Hersteller_DaveSmith
Test
3
27.01.2021

Sequential Prophet-5 und Prophet-10 Test

Polyphone Analogsynthesizer

So toll wie früher?

Mit dem Sequential Prophet-5 und dem Sequential Prophet-10 erleben zwei weitere Synthesizer-Legenden ihre Wiedergeburt. Dieses Mal nicht als Nachbauten aus dem Hause Behringer, diese Instrumente stammen von Sequential und Dave Smith selbst, der vor über 40 Jahren den ersten Prophet entwickelte. Und so geht man auch bei der Preisfindung einen ganz anderen Weg. Während Behringer versucht, eine Replika in einer für alle erschwinglichen Preisregion anzusiedeln, bleibt der Prophet mit über 3.500 Euro preislich doch eher im Luxus-Segment. Zur Erinnerung, in den 1980er Jahren lag der Preis des Instruments bei über 13.000 DM!

Schaut man sich das heutige Angebot an Klonen an, könnte man den Eindruck gewinnen, einfach alle Instrumente der Vergangenheit hätten mittlerweile Legenden-Status erreicht. Das ist sicherlich etwas zu hoch gegriffen, denn manchmal klingen die Ruhmeshymnen besser als manch nostalgischer Synthesizer selbst. Was aber macht den „Run“ auf die alten Geräte aus? Vielleicht hilft es, wenn ich meinen ‚alten‘ Freund Axel Hartmann zitiere, der treffend formulierte:

“It is not a synthesizer you buy. It is the hope of getting back a feeling that has gone lost on the way of getting older.”

Fakt ist, dass der Prophet-5 ohne Zweifel in den Synthesizer-Olymp gehört, hat er musikalisch doch selbst heute noch hörbare Spuren hinterlassen und eine Ära geprägt. Einer der erfolgreichsten Songs, der je mit dem Prophet-5 aufgenommen wurde, ist übrigens In The Air Tonight“ von Phil Collins

Entwickelt wurde das Instrument 1977 von Dave Smith und John Bowen, die damit den ersten speicherbaren sowie Mikroprozessor-gesteuerten polyphonen Synthesizer schufen. Über 6.000 Einheiten sollen zwischen 1977 und 1984 hergestellt worden sein. In den ersten beiden Versionen wurden SSM-Chips verbaut, die wenig stimmstabil waren, Revision 3 setzte auf Curtis-Chips, die dieses Problem deutlich besser in den Griff bekamen. Da Yamaha in 2018 die Rechte am Namen „Sequential“ wieder an Dave Smith zurückgegeben hat, konnte dieser nun den Sequential Prophet-5 wieder entstehen lassen.

Details

Vorbemerkung

Zum Test stand uns ein Prophet-10 zur Verfügung. Ein wenig verwirrend mag sein, dass der damalige Prophet-10 ein Synthesizer mit zwei Manualen war, der zwei Klangfarben gleichzeitig abrufen konnte. Der heutige Prophet-10 ist dagegen „nur“ ein Prophet-5 mit zehn statt fünf Stimmen. Das gilt außerdem für die kürzlich vorgestellten Module. Und so bezieht sich der nachstehende Test gleichermaßen auf den aktuellen Prophet-5 und den Prophet-10. Für den Test hat uns Steve Baltes seinen „alten“ Prophet 5 (Rev.3) ausgeliehen – herzlichen Dank dafür! Wir können also Vergleiche ziehen.

Auspacken

Nimmt man das Paket in Empfang, dann erinnert das Gewicht direkt an alte Zeiten, in denen ein Keyboarder gleichzeitig Möbelpacker war. Nicht weniger als 14 kg bringen beide Versionen jeweils auf die Waage. Das verblüfft umso mehr, wenn man gerade das Leichtgewicht Korg Opsix versandfertig gemacht hat. Thront der Prophet-10 schließlich auf dem Keyboard-Ständer, dann wird man schon ein wenig ehrfürchtig. Das ist doch mal wieder ein Instrument, das sich alleine durch sein „Auftreten“ Respekt verschafft. Der Synthesizer hat ganz ohne Zweifel etwas! Neu-Deutsch würde man „Attitude“ sagen.

Erster Eindruck

Das äußere Erscheinungsbild des Prophet-10 Testgeräts (und auch des neuen Prophet-5) entspricht dem des ursprünglichen Prophet-5 Originalgeräts: Holzchassis und GUI wurden mehr oder weniger 1:1 vom Original übernommen. Erst bei genauerem Hinsehen bemerkt man, dass sich die alte und die neue Version auf dem Bedienfeld ein wenig unterscheiden. So hat der aktuelle Prophet-5/-10 natürlich kein Cassetten-Interface mehr, was damals die mühselige Archivierung der Klangprogrammen erlaubte.

