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26.11.2019

Piano Librarys im Vergleich

Die besten Sample-Libraries für Flügel und Klavier 2019


Das Klavier findet genreübergreifend extrem viel Verwendung, sei es im Pop, der Klassik, der Filmmusik, puristisch, krass editiert oder als Hybrid. Folglich gibt es ein dementsprechend großes Angebot an Klavierlibraries, die ein klangliches Spektrum von „mein erster Casio“ bis hin zu 1.200 Samples pro Ton abdecken. Welche Libraries „die besten“ sind, hängt gerade hier sehr von Geschmack und Bedarf ab. Da wir gewöhnliche Klaviere untersuchen, sind die Unterschiede zwischen den Libraries nicht so gravierend wie etwa bei den Streichern. Im Folgenden vergleichen wir sieben Sample-Libraries anhand ihrer Stärken, Schwächen und Eigenarten.

Die Klaviere kommen von den Herstellern Native Instruments, Galaxy Instruments, Spitfire Audio, Imperfect Samples, Heavyocity und VSL. Neben einem kurzen Abriss der jeweiligen Library-Charakteristika interessiert uns auch die CPU-Auslastung. Damit die klanglichen Ergebnisse der verschiedenen Libraries überhaupt erst vergleichbar sind, war das Vorgehen stets dasselbe: zwei Stücke, eins eher laut, eins eher leise, wiedergegeben von sieben Libraries. Nur die gröbsten Schnitzer wurden ausgebügelt, Feinheiten im Programming fanden nicht statt. EQs oder Kompressoren kamen nicht zum Einsatz, die Räume sind Library-intern. Bei den Stücken handelt es sich um Chopins Nocturne Nr.2, als Vertreter der leisen Töne, und um die „Promenade“ aus den „Bildern einer Ausstellung“ von Mussorgsky, als Vertreter der Gegenseite. Aufnahmen von beiden sind überall leicht aufzutreiben, ein Gegenhören mit einem echten Klavier ist also kein Problem.

Imperfect Samples „Walnut Concert Grand“

Imperfect Samples hat verschiedene Klaviere im Programm, von denen ich den „Walnut Concert Grand“ (Basic) vorliegen habe, einen Steinway. Der Firmenname ist dabei Programm, das Klavier klingt lebensnah, die Samples auf angenehme Art und Weise rumpelig. Die Library ist sehr übersichtlich, da es sich hierbei um die Basic Version dreht. Es gibt zwei Instrumente: Player und Close. Abgesehen von RR „an“ oder „aus“, klanglicher Aufpüschelung per „Hollywood“ „an“ oder „aus“ und Piano FX „ja“ oder „nein“ existieren aber keine großartigen Bearbeitungsoptionen. Kompressoren, EQs, Reverbs – alles nicht vorhanden. Von allen Libraries in diesem Vergleich ist das hier definitiv die lebensnahste im Sinne von – nun ja – angenehm unperfekt und realistisch.

Imperfect Samples „Walnut Concert Grand“ – Pro und Contra

Ein Pro ist hier allein der Klang an sich. Und in Zeiten, in denen man für gewöhnlich an unendlich vielen Knöpfen und Reglern Einfluss auf den Klang nehmen kann, ist es darüber hinaus tatsächlich auch ein Pro, mal wieder eine Library vor sich zu haben, die einfach klingt, wie sie klingt, und fertig.

Der gleiche Punkt ließe sich allerdings auch als Contra auslegen. Es kommt einfach darauf an, was man will. 

Imperfect Samples „Walnut Concert Grand“ – eignet sich gut für

… alles was so klingen soll, als würde jemand tatsächlich irgendwo Klavier spielen und man hätte ein Mikro davor gestellt.

Imperfect Samples „Walnut Concert Grand“ – eignet sich nicht so gut für

… großen, glatten, kommerziellen Sound und generell für nichts, das clean und, tja… perfekt klingen soll.

  • CPU Spitze: 52,5 %
  • Straßenpreis: 59,49 €

Heavyocity „Ascend“ – der Hybrid[Bild ...

Kommen wir nun zum absoluten Gegenteil der Imperfect Samples: Heavyocity macht, was sie am besten können, und das sind Hybrid-Libraries. Lebensnah oder begrenzt ist hier so ziemlich rein gar nichts. Die Grundlage für Ascend ist ebenfalls ein Steinway, und zwar der größte, den es gibt: der Steinway D. Das Wort „Grundlage“ beschreibt es ganz gut, denn die Presets des eigentlichen Flügels (der sehr schön klingt!) stehen einer absoluten Übermacht von hybriden Presets gegenüber. Es geht also um Klangverdrehung in allen Variationen und dafür hält Ascend ein ganzes Arsenal an Tools bereit. Wer sich damit näher beschäftigen möchte, für den geht es hier zum Bonedo-Test von Ascend. Uns soll an dieser Stelle reichen, dass Ascend keine Klavierlibrary im klassischen Sinne ist, sondern ein Tool für hybride Klänge und Sounddesign auf Klavierbasis mit fantastischem Klang und unendlich vielen Möglichkeiten.

