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Funk Gitarren Workshop #4

Herzlich willkommen zum vierten Teil der Funk Workshop-Reihe auf bonedo. Heinz Strunks Pflichtlektüre für Musiker, das Buch Fleisch ist mein Gemüse, spielt zwar nicht im Funk-Milieu, aber die grundlegende und für alle Zeiten gültige philosophische Weisheit “Swing time is good time and good time is better time” schwebt definitiv über dieser Folge meiner Funk-Workshopreihe. Denn die widmet sich dem Swing-Faktor, und der ist für nicht wenige von uns nach wie vor ein Mysterium: Swing, Achtel, binärer Rhythmus, Shuffle, Triolen, ternärer Groove …

Funk_Gitarre_WS4_RZ


Heute wird es darum gehen, diesen Begriffen ihre Geheimnisse zu entlocken und herauszufinden, in welchem Verhältnis sie zueinander stehen und wie sie uns einzeln oder zusammen dabei helfen, dass unsere swing time zur best time wird.
Doch bevor wir loslegen, möchten wir euch die Möglichkeit geben, euch die kompletten Noten des Workshops in einem einzigen PDF herunter zu laden. Das vereinfacht die Sache ungemein.

Hinkende Achtelnoten

Das Musiklexikon bezeichnet Swing oder Shuffle-Grooves gerne als ternäre Rhythmen, was im Wortsinn ‘dreiteilig’ bedeutet – im Gegensatz zur binären, also zweiteiligen, gleichmäßigen Spielweise. Bei einem ternären Rhythmus werden die Und-Zählzeiten so verzögert gespielt, als würde man die erste und dritte Note einer Achteltriole anschlagen. Dementsprechend würde ich diesen Groove einfach als “ternäre Achtelnoten” bezeichnen. In der grafischen Darstellung von Logic sieht das “Phänomen” folgendermaßen aus:

Shuffle1
Leicht geshuffelt

Zwar trifft diese Herangehensweise bei vielen Blues- und Swing-Grooves zu (daher auch der Name Swing-Achtel), aber man kann es definitiv nicht verallgemeinern. Oft wird auch ein Mittelding gespielt, das eigentlich treffender mit dem Begriff Shuffle beschrieben ist. Shuffle bedeutet so viel wie schlurfend gehen, schieben, latschen, übersetzt man es frei mit “hinken”, trifft man den Nagel auf den Kopf.
Stellt euch vor, ihr lauft gleichmäßig und bei jedem Schritt hört man laut und deutlich das Schrittgeräusch.

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Straight

Dann kommt jemand, der leicht hinkt.

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Leicht geshuffelt

Vielleicht noch etwas stärker…

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Stärker geshuffelt

Oder ganz stark.

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Stark geshuffelt

Der Grad des Hinkens ist dabei das Maßgebende und bestimmt im übertragenen Sinne genau die Platzierung der Off-Beat Note (Zählzeit +), die meist irgendwo zwischen der +und der dritten Triolen-Note liegt. Hier noch einmal eine Darstellung der Noten des vorangegangenen Beispiels. Bei Shuffle 3 sind wir übrigens wieder bei den ternären Achteln angelangt.

Shuffle2

Sechzehntel Swing

Bei den Achtelgrooves spielt man den Off-Beat meistens im Shuffle-Bereich nah an der dritten Triolen-Note. Diese ganz leicht hinkenden Grooves klingen vor allem bei langsamen Tempi etwas eckig. Wenn man das Swing- oder Shuffle-Feeling mit Sechzehntel-Grooves praktiziert, dann sieht das entsprechend aus. Auch hier wird jede zweite Note verzögert gespielt. Die Downbeats (1,2,3,4) und die ´+´ Zählzeiten sind normal, die ´e´ und ´d´ werden verzögert gespielt. Dabei sind eigentlich alle Möglichkeiten offen, mal wird etwas stärker ‘gehumpelt’, dann nur ganz leicht. Dieser Grad des Hinkens hat mittlerweile sogar in den Aufnahme-Programmen eine klare Bezeichnung: Man spricht vom Swingfaktor – und bei Logic zum Beispiel wird die Stärke mit Buchstaben von Swing A, Swing B, etc. durchnummeriert.
Da sich dieser Begriff mittlerweile eingebürgert hat, werde ich zukünftig auch von Swing-Grooves reden.

Shuffle3

Hier gibt es das Ganze noch einmal mit einem HiHat-Sound.

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16 – Straight 16 – Swing B 16 – Swing C 16 – Swing D 16 – Swing E

Übung 6

Um den Swing-Groove erst einmal akustisch zu lokalisieren, solltet ihr auf die HiHat hören, denn die spielt durchgehende Sechzehntelnoten und liefert somit die genaue Vorgabe unseres Swingrasters. Ich habe für diese Übung absichtlich ein eher langsames Tempo gewählt, damit der Swingfaktor auch deutlich zu hören ist.
Zum Eingrooven bekommt ihr zuerst den Drumbeat; versucht zu Beginn, permanente Ghostnotes dazuzuspielen, um euch an das Feeling zu gewöhnen.

