Hersteller_Allen&Heath
Test
5
18.05.2012

Allen & Heath Xone:DB2 Test

4-Kanal-Digital-Clubmixer

"Geht’s vielleicht auch ein bisschen kleiner?" Das dürfte sich mancher DJ beim Anblick des Xone:DB4 gefragt haben. Denn tatsächlich ist das Digitalmixer Flaggschiff aus dem Hause Allen & Heath mit seinen insgesamt vier Looper- und Effekt-Sektionen ein ziemlich ehrfurchteinflößendes Feature-Monster, dessen ganzes Potenzial am Ende wohl nur ein kleiner Teil von DJs wirklich nutzen wird.

Das hat man wohl auch im englischen Cornwall erkannt und folgerichtig präsentieren Allen & Heath mit dem Xone:DB2 nun einen kleinen Bruder. Dass der DB2 aber kein abgespeckter DB4 ist, sondern in seiner Gesamtheit ein komplett eigenständiges Mixer-Konzept darstellt, konnten wir bei unserem Test eindrucksvoll feststellen.

DETAILS

Der Xone:DB2 ist ein digitaler 4-Kanal-Clubmixer mit umschaltbarer Klangregelung (Standard-EQ, Kill-EQ und Filter), die von Allen & Heath auf den passenden Namen „Trimodal EQ“ getauft wurde. Ihr zur Seite stehen zwei separate Effekt-Einheiten und eine umfassende MIDI-Implementierung, die den Mischer zu einem vollwertigen Controller macht. Zusätzlich verfügt er über ein internes Vollduplex fähiges 4-Kanal-Stereo Audiointerface, welches via USB an den Rechner angebunden wird und einen zusätzlichen Mikro-/Line-Signalweg. Die gesamte interne Signalverarbeitung erfolgt mit 24-Bit. Diese Datenströme werden dann an einen aus der hauseigenen iLive-Serie stammenden Zweikern-DSP weitergereicht der sämtliche EQs, Filter und Effekte berechnet. Ein leuchtstarkes OLED-Display visualisiert dabei weitergehende Effekt-Parameter und BPM-Werte und fungiert darüber hinaus als Schaltzentrale für alle Routing- und Konfigurationseinstellungen.

Auspacken
Dem DB2 sollte auch bei grobem Transport nichts passieren, denn er reist passgenau eingekuschelt in einen PU-Schaum-Rahmen und ist liebevoll mit einer Noppen-Schaumstoffmatte zugedeckt. Als Weggefährten finden sich im Karton: Eine englischsprachige Bedienungsanleitung, ein USB-Kabel, eine CD mit Treibern und Dokumentationen, ein Stromkabel und erfreulicherweise eine Tüte mit Poti- und Fader-Köpfen zum Ersatz. Eine gute Idee (die sich auch gerne bei anderen Herstellern rumsprechen darf).

Äußerlichkeiten
Mit seinen 32 Zentimetern in der Breite, 35,8 in der Tiefe und 8,8 in der Höhe beansprucht der DB2 exakt die gleiche Stellfläche wie der DB4. Da aber die Kanal-Looper weggefallen sind, konnten die Designer den Bedienelementen viel mehr Platz zueinander einräumen. Dies erweist sich visuell, aber auch praktisch als wesentlich übersichtlicher und besser bedienbar als beim stellenweise doch etwas überladen wirkenden großen Bruder. Zentrales Element sind natürlich die vier Stereo-Kanalzüge in der Mitte des DB2. Links daneben befindet sich ein separater Mikro/Line-Kanal nebst Kopfhörer-Ausgängen, rechts davon die Monitoring- und Effekt-Sektion samt des kontraststarken OLED-Displays.

Auch beim DB2 kommen die neuen rechteckigen Taster zum Einsatz, die mir schon beim DB4 angenehm aufgefallen sind. Vorbei die Zeiten der für Allen & Heath typischen runden Knöpfe mit leuchtendem Ring. Die Taster der neuen Bauform ragen nun knapp Fingernagelbreit über die Faceplate, verfügen über einen eindeutigen Schaltpunkt und lassen sich auch im „darüber wischen“ noch gut drücken (im Gegensatz zu den bisher verbauten, runden Tastern, die man aufgrund der hohen Bauform zwingend oberhalb des Leuchtringes treffen musste).

Wo wir schon bei der Faceplate sind: Ihr wurde eine matte, nachtschwarze Lackierung spendiert, die im Gegensatz zum nervigen Pianolack, der sich in jüngerer Zeit aus irgendeinem Grund massenhaft verbreitet, eine hervorragende Ablesbarkeit auch in kritischen Lichtsituationen gewährleistet. Die Input-, Cue-, EQ- und FX-Segmente sind durch weiße Rahmen und einen leicht kontrastierenden Farbauftrag optisch von den übrigen Bedienelementen abgesetzt, was die Übersichtlichkeit ebenfalls positiv unterstützt.

