Test
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13.06.2019

Praxis

Wie gehabt kommt das Programm aus dem Apple Store aufs Tablet. iOS 10 oder neuer ist dabei in jedem Fall Pflicht, entsprechend klassifiziert sich die Liste der unterstützten Geräte. Ebenfalls nützlich sind entweder ein Splitterkabel zur Aufteilung des Master- und Preview-Signals auf zwei 3,5-mm-Buchsen oder ein von iOS unterstütztes Audiointerface bzw. ein DJ-Controller.

Die Bedienoberfläche wirkt ein wenig frischer als bei der Vorgängerversion und bietet euch in der Hauptansicht zunächst einmal zwei Decks mit Cover-Art, Abspielsteuerung und Sync-Button sowie einen Crossfader zum Überblenden.

Im oberen Bereich befinden sich rechts und links neben den Pegelmetern und dem neuen Phrase-Sync-Button die funktionsabhängig zoomenden Hotcues und Loops anzeigenden Wellenformansichten mit Track-Infos. Ferner zugegen sind die Kopfhörer-Buttons und eine Leiste mit Shortcuts.

Diese gibt Zugriff auf das Deck-Layout (Plattenteller, horizontale Wellenformen, vertikale Wellenformen), den Automixer, die Recording-Funktion und die Pop-up-Hilfe. Das Zahnrad steht für die WeDJ Preferences, wo sich allerlei Einstellungen vornehmen lassen, die das Programm selbst, Audioeinstellungen, Funktionsparameter und die Streaming-Accounts betreffen. Dazu ein paar Screenshots.

Das grundsätzliche Handling erschließt sich auch Neueinsteigern im Nu und ist straight-forward. Zwei Tracks aus der Musikbibliothek landen im Deck, werden daraufhin – so man es nicht in der Library zuvor erledigt hat – on the fly analysiert und schon lassen sich die integrierten Mixhilfen und tempoabhängigen Features nutzen.

Sync zum Beispiel, das die Geschwindigkeiten der Tracks und das Taktraster übereinanderlegt, falls ihr das Raster nachjustieren müsst, gibt es hier die Option, das Beatgrid anzupassen, nebst Zoomfunktion versteht sich. Oder das brandneue Phrase Sync, das die jeweiligen Phrasen eines Titels (Intro, Verse, Chorus, Bridge, Break, Outro …) miteinander synchronisiert und dabei in der Waveform anzeigt, wie viele Takte es noch bis zum Einsetzen der Phrase sind. Eine weitere Möglichkeit – jedoch kostenpflichtig – ist das Hotcue-Sync-Feature. Dies ermöglicht euch einen Sync-Vorgang mit Countdown zum nächsten Hotcue einzuleiten.

Der Keylock macht seine Arbeit gut und beugt Artefakten und Mickey-Maus-Effekten vor. Für den anstehenden Mix mittels Crossfader hat Pioneer zudem die Transition FX eingeläutet. Hier könnt ihr mit einem von 11 Übergangseffekten (Build-up, Break Down, Cut-In, Mix) arbeiten, die sich wie folgt anhören.

Wer es etwas subtiler mag, darf auch ganz klassisch mit Tempo-Fadern arbeiten, mit den Pitchbends bremsen oder anschubsen und minutenlange Beatmixe via Dreiband-EQ und FX zelebrieren, allerdings ist die Bedienoberfläche hier schon etwas kein und man wünscht sich einen kompatiblen Controller wie den DDJ-200 (hier im Test) oder was mir persönlich ebenfalls gefallen würde einen external Mixer-Mode, doch der ist hier nicht vorgesehen. Lediglich das Master/Cue-Routing für externe Interfaces wird angeboten (siehe Bild) und eine Splitter-Option für gleichnamige Kabel.

Linefader sind ebenfalls an Bord und zwar im Mixer-Panel, das dazu noch Gain („Trim“) und Hi/Mid/Low-EQs anzubieten hat. Das Seiten-Popup überlagert, wenn aufgerufen die Plattenteller bzw. Wellenformen. Hier geben sich auch Schaltflächen zum Aufruf von Hotcues, automatischen und manuellen Loops, dem Sampler sowie den Combo- und PAD-FX die Ehre. Das Angebot hat sich hier nicht weiter geändert, ebenso bei den Sample-Packs, daher möchte ich für weitere Audiobeispiele auf den App-Test des Vorgängers verweisen.