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Übung 6 – Drums

Kommen wir zu den ersten Grooves – wie gewohnt vorab einige leichtere Variationen. Wie bei den vorangegangenen Folgen meines Funk-Workshops hört ihr zuerst die Gitarre mit den Drums, dann steigt der Bass mit ein und nach 16 Takten hört die Gitarre auf, sodass ihr nur zu Bass und Drums jammen könnt.

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Übung 6A
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Übung 6A
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Übung 6B
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Übung 6C
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Übung 6C
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Übung 6D
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Übung 6E
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Übung 6E

Übung 7

Jetzt steigt der Schwierigkeitsgrad, längere Notenwerte werden mit ins Trainingsprogramm aufgenommen und das Tempo etwas erhöht. Achtet auch bei diesem Tempo auf den Shuffle-Groove mit leicht verzögertem Aufschlag.

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Übung 7A
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Übung 7B
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Übung 7C
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Übung 7D
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Übung 7E

Song 4

Beim abschließenden Song werden wir diesmal etwas traditioneller. Blues ist angesagt, aber nur, was die Harmonik anbetrifft. Grifftechnisch ist das Ganze nicht sonderlich schwer, drei Akkorde (C9, F9, G9) sind die Basis, wenn man von ein paar chromatischen Durchgangsakkorden absieht. Alle drei Akkorde werden in einem Muster gegriffen. Die Schwierigkeit liegt hier ganz eindeutig in der Aufrechterhaltung der Konzentration – und natürlich der Kondition – denn der Groove muss mit wenigen Ausnahmen (vier Takte C-Teil) permanent über eine Länge von 3:38 Minuten durchgezogen werden.
A-Teil
Basis des Songs ist ein typisches 9er Voicing, bei dem der Grundton auf der A-Saite nicht gegriffen wird. Los geht es im Intro mit einem C9, der beim ersten Anschlag einen Halbton tiefer angesetzt und geslidet wird. Ich habe bewusst auf die Kennzeichnung des B9 auf der Zählzeit ´1´ verzichtet, da er quasi ein Vorschlagsakkord ist und so harmonisch keine wichtige Rolle spielt. Ihr rutscht also auf der ´1e´ in den C9. Achtet darauf, dass dieses Slide auch im Swing-Groove, also verzögert stattfindet. Apropos Swing-Groove: Man hört es beim Gitarrenbeispiel – der Groove hinkt ordentlich. Wir haben es hier mit einem starken Swingfaktor zu tun. Wichtig ist deshalb der entspannte Anschlag der rechten Hand. Generell könnt ihr euch beim Song am Bass orientieren, denn der spielt überwiegend die Haupt-Anschläge mit. Im Intro seid ihr allerdings mit dem Drummer allein, aber der gibt den Shuffle-Groove ganz gut vor.

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Song 4 – A-Teil

B-Teil

Die Blues-Form wird hier komplett ausgespielt, und zwar mit Verlängerung. Wer genau hinsieht (und hinhört) bemerkt, dass eine 14-taktige Form am Start ist – der letzte C9 Akkord wird vier Takte gespielt. Warum? Darum! Es hat sich für mich einfach besser angefühlt, den Groove zwei Takte länger zu spielen. Auch hier ist der Slide-Akkord zum F9 im fünften Takt nicht gesondert aufgeführt, wohl aber der Gb9 in Takt 9, weil der auch vom Bass mitgespielt wird.
Da der B-Teil etwas länger ist, haben wir die Noten als PDF hinterlegt. Ihr findet das Dokument als Download unterhalb des Audio-Players.

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Song 4 – B-Teil

C-Teil

Ganz klar, in der Bridge muss es auf die Subdominante gehen. Die Kicks werden von Bass und Drums mitgenommen.

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Song 4 – C-Teil

Song-Ablauf

Ich habe gelegentlich ein paar Breaks am Ende der Parts eingebaut. Die sind immer etwas unterschiedlich: Mal wird auf der ´2+´ aufgehört, dann wieder auf der ´3´. Schaut euch die Noten an und hört den Song am besten zuerst mit der Gitarrenspur.
Zum Schluss gibt es den A-Teil noch in einer Art “Extended- Version”. In einer Live-Situation kommt es bei solchen Songs an dieser Stelle normalerweise zu einer 15-minütigen Bandvorstellung, aber das wollte ich euch dann doch ersparen. Die Kollegen spielen zwar ein paar andere Sachen, aber ihr solltet eisenhart den Groove durchziehen. Lasst euch nicht in Versuchung und aus dem Groove bringen;-)))
Und hier die Noten des kompletten Songs als PDF-Download:

Und die beiden Audios des Songs, einmal mit Gitarre und dann der Jamtrack ohne. Viel Spaß!

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Song 4 – Band-Version Song 4 – Playback
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von Thomas Dill

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