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Hilfe, ich singe schief!

Hast du dich schon einmal gefragt, warum einige Menschen total easy und andere wiederum vielleicht auch einfach GAR keinen Ton treffen können beim Singen? Oder wie es kommt, dass viele Gesangslehrer/innen überzeugt behaupten, dass ja nun wirklich jeder Mensch singen lernen könne? In diesem Artikel klären wir euch auf und entzaubern den Mythos des “Gesangstalents”.

(Teaserfoto von: Shutterstock, Foto von Sambur Roman)
(Teaserfoto von: Shutterstock, Foto von Sambur Roman)

Inhalte

  1. Wie ein Ton entsteht
  2. Propriozeption
  3. Teamwork
  4. Angst
  5. Falsche Technik


Im Prinzip hat jeder Mensch eine Veranlagung, Musik machen zu können. Nur ganz wenige Menschen haben eine angeborene Tontaubheit, die sogenannte Amusie. Das bedeutet, dass man zwar ein normal funktionierendes Gehör hat, aber keine Melodien erkennen oder korrekt wiedergeben kann. Deswegen gehen wir an dieser Stelle erstmal davon aus, dass wir nicht über Menschen sprechen, die unter dieser Dysfunktion im Gehirn leiden, sondern über all die anderen “ganz normalen” Leute, die “ganz normal” schlecht-schief singen. Warum also fällt es manchen Leuten schwer, zu singen?

Wie ein Ton entsteht

Um zu verstehen, warum man singen lernen kann, müssen wir wissen, wie ein Ton überhaupt entsteht. Ob auf der Gitarre, im Saxofon oder im menschlichen Körper: Wenn ein Ton produziert wird, vibriert die Luft auf einer bestimmten Frequenz. Für uns Sängerinnen und Sänger heißt das vereinfacht gesagt: Je schneller unsere Stimmbänder vibrieren, desto höher ist der Ton, den wir singen. Ein tiefer Ton entsteht hingegen, wenn unsere Stimmbänder langsamer vibrieren. Je nach dem, wie stark die Stimmbänder gespannt sind, singen wir einen höheren oder tieferen Ton. Um korrekte Tonhöhen zu erzeugen, also einen Ton zu treffen, müssen wir lernen, im richtigen Moment unseren Körper richtig zu bedienen.
Erst im zweiten Schritt kommt unser Gehör ins Spiel – unsere Ohren geben uns nämlich innerhalb kürzester Zeit das Feedback, ob wir unseren Stimmapparat korrekt “eingestellt” haben, um den gewünschten Ton zu erzeugen oder nicht.

Propriozeption

Der Fachterminus für die Wahrnehmung des eigenen Körpers und seine Mechanismen heißt Propriozeption. Wer ein Instrument lernt, ganz gleich ob Gitarre, Schlagzeug oder eben das Singen, lernt auch, motorische Abläufe zu verinnerlichen und zu automatisieren. Eigentlich lässt sich dies sogar auf Sportarten und alle anderen möglichen Bewegungsabläufe übertragen. Der Körper wird trainiert, im richtigen Moment das Richtige bzw. das Gewünschte zu tun. Hier auf Bonedo findet ihr einige Artikel zum Thema “Richtig üben” oder auch einen Workshop dazu, wie man Intonation üben kann. (https://www.bonedo.de/artikel/einzelansicht/intonation-beim-singen-wie-kann-man-das-ueben.html). 

Abschließend kann man für das Singen wie für jedes andere Instrument auch sagen: Repetition is king! Und Regelmäßigkeit beim Üben auch! Damit unser Gehirn Bewegungsabläufe verinnerlicht, sollten wir diese regelmäßig trainieren. Jede/r Instrumentalist/in, die/der stumpfe Technikübungen macht, ist das gewohnt. Im Kontext des Singens wirken Technikübungen auf uns gerne etwas undankbar, salopp gesagt: Man kommt sich schnell mal bekloppt vor, wenn man komische Geräusche macht und seinen Stimmapparat trainiert.

