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James Bond – Keine Zeit zum Synthesizerspielen

Der neueste James-Bond-Film ‘Keine Zeit zu sterben’ (No Time To Die), reiht sich in die lange Tradition von Filmproduktionen, welche Synthesizer, Drumcomputer, Sequencer und andere elektronische Musikgeräte verwenden, um die Assoziation zu erwecken, die Charaktere verwendeten futuristische Technologien.

James Bond - Keine Zeit zum Synthesizerspielen (Quelle: Synthtopia)
James Bond – Keine Zeit zum Synthesizerspielen (Quelle: Synthtopia)

Geweckt wurde diese Idee in den 1970er Jahren, als musikalische Technologie sich noch imposant präsentierte und diese in einer Filmproduktion eingesetzt, den Eindruck vermittelte, der technische Fortschritt sei so weit vorgedrungen, um das Böse wie Aliens oder jedwede andere Bedrohung von der Menschheit fernzuhalten. Ein Credo der Science-Fiction-Produktionen dieser Zeit.

Fotostrecke: 2 Bilder Technologischer Fortschritt wird in den 1970er Jahren bildgestalterisch in Form leuchtender und blinkender Taster … (Quelle: YouTube)
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Warum auch nicht, denn um etwas Zukunftsträchtiges zu zeigen, muss man erst einmal wissen, wie Zukunftsträchtiges überhaupt aussieht. Die Vorstellungskraft ist in vielen Bereichen eher eingeschränkt. Was liegt da näher, als auf etwas zurückzugreifen, was nicht jedermann kennt, geschweige denn schon einmal gesehen hat. Dazu bieten sich elektronische Gerätschaften, die von Musikschaffenden verwendet werden, geradezu an. Ein von Dr. Robert A. Moog geschaffener Modular-Synthesizer ist selbst heute noch für viele ein Relikt, das für jene ohne jeglichen Kontext dasteht. Wozu ist das gut? Vielleicht um die Welt zu retten?
Verwendet man solche Geräte in Filmproduktionen, hat man bereits visuell die Zukunft vor Augen, es sei denn, man kennt sich in der Materie aus und weiß, dass der Schaltkasten da hinten in der Ecke ein wertvolles Moog Modular-System ist, das für Keith Emerson gefertigt wurde. Einfach die Tastatur weglassen und schon passt es.

Fotostrecke: 2 Bilder Star Trek Typ11 Shuttle Cockpit mit integriertem Moog Modular-System von Keith Emerson. (Foto: https://www.sharecg.com/, Sweetwater, Michael Geisel)
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In Close Encounters Of The Third Kind verwenden Wissenschaftler einen modularen ARP 2500 Synthesizer, um mit Außerirdischen zu kommunizieren. In Star Trek VI sitzt Lt. Uhura vor einem Oberheim DX Drumcomputer, den Chekov bedient, um die Enterprise zu steuern. Und im Film Contact nimmt Jodie Foster einen Eventide DSP4000 Ultra-Harmonizer und einenFocusrite-Kompressor zur Hand, um die Existenz von außerirdischem Leben zu beweisen.

Fotostrecke: 3 Bilder Der in einer Konsole verbaute ARP 2500 in ‘Close Encounters Of The Third Kind’. (Quelle: YouTube)
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In No Time To Die, besucht Bond das Haus von Gadgetmaster ‚Q‘, wo ein Eurorack-Modularsystem und ein Polyend SEQ-Sequenzer für die Hightech-Blinklampen-Atmosphäre sorgen. In diesem Fall macht Q nichts mit dem System, daher ist aus dem Film nicht klar, ob Q ein echter Jammer ohne DAW (Digital Audio Workstation) ist oder ob es nur ein weiterer Fall der Filmproduktions-Klischees ist, in denen elektronische Musikgeräte verwendet werden, um als unverständliche Zukunftstechnologie zu stehen.

Im James-Bond-Film 'No Time To Die' sitzt Q beflissentlich neben einem Polyend SEQ-Sequencer und einem modularen Synthesizer. (Quelle: Synthtopia)
Im James-Bond-Film ‘No Time To Die’ sitzt Q beflissentlich neben einem Polyend SEQ-Sequencer und einem modularen Synthesizer. (Quelle: Synthtopia)

Das Buch ‘No Time To Die: The Making Of The Film’ zeigt jedoch, dass der Charakter Q eine musikalische Seite hat. Q mag Musik, aber anstatt eines Klaviers verwendet er dieses supermoderne elektronische Musikgerät, das wie etwas aussieht, was er bei seiner Arbeit einsetzen würde.

Das Buch 'No Time To Die: The Making Of The Film' liefert Hintergrundinformationen zum Film. (Quelle: 007store.com)
Das Buch ‘No Time To Die: The Making Of The Film’ liefert Hintergrundinformationen zum Film. (Quelle: 007store.com)

Das elektronische Musikgerät war eigentlich ein modularer Synthesizer, der vom Associate Producer (und Sohn von Michael G. Wilson) Gregg Wilson gebaut wurde, den Produktionsdesigner Mark Tildesley auf einem Flug nach Kanada getroffen hatte. Daran erinnerte er sich Monate später, als die Zeit kam Qs Haus zu dekorieren. Gregg Wilson ist dem Charakter Q sehr ähnlich, ein kluger Kopf, der allerdings im künstlerischen Bereich tätig ist.
Wenn man bedenkt, dass in den meisten der Bond-Produktionen der legendäre Q viel älter war als James Bond, scheint es nicht dasselbe zu sein, wenn viel jüngere Schauspieler diese Charaktere übernehmen. 

Der ursprüngliche Q (gespielt von Desmond Llewelyn) zeigte sich von einer anderen Seite ... nicht vor einem Musikinstrument. (Quelle: YouTube)
Der ursprüngliche Q (gespielt von Desmond Llewelyn) zeigte sich von einer anderen Seite … nicht vor einem Musikinstrument. (Quelle: YouTube)

Im Falle des jungen Q prädestiniert sich gerade musikalisches Hi-Tech Equipment für ein futuristisches Erscheinungsbild in Filmproduktionen und insbesondere für solche Situationen, die nichts mit Musik an sich zu tun haben. Schon deswegen verzichten Produzenten gerne auf sichtbare Verräter wie etwa Tastaturen, die in Musikinstrumenten verbaut werden. Dem gegenüber sind Potis, leuchtende Taster und Knöpfe, Joysticks und jegliche Arten von Patchkabeln jedoch herzlich willkommen.
Es lohnt sich also, einen spannenden Sci-Fi-Thriller auch mal mit einer anderen Intension zu anzuschauen. Vielleicht rücken da gerade die Dinge prominent in Sicht, an denen man selbst noch zuvor im Studio herumgeschraubt hat, um die Hallzeit zu justieren oder die Filtereinstellung für den neuen Patch zu ändern. Wer weiß …
Tolle Kandidaten für Futuristisches könnten heute z. B. das Empress Effects Zoia Euroburo Eurorackmodul und die Akai Pro Force sowie die Native Instruments Maschine+ Grooveboxen abgeben. Das Erica Synths Black System III wäre dafür sicherlich nicht so gut geeignet, denn dessen klassisches Poti-Format wirkt schon ein bisschen zu Retro, oder? Lassen wir uns mal überraschen!

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von Michael Geisel

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