Vocals
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18.12.2017

Stimmprobleme: Was tun bei Stress mit der Stimme

Heiserkeit, Schmerzen & Co - wann müsst ihr zum Stimmarzt?

Stimmprobleme erkennen und behandeln

Und plötzlich fällt euch auf, dass eure Stimme nicht mehr so wie immer will. Das kann verschiedene Gründe haben. Sei es die Erkältung, die sich genau im falschen Moment auf eure Stimme legt. Sei es die Dauerbelastung durch viele Shows und Proben, die sich bemerkbar macht. Sei es eine falsche oder unzureichende Gesangstechnik.

Stress für die Stimme kann Ursachen haben, an die wir gar nicht primär denken. Das lange Gespräch in der Kneipe oder im Club, Luftverschmutzung, Allergien, allgemeiner Stress und Schlafmangel. Aber egal, wo der Grund für eure stimmliche Unpässlichkeit liegt, es gilt immer die Regel: Lieber früher als später zum Stimmarzt. Denn schnelles Handeln zahlt sich aus. Beim Spezialisten können Stimmstörungen erkannt werden, bevor sie sich verfestigt haben und richtige Schäden verursachen. Je eher ihr hingeht, desto leichter ist das Problem zu beheben.

1. Anzeichen, dass die Stimme nicht in Ordnung ist

Wenn eure Stimme nicht will, checkt bitte folgende Dinge ab:

  • Könnt ihr ein weiches, leises "NG" als tonalen Slide, ohne Druck, quer durch die Lagen singen
  • Könnt ihr ganz allgemein weich und leise hoch singen?
  • Funktioniert eure Kopfstimme?
  • Hat sich eure Range spontan oder konstant merklich verkleinert?
  • Habt ihr tonale "Löcher" in eurer Range?
  • Hat sich eure Sprechstimme verändert? Ist sie heiser und rau?
  • Ist eure Stimme immer müde. Egal ob ihr gesungen habt oder nicht?
  • Kostet es euch immer mehr Kraft zu singen?
  • Könnt ihr euer gewohntes Repertoire noch wie früher singen?

Ihr solltet auf alle Fälle sofort zum Stimmarzt gehen, wenn euch das Singen wehtut, die krasse Veränderung der Stimme ganz plötzlich gekommen ist, oder ihr zeitnah Auftritte habt.

Ihr solltet möglichst bald gehen, wenn Punkte dieser Checkliste auf euch zutreffen und die Symptome nicht weggehen.

Ihr solltet erst mal abwarten, wenn eure Sprechstimme ok ist, ihr eure Range halten könnt und sich eure nach dem Singen müde Stimme am nächsten Morgen wieder erholt hat.

2. Erste Hilfe

Folgende Dinge helfen, eure Stimme sofort zu entlasten:

  • Rauchen einstellen
  • Klappe halten
  • Normal, ohne Druck aber mit Raum sprechen. Nicht flüstern!
  • Nicht räuspern, nicht husten. Wenn ihr es nicht unterdrücken könnt, atmet am Anfang etwas Luft aus damit der Huster/Räusper nur mit dem halben Luftdruck an die Stimmbänder kommt.
  • Schlafen. So viel wie möglich. Das ist das Heilmittel Nr.1
  • Kein Alkohol
  • Keine scharfen, mentholhaltigen Sachen nehmen, die trocknen die Stimmbänder aus.
  • Alle anderen Parameter auf 100 % bringen: Essen, körperliche Fitness und genug trinken.

Solltet ihr trotzdem singen müssen, so beachtet unbedingt folgende Dinge:

  • Bleibt in den Grenzen, die euch eure Stimme setzt! Sie verzeiht keinen einzigen Fehler mehr.
  • Singt euch zuerst komplett stumm ein!
  • Gebt eurer Stimme viel Zeit, um warm zu werden!
  • Wenn irgendwie möglich, ändert das Programm so, dass die Songs eurer Stimme entgegenkommen!

