Test
3
26.06.2020

Praxis

Neuer Workflow durch geändertes Bedienkonzept

Der unkonventionelle Workflow ist wohl das, was den Typhon am ehesten von seiner Konkurrenz unterscheiden dürfte. Als Fan von Sound-Geschraube und direktem Parameter-Zugriff stehe ich dem Bedienkonzept des Typhon anfangs zugegebenermaßen recht skeptisch gegenüber und erwarte deutliche Einschränkungen im Workflow. Das kleine Display, die vielen Doppel-Belegungen ... solche Stichwörter bereiten mir normalerweise direkt Kopfschmerzen. Beim Typhon ist erstaunlicherweise das Gegenteil der Fall. Die vielen Funktionen wurden so bedacht in den wenigen Potis zusammengefasst, dass ich beim Sound-Schrauben kaum etwas vermisse. Denn mal ehrlich ... wenn ich eine Sequenz am Laufen habe und mit der Hüllkurve basteln will, tweake ich doch sowieso meist nur Decay/Release, die ja in Form der „Time“-Regler zusammengefasst vorhanden sind. Statt mich im intuitiven Workflow einzuschränken, hat das komprimierte Konzept des Typhon sogar fast eine befreiende, beschleunigende Wirkung. Man wird nicht erschlagen von den vielen Potis und Möglichkeiten. Lediglich die Modulations-Sektion hätte gut und gern noch einen Quick Control-Poti vertragen können, nun findet sie hauptsächlich im Display statt.

Informatives Display und intuitive Bedienführung

Aber auch hier bin erstaunt, wie wenig mich das nun wirklich sehr klein geratene Display auf die Palme treibt. Ich erwische mich dabei, dass es mich auf einmal gar nicht mehr stört, dass die Envelope-Fader die Reinkarnation von Mehrfach-Belegungen verkörpern. Layout und Menü-Führung sind so intuitiv gelöst, dass man eigentlich immer weiß, woran man ist. Ob das Konzept auch Synthesizer-Neulinge anspricht, da bin ich mir nicht so sicher. Denn ohne ein gewisses Synthesizer-Grundwissen kommt man auch beim Typhon nicht weit. Und dann hätte ich als Newbie doch lieber mehr Potis zum Herumbasteln, anstelle von ausgefuchsten Sub-Menüs. Etwas hakelig wird es außerdem beim Laden/Abspeichern von Sounds und beim Sequenzer, dessen Einstellung über die Fader dann doch ein wenig friemelig ist. Leider hat Dreadbox hier auch keinen Software-Editor am Start, mit denen sich die Steps übersichtlicher gestalten ließen. Vielleicht kommt das ja noch! Denn wir haben das Gerät ja wie bereits gesagt in einer Beta-Phase erhalten. Auffällig ist außerdem, wie schnell der Synthesizer hochgefahren ist. Da konnte ich nicht mal einen Kaffee aufsetzen, schon blinkte mich der Typhon an.

Wie klingt Typhon?

Der Grundsound des Typhon ist modern, ziemlich fett und auf Wunsch aggressiv. Ein kleiner 80‘s Touch ist nicht nur optisch, sondern auch klanglich vertreten. In seiner Präzision und Fatness erinnert er mich eher an die Bissigkeit von Dave Smith oder Moog, als an den mittigen Vintage-Sound von Arp und Co. Nahezu alle Wellenformen klingen ziemlich amtlich und voluminös. Selbst im Dreieck-Modus ist der Typhon druckvoll und deutlich aggressiver als beispielsweise bei meinem Minilogue XD, den ich beim Testen zufällig griffbereit hatte. 

Wie ihr hört, lässt sich der Typhon gerade in Sachen Bass nicht lumpen. Dank eingebauter Distortion lässt sich dann wunschweise gleich noch ein wenig ‚Dreck‘ beimischen. Ein Noise Generator wäre hier natürlich schon sinnvoll gewesen, kommt aber wie gesagt hoffentlich mit dem nächsten Firmware-Update!

Bei all der Fatness fällt es fast ein wenig schwer, sanfte und weiche Sounds aus dem Synth zu zaubern. Leider lassen sich die Modulatoren nicht aufs ModWheel routen, womit ich kein Vibrato dynamisch in den Sound reinfahren kann. Aber nicht zuletzt dank integriertem Reverb komme ich trotzdem zu befriedigenden Ergebnissen. An dieser Stelle muss ich einmal ein dickes Lob an die On-Board-Effekte von Sinevibes aussprechen, die wir unter anderem als Hersteller von User-Oszillatoren für den Minilogue xd kennen. Gerade der Reverb ist ein wahrer Ohrenschmaus mit sinnvoll gewählten Parametern. Wenn ich das Reverb-Feedback aufreiße, eröffnen sich ungeahnte Ambience/Drone-Welten, die sich locker mit Boutique Reverb-Pedalen à la Eventide Space oder Strymon Big Sky messen dürften. In Sachen Modulation muss ich etwas länger schrauben, um hörbare Ergebnisse zu erzielen. Dafür bin ich in der Distortion umso schneller, deren Algorithmen wirklich durch die Bank weg Spaß machen. Das Delay hat ein angenehmes Transienten-Verhalten, durch die Stereo-Fähigkeit lassen sich hier im Handumdrehen verspielte Grain-Texturen erschaffen. Obacht: Selbst, wenn der Mix-Regler auf 0 steht, hört man noch ein wenig Delay-Bleed.

Auch wenn die Eingabe der Sequenzer-Steps etwas hakelig ist, werde ich hinterher spürbar belohnt und habe beide Hände zum Sound-Schrauben frei. Da die Modulatoren sich ja auch als Sequenzer nutzen lassen, kann ich zusätzlich zum Note-Sequenzer beispielsweise auch den Filter Cutoff, die Resonanz, oder die Effekte sequenzieren und modulieren. Das macht richtig spart und verleiht den Sequenzen sofort Leben!

Dreadbox Typhon Sound Demo (no talking)

2 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare