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Kurzweil Forte Test

Das Kurzweil Forte ist das neueste Stagepiano des US-Traditionsherstellers, der mit den Instrumenten der K-Serie einst zu den Pionieren der Sampling-Technologie gehörte. Im Vergleich zum Artis aus gleichem Hause haben die Amerikaner mit ihrem neuen „Premium Stage Piano“ nicht nur bei der Ausstattung, sondern auch im Preis noch mal einen oben drauf gelegt und möchten somit in der Profiliga mitspielen.

Das Forte ist Kurzweils neues "Premium Stage Piano"
Das Kurzweil Forte ist ein reinrassiges Bühnenarbeitstier


Beim Lesen der üppigen Feature-Liste bekommt man dann auch schon Appetit: satte 16 GB Speicher mit zwei neuen Flügelklängen, Vintage Keyboards, neue Orchestersounds, einem Best-Of-Sortiment des erfolgreichen PC3, eine komplette Hammond Simulation sowie eine exklusive Auswahl an Sounds der hauseigenen KORE 64 Expansion und der V.A.S.T.-Synthese. Veredelt wird das Ganze mit einer großen Effektabteilung. Die Soundengine kann dabei bis zu vier Zonen verwalten, die über die gewichtete 88er Tastatur mit Aftertouch angespielt werden. Mit sage und schreibe 23 programmierbaren Controllern kann man die Sounds nach eigenem Gusto zubereiten. Ob das reicht, um sich gegen die starke Konkurrenz rund um Nord Stage 2, Kawai MP11, Yamaha CP4 STAGE, Roland RD-800 und Konsorten zu behaupten, zeigt der folgende Test.

Details

Gehäuse und Anschlüsse

„Klotzen statt kleckern“ lautet die Devise. Mit seinem kantigen Design und den üppigen, „amerikanischen“ Ausmaßen erinnert mich das Instrument an einen protzigen SUV. Demnach ist das Kurzweil Forte auch kein Fliegengewicht. Dafür ist das mattschwarze Aluminiumgehäuse äußerst stabil verarbeitet, wie man es von Kurzweil gewohnt ist und erwartet. Lediglich die Seitenteile sind aus Kunststoff gefertigt. Die Größe und die hohe Wertigkeit äußern sich auch in dem Spielgefühl wieder, an einem echten und mächtigen Instrument zu sitzen.
Bei den Anschlüssen geht’s genau so mächtig weiter. Audioseitig ist das Forte mit zwei Stereoausgangspaaren, einem Kopfhöreranschluss (auf der Vorderseite) und einem Audioeingang im Miniklinkenformat ausgestattet. Beim obligatorischen MIDI-Trio lässt sich der MIDI-Thru über einen kleinen Schalter in einen zweiten MIDI-Out verwandeln. Das ist praktisch beim Einsatz des Forte als Schaltzentrale für mehrere externe Geräte. Ebenso großzügig gestalten sich die Anschlussmöglichkeiten für die Fußarbeit. Drei Switches (z.B. das mitgelieferte Sustainpedal) und zwei Continuous Controller (für Volume- und Expressionpedale) kann das Kurzweil verwalten. Den Abschluss bilden zwei USB-Buchsen. Eine davon dient zum Anschluss von USB-Speichermedien und die zweite zur Kommunikation mit dem Rechner. Diese arbeitet zudem als zusätzliches MIDI-Interface. Auch hier stimmt nicht nur die Quantität, sondern auch die Qualität, denn alle Anschlüsse sind fest mit dem Gehäuse verschraubt.

Fotostrecke: 6 Bilder Das Forte ist ein sehr solide verarbeitetes Instrument
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Bedienfeld