Insgesamt wirkt der Xone:DB2 äußerst robust und solide. Von der Seite betrachtet kommt sogar der Eindruck einer gewissen „Bulligkeit“ auf – das Teil ist kein Spielzeug. Auch in Bezug auf die Haptik kann ich dem Mixer das Prädikat „Handschmeichler“ vergeben, denn alle Taster besitzen einen eindeutigen Klickpunkt, Potis und Faderkappen haben dank ihrer Gummierung einen präzisen Grip und die Fader pflügen ohne Murren über die Leiterbahn. Positiv fällt auch das gut bemessene Platzangebot rund um den Crossfader auf. Das, in Verbindung mit dem klar strukturierten Layout und dem guten Abstand der Bedienelemente zueinander, sorgt für Bestnoten in den Bereichen Verarbeitung, Haptik und Layout.

Anschlüsse
Auf der Rückseite sehe ich links ein Kensington-Lock, welches bei mir für die heitere Vorstellung sorgt, wie jemand dem DJ diesen Fünf-Kilo-Boliden unbemerkt unter den Fingern wegmopsen sollte. Hier dürfte die Präsentation auf Messen wohl eher der Grund für die Ausfräsung des Gehäuses gewesen sein. Darunter befindet sich der Power-Schalter, bei dem man auf eine einfache Taster-Variante gesetzt hat. Modelle, die einen umlaufenden Rahmen als Sicherung gegen versehentliches Ausschalten beim Umstöpseln besitzen, gefallen mir in dieser Preisklasse eigentlich besser. Rechts daneben geht es weiter mit dem Main-Mix-Out, der als symmetrischer Stereo-XLR-Out ausgelegt ist. Record- und Booth-Out sind unsymmetrisch, wobei sich Erstgenannter als Stereo-Cinch-Buchse präsentiert, zweiter in Form eines Stereo-Klinken-Pärchens ausgelegt ist.

Daran schmiegen sich die Analog-Eingänge der vier Kanalzüge in Form von vier Stereo-Cinch-Buchsen an. Die Eingangsverstärkung der inneren beiden Kanäle (zwei und drei) lässt sich mittels zweier Tasten zwischen Phono- und Line-Pegel umschalten. Wer Bedarf an einem dritten Turntable haben sollte, kann über das Menü für den Eingang eins oder vier einen virtuellen RIAA-Verstärker aktivieren, der das Eingangssignal softwareseitig auf den nötigen Arbeitspegel hebt. Vinylisten die Turntables besitzen, welche bereits mit einem Digitalausgang ausgestattet sind, können aber auch die zwei darunter liegenden S/PDIF-Digital-Eingängen nutzen. Diese sind als Cinch-Buchsen ausgelegt und können jeweils mit unterschiedlichen Sampling- und Bit-Raten befeuert werden. Rechts daneben befindet sich eine weitere S/PDIF-Buchse, die das Record-Signal digital mit 24Bit/48kHz an die Außenwelt übermittelt. Ihr folgt eine RJ-45-Buchse, die für den proprietären Datenaustausch über das X-Link-Protokoll vorgesehen ist. Das erste Gerät, das auch mit dieser Schnittstelle ausgestattet ist, ist der neue K2-Controller, der schon darauf wartet, von uns getestet zu werden. Ziel der Übung ist es, dass am Ende nur ein einziges USB-Kabel zum Rechner geführt werden muss und die Kommunikation der Allen&Heath-Geräte untereinander über das robuste Netzwerkkabel erfolgt.

Der bunte Konnektivitäts-Reigen findet seinen krönenden Abschluss in Form einer USB-Buchse zur Anbindung eines Rechners. Kopfhörer finden ihren Anschluss auf der Oberseite des DB2.

Kanalzüge
Schauen wir uns einen der vier identischen Stereo-Kanalzüge im Detail an. Zuoberst wählt man mit einem gerasterten Poti und einem dreistufigen Kippschalter aus, welche der vier möglichen analogen oder digitalen Audioquellen auf dem Kanal landen soll. Ein Trim-Poti dient der Aussteuerung im Bereich von plusminus 10dB. Direkt darunter beginnt die Klangbearbeitungs-Sektion in Form dreier mittengerasterter Potis.

