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09.09.2021

Roland 909 Day 2021

9. September, Jahrestag der berühmten Roland TR-909

Als die Roland TR-909 - entwickelt von Atsushi Hoshiai - in 1983 in den Markt kam, wusste noch keiner, welchen Status die Drummachine einmal erreichen sollte. Als Nachfolger der 1980 erschienenen Roland TR-808 zählen beide Drummies heute zu den weltweit beliebtesten Drumcomputern aller Zeiten. Somit ist der 9. September (9.09) der Tag, der zum Anlass genommen wird, um die 909 ausgiebig zu feiern.

Technologie-Unterschiede TR-808 und TR-909

Technisch basiert die Klangerzeugung bei der TR-909 - im Unterschied zum Vorgänger TR-808 - nicht nur auf analoger Bauweise und subtraktiver Synthese, sondern bedient sich zusätzlich digital aufgenommener Sounds, welche den Bereich der Open/Closed Hi-Hats sowie Crash- und Ride-Becken abdecken. Zu dieser Zeit begann die neuartige Samplingtechnologie den Markt umzukrempeln, welche 'echt' klingende Sounds möglich machte. Als die TR-909 zu einem Preis von ca. 2.000 DM in den Markt kam, hatten bereits die ersten rein auf Samples basierenden Drumcomputer wie die 1980 erschienene Linn LM-1 oder die LinnDrum (1982) das Zepter in der Hand und konkurrierten hart mit den bisher analogen Geräten. Die TR-909 war beides: Sie erzeugte Bass Drum, Snare und Toms analog, Hi-Hats und Becken wurden per 6-Bit-Samples reproduziert. Auch wurde sie mit der neuen MIDI-Schnittstelle ausgerüstet, was ihren Einsatz sehr flexibel und zukunftsorientierte gestaltete; Daten konnten auf Compact-Cassette oder Flash-Steckmodulen gespeichert werden.

Wie bereits die TR-808 hat auch die TR-909 Kultstatus erreicht. Mit ihrer Klangästhetik hat sie Genres wie House und Techno maßgeblich und nachhaltig beeinflusst und ist in unzähligen Titeln der elektronischen Dance-Music zu hören. Eingesetzt wurde die Drummachine u. a. von Inner City („Good Life“), Frankie Knuckles („The Whistle Song“), Jeff Mills („The Bells“), Technotronic („Pump Up The Jam“), Daft Punk („Revolution 909“) Madonna („Vogue“) oder Phil Collins („Take Me Home“).

Die Detroiter Technolegende Jeff Mills demonstriert in dieser Performance aus seinem Projekt Exhibitionist 2, wie man den Roland TR-909 als Instrument spielt.

TR-909, der Nachfolger der TR-808: Wie kam es dazu?

Es mag überraschen zu erfahren, dass einer der ursprünglichen Ingenieure der Roland TR-909 immer noch im Unternehmen tätig ist: Atsushi Hoshiai. Hoshiai, ein langjähriger Roland-Veteran, arbeitet heute in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung für grundlegende Technologien, um nach neuen Technologien zu suchen und diese für zukünftige Entwicklungen zu erforschen.  Hoshiai ist nicht nur in der Technologieforschung aktiv, er teilt seine Fähigkeiten, Erfahrungen und sein Wissen mit neuen Ingenieuren weiter. Atsushi Hoshiai hat eine Leidenschaft für Erfindungen und bringt nach eigenen Worten nur die Ideen in Form, die in seinem Kopf auftauchen. So hatte er in seiner Jugendzeit schon einzigartige Geräte entwickelt, die seinen Weg formen sollten. Hoshiai kam 1982 zu Roland.

Unmittelbar nach einem dreimonatigen Praktikum erhielt er seinen ersten Auftrag: die TR-909. Seine Aufgabe war es, sich um digitale Schaltungen und Programmierung zu kümmern. Das Team bestand nur aus zwei Mitgliedern: Hoshiai und dem leitenden Ingenieur für analoge Schaltungen. Tatsächlich spielte Hoshiai eine zentrale Rolle beim Sound der klassischen Drum Machine. Seine persönliche Beckensammlung bildete die Basis für den unverwechselbaren Sound des 909, denn als akustischer Schlagzeuger war seine Lieblings-Hi-Hat-Kombination ein unpassendes Paar mit Paiste oben und Zildjian unten. Das war der Ton, nach dem er suchte. Obwohl es bei Roland ein hauseigenes Studio gab, stellte Hoshiai fest, dass die Ergebnisse nicht ganz passten. Um seinen Sound zu wahren, sampelte er nachts in seinem Büro die Hi-Hats in 6-Bit-Auflösung, was ihnen einen knackigen Sound verleihen sollte.

Beim Prüfen in seinem Testgerät stellte Hoshiai dann Probleme durch eine Verzögerung fest, die beim Drücken der Taste und dem Hören des Sounds festzustellen war. So musste er die aufgezeichneten Wellenformen mit einem speziell dafür vorgesehenen Rechner mit einem CP/M-80-Betriebssystem bearbeiten, um dem Problem und der Qualität des von ihm erdachten Sounds Herr zu werden. In der Entwicklungszeit der TR-909 hieß der Prototyp TR-880, dann TR-880D (D für digital), dann TR-909D und schließlich TR-909, der Name, unter dem die Drum Machine berühmt wurde. Als Roland die TR-909 in 1983 auf den Markt brachte, beabsichtigte das Unternehmen, sie als den Nachfolger der TR-808 zu sehen. Wie schon die TR-808 verkaufte sich auch die TR-909 in diesen Zeiten nicht gut, was daran lag, dass sie nicht „echt“ klang, ein Anspruch dieser Zeit, in welcher die Samplingtechnologie zwar noch in den Kinderschuhen steckte, jedoch eine neue Ära einläutete.

Natürlich erreichte neben der TR-808 auch die TR-909 Legendenstatus, ist auf unzähligen Tonträgern zu hören, formte ganze Musik-Genres und wurde Basis unzähliger Reproduktionen. Das allerdings nicht in der Zeit, in welcher sie auf dem Markt debütierte, um Roland gewinnbringend zu unterstützen. Hoshiai zeigt sich philosophisch und über den kommerziellen Misserfolg der TR-909 ausgeglichen, die in einer Auflage von ca. 10.000 Einheiten produziert wurde. Unbekümmert über die Situation, dass sich der Drumcomputer gut verkaufen sollte, hatte seine Motivation während des Projekts ein ganz anderes Ziel: Gute Sounds zu entwickeln!

Die Ist-Zeit und moderne TR-909 Alternativen

Die heutige Zeit und der schon recht lange anhaltende Boom analoger Technik im Bau elektronischer Musikinstrumente hat dazu geführt, dass keine horrenden Gebrauchtpreise für eine gut erhaltene TR-909 gezahlt werden müssen. Die Ist-Zeit und der Trend, Nachbauten kultträchtiger Klassiker in den Markt zu bringen, spendiert die moderne Hardware-Reinkarnation der TR-909 unter dem Namen Behringer RD-9 zu einem Preis von knappen 350 €, einem Bruchteil, den man für das gebrauchte Original hinlegen muss, das Ganze in einem Design, das optisch dem der TR-909 sehr nahekommt.

Auch Roland selbst lässt die 909 in Form der TR-09 weiterleben, einer komplett digitalen Drummachine, die mittels Rolands ACB ("Advanced Circuit Behaviour") Technologie versucht auch kleinste, bauartbedingte Eigenarten der Originale zu emulieren. Mit einem derzeitigen Gebrauchtpreis von ca. 600 € liegt auch diese weit über dem Einstandspreis der Behringer RD-9. Etwas günstiger kommt man hier nur noch über die Roland Cloud an die Software gewordene TR-909, deren Preis sich allerdings per Abo jährlich summiert, oder man erwirbt den Lifetime Key für derzeit 149 USD.

Doch bietet der Markt noch weitere TR-909 Alternativen, die als Hardware- und Software-Produkte erhältlich sind. Hier ein kleiner Ausschnitt:

Das nachfolgende Video von Alex Ball gibt einen detaillierten Überblick über die Entwicklungsgeschichte von Roland.

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