Gitarre
Test
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31.07.2021

sE Electronics VR1 Vintage Edition Test

Passives Bändchenmikrofon in Retro-Optik

Der Hammer(-schlag)

Vorweg: Das sE Electronics VR1 Vintage Edition ist eine im Retro-Design gestaltete Version des VR1, das aktuell als VR1 Voodoo Kaufinteressenten verhexen will. Die Vintage-Edition zeichnet sich dadurch aus, dass die reinen Gehäusebauteile, die bei dieser Bauform recht klein sind, in grüner Hammerschlagoptik gehalten sind. Eine ganze Reihe Mikrofone aus dem sE-Portifolio haben gibt es nun in dieser Option. Gestartet hat das alles wohl mit dem HB52, das Harp-Mikrofon, das mit Hohner zusammen entwickelt wurde.

Details

Klassisch und klein

Das sE VR1 ist ein passives Bändchen in klassischer Achtercharakteristik. Das VR2, die aktive Variante, ist momentan nicht mit Hammerschlag-Lackierung erhältlich, sondern nur in einfachem Schwarz. Mit etwas mehr als zwölf Zentimetern Bauhöhe ist das Ribbon-Mikrofon recht klein, mit unter zwei Zentimetern zudem außerordentlich dünn. 230 Gramm erlauben es, auch recht fragile Mikrofonhalterungen und schlotterige Ständer mit der Aufnahme des VR1 zu betrauen. Allerdings wird es dann doch etwas größer, wenn das Mikrofon in der mitgelieferten elastischen Halterung sitzt.

Neodym und 2,5 Micron

Das Prinzip eines passiven Bändchenmikrofons ist sehr simpel: Zwischen zwei Magnetpolen sitzt ein dünnes, gefaltetes Bändchen, das sich mit dem Schall bewegt und durch das Magnetfeld eine Spannung induziert. Diese wird mit einem Übertrager hochtransformiert – fertig. Das ist auch beim sE Electronics VR1 nicht anders. Die Magneten sind, wie immer in Ribbon-Mikros kleiner Bauart, mit der Seltenen Erde Neodym leistungsfähiger als die AlNiCo- und andere Varianten. Zwar ist das Aluminiumbändchen mit zweieinhalb Micron recht dünn, doch gibt es auch deutlich dünnere. sE gibt zwar an, dass das Bändchen “hand tensioned” sei, doch wüsste ich nicht, dass es bereits gelungen ist, Bändchen maschinell in die richtige Ausrichtung zwischen den Magneten und die genau benötigte Spannung zu bringen. Weil das Mikro von vorne wie von hinten identisch aussieht, ist auch die Richtcharakteristik symmetrisch (bis auf die Polarität). Es ergibt sich also die Acht.

Papierkram

Urteilt man nach den zur Verfügung stehenden Daten, müsste das VR1 recht wenig nach Bändchen klingen, denn der Frequenzgang geht numerisch bis 18 kHz, grafisch wird aber selbst die 20 kHz-Marke mit einem nur sehr leichten Abfall durchkreuzt, es ist sogar zu erkennen, dass die Höhen oberhalb von 2 kHz geringfüg mehr Pegel besitzen als darunter (Der wichtige Messabstand wird jedoch nicht genannt.). Außerdem wird wohl der Klirr bei üblichen Pegeln noch sehr gering sein: Der maximale Schalldruckpegel, vorbildlich für 0,5% THD+N angegeben, liegt bei 135 dB SPL. Da er bei Bändchen mit abnehmenden Frequenzen zunimmt, bleibt es aber dennoch spannend. Ein Rauschmonster scheint das Mikrofon ebenfalls nicht zu sein, 19 dB(A) sind ein ordentlicher Wert für ein derartiges Mikro. Mit 1,78 mV/Pa gibt es so viel Pegel aus wie viele vergleichbare Mikrofone und viele Tauchspulenmikrofone, mehr liefert naturgemäß die größere, aktive Variante sE Electronics VR2. 300 Ohm Impedanz sind für passive Bändchen nicht unüblich. sE scheint einen Phantomspeisung-Blocker einzubauen, die elbst dann, wenn durch einen Fehler Phantomspeisung unsymmetrisch zum Mikrofon gelangt, das empfindliche Bändchen schützt.

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