Das Bedienfeld

Übersicht in Perfektion, weiße Schrift auf schwarzem Grund, alle Sektionen optisch getrennt, und für fast alle Funktionen steht ein dediziertes Bedienelement zur Verfügung. Nur für die Global Functions sind die Programm-Taster doppelt belegt.  Leider hapert es an diesem Punkt an der Lesbarkeit der gelblichen Schrift. Trotzdem, mit diesem Synthesizer kommt man ohne Blick in das Manual zurecht, Parameter-Diving ist „von heute“. Das macht den Prophet 5/10 zu einem äußerst intuitiven Instrument. Schaltet man „Preset“ ab, dann hört man exakt den Sound, der den aktuellen Einstellungen entspricht. Das hilft bei der eigenen Sound-Programmierung. Ein modernes Display findet man nicht, lediglich eine dreistellige rote 7-Segment Anzeige gibt Auskunft über Programmwahl und über die Tonhöhe der beiden Oszillatoren (C2, D2, ….). Bewegt man einen Regler, dann zeigt ein Punkt im Display an, ob man den tatsächlich eingestellten Wert eines Parameters erreicht hat – eine tatsächliche Anzeige des Parameterwerts wäre mir lieber.

An dieser Stelle könnte man natürlich trefflich darüber streiten, ob man eine Replika möglichst so lassen sollte wie sie war, oder man doch an manchen Stellen moderne Elemente verbaut. Der neue Prophet verfügt ja bereits über MIDI und USB. Ich persönlich fände es übersichtlicher, würde man den Sounds einen Namen geben können, um sicher zu sein, dass ein angewähltes Programm tatsächlich den Sound hervorbringt, den man sucht. Das war beim alten Prophet mit 40 Klangspeichern einfacher als bei der aktuellen Version mit 400 Sounds.

Der Aufbau der Klangerzeugung

Der Signalweg des Prophet-5/10 ist klassisch analog, das Layout war zweifellos Vorbild für viele Synths, die danach auf den Markt kamen. Insofern gibt es hier keine Überraschungen. Pro Stimme notieren wir zwei VCOs, ein VCF (24 dB), zwei ADSR-Hüllkurvengeneratoren, dazu kommen ein LFO und die Sektion Poly Mod, die man heute als Modulationsmatrix bezeichnen würde.

OSC A verfügt über Sägezahn- und Rechteck-Wellen, die man zudem gleichzeitig nutzen kann. Die Pulsbreite ist manuell sehr weit einstellbar. Im extremen Regelbereich ist dann auch nichts mehr hörbar. Die Stimmung ist nur in Halbtonschritten veränderbar, wobei die aktuelle Tonhöhe im Display angezeigt wird. OSC B sieht neben Puls und Sägezahn noch eine Dreiecksschwingung vor. Ferner lässt sich dieser noch im LFO-Modus betreiben, wozu man ihn dann vom Keyboard abkoppeln kann. Neben der Stimmung in Halbtonschritten lässt sich OSC B im Verhältnis zu OSC A feinstimmen. Und dies so nuanciert, dass man wahrlich keinen Chorus benötigt, um feinste Schwebungen zu erzeugen. Dieses Feintuning plus Filter macht für mich schon einen großen Teil des Sounds eines Prophet aus. Da geht klanglich wirklich die Sonne auf. Ein weiterer einfacher, aber wichtiger Klangparameter ist der Hard Sync von OSC A durch OSC B, der den Klang deutlich bissiger gestaltet.  

Der Mixer

Von der Oszillator-Sektion geht es in den Mixer, wo sich der Noise Generator dazu gesellt. In diesem Bereich wird der Lautstärkeanteil aller drei Signalquellen (OSC A, OSC B und Noise) geregelt. Auf dem weiteren Weg gelangen wir in den Filterbereich mit Cutoff, Resonance, Keyboard Tracking (half/full), Envelope Amount und dem ADRS-Hüllkurvengenerator. Hier lassen sich die früheren Filtervarianten (1/2 und 3) abrufen, was einen sehr nuancierten Einfluss auf den Klangcharakter des Prophet hat. Die Revision 1/2 arbeitet mit einen von Dave Rossum entwickelten 2040 Low-Pass-Filter, während in der Version 3 das Low-Pass Filter CEM 3320 von Doug Curtis zum Einsatz kam. Die Umschaltung zwischen den beiden Varianten verändert zusätzlich das Verhalten der Hüllkurvengeneratoren. Während der Kurvenverlauf der Version 1/2 eher linear ausfällt, sind die Kurven der Version 3 doch eher „gebogen“. Dies hat natürlich Einfluss auf das Klangverhalten. Der anschließende VCA besteht aus den vier Reglern für ADS und R. Und damit wären wir bereits beim Master Tune, dem A=440-Hertz-Stimmton, und dem Regler für die Ausgangslautstärke angelangt.  

Poly Modulation, der Schlüssel für einen lebendigen Sound!

Auf der linken Seite liegt die Poly Modulation, die zwei Modulationsquellen (Filterhüllkurve und Oszillator B) auf drei Modulationsziele routet (Frequenz A, Filter und Pulsbreite A). Dabei ist die Intensität der Modulation regelbar. Im Prinzip haben wir es mit einer einfachen Modulationsmatrix zu tun. So einfach dieser Bereich wirkt, so entscheidend ist er für die Klangvielfalt, oder besser, Lebendigkeit dieser Synthesizer-Legende. Warum Poly Mod?