Das Bedienfeld wirkt strukturiert und aufgeräumt. Alle Bedienelemente sind von einer gewissen Größe und wirken qualitativ hochwertig. Rund um das zentral angeordnete Farbdisplay mit 480 x 272 Pixeln sind alle Taster für die Navigation und der Dateneingabe platziert. Sechs Softbuttons übernehmen je nach Display-Seite verschiedene Funktionen. Direkt daneben gibt es vier Cursor-Tasten und zwei Taster für Channel/Zone up/down als Navigationshilfen sowie ein großes Datenrad mit Plus-/Minus-Tastern zur Dateneingabe. Buttons zum Speichern (SAVE) und Verlassen des Menüs (EXIT) sind ebenfalls vorhanden. Darunter liegen noch die Taster für die zehn Favorite-Sounds.
Auf der rechten Seite geht es mit den Tastern für die vier Modi des Forte weiter. Rechts außen bilden die 20 CATEGORY-Taster zum Anwählen der Sounds den Abschluss des Panels. Dazu gehören auch der USER-Button, der Zugang zu den User-Speicherplätzen verschafft, die ENTER-Taste und der KEYPAD-Taster, der die Zweitfunktion der Category-Taster aktiviert.
Am auffälligsten ist auf dem Bedienfeld der linke Bereich, der die REAL TIME Controls beherbergt. Mit jeweils neun Tastern und Slidern lässt sich Einfluss auf das Soundgeschehen nehmen. Für jeden Slider gibt es eine LED-Kette, die den Wert des Sliders anzeigt. Links außen finden schließlich noch die Potis für den zuschaltbaren Master-EQ und Kompressor sowie der Fader für das Master-Volume ihren Platz. Nicht zu vergessen sind natürlich die beiden Räder für PITCH-BEND und MODULATION sowie zwei Transpose-Taster, ein Tap-Tempo Taster und der VARIATION Taster links neben der Tastatur. 

Fotostrecke: 5 Bilder Alle Bedienelemente haben eine gewisse Größe und wirken hochwertig
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Soundvorrat

Im Inneren des Kurzweil Forte schlummert ein beachtlicher Soundvorrat von 16 GB. Dieser setzt sich aus vielen neuen Klängen und einer „Best-Of“-Auswahl aus bisherigen Kurzweil-Produkten zusammen. Mehrere Gigabyte sind von zwei neuen Flügelsounds belegt. Ein 270 cm German Grand und ein 210 cm Japanese Grand sind die Aushängeschilder des Forte. Ebenfalls neu ist das Rhodes-Sample. Neben weiteren Vintage Keyboard Sounds wie Wurli und Clavinet gibt es eine ganze Palette an Klängen aus der Workstation Kurzweil PC3 Pro und der zugehörigen KORE 64 Expansion. Diese deckt das ganze musikalische Spektrum ab. Klassische Streicher- und Orchesterklänge in verschiedenen Solo- und Ensemblevarianten finden sich ebenso wie Drums, Gitarren, Bässe, Bläser und Synthsounds für aktuelle Pop-Stile. Vor allem die Analogsounds basieren auf der hauseigenen V.A.S.T.-Synthese. Für Orgelsounds gibt es die komplette KB3-Emulation, die das Forte in einen Hammond-Klon verwandelt. Es ist also alles an Bord, was man im Keyboardalltag braucht. Leider ist es aber nicht möglich, den Soundvorrat mittels Expansion oder Sample-RAM zu erweitern.

Controller

Für Eingriffe in das Soundgeschehen stehen beim Forte eine Vielzahl an Controllern zur Verfügung. Neun Slider, sechs Taster, drei Fußtaster und zwei Pedale – allesamt programmierbar – sind verschiedenen Parametern der Programs und Multis zugeordnet, wie z.B. dem Filter Cutoff, dem Hüllkurven-Release, der Hallintensität oder dem Delay-Anteil und ermöglichen eine Veränderung der Klänge in Echtzeit. Leider gibt das Display auf der Program-Hauptseite keine Info über die Controller-Zuweisungen. Erst beim Betätigen des Controllers zeigt das Display den Parameter und den zugehörigen Wert an. Live kann man da schon mal versehentlich am verkehrten Knopf schrauben.

Program Mode

Zum Spielen einzelner Sounds ist der Program Mode vorgesehen. Die 325 Preset-Programs sind in 20 Soundkategorien sortiert, z.B. Pianos, E-Pianos, Leads, Pads usw. Zum Aufrufen wählt man entweder mit den CATEGORY-Tastern die Soundgruppe aus und scrollt dann mit dem Datenrad oder den Plus-/Minus-Tastern zum gewünschten Sound oder man benutzt die KEYPAD-Funktion. Ein Druck auf den gleichnamigen Button verwandelt die CATEGORY-Taster in ein Zahlen- und Buchstabenfeld, mit dem man die Program-Nummer direkt eingeben kann. Die erste Möglichkeit ist hilfreich bei der Suche nach dem richtigen Sound, während die zweite Alternative in Live-Situationen die bessere, weil schnellere Option ist.
Mit einem einfachen Knopfdruck auf den VARIATION-Taster hat man eine Variante des aktuellen Programs oder Multis am Start. Bei den Piano-Sounds wird etwa ein Streicher-Layer aktiviert.
Im Edit Mode geht es hauptsächlich darum, die Parameter den vielen Controllern zu zuordnen und/oder einen Offset-Wert beim Aufrufen des Programs einzustellen. Jedes Program hat dabei seine fest zugewiesenen Parameter, die in Anzahl und Art je nach Sound variieren. Ebenso ist jedem Program ein unveränderbarer VARIATION-Sound zugeordnet. Man kann also keine eigenen Variationen entwerfen. Dies schränkt die Bearbeitungs- und Kreativmöglichkeiten zwar ein, aber das Forte ist ja ein Stagepiano und keine vollwertige Workstation oder Synthesizer. Für den Musikeralltag auf der Bühne sind die hier gebotenen Features auf jeden Fall ausreichend.