Library

Die Library, die via Deck-Tapping aufgerufen wird, bietet ein vertrautes Bild. Zum einen sind dort nach wie vor Shortcuts zu Album, Artist, Track, Recording-Liste und History für die „My Music“ Library zu finden. Hinzugekommen ist die Möglichkeit, eigene Playlisten (anstelle der Tag-List) direkt in der App anzulegen (unter dem WeDJ-Icon) und es gibt eine Vorschlagsliste unter dem Menüpunkt „Suggestion“, die euch passende Musikstücke mit Tonart und BPM anzeigt, die ihr wiederum in Playlisten laden könnt. Das Harmonic Mixing könnte man noch ein wenig übersichtlicher gestalten, beispielsweise durch Farbcodes oder diverse Sortierfilter, aber hier dürfte im Laufe der Zeit vielleicht noch etwas passieren.

Streaming

Man ist jedoch nicht nur auf „My Music“ beschränkt, denn der interne Speicherplatz „Files“ und die Streaming-Dienste dürfen ebenfalls als Musikquellen genutzt werden. Die meisten Titel (über 150 Millionen) sind wohl bei Soundcloud go+ zu finden. Zweiter im Bunde ist Beatport Link mit knapp 7 Millionen Tracks aus der Elektro/Techno/House und Co-Schiene. Aber ihr könnt euch sicher denken: Umsonst gibt’s das nicht. Die monatlichen Abogebühren betragen 9,99 Euro bei Soundcloud go+ und 14,99 bei Beatport Link.

Einen Offline-Speichermodus für Playlisten gibt es bei Soundcloud go+ und Beatport noch nicht, aber er kommt zumindest für Beatport Link und ersten Informationen zufolge kostet das Locker-System 39,99 Euro für 50 Tracks bzw. 59,99 Euro für 100 Tracks pro Monat, was wohl eher die Profis auf PC/MAC oder Streaming-fähigen Standalone-Geräten anspricht.

Ist man mit seinem Account, der Test erfolgte mit Soundcloud und Beatport, verbunden, werden in Abhängigkeit von der WLAN-Geschwindigkeit und der Leistung der Hardware Tracks geladen und analysiert. Auf meinem iPad Air waren verfügbare Titel innerhalb von 7-10 Sekunden geladen und es benötigte noch einmal etwa die gleiche Zeit für die BPM- und Key-Analyse nebst Phrasenklassifizierung.

Jedoch fehlen beim Vorschlagsystem von Streaming-Content die BPM- und Key-Werte ohne Analyse eines Tracks. Dies ändert sich allerdings, wenn ihr auf den Analyze-Button drückt, nur ob das an dieser Stelle für den einzelnen User sinnvoll ist, muss natürlich jeder selbst entscheiden. Sind die Tracks in einer Playlist eingebunden, lasst sie am besten in einem Rutsch analysieren und gönnt euch ein Kaltgetränk. 

Die Tracks sind, wenn vollständig geladen, dann auch innerhalb des Decks gepuffert und spielen selbst bei unterbrochener WLAN-Verbindung bis zum Ende ab. Recording während des Streamings ist in diesem Fall deaktiviert. Mit gekauften Tracks, die lokal auf eurem Smartphone vorliegen, könnt ihr eure Mixsessions jedoch mittels integrierten Session-Recorder als WAVE oder AIFF aufzeichnen und nach Mixcloud und Soundcloud uploaden.

Habt ihr gerade keine Lust, selbst Hand anzulegen, kommt euch vielleicht der Automixer wie gerufen. Er ermöglicht diverse Playlisten mit definierbaren Übergängen ineinander zu mixen, auch geshuffelt. Das funktioniert erstaunlich gut.

WeDJ iPad?

Ich habe auch noch das WeDJ erster Generation auf dem iPhone und iPad, das gerade auf dem Tablet im Direktvergleich aufgrund seiner Optimierung für dessen Screen-Layout in den Punkten Navigation, doppelte FX-Panels pro Decks und den großen Wellenformansichten dem WeDJ für iPhone naturgemäß ein wenig überlegen wirkt und komfortabler zu bedienen ist, besonders was Browsing und Track-Auswahl angeht.

Umso mehr wirft dies die Frage auf, warum man keine Anpassung vorgenommen hat (Stichwort iPadOS), ob diese in Kürze folgt oder ob man gar mit einer Profiversion zu rechnen hat. Auf dem iPad buhlen immerhin zahlreiche Apps um die Gunst der DJs, die auch schon mal die Tür zum Erwerb der PC/MAC-Version mit DJ-Controller oder anderem Equipment aufstoßen können. Beispielsweise Traktor DJ, das mittlerweile seit 8 Jahren auf dem Markt ist und gerade erst den (noch kostenlosen) Relaunch vollzogen hat, der sich als ziemlich gelungen erweist. Oder Djay, das es auch als Mac-Version gibt. Dazu kommen Edjing, Mixvibes und DJ Player, die ebenfalls potente Apps im Sortiment haben. Warten wir ab, was die Zukunft noch für WeDJ bringt, aber es hat in der Summe schon ziemlich viel anzubieten.

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