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30.04.2015

Vintage Drum Machine: Boss Dr. Rhythm DR-110

Analoge, programmierbare Vintage Drum Machine

Die Boss Dr. Rhythm DR-110 Drum Machine folgte 1983 auf die Boss DR-55 und war die letzte analoge Drum Machine von Roland / Boss. Im Vergleich zur DR-55 weist sie eine Vielzahl von Verbesserungen auf, unter anderem was die Programmierbarkeit angeht. Die DR-110 ist heute weitaus günstiger zu haben als die TR-Maschinen der Schwesterfirma Roland, obwohl ihre Sounds die gleichen Gene tragen wie beispielsweise die TR-808 und die TR-606. Hier erfahrt ihr alles zur Boss DR-110, Sounds und Loops zum Download inklusive!

Die Boss DR-110 steckt in einem schlichten, silbernen Plastikgehäuse und ist ungefähr so groß wie eine VHS-Kassette. Ein passendes Etui wurde mitgeliefert, das vielen DR-110s das Überleben auf Dachböden und in Kellern gesichert haben dürfte. Praktisch: Die Tasche hat Aussparungen für die Kabel, sodass man den Drumcomputer nicht herausnehmen muss, um ihn zu benutzen. Mit dem Display und den blauen, gummierten Tastern outet sich die DR-110 sofort als Kind der frühen Achtziger. Neben einem Kopfhörerausgang (Miniklinke) gibt es einen Audio-Output, der mit "P-BUS" beschriftet ist – das war ein recht kurzlebiges System zur Verbindung einiger kompatibler Geräte von Roland und Boss. Der Ausgang lässt sich aber als normaler Klinken-Output nutzen. Hinzu kommt ein Accent Trigger Output (Miniklinke). Die Stromversorgung erfolgt über ein 9V DC Netzteil oder über vier AA-Batterien.

Sounds

Das Herzstück und das größte Plus der DR-110 sind ihre sechs analogen Drumsounds: Kick Drum, Snare Drum, Hi-Hat offen und geschlossen, Cymbal und Clap. Die Hi-Hat bietet eine versteckte Besonderheit: Wenn man closed und open Hi-Hat zugleich programmiert, erklingt ein dritter Hi-Hat-Sound, eine etwas akzentuierte geschlossene Hi Hat. Die Sounds fallen ganz nach der Manier der analogen Roland Drum Machines aus: Eine runde, satte Kick, eine "snappy" Snare, crispy Hi-Hats und Cymbal sowie ein toller, klassischer TR-Clap. Leider ist es nicht möglich die Sounds einzeln in der Lautstärke zu regeln und die DR-110 bietet auch keine Einzelausgänge. Immerhin kann man mit dem Balance-Regler das Verhältnis von Drums (Kick und Snare) und Becken (Hi-Hat und Cymbal) beeinflussen.  

Der Akzent wirkt auf alle Sounds gemeinsam, ist in der Stärke regelbar und kann frei programmiert werden. Er wird über den Accent Trigger Output ausgegeben, wodurch man externes Equipment zur DR-110 synchronisieren kann. Im Test folgte der Arpeggiator meines Korg Poly-61 der DR-110 auf dem Fuß. Neuerdings erscheinen ja wieder jede Menge neue Synthesizer und Drum Machines, die sich mit solchen analogen Impulsen synchronisieren lassen. Bedauerlicherweise ist die Synchronisation in der anderen Richtung nicht ohne Modifikation möglich, da es weder einen Trigger-Eingang noch einen MIDI-In gibt. Allerdings lässt sich ein Sync-Eingang nachrüsten – beispielsweise mit dem DIN-Sync-Kit von circuitbenders.co.uk.

Programmierung

Die Boss DR-110 hat Platz für insgesamt 16 programmierbare User-Patterns in den Bänken A und B, hinzu kommen 16 nicht überschreibbare Preset-Patterns in den Bänken C und D (diese sind im Download-Pack am Ende dieses Artikels enthalten). Die Patternlänge kann 16 oder 12 Steps betragen, wodurch auch Shuffle-Rhythmen und 3/4-Takte möglich sind.