Multi Mode

Im Multi Mode verwaltet das Kurzweil Forte bis zu vier Zonen mit internen Sounds und/oder Klängen externer Geräte. Die 181 Presets (inklusive vier Templates) sind ebenfalls nach den 20 Soundkategorien geordnet und bestehen aus Split- und Layer-Kombinationen der einzelnen Programs.
Im Edit-Menü sind zunächst die Basisparameter der vier Zonen wie Tastaturbereich, Program, Pan und Volume übersichtlich auf einer Display-Seite zugänglich. Für weitere globale, gemeinsame oder individuelle Einstellungen der vier Zonen gibt es zusätzliche Menüs. Interessant ist davon das CONTROLS-Menü. Hier kann man für jede Zone die einzelnen Controller einer bestimmten Funktion zuweisen. Somit ist es z.B. möglich, dass Slider E den Cutoff für Zone 1 und gleichzeitig die Envelope-Release von Zone 2 steuert. Leider gibt es keine Übersichtsanzeige, bei der man die Belegung aller Controller bzw. alle vier Zonen auf einen Blick sieht. Im Display werden immer nur die Parameter eines Controllers für eine bestimmte Zone angezeigt. Das bedeutet, dass man während des Editierens ständig zwischen den Zonen oder den Controllern wechseln muss. Dabei kann man schon mal den Überblick verlieren, zumal es hier auch spezielle Features gibt, wie z.B. das Triggern eines Akkords über einen Fußtaster.
Die Zonen der Multis können aber nicht nur interne Programs ansteuern, sondern auch Sounds angeschlossener MIDI-Geräte oder beides gleichzeitig. Für eine externe Zone können nicht nur der Tastaturbereich, der MIDI-Kanal, der Program-Change-Befehl usw. definiert werden, sondern auch MIDI-Control-Befehle für alle Controller. Somit verwandelt sich das Forte in ein vollwertiges Masterkeyboard.

Fotostrecke: 2 Bilder Zum Spielen einzelner Sounds ist der Program Mode vorgesehen
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KB3-Orgel

Beim Anwählen eines Orgel-Programms wird das Forte automatisch in den KB3-Mode versetzt. Wie das Kürzel schon vermuten lässt, handelt es sich dabei um eine eigenständig arbeitende Simulation von Hammond-, Vox- und Farfisa-Sounds. Die Controller übernehmen jetzt die Funktionen zur Steuerung des Orgelsounds. Die Slider werden zu Drawbars, die Assignable Switches übernehmen die Aufgabe der Percussion und des Keyclicks und die Zone-Taster sind für das Scanner-Vibrato sowie für die Brake-Funktion des Rotary-Effekts zuständig. Das Umschalten der Rotorgeschwindigkeit erfolgt mit dem VARIATION-Taster und das Modulationsrad regelt einen Overdrive-Effekt. Dadurch ist ein ziemlich authentisches Orgelspiel möglich. Sehr gelungen, würde ich mal sagen.

Nützliche Live-Features

Zum direkten Aufrufen der am meisten benötigten Programs oder Multis stehen zehn FAVORITE-Taster zur Verfügung. So hat man in spontanen Live-Situationen auf Knopfdruck z.B. immer ein Piano oder einen Solo-Sound parat. Die Zuweisung ist denkbar einfach: Program/Multi auswählen, FAVORITE-Button gedrückt halten, fertig. Ein verdammt nützliches Feature.
Genauso einfach ist das Erstellen eines Layers oder Splits mit der EASY SPLIT- bzw. LAYER-Funktion. Vom Hauptschirm eines Programs oder Multis ausgehend kann man durch einfaches Drücken auf den jeweiligen Soft Button eine Split- bzw. Layer-Zone definieren. Dabei können für die neue Zone lediglich die Basisparameter Program, Key Range, Pan und Volume festgelegt werden. Dies ist eine praktische Funktion, um bei Proben oder Gigs schnell mal einen einfachen Split- oder Layersound zu basteln. Bei Bedarf lässt er sich auch als neues Multi abspeichern.
Als weiteres nützliches Detail für den Bühneneinsatz soll der Tap Tempo Button zum Eintippen des Songtempos nicht vergessen werden, mit dem sich z.B. Delays schnell anpassen lassen.

