Bass
Test
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19.09.2017

Testmarathon 4x10"-Bassboxen

Zwölf 4x10er-Boxen im Direktvergleich

Welche 4x10"-Box passt zu mir und meinem Stil?

Obwohl es 4x10-Boxen schon seit Fenders Bassman 5D6 aus dem Jahre 1954 gibt, taten sie sich zunächst schwer, den Weg in die Herzen der Bassisten/innen zu finden. Lange Zeit vertraute man der Annahme, dass fette 15"- oder sogar 18"-Lautsprecher sich am besten zur Wiedergabe von tiefen Frequenzen eigenen. Große Speaker versprachen einen runden und gutmütigen Basssound. Dieses Klangideal entsprach sowohl den Musikstilen der 50er- und 60er-Jahren wie auch der Spielweise der Bassisten aus dieser Zeit. Auch legendäre Amps wie der Ampeg B-15 sind Zeuge dieser Epoche und noch heute gesuchte Schätzchen. Von Features wie einem Hochtonhorn in Bassboxen war man noch weit entfernt.

Details

1969 betrat dann das 8x10"-Monster aus dem Hause Ampeg die Bühne. Diese aufgrund ihrer Größe "Kühlschrank" genannte Box setzte in punkto Lautsprecher-Bestückung, Bauart und Gehäusevolumen neue Maßstäbe in der Bassverstärkung - und das bis heute!

Rein physikalisch gesehen erreicht man nämlich durch das Summieren mehrerer kleiner Speaker eine bessere Basswiedergabe als ein großer Speaker mit der gleichen Membranfläche. Zwei 10"-Lautsprecher übertragen den Bassbereich demnach also besser als ein einzelner 15-Zöller. Allerdings besitzen die Zehner einen gänzlich anderen Klangcharakter, denn sie sind wesentlich direkter und weniger gutmütig. Ob man dieses oder jenes lieber mag, ist einzig und allein Geschmackssache.

Eine besondere Eigenschaft kleinerer Lautsprecher ist ihre schnelle Ansprache. Sie reagieren flinker auf das Spielgeschehen, da sie eine geringere Auslenkung der Membran mitbringen und können so wichtige Details im Sound klarer wiedergeben. Dieser Fakt wurde alsbald enorm wichtig, denn in den 70er-Jahren erlebte der E-Bass eine echte Revolution. Ein neuer Trend war unaufhaltsam auf dem Vormarsch ‑ das Slappen.

Um diese perkussive Spielart mit vielen schnell aufeinander folgenden Attackhüben adäquat zu übertragen, eigenen sich 10"-Speaker ganz hervorragend. Größere Lautsprecher hingegen sind hier häufig viel zu träge. Zudem wurde der E-Bass in dieser Zeit durch Legenden wie Jaco Pastorius oder Stanley Clarke emanzipiert: bis dato nie vorstellbare technische Fähigkeiten und Detailreichtum waren durch jene Herren jetzt auch auf dem E-Bass möglich.

Dieser Trend färbte nach und nach auf nahezu alle übrigen Bassisten/innen ab. Herkömmliche 15"-oder 18"-Boxen waren daher schon bald nicht mehr in der Lage, mit dem erweiterten Repertoire und technischen Fähigkeiten der Bassistenwelt Schritt zu halten.

Die 4x10-Box war für all diese neuen Entwicklungen ein perfekter und zuverlässiger Partner. Ihre Vorteile sind die schnelle Ansprache und der direkte und präzise Ton. Zudem ist sie leistungsstark und noch einigermaßen transportabel. Sie bekam immer mehr Anhänger und war vor allem in den 80er- und 90er-Jahren das Herz fast aller Bassanlagen in allen Stilistiken. Firmen wie SWR, Eden oder Gallien Krueger gewannen zunehmend Marktanteil und prägten den beliebten amerikanischen HiFi-Sound, für den vor allem Marcus Miller mit seiner damaligen SWR-Anlage steht.

Neben dem erleichterten Transport ist ein unschätzbarer Vorteil der 4x10 gegenüber der 8x10 die Möglichkeit, sie je nach Anforderung und Größe des Gigs entweder alleine zu betreiben oder mit einer weiteren Box (1x15", 4x10" etc.) zu kombinieren.

Heutzutage geht der Trend immer mehr zu "klein und leicht", weswegen die 4x10-Box in den letzten Jahren etwas an Boden eingebüßt hat. Sobald die Bühnen aber größer werden und/oder die Lautstärke zunimmt, muss mehr Luft bewegt werden und man kommt um "Hubraum" (sprich: Membranfläche) nicht herum, denn die Physik kann man nicht überlisten. Und so werden auch in den kommenden Jahren 4x10-Boxen stets ihre Daseinsberechtigung behalten.

In diesem Vergleichstest präsentieren wir euch zwölf ausgewählte 4x10-Boxen, die wir 1:1 miteinander verglichen haben.

Auswahlkriterien

Ausgewählt wurde nach zwei Kriterien: Marke und Preis. Nicht wenige Hersteller bieten ja mehrere Versionen von 4x10-Boxen zu unterschiedlichen Preisen an. Da wir aber aufgrund des großen Angebots nicht alles testen können, was der Markt hergibt, haben wir uns entschieden, immer nur je eine Box einer Marke auf den Prüfstand zu heben. Die Soundphilosophie einer Company schlägt sich ja in der Regel in allen Modellreihen wider.

Die drei Preiskategorien sind:

  • unteres Preissegment (unter 500,- Euro)
  • mittleres Preissegment (500,- bis 1000,- Euro)
  • oberes Preissegment (über 1000,- Euro)

Als Testbässe habe ich zwei Stereotypen gewählt: einen vergleichsweise neutral klingenden Sadowsky Metro Jazz Bass (im Passivmodus, beide Pickups auf 100%), mit dem ich einen Fingerstyle- und einen Slapgroove gespielt habe. Der zweite Bass war ein Fender Precision, der für einen erdigen Rockgroove herhalten musste. Somit kamen wir pro Box auf drei ganz unterschiedliche Soundbeispiele, die einen guten Eindruck vermitteln sollten.

Versuchsaufbau

Der Test fand in der Bassabteilung des Musikhauses Thomann statt. Aufgrund des laufenden Geschäftsbetriebs ließ sich das eine oder andere Hintergrundgeräusch leider nicht ganz vermeiden. Genauso verhielt es sich mit Vibrationen im Raum, die manche Box hervorrief. Dies dürfte aber unterm Strich eher zur Authentizität beitragen, da ihr sicher auch kein "keimfreies" Akustiklabor als Proberaum besitzt.

Um den gleichen Höreindruck während des Tests zu haben wie ich, müsstet ihr jedoch genaugenommen auch die gleiche Membranfläche einer 4x10er zur Wiedergabe hören. Das ist allerdings auf Computerlautsprechern ziemlich unrealistisch, aber eine gute Abhöre oder gar Kopfhörer sind natürlich dennoch sehr hilfreich, damit ihr euch ein möglichst genaues Urteil bilden könnt.

Alle Boxen mit Ausnahme der Ashdown Toneman 410T Deep besitzen ein Hochtonhorn. Bei einigen lässt sich dieses stufenlos regeln, bei anderen gibt es einen Schalter mit mehreren Positionen. Ich habe hier stets die Mittelstellung gewählt, um die Vergleichbarkeit zu gewährleisten. Auf diese Weise kann man auch gut die unterschiedliche Ansätze der Hersteller bezüglich des Horns im Klangbild bewerten.

Alle Boxen besitzen eine Impedanz von 8 Ohm. Die einzige Ausnahme war die Ampeg 410HLF, die nur in der 4-Ohm-Variante erhältlich ist. Der verwendete Amp war ein Glockenklang Steamhammer, bei dem alle klangformenden Elemente (Equalizer etc.) deaktiviert waren. Das Unternehmen aus Herford steht ja bekanntlich für einen neutralen und puren Sound mit wenig eigener Färbung und eignet sich daher für einen derartigen Test sehr gut.

Als Mikrofon benutzte ich ein Electro Voice RE20 zur Direktabnahme. Ich platzierte es bei jeder Box am linken oberen Speaker - und zwar an der Stelle, an der die Kalotte auf die Membran trifft. Für den Raumklang kam darüber hinaus ein Neumann UL87 (Kugelmodus) im Abstand von ca. 1 Meter zur Box zum Einsatz.

Das D.I.-Signal des Amps fand natürlich keine Verwendung, da dies den Eigencharakter der Boxen verfälscht hätte. Aus diesem Grunde klingen die Soundbeispiele auch sehr rau und deutlich dumpfer, als man es von Klangbeispielen der meisten Testberichte gewohnt sein dürfte.

Als Referenz zur Mischung der Mikrofon-Signale diente mir die Glockenklang-Box - ihr sagt man in der Szene gemeinhin die beste Linearität nach. Am besten hörst du zuerst und immer wieder mal die Beispiele dieser Box an, um auch deinem Ohr eine Referenz zu geben.

Auf geht's! Die Reihenfolge beim Test richtet sich nach der aktuellen Preisliste.

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