Ihr folgt ein Kippschalter, mit dem sich das Audiosignal entweder auf die linke (X) oder rechte (Y) Seite des Crossfaders routen lässt. In Mittelstellung wandert das Signal am Filter und Crossfader vorbei und landet direkt auf dem Line-Fader. Darunter hat der Cue-Taster seinen Lagerplatz gefunden. Vorletztes Glied in der Kette ist der 60 Millimeter lange Dual-Rail-Fader. Wie bei Allen & Heath nicht anders zu erwarten, gleitet er butterzart über die Leiterbahn. Er wird von einer Pegelanzeige mit sechs Segmenten flankiert, die verlässlich Auskunft über die gerade anliegende Signalstärke gibt und dank der digitalen Steuerung zwischen Bar (Standard VU-Meter), Dot (nur die Pegelspitzen werden von einer einzelnen LED angezeigt) und Peak (Signalspitzen werden gehalten) umgeschaltet werden kann.

Plus Eins
Neben den vier Hauptkanalzügen besitzt der DB2 einen fünften Kanal, welcher für den Anschluss eines Mikrofons oder einer Line-Quelle zuständig ist. Im hohen Norden startet er mit einer XLR-Buchse. Darunter warten zwei Stereo-Cinch-Buchsen auf die Zuführung von Line-Signalen. Den Eingangsbuchsen folgen ein Gain-Poti, eine zweibandige Klangregelung (High / Low, +/- 15dB), Cue- und Channel-On Taster sowie ein Potenziometer zur Lautstärkeregelung. Als praktisches Detail erweist sich, dass auch in diesem Kanal ein Channel-Assign-Switch zur Zuweisung des Signals auf den Crossfader oder die Summe bereitsteht, wodurch man das Signal elegant der Effektsektion zuführen kann.

Klangregelung
Allen & Heath haben ihre digitale EQ-Steuerung auf den gut gewählten Namen „Trimodal-EQ“ getauft. Dabei trifft das Wortkompositum mit dem Präfix „Tri“, für drei und „modal“ für Modus, die Sache schon ziemlich gut - denn die Klangregelung kann wahlweise im Dreiband-Isolator-, EQ- und Zweiband-Filtermodus in Aktion treten. Im Isolator-Betrieb arbeiten die drei Bänder High/Mid/Low mit einer Anhebung von plus sechs Dezibel und einer Absenkung bis unendlich. Die Flankensteilheit weist hier mit 24dB pro Oktave ein ordentlich trennscharfes Gefälle auf. Ist der EQ-Modus aktiv, verhält sich die Absenkung mit maximal 26dB und einer Flankensteilheit von 12dB pro Oktave wesentlich zahmer und musikalischer. Die Einstellung ‚Filter’ verwandelt die Klangregelung in ein Resonanz-Bandpass-Filter mit 12dB Flankensteilheit pro Band. In diesem Modus dienen das High- und Low-Poti dazu, die Eckfrequenzen nach oben und unten zu bestimmen und das Mid-Poti zum Justieren der Resonanz.

Effekte
Die rechte Flanke des DB2 wird von den beiden Effekt-Einheiten samt Display dominiert. Darin sichtbar sind nicht nur das aktuell gewählte Effektprogramm, sondern auch die Schätzung des integrierten BPM-Counters, der metrische Teiler mit dem der Effekt zu Werke geht und eine kleine Grafik, die Auskunft über das grundsätzliche Klangverhalten gibt. Zusätzlich sind in der untersten Zeile der gewählte EQ- und Crossfader-Modus ablesbar

Jede der beiden FX-Einheiten ist fest auf die linke und rechte Seite des Crossfaders (X/Y) geroutet. Das macht insbesondere deshalb Sinn, weil jede Unit zusätzlich noch über das Xone-typische Dual-Sweeping-Filter verfügt. Umsteiger von anderen Mixern der Xone-Serie, die sich daran gewöhnt haben ihre Tracks frequenzmäßig ineinander zu blenden, können also den bewährten Workflow beibehalten. Ein kluges Detail ist hier, dass eine LED neben dem Poti von Grün auf Rot wechselt, sobald man den Regler aus der 12-Uhr-Position wegbewegt und das Filter zu arbeiten beginnt: Das sorgt für Übersichtlichkeit in stressigen Auflege-Situationen („Verdammt, alle Regler oben – warum hör ich nichts?!“).

Jede der beiden Effekteinheiten kann mit einem der über fünfzig Effektprogramme bestückt werden, die in die Gruppen DLY (Delay), VRB (Reverb), RES (Resonators), MOD (Modulators) und DMG (Damage) unterteilt sind. Nachdem man sich über den zugehörigen Taster für eine Gruppe entschieden hat, können mit dem Select-Taster und dem Select/Adjust-Encoder, die verschiedenen Effekt-Varianten angesteuert werden. Alle Programme, bei denen eine Temposteuerung sinnvoll ist, arbeiten sofort nach ihrer Aktivierung mit der vom Beatcounter relativ zuverlässig ermittelten Geschwindigkeit.

