2012_Jahresrueckblick Workshop_Folge
Workshop
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25.10.2011

Produce-Alike #10 - David Guetta feat. Sia

"Titanium" - der Hit zum Nachproduzieren!

Kaum ein Produzent war in den letzten Jahren so omnipräsent in den Charts wie der Franzose David Guetta. Mit seiner geradlinigen Pop-Dance-Musik, die sich bei aktuellen Club-Trends genauso bedient wie bei Eurodance-Klassikern, trifft er offenbar den Nerv der Zeit. Nach zahlreichen Kollaborationen mit etablierten Künstlern (z.B. Kelly Rowland, Black Eyed Peas, Rihanna) erschien vor kurzem sein neues Album „Nothing But The Beat“, das es in vielen Ländern auf Platz 1 geschafft hat. Wir haben uns die Single „Titanium“ herausgesucht, um dem musikalischen Erfolgsgeheimnis des Erfolgs-DJs auf die Spur zu kommen.

„Titanium“ ist eine typische Dance-Single in einem gemäßigten Disco-Tempo von 126 BPM. Der Song hat eine radiotaugliche Struktur aus Strophen und Refrains, nicht ohne dabei auf verschiedene Dance-Stilmittel zu verzichten. So folgt auf den spannungsaufbauenden Refrain ein extatischer Instrumental-Part, der mit seinen pumpenden Bässen und Synths die Tanzflächen füllt. Doch lasst uns am Anfang beginnen.

INTRO

Beim ersten Hören drängt sich irgendwie der Gedanke auf, dass Herr Guetta sich ein  Gitarrenloop von The Police stibitzt hat. Der prägende Sound im Intro und auch in den Strophen ist tatsächlich ein abgedämpftes Gitarren-Lick, das in einem Dance-Track zunächst einmal überrascht. Ich habe das Lick aus verschiedenen synthetischen Komponenten zusammengesetzt, die eine echte Gitarre natürlich niemals ersetzen können. Für unsere Workshop-Zwecke haut es aber ganz gut hin.

Den Anfang machen drei Instanzen von Native Instruments Kontakt 5 mit einem Mute-Guitar-Sound aus der Factory-Library. Der Sound ist dreimal geringfügig anders eingestellt, und die Spuren sind im Stereobild verteilt. Außerdem habe ich den Part nicht einfach kopiert, sondern mit der Humanize-Funktion von Logics Transformer kleine Ungenauigkeiten eingebaut. In den beiden Soundbeispielen hört ihr eine Gitarre einzeln und dann die Kombination der drei Spuren.

Das reicht so natürlich noch nicht. Um das Saiten-Anschlagsgeräusch noch etwas hervorzuheben, habe ich zusätzlich den Bass-Synth Spectrasonics Trilian zweckentfremdet. Ein mit Plektrum gespielter Mute-Bass-Sound in einer hohen Lage liefert noch etwas „Pluck“ und wird leise hinzugemischt. Mit einem Kompressor heben wir den Attack noch etwas hervor, und ein EQ sorgt dafür, dass tatsächlich fast nur das Anschlagsgeräusch übrig bleibt.

Und zu guter Letzt darf der Access Virus TI noch einen synthetischen Pluck-Sound beisteuern, der das Ganze etwas zusammenhält.

All diese Komponenten werden auf einen Bus geroutet, wo sie zunächst einen gemeinsamen Kompressor durchlaufen. Dieser hilft dabei, die verschiedenen Sounds zu einer Einheit zu formen. Anschließend folgt ein EQ, der die oberen Mitten betont und die dröhnenden tiefen Mitten absenkt. Ein unauffälliges Achtel-Delay wirkt ebenfalls als „Klebstoff“ und erzeugt nebenbei eine gewisse Räumlichkeit, ohne zu matschen. Im Endergebnis hört sich das jetzt so an:

David Guetta macht mit diesen Gitarren dann ein paar Hall-Experimente. Ein großer Hall wird per Automation hier und da hineingedreht, um dann am Beginn des nächsten Taktes abrupt abzubrechen. Dazu automatisieren wir einen Aux-Send auf dem Gitarren-Bus, an dessen Ende ein Hall-Plugin mit einem ziemlich groß klingenden Raum hängt. Damit der Hall plötzlich verschwindet, müssen wir außerdem seinen Ausgang an den richtigen Stellen muten. In der Spurautomation sieht das dann so aus:

Und damit haben wir den Intro-Sound fertig. Das Ergebnis klingt wie folgt:

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