Hersteller_HarleyBenton Bass
Test
7
14.12.2020

Praxis

Die beiden Solidbass-Tops bieten eine Clip-LED zur optimalen Pegelanpassung des Basses. Wenn das Signal zu stark ist, sollte sich das Lämpchen also eigentlich rot färben. Selbst mit voll aufgedrehtem Input-Regler bleibt die LED der Solidbass-Tops allerdings grün, obwohl mein passiver Jazz Bass ein relativ starkes Signal liefert. Und selbst mit keinem meiner aktiven Bässe kann ich die LED zu einer Reaktion überreden. Der praktische Nutzen dieses Features hält sich also eher in Grenzen.

Auch interessant:

Was du über Bass-Octaver wissen musst!

Weitere Kritik muss ich bezüglich der Signalqualität des Kopfhörerausganges loswerden: Der Rauschpegel ist hier doch vergleichsweise hoch, sodass die Nerven beim stillen Üben mit Kopfhörer auf die Dauer etwas strapaziert werden. Entwarnung kann ich dagegen hinsichtlich bezüglich der Nebengeräusche des Lüfters (oder im Falle des Solibass 600H: der beiden Lüfter) geben. Im Wohnzimmerbetrieb haben die Ventilatoren während meiner Testphase den Betrieb zu keiner Zeit aufgenommen; offensichtlich war hier wohl keine Kühlung nötig.

Damit qualifizieren sich die Topteile durchaus für das Üben in den eigenen vier Wänden. Wenn die Amps bei Bandproben oder Gigs stärker und länger belastet werden, springen die Lüfter natürlich an, das moderate Rauschen versendet sich aber komplett im Bandsound.

Nun wollen wir uns anhand einiger Kangbeispiele einmal anhören, was die preisgünstigen Harley-Benton-Basstops in Sachen Sound zu bieten haben:

Wenn man die vier EQ-Regler in der Mittelstellung belässt, so klingen die beiden Amps ziemlich neutral und ausgewogen. Der Auflösung ist logischerweise nicht so detailgenau wie bei deutlich kostspieligeren Topteilen, ich persönlich vermisse aber ehrlich gesagt rein gar nichts. Die Solidbass-Tops liefern einen sehr klar-runden und durchsetzungsstarken Sound, mit dem man ausgezeichnet arbeiten kann. Außerdem gefallen mir die direkte Ansprache und der "griffige" Ton der Amps. Man hat sprichwörtlich das Gefühl, dass der Ton an den Fingern hängt - hier spielt mit Sicherheit die traditionelle Class-A/B-Endstufe eine entscheidende Rolle.

Jetzt kommt der Vierband-Equalizer in's Spiel: Für das nächste Beispiel habe ich die Hochmitten und die Höhen angehoben, damit der Sound präsenter und im Bandmix besser ortbar wird. Die Filter wirken eher subtil; man muss schon ordentlich an den EQ-Reglern drehen, um eine deutliche Wirkung zu erzielen. Die Einsatzfrequenzen machen allerdings absolut Sinn - das Ergebnis klingt denn auch entsprechend musikalisch:

Auch interessant:

So stellst du deinen Basshals oprimal ein!

Auch der leicht gescoopte Slapsound im nächsten Clip kann sich hören lassen: Ich habe hierfür sowohl die Bässe als auch die Höhen deutlich angehoben und die Hochmitten leicht abgesenkt. Zusätzlich wird der Sound mit dem Smart-Kompressor relativ stark komprimiert.

Der Onboard-Kompressor entpuppte sich im Test für mich übrigens als echtes Highlight der neuen Solidbass-Tops. Klar, die einzelnen Parameter eine Kompression können mit der Ein-Regler-Bedienung logischerweise nicht gezielt angepasst werden. Die Abstimmung des Kompressors ist jedoch absolut gelungen, sodass der Sound auch bei heftigen Kompressionen nicht entstellt wird. Der Bass klingt kompakter und dichter, aber zu keinem Zeitpunkt verwaschen. Auch Nebengeräusche bleiben weitestgehend außen vor.

Wer auf mildere Sounds mit Vintage-Charakter steht, kommt mit einer starken Absenkung der Höhen schnell an sein Ziel. Bei der Aufnahme des nächsten Beispiels habe ich darüber hinaus die Bässe und Tiefmitten deutlich angehoben:

Im letzten Beispiel hört ihr meinen passiven Jazz Bass mit dem Stegtonabnehmer im Solomodus. Eine Anhebung der Bässe und der Tiefmitten mit dem EQ des Solidbass-Tops sorgt hier für ein solides Fundament und ordentlich Punch:

Abschließend wird sich für einige Bassisten sicherlich die Frage stellen, welches der beiden Tops denn nun die richtige Wahl ist. Da beide Modelle die gleichen Features besitzen, hängt die Entscheidung einzig davon ab, wie viel Leistung man benötigt. Für kleinere Gigs oder Proben mit moderat spielenden Bands ist man mit dem Solidbass 300H bereits sehr gut gerüstet. Die erreichbare Lautstärke ist bemerkenswert und der Sound bleibt auch bei höheren Pegeln straff und tragfähig.

Auch interessant:

Wer auf Nummer sicher gehen will, greift natürlich zum stärkeren Solidbass 600H. Für läppische 40,- Euro mehr bekommt man die doppelte Leistung und hat somit selbst auf größeren Bühnen nicht das Gefühl, untermotorisiert zu sein. Und selbst mit einer kompakten 8-Ohm-Box liefert der Solidbass 600H noch bandtaugliche Lautstärken – man gewinnt also nicht nur an Leistung, sondern auch an Flexibilität. Da wäre für mich als Kunde die Frage, zu welchem Amp ich greifen soll, ziemlich schnell geklärt!

2 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare