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06.05.2015

Vintage Synth: Roland Jupiter-8

Polyphoner, analoger Synthesizer

Die Königsklasse

Die 8 scheint unter den alten analogen Synthesizern eine Art magische Zahl zu sein: Ob Yamaha CS80, Sequential Circuits T8, Oberheim OB-8 oder eben Roland Jupiter 8 – es scheint, als habe sich die 8 als Zertifikat für analoge Flaggschiffe durchgesetzt. Auch bei mir glänzten unweigerlich die Augen, als ich den JP8 zum ersten Mal bei mir zuhause begrüßen durfte. Denn bis zu diesem Tag trugen meine Top-Synthesizer eher Bezeichnungen wie Poly6, Juno 60 oder Prophet 600. Dieser Tag wurde lang und das Glänzen in meinen Augen größer. Heute gehört der Jupi zweifelsohne zu meinen festen Weggefährten ...

Und das trotz – oder besser gesagt wegen – ein paar Seitensprüngen. Denn wer den JP8 mag, der wird immer auch mal auf das Rackmodul MKS80 schielen, das so etwas wie ein würdiger Nachfolger des Jupiter 8 sein sollte. Ich hatte das Vergnügen, einen frühen sowie ein späteres Modell des MKS im direkten Vergleich mit dem „Original“ JP8 probieren zu dürfen. Und ich habe beide MKS80 wieder verkauft. Auch wenn das technisch gesehen blödsinnig klingt: der Juno 60 liegt meinen Ohren nach klanglich näher am JP8, als ein MKS80.

 Um die Jupiter-Filter ranken sich im Internet zahlreiche Mythen und Legenden. Oft liest man, dass im MKS80 ab einer bestimmten Baureihe (Seriennummer 511800) keine Curtis-Filter mehr verbaut wurden. Ich habe aber weder in den beiden MKS80, noch in meinem JP8 auch nur einen Curtis-Filter gefunden. Die Filter stammen von Roland und tragen bei meinem Jupiter 8 die Bezeichnung IR 3I09. Später wurden im MKS dann IR305 eingesetzt (auch von Roland), die gleichzeitig VCF und VCA steuern.

Meiner Ansicht nach hat auch die MKS-Rackversion ohne Zweifel ihre ganz eigene Qualitäten. Aber sie klingt viel klarer und digitaler, während der Jupiter 8 deutlich aggressiver, charaktervoller und analoger klingt. Darüber hinaus ist das Schrauben, selbst mit MPG80, längst nicht so sexy wie bei der Tastenversion.

Aber lassen wir den subjektiven Höreindruck mal beiseite und widmen wir uns gleich mal den harten Fakten. Denn auch da hat der Jupiter 8 es in sich! Beim Öffnen der „Motorhaube“ wurden mir auf Anhieb zwei Dinge klar:

1.    Warum wiegt ein JP8, der gerade mal 16mm breiter ist als ein Juno, fast doppelt so viel, wie sein kleiner Bruder?

2.    Warum brauche ich im Winter keine Heizung im Studio?

Antwort: der Jupiter ist so randvoll mit Elektronik, dass nicht mal mehr Platz für Staub ist. Mir drängt sich der Vergleich mit dem Motorraum eines 911er Porsche auf, der hinsichtlich Raumausnutzung, Betriebstemperatur und Leistung ähnlich dimensioniert ist, wie ein Roland Jupiter 8.

Der Jupiter verfügt über 8 Stimmen, die durch 2 VCO’s pro Stimme samt Pulsbreitenmodulation und Ringmodulation ordentlich Druck auf die Ohren bringen. Die Oszillatoren lassen sich synchronisieren und die Modulation mittels Mod Switch wahlweise auf den einen, den anderen oder auf beide Oszillatoren routen. An Wellenformen stehen die üblichen Vertreter zur Verfügung (Triangle, Sawtooth, Pulse, Square Waves). Dazu lässt sich auf den zweiten Oszillator noch Noise mischen. Über den PWM Mode Switch stehen  die Einstellungen LFO, Manual und ENV-1 zur Verfügung.

Der LFO hat neben vier Wellenformen als besonderen Gimmick eine Random-Funktion. Über den LFO lässt sich beim Jupiter auch der VCA modulieren, was der Soundvielfalt zugute kommt.

Über die zweifache ADSR-Regelung brauchen wir hier nicht groß zu reden. Attack lässt sich in einem Regelbereich von 1mS bis 5S steuern, Decay spielt sich in einem Bereich von 1mS bis 10 Sekunden ab, ebenso die Release-Zeit. 

Praktisch für Live-Betrieb und Studio-Produktionen ist die Split-Funktion. Hier kann man zwei Sounds parallel nebeneinander spielen oder man lässt den Arpeggiator links dudeln während man die rechte Hand für Soli frei hat. Apropos Arpeggiator: der ist beim JP8 eine wirklich nützliche Funktion. Neben der üblichen rauf- und/oder runter-Spielweise kann man sich hier entschieden über welches Oktavspektrum sich der Arpeggiator erstrecken soll. Darüber hinaus gibt es die Random-Funktion, die die Klangvielfalt um ein wesentliches erhöht.

Einen Sequenzer vermisst man hier – allerdings nicht wirklich schmerzlich, wenn man sich die aus heutiger Sicht kläglichen Sequenzer damaliger Konkurrenzmodelle anschaut. Dafür bietet der Jupiter 8 eine Vielzahl an Modulationsmöglichkeiten, die - damals wie heute - gigantisch sind. Außerdem gab es bereits damals eine Option mit dem Namen Roland JSQ-60, zumindest für die DCB-Modelle. Der Sequencer ist einfach aber er erfüllte damals seinen Zweck. Auch heute noch ist der JSQ-60 ein simpel und intuitiv bedienbares Gerät. Ob er technisch gesehen noch viel Sinn macht, muss jeder selbst entscheiden.

Wer die Power eines Jupiter 8 spüren will, der sollte versuchen, mal einen in die Hände zu bekommen. Spätestens, wenn man alle Stimmen des JP8 im Unisono-Modus auf einmal ins Rennen schickt, weiß man, warum der Jupiter nach wie vor von so vielen Größen im Musikgeschäft als heiliger Gral betrachtet wird.

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