Teamwork

Damit wir schön singen können, leistet unser Körper richtige Teamarbeit und jongliert ein komplexes Zusammenspiel aus Spannung der Stimmbänder, der richtigen Atemtechnik und natürlich auch der Klangformung im Mund, dem sogenannten Tonsitz. Das alles koordinieren zu können, fällt manchen leichter als anderen. Menschen, die schon als Kind angefangen haben zu singen, werden tendenziell weniger Schwierigkeiten haben, das alles in Einklang zu bringen als jemand, die/der erst mit Mitte 30 das erste Mal singen möchte.
Hier möchten wir euch aber ermuntern: Lasst euch nicht entmutigen, wenn ihr nicht zu denjenigen gehört, bei denen das Üben schnell und easy von der Hand geht. Bleibt dran und habt vor allem Spaß am Musikmachen. Wer beim Üben dran bleibt, wird auf kurze oder lange Sicht ganz sicher Erfolge spüren!

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Angst

Neben dem motorischen Training gibt es aber noch einen ganz anderen Faktor, der dazu führt, dass man sich beim Singen nicht im besten Licht präsentiert: Angst.
Singen ist etwas unglaublich Persönliches. Unsere Stimme ist Teil unserer Persönlichkeit, unseres Wesens und jeder unter euch Sängerinnen und Sängern wird wissen, was es heißt, ein Lied zu fühlen und dementsprechend aufzuführen. Wer sich auf eine Bühne stellt, gibt auch immer etwas von seiner Persönlichkeit preis und macht sich angreifbar. Sich auf eine Bühne zu stellen, erfordert Mut.
Und hier liegt auch der Knackpunkt: Viele Leute haben Angst, vor anderen zu singen. Sie befürchten, dass sie sich blamieren könnten, dass andere sie auslachen oder sie fühlen sich mit der auf sie gerichteten Aufmerksamkeit schlichtweg unwohl. Singt man zudem auch noch verstärkt und über ein Mikrofon, ist es für viele doppelt ungewohnt, da die Stimme im eigenen Körper ja anders klingt als für unsere Mitmenschen. All das begünstigt natürlich nicht, dass man mit aufrechtem Kreuz und voller Inbrunst singt. In vielen Fällen wird die Körpersprache eher zurückhaltend sein und bestimmt traut man sich dann auch nicht, laut zu singen.
Konkret bedeutet das: Man stützt beim Singen nicht vernünftig, achtet nicht richtig auf den Tonsitz und nimmt vermutlich eine Körperhaltung ein, die für ein optimales Klangergebnis hinderlich ist. Wie in so vielen Lebenslagen ist auch hier Angst ein schlechter Berater, mit dem man sich und seinem Gesang keinen Gefallen tut, sondern das Gegenteil bewirkt.

Eine erfahrene Gesangslehrerin oder ein erfahrener Gesangslehrer wird versuchen den eigenen Schülerinnen und Schülern im Unterricht ganz schnell diese Angst zu nehmen und einen geschützten Raum zum Ausprobieren schaffen

Falsche Technik

Wenn keine Töne getroffen werden, kann es auch noch weitere Ursache geben. Neben den willkürlich getroffenen Tönen (also mal zu hoch, mal zu tief), kann es hingegen ein Zeichen auf eine falsche Gesangstechnik sein, wenn man ständig zu hoch oder zu tief singt. Zum Beispiel: Zu viel Druck in der Bruststimme = konstant flat (zu tief) in den Höhen. Manchmal kann auch Aufregung und eine angespannte Körperhaltung dazu führen, dass wir nicht mehr die Kontrolle über unseren Körper haben, die wir brauchen, um den richtigen Pitch (die richtige Tonhöhe) zu treffen. In diesem Fall hilft es, eine/n Gesangslehrer/in mal deine Technik anschauen zu lassen.
Ich hoffe, wir konnten mit einigen Mythen aufräumen und zeigen, dass singen viel weniger mit angeborenem Talent zu tun hat, als uns manch eine Castingshow weis machen möchte.
Viel Spaß beim Üben!

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von nina.graf

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