Heavyocity „Ascend“ – Pro und Contra

Das klare Pro ist hier ein mit verschiedenen Mikrofonpositionen exzellent aufgenommener Steinway D. Aber deshalb schafft man sich Ascend vermutlich nicht an, sondern eher wegen des nächsten Pros: der Library. Sie bietet unendlich viele Möglichkeiten zur Klangbeeinflussung und hat ein riesiges Angebot an Presets in petto. Als Contra zum Flügel habe ich anzumerken, dass es bei lauten bis sehr lauten Anschlägen zu wenig Holz im Klang gibt. Die scharfe, hämmernde Note, die ein Klavier im Fortissimo absolut hat, fehlt hier komplett. Das nimmt der Library, auch im hybriden Sinne, unnötig viel an analoger Wärme.

Heavyocity „Ascend“ – eignet sich gut für

…Hybrides, Sounddesigniges und alles, was groß, clean, fett und kommerziell klingen soll – vorausgesetzt, man möchte keine realistische Klavierwelt emulieren.

Heavyocity „Ascend“ – eignet sich nicht so gut für

…Kammermusik, Intimes und Kleines. Es ist per se keine Library für einen realistischen Klavierklang. Die Steinway-Presets gehen zwar klar, aufgrund der mangelnden klanglichen Tiefe würde ich sie aber niemals für Soloklavierstücke verwenden. Ab Songarrangement aufwärts geht das alles gut durch, für alles darunter würde ich mich anderswo bedienen.

  • CPU Spitze: 83,9 %
  • Straßenpreis: 149,00 $

Native Instruments „Una Corda“ – wattewe...

Wer schon mal in ein Klavier reingeguckt hat, weiß, dass pro Taste teilweise mehrere Saiten angeschlagen werden. Je höher es dann geht, desto mehr Saiten werden es aus Gründen der Klangbalance. Das Prinzip hinter Una Corda ist, dass stets nur eine Saite (Corda) genutzt wird. Das führt, wie man sich leicht denken kann, zu einem weichen, zurückgenommenen und intimen Grundton, wie man ihn viel in neoklassischer und aktueller Filmmusik hört. Una Corda bietet diesen Grundton nicht nur in der puren Version, sondern auch noch in gedämpften Varianten, einmal mit Filz und einmal mit Baumwolle. Alle drei klingen sehr verschieden, sehr eigen und wirklich sehr gut! Außerdem mitgeliefert werden eine ganze Reihe von Möglichkeiten, um dem erdigen Grundklang noch mehr Erdiges zu verleihen, sei es per Obertöne, Ambience, Pedalgeräusche, Bandsättigung etc. Una Corda schöpft in seinem Rahmen also alle Möglichkeiten aus und ist ein exzellentes Instrument für das, was es sein soll.

Native Instruments „Una Corda“ – Pro und Contra

Die Pros habe ich oben schon beschrieben; eine Menge Möglichkeiten zur Klanggestaltung, drei verschiedene Grundklänge, jede Menge Presets, um sich einen Überblick über die Möglichkeiten zu verschaffen und, und, und. Außerdem ist der Preis mehr als fair.

Ein Contra gibt es nicht.

Native Instruments „Una Corda“ – eignet sich gut für

…Intimes, Weiches, Neoklassisches. Wer weiche, zurückgenommene Klavierwelten mit Nebengeräuschen, Ambience und allem Pipapo kreieren möchte, der ist hier genau richtig – Olafur Arnalds, Laurence Ipsum, Nils Frahm, sie alle lassen schön grüßen.

Native Instruments „Una Corda“ – eignet sich nicht so gut für

…einen satten, vollen, klassischen Klavierklang. Das steht definitiv nicht auf der Agenda von Una Corda bzw. ist mit nur einer Saite pro Ton auch gar nicht zu machen. 

  • CPU Spitze: 55,5 %
  • Straßenpreis: 149,00 €

 

Galaxy Instruments/Native Instruments „N...