Mit dem Namenszusatz "Graphic" wird auf die damals höchst fortschrittliche grafische Programmierhilfe im Display hingewiesen. Und tatsächlich ist das Display sehr willkommen. Um ein Pattern zu programmieren begibt man sich in den Step Write Modus, wählt den gewünschten Sound aus und steppt mit den Tastern Start (Note) und Stop (Pause) durch die 16 bzw. 12 Steps des Patterns. Das funktioniert also genauso wie bei der DR-55, allerdings zeigt die DR-110 die gesetzten Steps als Punkte in einer Gitterdarstellung im Display an. Man kann also sehen, was man tut – ein nicht zu unterschätzender Vorteil! Und anders als bei der DR-55 ist bei der DR-110 auch die Hi Hat voll programmierbar. Die Instrumente Cymbal und Clap sowie der Akzent teilen sich aus Platzgründen eine Zeile im Gitter, was in der Praxis aber kein Problem ist.

Zusätzlich zur Step-Eingabe bietet die DR-110 eine Live-Recording-Option ("Tap"), mit der man Patterns auf den Pads eintrommeln kann. Dafür programmiert man sich am besten zunächst ein Metronom, beispielsweise mit der Hi Hat, und kann dann die übrigen Bestandteile des Grooves bei laufendem Sequencer einspielen.

Song Mode

Anders als die DR-55 bietet die Boss DR-110 die Möglichkeit, Patterns zu Songs zu verketten. Zwei Songs mit je bis zu 128 Takten stehen zur Verfügung, jedem Takt kann eines der 32 Patterns zugewiesen werden. Damit kann man schon eine ganze Menge anstellen, auch wenn die Programmierung von Songs nicht gerade intuitiv ist.

Fazit

Die Boss Dr. Rhythm DR-110 Drum Machine liefert sechs klassische, Roland-typische, analoge Drumsounds und klingt so richtig schön nach den frühen Achtzigern. Sie ist dank des Displays besser und komfortabler programmierbar als die DR-55, bietet 16 Speicherplätze für User-Patterns und kann über den Accent Trigger Output externe Instrumente synchronisieren. Ein DIN-Sync-Eingang lässt sich für wenig Geld nachrüsten. Im Song Mode kann man Patterns zu zwei Songs verketten. Das macht die DR-110 insgesamt viel "benutzbarer" als die DR-55, obwohl auch sie natürlich ihre Limitierungen hat. Aber dass sich die Pegel der Einzelsounds nicht einstellen lassen, dass Einzelausgänge fehlen und dass die Synchronisation zu einer DAW nicht ohne Modifikationen machbar ist, verzeiht man einer charmanten und hervorragend klingenden Drum Machine von 1983 gern, zumal sie noch deutlich günstiger zu haben ist als die soundmäßig eng verwandten Klassiker der Roland TR-Serie. Zugreifen!

Boss DR-110 Sounds zum Download

Hier könnt ihr euch Sounds und Loops der Boss DR-110 herunterladen. Neben Einzelsamples (WAV) findet ihr in dem ZIP-File einige Loops in den Formaten WAV, REX (RX2) und Apple Loops (CAF). Viel Spaß damit!

  • PRO
  • klassische, analoge Roland Drumsounds
  • voll programmierbar
  • grafische Programmierung über Raster-Display
  • Song Mode
  • Accent Trigger Output
  • Batteriebetrieb möglich
  • CONTRA
  • Lautstärke der Einzelsounds nicht regelbar
  • keine Einzelausgänge
  • ohne Modifikation nicht als Slave zu externem Equipment synchronisierbar
  • FEATURES
  • Erscheinungsjahr: 1983
  • Klangerzeugung: analog
  • Polyphonie: 6
  • Sounds: Bass Drum, Snare Drum, Hi-Hat geschlossen, Hi-Hat offen, Cymbal, Clap
  • Programmierbarer Akzent
  • 16 User Patterns, 16 Preset Patterns
  • 16 oder 12 Steps pro Pattern
  • Song-Mode: 2 Songs à 128 Takte
  • Anschlüsse: Audio Out (P-BUS), Kopfhörer, Accent Trigger Output
  • Stromversorgung: 4 x 1,5 Volt AA Batterien oder externes Netzteil (9V DC)

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