, ist von Sound zu Sound unterschiedlich und werkseitig unveränderbar festgelegt. Die Encoder-Zuordnung kann jedoch verändert werden, gleiches gilt für die Switches. Um sich einen Überblick zu verschaffen, welcher Hardware-Controller welchen Software-Parameter steuert, ruft man im Program-Mode auf dem Display die Seite „Info“ auf.

Wer gewohnt ist, in Synthesizer-Klangerzeugungs-Kategorien zu denken, muss sich im Edit-Mode jedoch mit deutlich weniger zufrieden geben. An Dinge wie Portamento/Glide, Modulationsmatrix, Filter-Hüllkurven oder eine Oszillator Einheit mit Wellenformen kommt man hier nicht ran. Nun ja, es handelt sich ja hier auch um die Light Edition. Die Filter sind als sanft zu beschreiben und verhalten sich mehr wie „feines Schleifpapier“. So richtig hobeln lässt sich damit nicht wirklich. Sie beispielsweise in Selbstoszillation zu versetzen, ist mir nicht gelungen.

Aliasing
Das Kurzweil PC3 LE 6 ist eine Workstation, die zwar mit V.A.S.T. eine Synthese-Engine an Bord hat, deren Klangerzeugung in den meisten Fällen aber letztlich auf Samples beruht. Da vermutet man ja gern auch mal Aliasing in den höheren Lagen. Hier vier Beispiele:

Audio Samples
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Aliasing

Effekte
Im Edit-Mode gelangt man über den Soft-Knob „FX“ im Display auch zur Effektsektion. Hier steht ein Insert-Slot für den einzelnen Sound bereit, der mit einem oder auch mehreren Effekten belegt werden kann. Man kann hier beispielsweise im Insert-Slot einem Grand Piano Sound ein Delay hinzufügen und mittels Dry/Wet-Parameter im Display seinen Mixanteil bestimmen. Per Tap Tempo oder auch manueller Eingabe eines Wertes lässt sich das Delay-Tempo bestimmen. Auf der FX-Seite stehen viele Presets bereit, auch Effekt-Ketten sind möglich. Die Effekte selbst können aber nur rudimentär editiert werden, damit muss man sich arrangieren. Darüber hinaus gibt es noch zwei globale AUX-Effekte, die man per Send-Weg ansteuert und die für alle Klänge des LE 6 gelten. Das Anwählen und Ansteuern der FX geht gut und schnell von der Hand und klingt auch gut. Mit Ausnahme der Verzerrer-FX, die alle etwas harsch und digital daherkommen. An Effekten stehen zur Verfügung: verschiedene Reverbs, Delays, Chorus/Flanger/Phaser Typen, EQs, Rotary Speaker, Wah-Filter, Kompressoren und Verzerrer.

Audio Samples
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Piano und Effekte

Arpeggiator und Riff
Auch ein Arpeggiator ist mit von der Partie, genauer gesagt: für jede der maximal möglichen 16 Stimmen einer. Damit kann man sehr komplexe Arrangements erstellen. Mittels Tap Tempo kann man das Arpeggiator-Tempo live eingeben/anpassen, leider jedoch nur in ganzzahligen BPM-Werten. Sehr nützlich ist aber auch der Latch-Mode des Arpeggiators, der wie ein getretenes Haltepedal fungiert und dem Keyboarder „die Hände freimacht“.  Ein weiteres Schmankerl ist „Riff “, eine Funktion des internen Sequencers, mit der man auf Tasten- oder Padbefehl gespeicherte Riffs abfeuern kann. Auch MIDI-Files lassen sich für diesen Zweck importieren. Bei anspruchsvollen Keyboard-Stimmen kann so was unter Umständen eine große Hilfe sein!

Masterkeyboard-Funktionen
Und wer außer einer klanggewaltigen Workstation auch ein Masterkeyboard sucht, mit dem man Software-Instrumente im Rechner steuern kann: Das LE 6 könnte dafür eine gute Lösung sein. Die Encoder und Switches ließen sich in diesem Test problemlos zuweisen. Und auch die Pads können mit „Switch-Funktionen“, also Steuerfunktionen belegt werden. Weitere Pad-Funktionen können das Triggern von (festgelegten) Akkorden, Riffs oder auch einfachen Tönen bzw. Drumsounds sein.

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