Fanned-Fret-Bässe galten lange Zeit als Nischeninstrumente für Spezialisten – vor allem im Metalbereich, wo ein besonders straffes Low-End gefragt ist. Mittlerweile hat sich diese Konstruktionsweise jedoch etabliert und findet nun auch den Weg in deutlich günstigere Preisregionen. Mit dem MSB-5 ASP aus der Deluxe-Serie hat Harley Benton einen fünfsaitigen Multiscale-Bass im Angebot, der genau hier ansetzt: moderne Singlecut-Konstruktion, gefächerte Bundierung und sinnvolle Features, wie z. B. fluoreszierende Dot-Markierungen und Edelstahlbünde – alles zu einem Preis, der bislang kaum mit dieser Bauweise und solchen Ausstattungsdetails in Verbindung gebracht wurde. Neben der Multiscale-Konstruktion bietet der Fünfsaiter eine aktive Elektronik samt Dreiband-EQ sowie zwei HBZ Custom Wound Ferrite Humbucker und will darüber hinaus mit glitzernden Finishes optisch Eindruck machen. Ob dieses spannende Konzept in der Praxis aufgeht und wie sich der günstige Multiscale-Bass klanglich und spielerisch schlägt, klären wir im folgenden Test.

- stimmiges modernes Design
- druckvoll-straffer Sound
- hochwertige Features (Edelstahlbünde, leuchtende Side-Dots …)
- sehr guter Spielkomfort/Ergonomie
- hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis
- Qualität der Elektronik
- eingeschränkter Komfort in hohen Lagen durch Singlecut-Konstruktion
Harley Benton MSB-5 ASP – erster Eindruck
Der Harley Benton MSB-5 ASP tritt optisch alles andere als zurückhaltend auf und macht auf den ersten Blick klar, dass wir es hier nicht mit einem klassischen Bassmodell zu tun haben, wie es in dieser Preisklasse sonst eher üblich ist.
Die moderne Singlecut-Bauform, die auffälligen Finishes, sowie natürlich die gefächerte Bundierung verleihen dem Fünfsaiter einen fast schon futuristischen und sehr eigenständigen Look, der klar in Richtung moderner Metal- und Prog-Ästhetik zielt.
Gleichzeitig wirkt das Gesamtbild stimmig und keineswegs überladen – ich finde das Design alles in allem wirklich gelungen. Wer es etwas gediegener mag, bekommt den MSB-5 übrigens auch in der Variante „Black Burl“ mit geflammter Ahorndecke, die eleganter wirkt als die beiden Glitzer-Finishes „Amethyst Sparkle“ und „Emerald Sparkle“.
Aus welchen Hölzern wird der Harley Benton MSB-5 ASP hergestellt?
Unter der Hochglanzlackierung steckt ein Korpus aus Okoumé. Diese Holzart wird klanglich häufig mit Mahagoni verglichen – ein warmer, satter Grundsound ist also zu erwarten.
Der Hals des Harley Benton MSB-5 ASP wurde aufwendig konstruiert und besteht aus insgesamt fünf Teilen: Drei breite Streifen aus geröstetem Ahorn werden von zwei schmaleren Okoumé-Streifen flankiert.
Auch beim Griffbrett kommt geröstetes Ahorn zum Einsatz, in dem 24 Edelstahlbünde und schwarze Dots eingelassen sind. Zusätzlich verfügt das Fretboard über fluoreszierende Side-Dots, die auch auf dunklen Bühnen für Orientierung sorgen. Wow, Edelstahlbünde und leuchtende Lagenmarkierungen sind in dieser Preisklasse nun wirklich alles andere als selbstverständlich – Harley Benton gibt beim MSB-5 als ordentlich Gas.
Wie wurden die Singlecut- und die Fanned-Fret-Bauweise beim Harley Benton MSB-5 ASP gestaltet?
Die Halskonstruktion wurde mit fünf Schrauben am Korpus befestigt und liegt auf der Oberseite bis etwa zum 12. Bund am Body an. Die Singlecut-Bauweise dürfte sich übrigens auch klanglich durchaus bemerkbar machen, etwa durch eine schnelle Ansprache, sattes Sustain, sowie eine leichte Kompression im Attack. Mehr dazu im Praxisteil.
Die Fächerung fällt beim Harley Benton MSB-5 ASP aufgrund der moderaten Mensuren von 35“ bis 33,3“ deutlich milder aus als bei vielen High-End-Vertretern (z. B. Dingwall), die häufig mit 37“ bis 34“ arbeiten. Entsprechend darf man davon ausgehen, dass die H-Saite nicht exakt die gleiche Straffheit und Definition erreicht – auch das schauen wir uns später noch genauer an.

Über welche Hardware verfügt der Harley Benton MSB-5 ASP?
Ab Werk ist das Harley-Benton-Bassmodell mit Saiten der eigenen Hausmarke in den Stärken .045/.065/.080/.100/.130 bespannt. Auf der kompakten, modern gestalteten Kopfplatte, die ebenfalls im auffälligen „Amethyst Sparkle“-Finish lackiert wurde, sitzen fünf gekapselte schwarze Mechaniken.
Die Tuner arbeiten zuverlässig und erfüllen ihren Zweck, auch wenn sie erwartungsgemäß nicht ganz die Präzision und Leichtgängigkeit hochwertiger Tuner erreichen – für diese Preisklasse geht die Qualität aber wirklich absolut in Ordnung. Der Zugang zum Halsspannstab befindet sich unter einer Kunststoffabdeckung ebenfalls auf der Kopfplatte.
Am Korpus werden die fünf Saiten von einzelnen Brückensegmenten aufgenommen, die Einstellmöglichkeiten für Saitenlage und Intonation bieten. Auch die Saitenabstände lassen sich in gewissem Rahmen anpassen, da die Reiter nach dem Lösen einer Schraube seitlich verschoben werden können. Ab Werk kommt der Bass mit einem Spacing von 17 mm.
Was für Tonabnehmer und welche Elektronik besitzt der Harley Benton MSB-5 ASP?
Für die Klangabnahme setzt Harley Benton beim MSB-5 auf zwei HBZ Custom Wound Ferrite Humbucker, welche in Soapbar-Gehäusen sitzen. Der Sound wird an der Elektronik über insgesamt fünf Potis geregelt: Volume, Balance (zur stufenlosen Überblendung der beiden Tonabnehmer), sowie Bass, Mitten und Höhen am Equalizer.
Im aktiven Modus arbeitet die Elektronik mit einer Betriebsspannung von 18 Volt, die über zwei 9V-Blöcke bereitgestellt wird. Diese sitzen in separaten Klappfächern auf der Rückseite des Bodies. Der Volume-Regler ist aber zudem mit einer Push/Pull-Funktion zum Umschalten zwischen aktivem und passivem Betrieb ausgestattet, sodass man den Bass zur Not auch ohne Batterien spielen kann.
Wie wir sehen, bietet der Harley Benton MSB-5 ASP erstaunlich viele Features, und auch die Verarbeitungsqualität liegt deutlich über dem, was ich in dieser Preisklasse erwarten würde. Klar, makellos ist der Bass nicht – es gibt ein paar kleinere Stellen, etwa an der Halsverschraubung, an denen die Lackierung nicht ultra sauber ausgeführt ist.
Das war’s dann aber auch schon, und als ernsthafte Mankos würde ich diese Punkte auch nicht ansehen. Die Vorteile überwiegen klar: Der Hals sitzt passgenau in der Halstasche und liegt bündig am Korpus an. Zudem sind die Edelstahlbünde tadellos abgerichtet und frei von scharfen Kanten. Man kennt das ja mittlerweile von Harley Benton: Für vergleichsweise kleines Geld wird hier einfach eine erstaunliche Qualität geboten!



