Ähnlich wie „Una Corda“, aber mit mehr als una Corda pro Ton, funktioniert die Library „Noire“. Hier handelt es sich um den Yamaha-Flügel von Nils Frahm persönlich, aufgenommen in dessen Studio in Berlin. Der Grundklang ist also massiger als bei Una Corda, bleibt aber trotzdem schlank. Auch hier gibt es zwei Ausgangslagen, den puren Klavierklang und den mit Filz gedämpften. Eine weitere Gemeinsamkeit sind die Effekte; Obertöne, Geräusche, Ambience, auch hier alles vorhanden. Ein besonderer Clou ist allerdings die Particle-Engine, eine Art Geräusch-Delay mit verschiedenen Klangquellen für die Particle bzw. Delays. Wer sich näher mit Noire beschäftigen möchte, für den geht es hier zum Bonedo-Test.

Galaxy Instruments/Native Instruments „Noire“ – Pro und Contra

Auch diese Library steht im Zeichen der Neoklassik und dieses Genre bedient sie in der Tat auch sehr gut. Alle Effekte sind zweckdienlich und mit der Particle-Engine bietet Noire ein schönes Alleinstellungsmerkmal. In diesem Sinne also alles Pro. Das einzige Contra wäre auch hier, wie bei Heavyocitys Ascend, die mangelnde klangliche Tiefe der Samples im Forte. Egal, wie hart man die Taste anschlägt, der Klang bleibt ab einem bestimmten Punkt gedeckelt.

Galaxy Instruments/Native Instruments „Noire“ – eignet sich gut für

…Klavierwelten, die zwar weich und intim, aber nicht so zurückgenommen sein sollen, wie die des Una Corda. Außerdem ist es eine grundsolide Klavierlibrary für einen Sound innerhalb von Arrangements, sei es Pop, Film oder TV. Hier bietet die Library viele gute Features, um den Klang perfekt anzupassen. 

Galaxy Instruments/Native Instruments „Noire“ – eignet sich nicht so gut für

…klassischen Soloklavierklang. Dafür fehlt es an klanglicher Substanz.

  • CPU Spitze: 57,4 %
  • Straßenpreis: 149,00 €

Native Instruments „Alicia’s Keys“ – Ali...

„Alicia’s Keys“ entstand in Zusammenarbeit mit – Überraschung – Alicia Keys. Für diese Library wurde ihr Yamaha-Neo-C3-Flügel abgesamplet. So weit so gut. Allerdings ist die Library für den Aufwand erstaunlich klein geraten: 15 Prestes, drei Hallräume, eine Mikroposition, minimale Einstellungen für Resonanz und Geräusche. Das ist im Vergleich zu allen anderen ausgesprochen mager. Sogar im Vergleich zu Imperfect Samples, die zwar auch nicht viele Tools anbieten, dafür aber mit einem sehr eigenwilligen, realistischen Sound auftrumpfen. Das kann man von Alicia’s Keys leider nicht behaupten. Die Library klingt okay, aber in keinerlei Hinsicht speziell oder besonders. Der Klang mutet seltsam artifiziell und flach an. Alicia selber sagt auf der Native Instruments Website dazu: "Ich bin sicher, dass es das beste virtuelle Piano ist, das Sie je gehört haben […]“ – Äh, nein.

Native Instruments „Alicia’s Keys“ – Pro und Contra

Pro: Es ist eine günstige und faire Library für Einsteiger und sie eignet sich mit Sicherheit gut für alles, bei dem das Klavier eher Beiwerk als Hauptsache ist, also z. B. vermutlich eher nicht für Songs von Alicia Keys.

Contra: sehr wenig Angebot und Eingriffsmöglichkeiten bei gleichzeitig uncharismatischem Sound.

Native Instruments „Alicia’s Keys“ – eignet sich gut für

…Arrangements, in die sich die Klangfarbe der Library nahtlos einfügt

Native Instruments „Alicia’s Keys“ – eignet sich nicht so gut für

…alles, in dem das Klavier eine tragende Rolle spielt. Es sei denn, man steht exakt auf den Sound der Library.

  • CPU Spitze: 66,9 %
  • Straßenpreis: 99,00 €

Spitfire Audio „Hans Zimmer Piano“ – das...

Es folgt der nächste Steinway, wieder ein Steinway D, aufgenommen in den Londoner Air Studios. Machen wir es kurz, das hier ist die bisher krasseste Library in unserer Runde. Dabei ist sie gleichermaßen schlank wie reichhaltig. Das GUI bietet schnelle Regler für High Cut, Low Cut und Transposition, außerdem vier Regler für die Mikropositionen Ambient, Room, Close, Spot. Diese bilden aber bereits eine Zusammenfassung verschiedener Mikrosignale, von denen es insgesamt 16 an der Zahl gibt. Instrumente gibt es eigentlich „nur“ vier: den Grundklang, den Grundklang in Supersoft, Various FX und Percussion FX. Diese vier Instrumente gibt es aber nun wiederum in allen erdenklichen Mikrofonkombinationen. Und ja – natürlich gibt es auch jedes der 16 Mikrofone als Einzelsignal.

