Hersteller_Yamaha DP_Digitalpiano DP_Kompakt
Test
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30.10.2014

Praxis

Tastatur

Als Produzent von akustischen Pianos und Digitalpianos aller Preisklassen verfügt Yamaha über einige Erfahrung im Tastaturbau, wovon erfreulicherweise auch das günstigste Einsteigermodell profitiert. Die Tastatur des P-35 ist im Umfeld der Testmarathon-Kandidaten ein Lichtblick. Trotz des günstigen Preises und des geringen Gewichts kann die 88-tastige Hammermechanik mit einem vergleichsweise sehr guten Spielgefühl und einer angenehmen Oberfläche punkten. Mit ihrer angenehm schweren und ausgewogenen Gewichtung und dem gleichmäßigen Anschlag lässt sich die Tastatur präzise kontrollieren und eignet sich gut zum Üben. Natürlich ist noch viel Luft nach oben – höchsten pianistischen Ansprüchen wird auch das P-35 nicht gerecht – aber in dieser Preisklasse trägt es mühelos den Sieg davon. Die Anschlagdynamik lässt sich in drei Stufen einstellen oder deaktivieren, z.B. für Orgel- oder Cembalo-Klänge.

Klang

Auch die Flügelklänge des P-35 wissen im Testumfeld zu überzeugen. Grand Piano 1 ist ein ausgewogener, vielseitig einsetzbarer Flügelsound. Er ist zwar Yamaha-typisch recht hell und drahtig, lässt sich aber dennoch sehr dynamisch spielen. Die bei fast allen günstigen Digitalpianos auftretenden Artefakte wie hörbare Loops oder Übergänge zwischen verschiedenen Samples sind zwar auch beim P-35 stellenweise wahrnehmbar, aber deutlich dezenter als bei der Konkurrenz. Natürlich muss das P-35 ohne Edelzusätze hochwertigerer Instrumente wie Damper- oder Resonanz-Samples auskommen. Für diese Preiskategorie bietet es jedoch einen absolut brauchbaren Sound. Der zweite Flügelklang ist deutlich schmaler, weniger dynamisch und wirkt ein wenig flach, kann aber unter Umständen für bestimmte Stilistiken eine Bereicherung sein.

Auch das P-35 haben wir im Sinne einer besseren Vergleichbarkeit unser MIDI-File abspielen lassen. Wie gewohnt wurde der Sound sowohl über die Ausgangsbuchse als auch über Mikrofone aufgenommen.

Das übrige Klangangebot umfasst acht weitere Sounds: Zwei E-Pianos, zwei Kirchenorgeln, Streicher, zwei Cembali und ein Vibraphon. Diese Klänge fallen gegenüber den Flügeln deutlich ab und wirken eher wie Füllmaterial, was bei den meisten Konkurrenzmodellen ja aber auch nicht anders ist. Für die Entscheidung für ein Digitalpiano dürfte die Qualität des Streicherklangs in den wenigsten Fällen den Ausschlag geben.

Das P-35 bietet einen Halleffekt mit vier verschiedenen Effekttypen. Für jede Klangfarbe ist bereits einer davon voreingestellt, den man aber ändern kann (allerdings ohne Speichermöglichkeit). Der Effektanteil ist in zehn Stufen regelbar.

Weitere Funktionen

Auch beim übrigen Funktionsumfang zeigt sich das P-35 schnörkellos: Es gibt einen Dual-Modus (Layer), mit dem man zwei Klänge übereinander legen kann. Die Balance der beiden Sounds ist regelbar. Außerdem bietet das Piano einen Duo-Modus, der die Tastatur in zwei Hälften mit dem gleichen Tonumfang teilt. Das ist vor allem für Unterrichtszwecke interessant. Eine Split-Funktion zum Aufteilen der Tastatur auf zwei verschiedene Sounds gibt es allerdings nicht.

Das Metronom kann verschiedene Taktarten erzeugen und lässt sich in der Lautstärke regeln. Transposition und Feinstimmung sind ebenfalls einstellbar. Dann gibt es noch 20 interne Songs (ein Demo für jeden Sound und zehn Klavierstücke). Etwas schade ist das Fehlen einer Aufnahmefunktion, die viele Konkurrenten in dieser Preisklasse bereits bieten.

Bedienung

Das Bedienkonzept (Funktionstaster in Kombination mit der Tastatur) des P-35 ist bei günstigen Digitalpianos weit verbreitet und kann ein praktikabler Kompromiss sein, zumal sich dadurch die Zahl der Bedienelemente auf ein Minimum reduzieren lässt, bei „Design-sensiblen“ Instrumenten wie Digitalpianos ein nicht zu unterschätzender Faktor. Beim P-35 sind viele der auf diese Weise erreichbaren Funktionen jedoch nicht auf dem Gehäuse aufgedruckt, daher sollte man die Bedienungsanleitung stets griffbereit haben. Lediglich die verschiedenen Sounds und die Funktionstasten für das Metronom findet man direkt am Instrument. Für alles andere muss man immer wieder in die Anleitung sehen oder ein gutes Gedächtnis haben – selbst Standards wie der Layer-Modus und der Halleffekt sind „versteckt“. Das ist unpraktisch und bringt dem ansonsten so geradlinigen P-35 einen kleinen Minuspunkt bei der Bedienung ein.  

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