Mit dem Morning Glory Clean bringt JHS sein beliebtes Medium-Gain-Overdrive-Pedal mit einer integrierten Clean-Blend-Funktion auf den Markt. Dank eines zusätzlichen Potis kann der Overdrive-Schaltkreis nun stufenlos mit dem Bypass-Signal gemischt werden oder als neutraler Clean-Boost herhalten. Das Morning Glory gehört seit seinem Release 2008 zu den meistverkauften Pedalen von JHS und basiert auf dem Marshall Bluesbreaker Overdrive.
Unser Fazit:
4,5 / 5
Pro
erstklassige Ansprache und Dynamik
sehr transparente Overdrive-Sounds möglich
hohe Clean-Boost-Reserven
Contra
Clean-Blend-Signal im Vergleich zum OD-Schaltkreis recht laut
Was ist der Unterschied zum regulären JHS Morning Glory? Das Morning Glory Clean verfügt über ein zusätzliches Poti (Clean) zur stufenlosen Mischung von Overdrive-Schaltkreis und Bypass-Signal. Dafür wurde auf den Gain-Boost-Switch der Standardversion verzichtet.
Was ist das Besondere an der Clean-Blend-Funktion? Der Clean-Blend erlaubt es, das trockene Signal parallel zum Overdrive-Schaltkreis zu mischen; ein Feature, das man hauptsächlich bei Bassverzerrern findet. Dank hoher Lautstärkereserven kann das Pedal auch als Clean-Boost verwendet werden.
Ist das Morning Glory Clean teurer als die Standardversion? Zum Zeitpunkt des Tests kostet das Morning Glory Clean rund 30 Euro weniger als die Standardversion.
Was sagt der Test? Das Morning Glory Clean punktet wie die Standardversion mit Bestnoten in Bezug auf Ansprache und Dynamik. Was die Transparenz zum Grundsound angeht, hat man mit der Clean-Blend-Funktion noch einmal eine Schippe draufgelegt. Etwas unausgewogen wirkt jedoch das Lautstärkeverhältnis zwischen Overdrive- und Clean-Signal.
Wie funktioniert das JHS Morning Glory Clean?
Im Kern handelt es sich beim Morning Glory Clean um ein handelsübliches „3-Knob-Overdrive“-Pedal mit Potis für die Ausgangslautstärke (Volume), den Grad der Verzerrung (Drive) und den Anteil der hohen Frequenzen (Tone). Betrieben wird das (BxHxT) 65 x 60 x 125 mm große und 287 Gramm schwere Pedal mit einem Standard-9-V-Netzteil. Den inaktiven Zustand begleitet ein Buffered-Bypass. Das Clean-Blend-Poti hat in seiner Minimalstellung keinen Einfluss auf das Signal (Overdrive pur). Auf seinem Regelweg mischt es das trockene Signal bis zum kompletten Cleansound in der Maximalstellung stufenlos hinzu. Das Drive-Poti übernimmt in diesem Fall die Funktion einer zweiten Lautstärkeregelung, womit sich das Pedal auch als reiner Clean-Boost verwenden lässt.
1/3Das Morning Glory Clean verfügt im Vergleich zur Standardversion…
2/3…über ein zusätzliches Clean-Poti zur stufenlosen Mischung von Overdrive-Schaltkreis und Bypass-Signal.
3/3Alle Anschlüsse sitzen an der Stirnseite.
Der Testaufbau
Für den Test sitzt das Morning Glory Clean vor einem Budda Superdrive 45 in Kombination mit einem Two Notes Torpedo Captor X. Alle Reverb-Sounds kommen von einem Neunaber Wet Reverb und als Gitarren stehen eine Squier Strat aus den späten 80ern, eine Maybach Texonian T54 und eine Maybach Lester bereit.
Schon die ersten Minuten mit dem Morning Glory Clean zeigen, warum dem Bluesbreaker-Schaltkreis aus dem Hause JHS sein guter Ruf vorauseilt: Das Pedal liefert äußerst dynamische Low- bis Medium-Gain-Sounds, die in Sachen Ansprache und Spielgefühl auf höchstem Niveau agieren. Der Grundsound verfügt dabei im Gegensatz zu TS- oder Klon-Schaltungen über ein sehr ausgeglichenes Frequenzbild („transparent“) und beschneidet, wenn überhaupt, minimal die tiefen Frequenzen. Dreht man nun das Clean-Poti langsam auf, erhält die Zerrstruktur vor allem im Bassbereich einen recht deutlichen Schub. Ab der 9-Uhr-Stellung klart der Sound merklich auf, bis die eigentliche Verzerrung kaum noch zu vernehmen ist.
Der Cleansound ist dabei im Vergleich zum reinen Overdrive-Signal sehr laut angesetzt und lässt sich in der Praxis eigentlich nicht ohne Boost-Reserven nutzen. Hier wäre unter Umständen eine Entkopplung des Clean-Blend-Signals von Volume- und Drive-Poti sinnvoll. Vor bereits angezerrten Amps oder Verzerrern entfaltet diese Mischung aus Boost und Overdrive jedoch ihren ganz eigenen Charme und liefert voluminöse Low- bis Medium-Gain-Klänge, die den vorhandenen Sound ausschließlich bereichern. Auch vor stärker verzerrten Amps macht das Pedal eine gute Figur. Hier lässt es sich besonders gut als neutraler Clean-Boost mit leichten Overdrive-Artefakten (Clean-Poti auf ca. 12 Uhr) verwenden.
Wie wirkt sich der Clean-Blend auf unterschiedliche Sounds aus?
Wir starten den Praxisteil mit drei Beispielen unterschiedlicher Gain-Poti-Settings zwischen 12 und 15 Uhr. Das Clean-Poti steht bei diesem Direktvergleich jeweils auf 9 Uhr, was in meinen Ohren dem Sweetspot einer gleichmäßigen Mischung entspricht.
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Mid-Gain, Bypass → OD → OD/Clean (Tele)Low-Gain, Bypass → OD → OD/Clean (Strat)High-Gain, Bypass → OD → OD/Clean (Les Paul)
So arbeitet das Clean-Poti auf seinem gesamten Regelweg
Weiter geht es mit einem Überblick über den Regelweg des Clean-Potis von seiner Maximalstellung (nur Clean-Boost) bis zur Minimalstellung (nur Overdrive) bei unterschiedlichen Gain-Settings. Hier werden die oben bereits angedeuteten Lautstärkeunterschiede zwischen Clean- und Overdrive-Sound besonders deutlich. Weniger auffällig verhält sich dieser Effekt natürlich vor einem bereits übersteuerten Amp.
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Clean-Poti, max. → min., Low-Gain (Tele)Clean-Poti, max. → min., Mid Gain (Strat)Clean-Poti, max. → min. vor dem verzerrten Amp (Les Paul)
Als Letztes hören wir noch die Wirkungsweisen von Gain- und Tone-Poti und ein kurzes Beispiel mit dem E-Bass. Hier kann das Morning Glory Clean mit der Clean-Blend-Funktion sein volles Potential für den Erhalt der tiefen Frequenzen ausspielen.
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Gain-Poti, 12:00 → max (PRS)Tone-Poti, min. → max. (Les Paul)E-Bass, Bypass → OD → OD/Clean
Das Morning Glory Clean ist ein hervorragend klingendes Overdrive-Pedal und überzeugt abermals mit Bestnoten in Bezug auf Ansprache und Dynamik. Mit der Clean-Blend-Funktion legt der Verkaufsschlager aus dem Hause JHS in Sachen Transparenz noch einmal eine Schippe drauf. Durch die Mischung mit dem Bypass-Signal erhält die Zerrstruktur bei Bedarf mehr Fülle im Bassbereich und wirkt noch „unauffälliger“ im Vergleich zum Grundsound. Bemängeln könnte man in meinen Augen, dass das Clean-Blend-Signal im Vergleich zum Overdrive-Schaltkreis sehr laut ausfällt. In der Praxis lässt sich ein Clean-Boost-Effekt so kaum vermeiden. Weiß man jedoch, wie man die Mischung aus Boost und Overdrive für sich einsetzt (z. B. vor einem bereits angezerrten Amp oder Pedal), möchte man das Morning Glory Clean gar nicht mehr ausschalten.
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