Software
Test
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20.12.2016

u-he Repro-1 Test

Software-Synthesizer

Retro-Reproduktion!

Die Entwickler der Berliner Software-Schmiede U-He haben den legendären Synthesizer-Klassiker Pro One von Sequential Circuits als Software-Emulation erneut ins Leben gerufen. Dabei nutzt der Hersteller aufwendiges Modeling auf Komponentenebene, wodurch das analoge Vorbild originalgetreu reproduziert werden kann.

Bereits im April hatte U-He die Alpha-Version kostenlos zur Verfügung gestellt und die User-Gemeinde mit einem Online-Voting ins Projekt eingebunden. Dabei konnten die Anwender abstimmen, welches der fünf entwickelten Filter-Models in die Emulation integriert werden soll. Seit der Alpha-Version hat sich sowohl optisch als auch klanglich viel getan. Denn die Herrschaften bei U-He haben das 80er-Jahre-Original nicht nur nachgebildet, sondern mit zeitgemäßen Features ins Jahr 2016 katapultiert. Das Besondere am Repro-1 ist, dass man sein Innenleben noch tweaken kann. Bereit? Schauen wir dem Repro-1 unter die Haube.

Details

Kompatibilität und Verfügbarkeit

Repro-1 gibt es in den Plug-in-Formaten VST2, VST3, AU und AAX-Native. Neben den Versionen für Mac OS X (ab 10.7) und Windows (ab Version 7) gibt es den Software-Synth auch für Linux VST. Unterstützt werden zudem fertige Mappings im NKS-Format zur Steuerung des Plug-ins mit Native Instruments Hardware.

Bedienoberfläche & Konzept

Da es sich beim Repro-1 um U-He's erste Reproduktion eines Hardware-Gerätes handelt – und zudem noch generell um die erste Emulation des Pro One – könnte der Name dieses Software-Synths nicht passender sein. Auf den ersten Blick sieht man sofort, dass das Konzept des Sequential Circuits Pro One übernommen wurde. Das macht sich gleich bei der Bedienoberfläche bemerkbar, die wie beim Pro One visuell in ihre Sektionen unterteilt ist und weitestgehend dem Original entspricht. Das Interface des Repro-1 lässt sich in vielen vordefinierten Größen skalieren, wodurch auf jedem Rechner eine perfekte Ansicht ermöglicht wird, klasse!

Der Repro-1 ist wie sein analoges Vorbild ein einstimmiger Synthesizer. Zur Klangerzeugung dienen zwei Oszillatoren, die sich gegeneinander verstimmen lassen. OSC A besitzt die Wellenformen Sägezahn und Rechteck (inklusive Pulse-Width), OSC B verfügt über eine zusätzliche Dreieckwelle. Der Clou an den Oszillatoren ist, dass sich alle Wellenformen gleichzeitig aktivieren lassen. Zu den vier Oktaven jedes Oszillators kann OSC B mit „Low Frequency“ zusätzliche tiefe Oktaven erzeugen. Zudem können die Oszillatoren synchronisiert werden. Die Balance der beiden Signale wird im unmittelbar anliegenden Mixer justiert, welcher überdies mit einem Feedback/Noise-Generator ausgestattet ist. Letzterer ermöglicht es, dem Signal wahlweise weißes Rauschen oder eine Art Boost hinzuzumischen.

Die eigentliche Modulationsmatrix entspricht exakt dem Original. Zur Verfügung stehen die drei Quellen (FROM) Filter Evelope, OSC B und LFO, die den fünf Zielen (TO) OSC A Freq, OSC A Pulse Width, OSC B Freq, OSC B Pulse Width und dem Filter zugeordnet werden können. Jede der drei Modulationen ist wahlweise „Direct“, also durch Aufdrehen des Amount-Reglers, oder über Mod Wheel eines Controllers steuerbar. In Zeiten von flexibleren Software-Modulations-Matrizen mit Drop-Down-Menü mag dieses Konzept zunächst etwas überholt erscheinen, erweist sich beim Repro-1 aber noch heute als sinnvoll, um schnell und einfach expressive Sounds zu erzeugen.

U-He hat dem Synth eine zusätzliche 2-Slot-Matrix hinzugefügt, die – wie ich finde – korrekterweise nicht auf dem ursprünglichen Bedienfeld platziert wurde. Stattdessen befindet sich diese in einer sehr praktischen Perform-Sektion, mit der beispielsweise das Mod Wheel, Expression, Aftertouch und weitere ganz einfach per Drag and Drop einem beliebigen Parameter des Klangerzeugers zugewiesen werden, um diesen zu modulieren – einfacher geht es wirklich nicht. 

Anders als bei der Hardware lassen sich LFO und Arpeggiator/Sequenzer verschiedene Tempi zuweisen. So kann der LFO zur einstellbaren Rate (wie beim Pro One) oder einer zusätzlichen Clock folgen. Arpeggio und Sequenzer wiederum lassen sich dann entweder gemeinsam zum LFO (wie es beim Vorbild ausschließlich möglich ist) oder zur Clock des Hosts synchronisieren. Die Glide-Sektion wurde um die drei Modi Retrig, Repeat und Drone erweitert. Die beiden Amp- und Filter-Hüllkurven-Generatoren sowie das 24dB Filter entsprechen dem Pro One. 

Step Sequencer

Statt der eigentlichen Bedienoberfläche des Synths können die Ansichten Tweaks, Sequencer und Presets eingeblendet werden. In der Tweak-Ansicht schaut man unter die Haube des Synthesizers, wodurch Anpassungen auf der virtuellen Platine ermöglicht werden.

Der Step Sequencer ist anders als beim echten Pro One programmierbar in bis zu 64 Steps. Im Record-Mode lassen sich wie beim Pro One Noten per MIDI-Controller nacheinander aufzeichnen. Darüber hinaus kann man die Steps auch im extra Step Sequencer-View mit der Maus programmieren und auch das im Record-Mode aufgezeichnete anpassen. Noten, Pausen und Bögen (gehaltene Noten) sowie Tonhöhe und Velocity sind pro Step einstellbar. Das macht die Programmierung des Step Sequencer wesentlich komfortabler und schneller, als man es vom Pro One kennt.

Effekte

Wie die meisten aktuellen Software-Synthesizer ist auch Repro-1 mit einer Effekt-Sektion ausgestattet, die in diesem Fall optisch an Bodentreter erinnern und einen gewissen analogen Scharm versprühen. Darunter „Jaws“, ein Wavefolder, der bewegliche Distortion-Effekte erzeugt, die sich sogar über den LFO modulieren lassen – die erweiterte 2-Slot-Matrix lässt grüßen. Hinzu kommen der Chorus/Delay Lyrebird, der Dynamikprozessor „Sonic Conditioner“ sowie der Reverb Drench. Die Effekte lassen sich einzeln aktivieren und sind als Insert-Effekte geschaltet.

Eine praktische Undo/Redo-Funktion rundet das Interface des Repro-1 ab. Hat man sich also mal im Klangtüfteln verirrt, lassen sich die Parameteränderungen wieder rückgängig machen.

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