Fotostrecke: 2 Bilder Die Tastatur des Kurzweil Forte ist eine Fatar TP/40L
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Effektiv ist anders

Selbstverständlich ist das Forte auch mit Effekten ausgestattet. Es besitzt pro Program/Multi einen INSERT- und zwei AUX-Effekte. Bei Kurzweil hat man sich hier für das Arbeiten mit vorgefertigten Effektketten entschieden, wobei mehrere der insgesamt 32 Einzeleffekte fest miteinander verknüpft sind. Jedem Slot kann eine der insgesamt – Achtung! – 5110 Effektketten zugewiesen werden. Das ist zwar eine riesige Auswahl, aber genau hier liegt auch das Problem. Um die passende Effektkombi zu finden, müsste man sich durch die gesamte Liste suchen. Dabei sind die Effektketten auch noch willkürlich aufgelistet und nicht logisch nach z.B. Instrumenten oder Effekten sortiert. Erschwerend kommt zudem hinzu, dass beim Scrollen mit dem Datenrad oder den Plus-/Minus-Tastern nicht alle 5000 Ketten angezeigt werden, sondern nur die Auswahl derer, die in den Factory-Programs benutzt werden. Die Anwahl der anderen Ketten erfolgt nur über die direkte Eingabe mittels der Keypad-Funktion. Und selbst dann kann ich nicht weiter zur nächsten Kette scrollen. Betätige ich das Datenrad oder die Plus-/Minus-Taster, springt die Effektkette immer wieder auf die erste Factory-Program-Kette. Das ist äußerst umständlich und erfordert viel Zeit und Geduld. Hier wird man in seinem Workflow extrem ausgebremst. In der Praxis wird es sich deshalb so etablieren, dass man sich auf ein paar wenige ausgewählte Effektketten beschränken wird. Sehr, sehr schade. Vermisst habe ich auch eine Bypass-Funktion, mit der ich die einzelnen Effektslots nach Bedarf abschalten kann.
Ich möchte noch darauf hinweisen, dass sich in der Program-Ebene je nach ausgewählter Kette auch die Zahl der editierbaren Parameter ändert. Diese kann ich ebenfalls den verschiedenen Controllern zuweisen. Im Multi Mode ist es möglich, pro Zone den INSERT-Effekt des jeweiligen verwendeten Programs zu aktivieren. Die beiden AUX-Effekte werden zunächst ebenfalls aus der Program-Ebene übernommen, können aber mit anderen Effektketten überschrieben werden.

Master FX

Zum Polieren der Sounds und zur Erhöhung der Durchsetzungsfähigkeit gibt es im Audio-Signalweg je einen zuschaltbaren 3-Band-Master-EQ und einen einfachen Kompressor-Effekt. Der EQ besitzt Shelving-Filter für Höhen und Bässe sowie ein durchstimmbares Mittenband. Mit einer Absenkung um max. 24 dB und einer Erhöhung um max. 15 dB kann er schon recht kräftig zugreifen, ohne dabei zu hart zu klingen. Der Kompressor, bei dem man lediglich die Intensität regeln kann, arbeitet unauffällig und klingt sehr weich. Er verleiht den Sounds einen angenehm hellen Punch.

Speicherplätze

In der USER-Bank ist Platz für 1024 eigene Programs und eben so viele Multis. Damit sollte man wohl eine Weile auskommen. Erreicht man doch irgendwann einmal die Grenzen der internen Speicherplätze, kann man seine Daten auf einem externen USB-Speichermedium oder im Computer ablegen. Dies ist sehr einfach und komfortabel gelöst, da das Kurzweil mit einer Verzeichnisstruktur wie am Rechner arbeitet und man Sounds so z.B. nach verschiedenen Projekten sortieren kann. Sehr löblich. 

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duplobaustein sagt:

#1 - 24.01.2015 um 14:27 Uhr

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Im Global Menü auf "Advance User" umstellen, dann kann man auch auf alle Effekt Ketten zugreifen. Es gibt jetzt bis zu 16 Favorite Bänke. Der Editor ist in der Beta erhältlich.

Kommentare vorhanden
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