Zur Erklärung ein Beispiel: In dem Fall, in dem wir Oszillator B als LFO verwenden, verfügen wir über zehn separate LFOs (zur Erinnerung: Der Prophet 10 hat 10 Stimmen mit insgesamt 2x 10 Oszillatoren). Was passiert, wenn die Tastatur weiterhin die Tonhöhe von Oszillator B bestimmt? Richtig, wir verändern von Taste zu Taste die Frequenz (Tonhöhe) von Oszillator B und damit dann die Modulationsgeschwindigkeit. Spielen wir jetzt einen Akkord, dann weicht die Modulationsfrequenz von einem zum anderen Ton eines Akkordes ab. Dieser im ersten Moment unscheinbare Effekt erzeugt eine Lebendigkeit im Klang, die man vielleicht gar nicht hört – aber fühlt.  Das macht schon einen Unterschied.

Das können wir nun weiterspinnen, wenn wir Oszillator A mit Oszillator B modulieren, wenn dieser nicht im LFO-Modus steht. Dann reden wir von der FM-Modulation. Hier liegt die Ursache dafür, dass der Prophet nicht nur die warmen analogen Klangteppiche hervorzaubert, sondern auch glockenartige, metallische und recht aggressive Sounds.

LFO

In Zusammenhang mit dem Modulationsrad gibt es noch eine zweite Modulationseinheit, die wahlweise den LFO (Sägezahn, Dreieck, Rechteck) und/oder das Rauschen (stufenlos mischbar) auf die Frequenz von Oszillator A, B, PW A, PW B oder das Filter legt. Die Intensität bestimmt man dann per Modulationsrad oder Aftertouch. 

Die Tastatur

Damit wären wir bei einem weiteren Highlight des Prophet-5/Prophet-10 angekommen: Sequential hat beiden Versionen eine anschlagdynamische Fatar-Tastatur mit Aftertouch verbaut, was die Instrumente aufwertet. Beide Funktionen lassen sich einzeln auf Filter und/oder AMP (Dynamik), oder auf Filter und/oder LFO (Aftertouch) routen bzw. ganz deaktivieren. Vergessen sollte man nicht die Glide-Funktion, die polyphon wie monophon nutzbar ist. Nicht sofort auffindbar dürfte die Chord-Memory-Funktion sein. Es ist allerdings einfach, wenn man es weiß: Gewünschten Akkord spielen und die Unison-Taste drücken. Schon liegt der Akkord auf einer Taste.

Die Speicher-Architektur

Hatte der alte Prophet nur 40 Speicher, so wartet die aktuelle Version mit 400 Programmen auf. Diese teilen sich auf in 200 Werkspresets, die man nicht überschreiben kann sowie 200 freie Speicherplätze für eigene Programme. Ein Programm wird durch eine dreistellige Ziffer angezeigt. Die erste Ziffer bezeichnet die „Group“ mit einem Wertebereich von 1 - 5. Gleiches gilt für die mit „Bank“ bezeichnete zweite Ziffer. Die dritte Stelle ruft schließlich die Programm-Nummer von 1 - 8 ab. Im Extremfall muss man also alle drei Taster bemühen.

Global Functions – übergeordnete Funktionen

Die Programmwahltasten bieten alle Doppelfunktionen, die ober- und unterhalb der Tasten in recht schwer lesbarer gräulicher Schrift bezeichnet werden. Da es sich um globale Funktionen handelt, beziehen sich diese Parameter immer auf das Gesamtinstrument, sind also nicht je Programm speicherbar. Darunter finden wir z. B. die Einstellungen der Empfindlichkeit von Aftertouch und Velocity, oder der verschiedenen Skalen. Besonders letzteres hätte ich mir pro Programm speicherbar gewünscht, denn man möchte vielleicht nur vereinzelte Klänge mit einer alternativen Stimmung spielen.

Anschlüsse

Der Signalweg des Prophet-5/-10 ist konsequent mono, nicht multitimbral und bietet keine Effekt-Engine, die ein Stereosignal erzeugen könnte. Insofern ist klar, dass das Instrument nur über einen Monoausgang verfügt. Weitere Anschlüsse sind: Kopfhörer, MIDI In/Out/Thru, USB (MIDI, kein Audio), Pedal (für Lautstärke und Filter Cutoff separat), Release-Fußschalter und, Überraschung: Der Prophet bietet CV In/Out (1 V/oct) sowie Gate In/Out. So ausgerüstet kann man ihn auch in die modulare Synthesizerwelt integrieren. Allerdings hat man keinen direkten Zugriff auf Filter oder andere Funktionen. Schade eigentlich. Mit ein paar Tricks könnte man den Pedaleingang für Filter Cutoff zweckentfremden, was jedoch umständlich ist.

1 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare