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Der Kehlkopf – wie das Instrument Stimme funktioniert

Die Stimme ist das Instrument von Sängerinnen und Sängern. Das wissen wir längst. Und um sein Instrument muss man sich kümmern. Gitarristen ziehen regelmäßig neue Saiten auf, Saxofonisten wechseln häufiger das Mundstück, Schlagzeuger besitzen eine ganze Tasche verschiedener Sticks und Besen – befragt man einen Instrumentalisten nach Aufbau und Funktionalität seines Instruments, so kann man mit einer glühenden Rede rechnen. Denn natürlich wissen sie genau über ihr “Baby” Bescheid. Doch was für Instrumentalisten ganz selbstverständlich ist, scheint uns Sängerinnen und Sängern noch immer recht schwer zu fallen. Viele wissen einfach nicht, wie ihr Instrument funktioniert.

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Und ja – es ist ja auch in unserem Körper verborgen, man kann es schlecht in die Hand nehmen. Dennoch ist es wichtig, zu wissen, wie die Stimme wirklich funktioniert und was in unserem Körper beim Singen passiert. Um etwas Anatomiewissen kommt man dabei leider nicht herum. Es sieht anfangs vielleicht etwas kompliziert aus, doch wer sich einmal eingelesen hat, wird merken, wie befreiend es ist, wenn man endlich die einzelnen Teile und Funktionsbereiche des Instruments Stimme benennen kann. Und nehmt euch die Zeit und schaut euch ergänzend die Videos an. Sie helfen immens beim Transport in die Praxis. Seid ihr bereit? Na, dann los!

Wie sieht es in unserem Kehlkopf aus?

Der Kehlkopf (lat. Larynx) bildet das Verbindungsstück zwischen Rachen (Pharynx) und Luftröhre (Trachea). Er befindet sich in der mittleren Halsregion, trennt die Luftröhre von der Speiseröhre und ist oben am Zungenbein aufgehängt. Das Zungenbein ist weiterhin mit dem Mundboden und der Muskulatur verbunden, die an die Schädelbasis zieht. Der Kehlkopf setzt sich aus fünf Knorpelteilen zusammen, die durch ein Geflecht von Muskeln und Bänder zusammengehalten werden.
Diese Muskeln wiederum bilden eine Muskelkette bis zur Hals- und Brustkorbmuskulatur. Die Stellung des Kehlkopfes (und somit die Funktionalität) kann also durch Haltungsänderungen im Kopf-, Schulter- und Brustkorbbereich beeinflusst werden.
Die fünf Knorpelteile unseres Kehlkopfes:
1. Schildknorpel (thyroidea)
2. Ringknorpel (cricoidea)
3. Stellknorpel links (Aryknorpel)
4. Stellknorpel rechts
5. Kehldeckel (Epiglottis)

Aufbau Kehlkopf (Bild: © Shutterstock, 1027534258 VectorMine)
Aufbau Kehlkopf (Bild: © Shutterstock, 1027534258 VectorMine)

Der vordere Teil des Kehlkopfes ist der Schildknorpel, der äußerlich besonders bei Männern als Adamsapfel gut sichtbar ist. Der Ringknorpel liegt waagerecht unter dem Schildknorpel und bildet einen Ring. Die zwei Stellknorpel sitzen dem Ringknorpel hinten gelenkig auf. Zwischen den Stellknorpeln und der Hinterwand des Schildknorpels sind die Stimmlippen gespannt, die von verschiedenen Muskeln bewegt werden. Oben am Schildknorpel befindet sich der Kehldeckel. Er verschließt beim Schlucken den Eingang zur Luftröhre, indem der Kehlkopf nach vorne oben gezogen wird. Somit werden Nahrung und Flüssigkeiten durch die Speiseröhre in den Magen geleitet und es wird verhindert, dass Fremdkörper aus Versehen in die Lunge gelangen.
Diese Schutzfunktion beim Schlucken ist eine der drei Hauptfunktionen des Kehlkopfes. Die erste Funktion besteht natürlich darin, die Lungen zu belüften. Eine weitere Funktion des Kehlkopfes ist die Phonation (Tonproduktion), die eigentlich nur eine Nebenfunktion darstellt. Hier wird die Stimmbildung über die Stimmlippen reguliert. Beim Einatmen sind sie geöffnet und ohne Spannung. Beim Ausatmen werden sie gespannt und durch den Luftstrom in Schwingung gebracht. Die Stimmlippen schwingen bis zu tausendmal in der Sekunde.

Doch wie genau funktioniert die Mechanik innerhalb des Kehlkopfes beim Singen oder Sprechen?

Die menschliche Stimme ist das Ergebnis komplexer Wechselwirkungen zwischen Muskeln, Schleimhaut, Knorpel, Bändern, Nerven und Knochen. Und wenn wir einmal ein Bild davon haben, wie das alles zusammenhängt, bekommen wir leichter die Kontrolle über unseren Stimmapparat. Einige Muskeln und Knorpel können wir von außen ertasten und sogar die innenliegenden können wir erfühlen, wenn wir uns auf die Bewegungen konzentrieren und die Abläufe genau beobachten.
Eine detaillierte Beschreibung aller anatomischen Abläufe und Zusammenspiele würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, darum beschränke ich mich auf die wesentlichen Abläufe in unserer Stimme.. Fangen wir bei den Muskeln an.

Die fünf wichtigsten Muskeln, die unsere Stimme bewegen
1. Musculus cricothyreoindei (auch Anticus oder CT genannt)
2. Musculus vocalis (auch Vocalis genannt)
3. Musculus thyreoarytaenoideus (auch TA genannt)
4. Musculus cricoarytaenoideus lateralis (auch Lateralis genannt)
5. Musculus cricoarytaenoideus posterior (auch Posticus genannt)

Im Wesentlichen sind es diese fünf Muskeln (alle paarig), die uns erlauben unsere Stimme in die richtige Schwingung und Spannung zu bringen. Sie sind mit den Knorpelteilen des Kehlkopfes verbunden und bei Aktivierung für die Stimmgebung von großer Bedeutung. Sie sind nach den Knorpeln benannt, zwischen denen sie verlaufen.
Es gibt innere und äußere Kehlkopfmuskeln. Die äußeren bestehen aus dem Muskelpaar M. cricothyreoindei (im Englischen auch CT genannt), welches zwischen Ring- und Schildknorpel verläuft. Wenn diese Muskeln kontrahieren, kippt der Ringknorpel gegen den Schildknorpel. Somit werden die Stimmlippen in die Länge gezogen und die Tonhöhe steigt an.
Für die Tonbildung (Phonation) sehr bedeutend sind die Stimmlippenmuskeln. Diese inneren Kehlkopfmuskeln heißen Musculus vocalis (Vocalis) und Musculus thyreoarytaenoideus (im Englischen auch TA genannt). Vocalis ist vor allem für die Feinregulierung der Stimmritze (Glottis) verantwortlich. Der TA zieht die Stellknorpel nach vorne, wodurch sich die Stimmlippen verkürzen. Beide Muskelstränge dienen der Längen- und Spannungsregulierung der Stimmlippen und tragen dazu bei, dass sich die Stimmintensität und -charakteristik verändert.
Der M. cricoarytaenoideus lateralis (Lateralis) und der M. cricoarytanoideus posterior (Posticus) sind ebenfalls innere Kehlkopfmuskeln. Sie agieren bei Aktivierung antagonistisch (gegenläufig).
Der Posticus öffnet – übrigens als einziger Muskel – die Stimmlippen durch Bewegung der Stellknorpel, der Lateralis schließt die Stimmlippen durch Kontraktion.
Durch starke Kontraktion des Lateralis wird der Stimmlippenschluss, der für eine gute Tonbildung wichtig ist, erhöht. Das wird auch als “medial compression” bezeichnet. Die Spannung der Stimmlippen und der daraus resultierende Schwingungsablauf wird jedoch nicht nur von der Arbeit einzelner Muskeln bewirkt, sondern auch durch die Aktivität diverser Muskelgruppen moduliert.

Video: Animation des Kehlkopf und der Muskulatur

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Die Stimmlippen

Die Stimmlippen haben einen mehrschichtigen Aufbau.
Die unterste Schicht besteht aus dem Stimmmuskel M. Vocalis. Darüber liegt die sogenannte Lamina Propria – eine elastische Faser. Die Oberfläche ist mit einer Schleimhautschicht, dem Ephitel, überzogen.
Der Muskel wird auch als “body” und die Schleimhaut als “cover” bezeichnet.
Wenn wir von der sogenannten Bruststimme sprechen, so schwingen alle drei Schichten der Stimmlippen. Die Stimmlippen arbeiten also mit ihrer gesamten Masse. Von Kopfstimme oder Randstimme sprechen wir, wenn die Schleimhaut schwingt. Hierbei wird also nur die obere Schicht der Stimmlippen aktiviert. Je nachdem wie viel Stimmlippenmasse zum Schwingen gebracht wird, können die unterschiedlichen Mischstimmverhältnisse kreiert werden. Die Begriffe Brust- und Kopfstimme sind eigentlich irreführend, da sie lediglich die Wahrnehmung der Vibrationen in Brust- und Kopfbereich beschreiben. Grob erklärt werden Klang und Charakter der Stimme durch den Anteil der Stimmlippenmasse und ihrer Kompression bestimmt.

So sieht es anatomisch rund um die Stimmbänder aus. (Bild: © Shutterstock, 1098667472 Designua)
So sieht es anatomisch rund um die Stimmbänder aus. (Bild: © Shutterstock, 1098667472 Designua)

Die Taschenfalten (falsche Stimmlippen)

Das Innere des Kehlkopfes ist in mehreren Etagen aufgebaut. Die Stimmlippen liegen in der unteren Etage. Eine Etage höher liegen parallel zu den Stimmlippen die Taschenfalten, die auch falsche Stimmlippen genannt werden. Der lateinische Begriff dafür ist Plicae vestibulares. Sie bestehen aus faserigem Gewebe und versorgen die echten Stimmlippen mit Feuchtigkeit, indem sie sie beim Schlucken berühren. Die Aufgabe der Taschenfalten liegt darin, den Eingang zur Luftröhre – wenn nötig – zu verschließen. Sie legen sich dann schützend über die Stimmlippen, wie es zum Beispiel beim Husten der Fall ist. Menschen, die ihre echte Stimme verloren haben, benutzen häufig ihre Taschenfalten als Stimmersatz.
In manchen Stilistiken der Popmusik werden die Taschenfalten aber auch benutzt, um geräuschvolle Effekte zu erzeugen. Im Zusammenspiel mit den Stimmlippen werden die Taschenfalten beim sogenannten Growling eingesetzt.
Hier ein schönes Video, in dem man sowohl die Schwingung der Stimmlippen als auch das Zusammenpressen der Taschenfalten sehen und das akustische Resultat hören kann.

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Kehlkopf hoch oder runter?

Wie oben schon beschrieben kann die Muskulatur, rund um den Kehlkopf, den Kehlkopf heben und senken, was den Spannungsgrad der Stimmlippen beeinflusst und somit auch die Tonhöhe verändert. Es ist also ganz normal, dass sich der Kehlkopf bei höheren Tönen nach oben und bei tiefen Tönen nach unten bewegt. Jedoch kann der Kehlkopf auch unabhängig von der Tonhöhe in verschiedene Positionen gebracht werden. Vielfach wird behauptet, es sei besser, den Kehlkopf beim Singen möglichst wenig zu bewegen.
Häufig wird Sängern sogar empfohlen den Kehlkopf stets tief zu halten. Ein hoher Kehlkopf hatte viele Jahrzehnte lang den schlechten Ruf, dass die Stimme dadurch beschädigt werden könnte.
Glücklicherweise weiß man heute, dass unser Kehlkopf von Natur aus flexibel ist und auch genau so eingesetzt werden kann. Durch die verschiedenen Positionen verändert sich der Resonanzraum über dem Kehlkopf.
Das Tiefstellen des Kehlkopfes vergrößert den Resonanzraum im Rachen, wodurch die die Stimme dunkler, voller und wärmer klingt. Bei einer hoher Kehlkopfposition klingt die Stimme entsprechend heller und schmaler.
Für manche Klangqualität ist es notwendig, dass der Kehlkopf oben steht, für andere Klänge ist ein tiefer Kehlkopf nötig. Wenn wir sprechen, steht unser Kehlkopf für gewöhnlich in neutraler Position. Je nachdem, wie wir klingen möchten und was wir singen wollen, können wir unsere Kehlkopfstellung variieren.
Es gibt also keinen Grund sich auf nur eine Position festzulegen.

Wo wird der berühmte “Twang” produziert?

Zwischen Kehldeckel und Stellknorpel verlaufen die aryepiglottischen Falten. Das sind Schleimhautfalten, die den seitlichen Rand des Kehlkopfeingangs bilden.
Der Twang-Klang, den man sehr häufig in der Popmusik und beim Musical einsetzt, kommt dadurch zustande, dass sich die aryepiglottischen Falten zusammenziehen und der Kehldeckel Richtung Aryknorpel kippt. Somit verengt sich der Klangtrichter am oberen Ende des Kehlkopfes, der Ton wird schärfer und schmaler und auch die Lautstärke verstärkt sich. Der Klangcharakter ähnelt dann dem Schnattern einer Ente oder dem hässlichen Lachen einer Hexe.
Mit Twang meint man aber auch den nasalen Klang, der produzieren wird, wenn wir das Gaumensegel absenken. Dadurch breitet sich der Ton in der Nasenhöhle aus und wird dadurch klanglich enger und schmaler, aber auch leiser. Dieser Klang wird manchmal auch “nasal twang” genannt.

Kehlkopfmassage zur Entspannung?

Wenn man sich klarmacht, wie viele Muskeln am Kehlkopf hängen, versteht man, dass nicht nur die inneren Kehlkopfmuskeln der Grund für Stimmprobleme sein können. Sämtliche Muskeln, die mit dem Kehlkopf verbunden sind, können durch Überlastung oder Fehlspannungen Heiserkeit und andere Stimmprobleme verursachen. Das kann sogar Schmerzen oder den berühmten “Kloß im Hals” bewirken.
Durch Dehnung und Massage können die Muskeln z. B. in Nacken, Schultern, Mundboden, Kiefer und direkt am Kehlkopf entspannt werden.
Aber auch die Atemmuskeln wie Zwerchfell und Zwischenrippenmuskulatur oder Bauch- und Rückenmuskeln können in Verbindung mit gezielten Atemübungen massiert und gelöst werden.

Kann sich jeder selbst massieren?

Wer sich nicht traut an den eigenen Kehlkopf zu fassen, sollte einen Stimmtherapeuten um Hilfe bitten. Ansonsten gilt – alles, was nicht guttut, bitte lassen! Sämtliche Massageübungen sollten sanft und langsam gemacht werden und ein angenehmes Gefühl hervorrufen. Auf diese Weise lernt man sein Instrument Stimme auch noch mal besser kennen. Durch Abtasten der Muskelstränge bekommt man sicherlich ein besseres Gefühl für die komplexe Struktur und den Aufbau des Kehlkopfes. Ich finde das ist eine spannende Entdeckungsreise, die sich kein Sänger entgehen lassen sollte.

Folgende Videos zeigen unterschiedliche Ansätze von Massage von Kehlkopf und Nackenmuskulatur:

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Und weil es so schön war, hier noch mal ein hinreißendes Video von einem klassischen Stimmband-Gesangsquartett. Viel Vergnügen!

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von Ulita Knaus

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