Klanglich ist der Flügel sehr gut, alle Nuancen sind vorhanden und räumlich bleibt sowieso kein Wunsch unerfüllt. Eine schlichte Library im Funktionsumfang, ein Monster in Sachen Mikrofonangebot und klanglicher Detailliertheit. Dass auch noch eine umfangreiche FX-Sektion mitgeliefert wird, ist natürlich ein feiner Zug und gerade in Sachen Film und TV sehr willkommen.

Spitfire Audio „Hans Zimmer Piano“ – Pro und Contra

Pros sind die klangliche Tiefe, das enorme Angebot an Mikrofonsignalen sowie die Tatsache, dass die Library ansonsten auf jegliches Chichi verzichtet.

Contra: ganz klar: nichts.

Spitfire Audio „Hans Zimmer Piano“ – eignet sich gut für

…alles, was einen realistischen, guten, satten Klavierklang braucht. Von Pop über Klassik bis hin zu Film geht alles. Auch für räumliche Spielereien ist diese Library sehr gut geeignet.

Spitfire Audio „Hans Zimmer Piano“ – eignet sich nicht so gut für

…hybride Spielereien. Dafür ist dann eher Heavyocitys Ascend zu gebrauchen – ebenfalls ein Steinway D.

  • CPU Spitze: 63,8 %
  • Straßenpreis: 399,00 €

 

VSL „Imperial“ – der Riese aus Wien[Bi...

Krasser Flügel Nr.2 kommt aus dem Hause VSL und ist ausnahmsweise kein Steinway, sondern ein Bösendorfer Imperial. Der (echte) Bösendorfer ist mein absoluter Lieblingsflügel, der in Sachen Musikalität seinesgleichen sucht. Ein riesiges Schiff, das sich neben seinem exzellenten Klang durch vier Extratasten im Bassbereich auszeichnet. Hört der normale Flügel beim A auf, geht der Bösendorfer runter bis zum F, verschleiert diese Tatsache aber elegant dadurch, dass ab dem A abwärts alle Tasten schwarz lackiert sind. 

VSL hat seine Imperial-Library mit hauseigenem Player bereits vor vielen Jahren herausgebracht, was bedeutet, dass nicht alle Standards heutiger Libraries erfüllt sind, wie etwa 4+ Mikrofonpositionen (hier sind es nur drei) oder ein steuerbares RR-Verhalten. Andererseits ist VSL ohnehin etwas eigen in allem, was sie tun, denn trotz der (aus heutiger Sicht) „gerade einmal“ drei Mikrosignale, was damals viel war, sind die einzelnen Töne bis zu 1.200 mal gesampelt, was doch recht viel ist. Und das hört man. Die klangliche Tiefe ist beeindruckend, auch Spitfire kommt da nicht ganz mit. Von kaum hörbar bis brachial ist alles dabei. Leider klingt die Library etwas hart, mittig und spitz, um ein bisschen EQ’ing kommt man nie ganz herum. Aber auch das kennt man von VSL; die Samples geben alles her, aber eben nicht sofort und von alleine, ein bisschen Arbeit ist immer im Spiel – aber die lohnt sich!

VSL „Imperial“ – Pro und Contra

Zwei Pros sind ganz klar die klangliche Tiefe und die Bandbreite, denn damit lässt sich alles machen, was man braucht. Die drei Player-Positionen Close, Player und Distant helfen einem gut auf den Weg, der Rest ist EQ. Als Contra empfinde ich den harten und spitzen Grundklang. Ein echter Bösendorfer klingt wesentlich musikalischer. Dass man eine Library nicht mit dem echten Instrument vergleichen kann, ist zwar klar, aber man hätte sich ggf. doch eine andere Mikrofonierung bei der Aufnahme gewünscht.

VSL „Imperial“ – eignet sich gut für

…alles, bei dem es klaviertechnisch ums Ganze geht. Sofern man mit dem Grundklang einverstanden ist, gibt es nichts, was diese Library nicht kann.

VSL „Imperial“ – eignet sich nicht so gut für

…artifizielle und Hybridsounds, die sind eine ganz andere und vor allem vom Bösendorfer meilenweit entfernte Baustelle. Auch, wenn man sofort einen ausgewogenen Klang haben möchte, ist man hier nicht unbedingt an der richtigen Adresse.

  • CPU Spitze: 51,7 %
  • Straßenpreis: 495,00 €

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