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sE Electronics VR1 Vintage Edition Test

Praxis

Ordentlich

sE Electronics ist dafür bekannt, vernünftige Mikrofone zu einem bezahlbaren Preis anzubieten. Das ist auch beim sE Electronics VR1 nicht anders. das Hammerite-Finish der Vintage Edition macht einen guten Eindruck, die Verchromung auf der Vorderseite ist ok. Generell ist das VR1 mechanisch einfach und funktionell aufgebaut.

Das Mikrofon ist einfach aufgebaut und vernünftig gefertigt.
Das Mikrofon ist einfach aufgebaut und vernünftig gefertigt.

Umgang mit hohen Pegeln gut

Von der technischen Seite gesehen kann das VR1 den konzeptionellen Konkurrenten das durchaus das Wasser reichen: Das Mikrofon rauscht für ein Bändchen eher wenig und verarbeitet hohe Pegel recht problemlos. Nicht ganz wie die Crowley&Tripp-Nachfolger KSM 313 und KSM 353 mit ihren Roswellite-Ribbons natürlich, aber immerhin so, dass auch ein aufgerissener Gitarrenamp ohne Zerrung durch das Mikrofon oder gar Beschädigung verkraftet wurde. Dass das Pattern sehr frequenzstabil ist, ist keine Kunst, sondern in typischer Vorteil dieses Mikrofontyps.

Höhenflug bei den Höhen

Im Vergleich mit anderen Ribbons fällt auf, dass das sE VR1 tatsächlich recht offene und vergleichsweise pegelstarke Höhen liefert. Was gut ist: Selbst bei naher Besprechung und dann entsprechend kräftigem Bass bleibt das Signal transparent. Mulm und Matsch treten erst bei sehr geringem Abstand hervor. Die zum Vergleich genutzten Neodym-Ribbons Beyerdynamic M130 und Stager SR-2N mk3 zeigen ich weniger durchsichtig. Das M130 wirkt aber erwartungsgemäß etwas natürlicher und unaufgeregter, das SR-2N punktet hingegen durch einen strafferen, kontrollierteren, aber dennoch aufgeblasenen Bass.

Audio Samples
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sE VR1, 10 cm sE VR1, 30 cm, 0 Grad sE VR1, 10 cm, 45 Grad sE VR1, 70 cm sE VR2, 30 cm Beyerdynamic M130, 30 cm Stager SR-2N mkIII, , 30 cm Coles 4038, 30 cm Melodium 42Bn, 10 cm Melodium 42Bn, 30 cm

Weiche Ribbon-Tiefen, aber kein starker Charakter

Sehr “griffig” sind die Mitten nicht, sondern neigen eher zu rundem und gemütlichem Charakter. Die Tiefen sind ebenfalls etwas “entgratet”, was zu einem angenehmen, verzeihenden Klangbild führt, aber auch ein Stück weit auf Kosten der Auflösung geht. Im Vergleich zum Klassiker Coles 4038 fehlt dem sE etwas an Charakter, was vor allem daran liegt, dass das VR1 wohl etwas weniger harmonische Verzerrungen aus den tiefen Frequenzen generiert. Das Melodium 42Bn zeigt, wie man perfekt Klarheit mit Größe und Charakter kombinieren kann, der französische Exot ruft allerdings auch das Vielfache des Preises eines VR1 auf.

Trotz relativ starker Höhen nicht spitz

Beim Vocal-Recording gefällt (wie bei fast allen Ribbons), dass spitze, scharfe Signalanteile nicht übertrieben repräsentiert werden. Das kleine Gehäuse selbst ist zwar nicht besonders geschützt gegen Körperschallübertragungen, aber das besorgt die vielleicht nicht ansehnliche, aber gut funktionierende Spinne. Erstaunlich ist, dass die beiden Metallgazen vor dem Bändchen recht ordentlich gegen Popps schützen.

Alternative?

Das sE VR1 scheint von seinem Klangduktus eine empfehlenswerte preiswerte Alternative zum Royer R-121 zu sein wenngleich es auch an seine Klasse nicht ganz heranreicht (das aber auch nicht muss – bei dem Preis).

Das Mikrofon ist nicht nur schön, sondern auch recht preiswert und vielseitig einsetzbar.
Das Mikrofon ist nicht nur schön, sondern auch recht preiswert und vielseitig einsetzbar.
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