Der Violet Audio dMix 128 tritt mit selbstbewussten Ansagen gegen etablierte Rack-Mischer in Festinstallation, Broadcast, Studio und Verleih an. Mix-Engine mit 128 Kanälen, AES67 und MADI in einem 4-HE-Rack für 6.449 Euro! Der Digitalmixer des noch jungen Herstellers Violet Audio setzt dabei konsequent auf Vernetzung statt auf klassische Fader-Bänke: Bedient wird der Mixer über einen Internetbrowser der Wahl via Netzwerkanschluss. On top gibt es satte Anschlussvielfalt und stattliche DSP-Reserven für komplexe Routing-Szenarien. Ob das Konzept auch in der Praxis überzeugt, klären wir in diesem Test.

Violet Audio dMix 128 – das Wichtigste in Kürze
- sehr geringe Latenz von 0,3 ms (analog/analog)
- 128 x 128 digitale Signalverarbeitung im kompakten 4-HE-Rackformat
- umfassende Vernetzung mit AES67, MADI 64 x 64 und optionaler Dante-Erweiterung
- browserbasierte Fernsteuerung ohne zusätzliche Software oder App
- integrierter MCP-Server
- umfangreiche Dynamik- und EQ-Sektion pro Kanal
- zwei redundante Netzteile für 24/7-Dauerbetrieb
- Integration von Drittanbieter-Systemen wie Crestron, Q-Sys, AMX und BSS
- eine dedizierte Hardware-Remote für den haptischen Zugriff ist (noch) nicht erhältlich
Was ist im Lieferumfang?
Der dMix 128 kommt fix und fertig im 19-Zoll-4-HE-Format aus dem Karton. Dank der redundanten Stromversorgung gehören zwei Kaltgerätekabel (samt Fixierungsbügel) zur Grundausstattung. Eine gedruckte Kurzanleitung liegt bei sowie anschraubbare 19-Zoll-Winkel. Die eigentliche Bedienung läuft anschließend browserbasiert über das Netzwerk, zusätzliche Software müsst ihr dafür nicht installieren.



Wie ist das Gehäuse beschaffen?
Das Gehäuse des Violet Audio dMix 128 ist auf den Dauereinsatz im Rack ausgelegt. Mit Abmessungen von rund 440 x 176 x 240 mm und einem Gewicht von 7,45 kg passt der Mixer in ein Standard-19-Zoll-Rack mit vier Höheneinheiten und lässt sich damit deutlich kompakter unterbringen, als es die Kanalzahl vermuten lässt. Klasse, dass sich die Rackwinkel in zwei Positionen anschrauben lassen. Wer das dMix 128 im Case fest verkabelt lassen möchte, hat dadurch jetzt die Option.
Violet Audio setzt laut eigener Aussage auf robuste, industrielle Komponenten, was angesichts der Zielgruppe aus Festinstallation und Verleih auch Sinn ergibt. Der dMix 128 ist mit zwei redundanten Netzteilen ausgestattet und explizit für den 24/7-Dauerbetrieb ausgelegt: Fällt ein Netzteil aus, übernimmt das zweite unterbrechungsfrei, sodass ein einzelner Defekt an der Stromversorgung nicht gleich den kompletten Signalweg lahmlegt – für Studios, Bühnen oder Broadcast-Umgebungen, in denen ein Komplettausfall während der Übertragung keine Option ist, ein wichtiges Argument.
Ein eigenes Display oder gar einen Touchscreen sucht ihr am Gerät vergeblich: Die komplette Bedienung läuft ausschließlich browserbasiert über Laptop, Tablet oder PC im Netzwerk, alternativ über den vorhandenen DisplayPort-Ausgang mit einem lokal angeschlossenen Bildschirm.



Welche Ein- und Ausgänge bietet der Violet Audio dMix 128?
32 analoge XLR-Eingänge nehmen Mikrofon- und Line-Signale auf, dazu kommen 24 analoge XLR-Ausgänge sowie zwei Kopfhörerausgänge für die Kontrolle vor Ort. Digital geht es über zwei AES/EBU-Stereo-I/Os sowie eine MADI-Schnittstelle (BNC) mit 64 x 64 Kanälen weiter. Der USB-Port soll nach einem kommenden Firmware-Update ebenfalls mit bis zu 64 x 64 Kanälen aufwarten. Hinzu kommen ein zusätzlicher USB-C-Port und ein DisplayPort-Ausgang, über den sich ein Touchscreen zur lokalen Bedienung anschließen lässt.
Netzwerkseitig ist AES67 fest eingebaut, passende Audiotreiber stehen auf der Website für Mac- und Windows-User kostenlos zur Verfügung. Wer zusätzlich DANTE braucht, muss noch auf die angekündigte optionale Erweiterungskarte warten. Für die Anbindung an Drittsysteme wie Crestron, Q-Sys, AMX oder BSS steht außerdem ein eigenes, dokumentiertes Steuerprotokoll bereit, das sich auch für Multi-Zone-Setups eignet.


Welche DSP-Funktionen und Mixer-Ausstattung bietet der Violet Audio dMix 128?
Intern arbeitet der dMix 128 mit einer FPGA-basierten 128×128-Signalverarbeitung bei 32 Bit Fließkomma-Auflösung und 96 kHz Samplerate. Für die Signalverteilung stehen 24 Aux-Wege, zwölf Subgruppen, 16 DCA- sowie sechs Mute-Gruppen und eine 8×12-Matrix zur Verfügung, genug, um auch komplexere Beschallungs- oder Broadcast-Szenarien sauber zu strukturieren.
Klanglich verfügt jeder Kanal über einen 4- bis auf 8 Bänder erweiterbaren parametrischen EQ, der sich wahlweise auch als dynamischer EQ nutzen lässt. Dazu notiere ich Hoch- und Tiefpassfilter mit wählbarer Flankensteilheit und ein 31-Band-Grafik-EQ mit +/-15 dB Regelbereich. In der Dynamiksektion bietet der Kandidat pro Kanal ein Gate, Kompressor, einen Multiband-Kompressor mit Sidechain-Eingang, De-Esser und eine Sättigungsstufe (Saturation). Zehn Effekteinheiten stehen für Hall, Delay und Chorus bereit, dazu ein RTA-Analyzer, ein Rauschgenerator und ein Oszillator. Das ist für einen 19-Zoll-Rack-Mixer eine äußerst üppige Ausstattung.
Bedient wird das alles über eine browserbasierte HTML5-Oberfläche, für die keine zusätzliche Software oder App nötig ist – ein Rechner oder Tablet im gleichen Netzwerk reicht. Für ein Novum im Mischpultsegment sorgt der werkseitig integrierte MCP-Server (Model Context Protocol): Er läuft direkt auf der Mixer-Hardware und erlaubt es, die Konsole per natürlicher Sprache über KI-Assistenten wie ChatGPT oder Claude zu steuern.
Statt euch durch Menüs zu klicken, formuliert ihr die Anweisung in normaler Sprache, etwa um Kanäle stummzuschalten, das Rednerpult-Mikro um 2 dB anzuheben oder eine gespeicherte Szene aufzurufen. Der Assistent übersetzt das in die passenden Befehle und meldet die Ausführung zurück, während die eigentliche Signalverarbeitung komplett im Gerät bleibt. Auch komplexere Abläufe wie das gleichzeitige Routing mehrerer Broadcast-Eingänge oder das Einrichten eines virtuellen Soundchecks sollen sich laut Hersteller darüber anstoßen lassen. Die Funktion ergänzt bestehende Fernsteuerwege wie OSC und die Browser-Oberfläche, ersetzt sie aber nicht.





