Kontaktiert euren Vocalcoach und fragt, ob er oder sie euch durchchecken kann. Von ihm könnt ihr auch eine Empfehlung bekommen, welcher HNO-Arzt sich auf Sänger spezialisiert hat. Solltet ihr keinen Vocalcoach haben, fragt im Bedarfsfall andere Sängerinnen oder Sänger nach einer Empfehlung.

3. Wie läuft das beim Stimmarzt ab?

Zuerst wird der Arzt mit euch sprechen und euch Fragen stellen. Dann wird er sich die Stimmbänder anschauen. Keine Sorge, das tut überhaupt nicht weh. Ihr müsst mit geöffnetem Mund verschiedene Vokale in verschiedenen Tonhöhen machen, während der Arzt einen kleinen Spiegel an euren weichen Gaumen legt, und durch ihn, mit einer Kamera, das Schwingungsverhalten eurer Stimmbänder checkt und aufnimmt. Ihr könnt dabei auf einem Monitor zugucken. Das ist wirklich spannend, den eigenen Stimmbändern bei der Arbeit zuzusehen.

Sind die Stimmbänder gerötet? Ist die Schleimhaut geschwollen? Schließen sie nicht? Schwingen sie nicht gleichmäßig? Gibt es sogar kleine Bläschen an den Rändern der Stimmlippen (Sängerknötchen)? Anhand solcher Dinge kann der Stimmarzt sehen, ob die Stimmstörung eine organische oder eine funktionale (gesangstechnische) Ursache hat und eine Diagnose erstellen. Auf deren Basis wird er mit euch dann das weitere Vorgehen besprechen.

4. Was kann der Stimmarzt für euch tun?

Wenn es darum geht, ob ihr ein Konzert spielen könnt, wird er euch das O.K. oder ein Verbot für die Show geben. Daran solltet ihr euch halten, damit eure Stimme keinen größeren Schaden nimmt.

Bei einem O.K. kann der Arzt eure Stimme für die Show durch die Gabe von Medikamenten unterstützen, die die Stimmbänder abschwellen lassen.

Er wird euch eine Einschätzung geben, ob normaler Gesangsunterricht ausreicht oder ob eine logopädische Therapie für die Behebung der Stimmprobleme sinnvoll ist. Wenn ihr einen Logopäden aufsuchen sollt, hört euch um, welcher Logopäde nicht nur mit der Sprechstimme arbeitet, sondern sich auch auf Gesang spezialisiert hat. Aus meiner Erfahrung sind Logopäden, die nach der Schlafhorst-Anderson-Methode arbeiten für Sänger gut geeignet.

5. Dauerhafte Maßnahmen zur Verbesserung eurer Stimmfitness

  • Eignet euch eine wirklich gute Gesangstechnik an und sucht euch einen wirklich guten Vocalcoach!
  • Denkt wie ein Sportler! Eure Stimmbänder sind Muskeln und euer Körper wird während des Singens wie beim Sport benutzt.
  • Macht ein Warm Up und nach der Probe oder dem Konzert ein Warm down!

Wie bleibt die Stimme auf Tour fit?

  • Trainiert eure Stimme regelmäßig und macht eine gute Konzert- oder Tourvorbereitung!
  • Haltet euren Körper fit, trinkt genug, ernährt euch ausgewogen und gesund!
  • Wenn ihr Profis seid: Lasst eure Stimme regelmäßig (1x im Jahr) oder nach großen Touren vom Stimmarzt checken! Sollten sich Fehler eingeschlichen haben, so kann er sie sehen und ihnen gegensteuern, bevor sie größere Auswirkungen auf eure Stimme haben.
  • Hört mit dem Rauchen auf. Rauchen ist der Feind eines jeden Sängers. Wenn ihr es nicht lassen könnt, dann raucht wenigstens eine Stunde vor dem Singen nicht. So lange brauchen nämlich die Flimmerhärchen in eurem Hals, die eure Stimme zum Beispiel vor Bakterien schützen, bis sie wieder voll funktionsfähig sind.

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