Über den großzügig dimensionierten Dry/Wet-Regler wird der Effekt-Anteil zugemischt. Mit dem kleineren Expression-Poti hat man - abhängig vom gewählten Programm - den klanglich relevantesten Parameter (beispielsweise Frequenzbereich, Feedback oder Resonanz) im Zugriff. Die gebotenen Effekt-Algorithmen decken so ziemlich alles an Klangverhübschung und Dekonstruktion ab, was die letzten sechzig Jahre Studiotechnik hervorgebracht haben. Von wirklich exzellenten Hallräumen, über verschiedenste Delay-Programme, Klassikern wie Flanger, Phaser und Chorus, bis hin zu eher neuzeitlichen Errungenschaften wie Resonatoren, Ringmodulatoren und Bitcrushern.

Drum und Dran
Über den Taster Menü gelangt man in die verschiedenen Konfigurationsmodi des DB2. Klugerweise wurden hier zwei Ebenen realisiert: In der obersten Ebene lassen sich die häufig gebrauchten Punkte „EQ- und Crossfader-Setup“ ansteuern.

Mit „Advanced“ gelangt man dann in die tieferen Einstellebenen, wo sich beispielsweise die Untermenüs für das Routing und die Signalverarbeitung befinden. Zum Beispiel für die Phasenlage an Record- und Booth-Out, die Anpassung der Display-Helligkeit, den Modus der Pegelanzeige (Bar, Dot, Peak) oder eine Anhebung des Kopfhörer-Ausgangs um satte zwölf Dezibel. Das dürfte allerdings nur bei schwerhörigen DJs erforderlich sein, denn der Kopfhörerausgang liefert bereits in der Grundeinstellung eine Stromstärke, die auch für hochohmige Kopfhörer mehr als ausreichend ist. Wo wir schon beim Vorhören sind: Die Kopfhörerbuchsen sind sowohl als Standard-, als auch als Mini-Klinke vorhanden und werden über die Lautstärkeregelung und das Poti für das Verhältnis zwischen Cue- und Mix-Signal mit Audiomaterial versorgt.

Audio-Interface
Bevor man den DB2 als Vollduplex-Soundkarte für einen PC oder MAC verwenden kann, steht natürlich zuerst einmal die Installation der Treibersoftware an. Nach wenigen Mausklicks erscheint hier auf Windows-PCs die Frage, ob man den Treibern der Ploytec-GmbH vertrauen möchte. Das kann man guten Gewissen bejahen, denn die kleine Softwareschmiede aus dem südlichsten Zipfel Baden-Württembergs programmiert schon seit Jahren hochperformante Audiotreiber für Dritthersteller. Nach der erfolgreichen Installation finden sich die insgesamt vier Stereo-I/Os in der Audiosoftware der Wahl ein und können über das Konfigurationsfenster mit entsprechenden Pufferwerten ausgestattet werden.

Auf unserem Testrechner (Win7-64Bit, i7-2600, 8GB Ram) konnten wir ohne Buffer-Underruns von „Normal“ (Out: 23ms / In: 6ms) zu „Highspeed“ wechseln, wo der Kandidat Audiosignale mit ultraflinken sechs Millisekunden entgegennimmt und mit noch fixeren zwei Millisekunden wieder ausgibt. 

Im USB-Routing-Dialog des DB2 lässt sich danach für jeden der vier Stereo-Ausgänge bestimmen, welche Signalquelle an sie übergeben werden soll. Zur Auswahl stehen Kanal 1-4 (analog, digital, Post-Fader), Mix (Pre-/Post-Level), Record, Booth, Mix und Phones.

MIDI-Controller
Als reinrassiger Digital-Mischer hat der DB2 vom USB-Anschluss bis hin zur digitalen Abtastung sämtlicher Bedienelemente natürlich schon alles an Bord, um auch als vollwertiger MIDI-Controller zu agieren. Ein Blick auf die lobenswerte MIDI-Implementierung zeigt dann auch, dass die Regelstellungen sämtlicher Bedienelemente (bis auf die wenigen analogen Regler der Monitoring-Sektion) an den Rechner übermittelt werden. Ein Druck auf MIDI-Shift aktiviert die optionale MIDI-Ebene, die vollständig getrennt vom eigentlichen Mixer-Zustand agiert, sodass man hier ein komplett eigenständiges Layout bedienen kann, ohne dabei die darunter liegende Mix-Session zu beeinflussen.

1 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare