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Test
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02.12.2019

Behringer Pro-1 Test

Analoger monophoner Desktop-Synthesizer

Der Kampfpreis Sequential Circuits Pro-One ohne Keyboard?

Es ist schon eine Weile her, da besaß ich ein einen Sequential Circuits Pro-One. Und zwar genau den hier. Lang ist es her – aber als ich den Behringer Pro-1 in der Hand hielt kamen direkt alte Gefühle hoch – von der Trauer über verpasste Spekulationsgewinne ganz zu schweigen.

Der B-Klon sieht also wirklich identisch aus – nur die kaum brauchbare Tastatur des Originals fehlt. Was kann der Behringer Pro-1, was macht er besser – und wo tut er seinem Erbe keinen Gefallen? Wir finden es heraus!

Details

Das Behringer 101

Der Behringer Pro-1 ist ein Remake des legendären Mono-Synths Sequential Circuits Pro-One – etwas kleiner und ohne Tastatur, dafür aber mit modernen Features wie MIDI, USB und noch mehr CV-I/Os. Wie alle frechen Klone aus dem Hause B. ist auch dieser Synth Eurorack fähig (80TE) und mit den meisten Modularen Synths kompatibel.

Erster Eindruck

Billig fühlte sich bereits das Original an und da macht der leichte Behringer keine Ausnahme, auch die unnötigen Holzseitenteile helfen nicht das zu kaschieren. Die Potis aber sind fest und stabil verbaut, beim Original waren sie stets eine Wackelpartie. Doch genug der Retroperspektive – schauen wir uns den Synth an wie er ist.

Dual-OSC, monophon und paraphon

Der Pro-1 ist ein monophoner Desktop-Synth mit zwei Oszillatoren. Beide OSCs sind über vier Oktaven stimmbar, verfügen gleichzeitig über Sägezahn und Puls sowie Pulsweiten-Modulation (PWM). OSC-B kann auch als Dreieck schwingen, vom Pitch ausgenommen werden (KYBD OFF) und sogar als LFO arbeiten (LO FREQ). Außerdem kann er OSC-A Hard-Sync geben, yes!

Bei Bedarf sind beide OSCs paraphon spielbar – das ging beim Alten nicht. Priorität hat die höhere Note und die ist OSC-B zugeordnet, was etwas sonderbar anmutet und sich offensichtlich nicht verstellen lässt. Eventuell kommt noch ein Firmware-Update, vielleicht gibt es auch bereits einen Geheim-Move. Aufgrund des mangelnden Handbuchs konnte ich den jedoch noch nicht entdecken.

Mixer, Filter, Amp und zwei ADSR-Hüllkurven

Im MIXER werden beide OSCs und auch NOISE/EXT gemischt. Letzteres gibt weißes Rauschen hinzu bzw. jedes andere Signal, sofern es über den External-In zugeführt wird. Ferner kann externes Audio zum triggern des Gates verwendet werden. Danach geht es gesammelt und summiert in das resonanzfähige Low-Pass-Filter, was – wie der Amp – einen eigenen ADSR-Envelope kennt. Hinzukommt Master-Tune, Master-Volume, Glide und ein eigenständiger LFO (Dreieck, Puls und Sägezahn). Alles ganz klassisch bis hierhin.


Oldschool Clock und Sequenzer

Der LFO arbeitet auch als Clock für den unscheinbaren 64-Step SEQUENCER und den ARP (Up, Up/Down). Der Sequenzer ist simpel aber effektiv und speichert Noten um sie nacheinander mit jedem Triggerimpuls zu spielen. Dient etwas ‚Grooviges‘ als externer Trigger, beispielsweise eine Drummachine, dann groovt auch die Sequenz. Im Synthpop der 1980er wurde diese Methode häufig eingesetzt.

Clevere Modulation

Die Modulation-Matrix des Pro-1 ist auf der linken Seite beheimatet, simpel gehalten – und genial. Sie bietet drei Quellen (FROM) und vier Ziele (TO), welche über zwei Wege (ROUTE) erreicht werden können. Diese Wege, DIRECT und WHEEL benannt, werden über Schiebeschalter zugewiesen. 

Als Desktop-Synth bietet der Pro-1 leider kein Mod-Wheel, was die Instant-Flexibilität beschränkt. Ohne Mod-Wheel bleibt die Wheel-Route Null und damit inaktiv. Behringer geht einen Umweg über MIDI, auch ist eine ModWheel-CV-Buchse am Start. Ein kleiner „Wheel-Bypass“ Schalter wäre dennoch wünschenswert gewesen, um auch ohne Zubehör aus den Vollen schöpfen zu können.

Zugutehalten muss man Behringer, dass die Wheel-Modulation über MIDI-CC#1 ansprechbar und damit digital automatisierbar ist; quasi wie ein eingebautes verstecktes Mini-MIDI-2-CV-Interface, wenn man so will. Umwege über die zusätzlichen CV-Buchsen am Gerät kann man eher nicht nutzen, weil allein OSC-B als Quelle und PWM als Ziel fehlen. Schade.

Die drei FROM-Quellen – FILTER-ENV, OSC-B und LFO – verfügen über je ein AMOUNT Poti und einen zweistufigen ROUTE-Schalter (Direct und Wheel). In der TO-Sektion findet man wiederum dreistufige Schiebeschalter, die dann den fünf Zielen einen der beiden Wege, oder OFF, zuordnen. Mehrfach-Verknüpfungen sind also möglich. Die Ziele lauten: OSC-A FREQ, OSC-A PWM, OSC-B FREQ, OSC-B PWM und FILTER. Weil das alles gerade recht kompliziert anmutet, hören wir uns doch einfach mal ein paar Kickdrums an, erzeugt durch unterschiedliche Modulationen.

Kaum MIDI, aber CV

Und das war es im Prinzip am Synth selbst. Hinzu kommen unterschiedliche Audio-Anschlüsse sowie die vielen CV-Ein und -Ausgänge auf der Oberseite. Wer ein MIDI/CV-Interface sein eigen nennt, kann viele Parameter via MIDI und DAW automatisieren. Mehr als simples Note on/off und ModWheel via MIDI versteht der Behringer Pro-1 leider nicht; nicht einmal Velocity. Das alles ist nicht schlimm und dem kleinen Preis geschuldet. Immerhin geben der LFO und der Sequenzer MIDI raus.

Die Leiste mit den 3,5mm Klinkenbuchsen der I/Os im oberen Bereich erklärt sich von selbst, sodass ich nur eine Auflistung in Eingänge, Ausgänge und Audio vornehmen werde:

CV/Trigger- Eingänge

  • MOD Wheel CV
  • OSC CV
  • Gate/Clock Trigger
  • LFO CV
  • Cutoff CV
  • Resonanz CV

CV/Trigger-Ausgänge

  • LFO CV
  • Keyboard CV
  • Gate Trigger
  • Filter Envelope CV
  • Amp Envelope CV

Audio-I/Os

  • 3,5 mm Audio Out (parallel zum 6,35 mm Main-Out)
  • Phones Out (Pseudo-Stereo)
  • Mixer Out (Pre-Filter, Pre-Amp)
  • External In ( für Audio und Audio-Trigger)

Zusätzlich stehen eine MIDI-In Buchse auf der Front sowie ein MIDI-Out/Thru auf der Rückseite zur Verfügung, inklusive Mäuseklaviatur für den MIDI-Eingangs-Channel. Netzteil-Anschluss, Power-Schalter und Main-Out auf 6,35 mm Mono-Klinke finden sich ebenfalls auf der Rückseite.

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