Der Markt für Bass-Preamps und DI-Boxen ist alles andere als klein – mit einem neuen Gerät wirklich herauszustechen, wird da zu einer echten Herausforderung. Der Walrus Audio Mantle ist ein Analog-Bass-Preamp/DI, der auf gezielte Klangveredlung ausgerichtet ist. Entwickelt wurde das Pedal in enger Zusammenarbeit mit Bassist und Content Creator Ian Martin Allison, der u.a. durch seine Arbeit bei „Scott’s Bass Lessons“ bekannt ist. Das Konzept des Mantle ist klar umrissen: Hochwertiger Grundsound bei möglichst einfacher Bedienung. Herzstück sind zwei eigens entwickelte „Sapphire“-Übertrager, die laut Hersteller klassische Neve- und API-Charakteristika miteinander verbinden sollen – Buzzwords, die den Studioanspruch unterstreichen. Ergänzt wird das Ganze durch eine diskret aufgebaute Verstärkerstufe mit bis zu +23 dB Gain sowie einen hochohmigen JFET-Buffer. Bei einem Preis von rund 840,- Euro konkurriert der Walrus Audio Mantle gegen starke Mitbewerber, wie den Caveman BP1 oder die beliebte Noble DI. Ob diese Rechnung aufgehen kann?

- extrem hochwertige Klangqualität mit Studio-Charakter
- sehr musikalisch abgestimmter EQ mit cleverer Filtercharakteristik
- subtile Sättigung mit enormem Headroom
- hervorragende Verarbeitung und edle Haptik
- gerasterte Regler für präzise reproduzierbare Einstellungen
- extrem rauscharmes Arbeiten
- trafosymmetrierter XLR-Out
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Was ist die Idee hinter dem Walrus Audio Mantle?
Die Idee zum Mantle entstand laut Ian Martin Allison aus einer ziemlich ambitionierten Fragestellung: Lässt sich der charakterstarke Klang hochwertiger Neve- und API-Studiohardware in ein kompaktes Basspedal übertragen?
Gleichzeitig hatte der erfahrene Studio- und Livebassist klare Vorstellungen davon, wie der Preamp in der Praxis funktionieren sollte: Die EQ-Regler sollten möglichst flexibel arbeiten und gleichzeitig schnell reproduzierbare Einstellungen ermöglichen – deshalb sind beisielsweise die Potis gerastert, wie man es von hochwertigem Studio-Equipment kennt.
Ebenso wichtig war es Allison, dass bei der Entwicklung nicht permanent auf die spätere Preiskalkulation geschielt wird. Der Mantle sollte in erster Linie kompromisslos gut klingen und hochwertig gebaut sein – auch wenn das am Ende eben keinen Budget-Preis ermöglicht. Und siehe da: Walrus Audio zeigten sich von der Idee sofort begeistert und machten sich gemeinsam mit Allison an die Umsetzung dieses Konzepts.

Wie ist der Aufbau des Walrus Audio Mantle?
Auch die Optik spielte für Ian Martin Allison eine wichtige Rolle. Nach eigener Aussage mag er Produkte, die nicht nur funktional sind, sondern die man auch einfach gerne benutzt und anschaut. Ob einem das Design des Mantle gefällt, bleibt natürlich Geschmackssache – hochwertig wirkt das Pedal allerdings ohne Frage!
Die Technik steckt in einem verschraubten, matt lackierten Metallgehäuse mit den Abmessungen 155 x 119 x 58 mm, das einen extrem robusten Eindruck hinterlässt. Auf der Oberseite sitzt ein grünes Kunststoff-Panel mit „Mantle“-Schriftzug und einem stilisierten Emblem, welches dezent aufleuchtet, sobald das Pedal mit Strom versorgt wird.
Darüber thronen drei große Regler mit kupferfarbenen Akzenten, die nicht nur schick aussehen, sondern sich auch sehr angenehm und präzise bedienen lassen. Auch die übrige Beschriftung greift diesen Farbton auf, wodurch das Pedal insgesamt eine sehr edle, Boutique-Anmutung erhält. Hier wird schnell klar, dass sich der Mantle klar im Premium-Segment positioniert.

Über welche technischen Spezifikationen verfügt der Walrus Audio Mantle?
Noch klarer wird der Anspruch mit Blick auf die technischen Spezifikationen und das Innenleben des Pedals. Herzstück des Mantle sind zwei eigens entwickelte „Sapphire“-Übertrager, die laut Walrus Audio über einige Jahre hinweg entwickelt und abgestimmt wurden.
Der Eingangsübertrager orientiert sich dabei an klassischen Neve-Schaltungen und soll für kräftige Tiefmitten, ein solides Fundament und den typischen „gewichtigen“ Studio-Sound sorgen. Der Ausgangsübertrager lehnt sich dagegen eher an API-Designs an und soll dem Signal mehr Offenheit, Klarheit und harmonische Obertöne verleihen.
Neve meets API also – hier treffen zwei absolute Schwergewichte aus der Studio-Welt aufeinander, deren klangliche Charakteristika normalerweise nur über extrem kostspieliges Outboard-Equipment zugänglich sind. Ergänzt wird das Ganze durch einen hochohmigen JFET-Buffer sowie eine diskret aufgebaute Verstärkerstufe mit bis zu +23 dB Gain, die laut Walrus Audio möglichst viel Dynamik und Signalintegrität erhalten soll. Ob und wie stark man diese technischen Ansätze am Ende tatsächlich hört, klären wir natürlich später im Praxisteil.

Wie bedient man den Walrus Audio Mantle Preamp/DI?
Bedient wird der Mantle über die bereits erwähnten drei Regler auf der Oberseite. Links sitzt der Bass-Regler, in der Mitte Gain und rechts der Höhenregler – simpel aufgebaut, aber technisch durchaus raffiniert. Alle drei Potis sind gerastert und bieten jeweils elf Positionen – ob das eine kleine Spinal-Tap-Anspielung sein soll, lasse ich mal offen!
Interessant wird es bei der Arbeitsweise der EQ-Sektion, denn die funktioniert deutlich ausgefuchster, als man dies zunächst vermuten würde. Im Grunde handelt es sich zwar um klassische Cut/Boost-Regler, allerdings arbeiten die Filter beim Absenken anders als beim Anheben. Dreht man den Bass-Regler unter die Mittelstellung, agiert er als High-Pass-Filter und kappt zunehmend Tiefbassanteile. Der Höhenregler arbeitet beim Cut dagegen als Low-Pass-Filter und ermöglicht entsprechend dunklere und vintageartige Sounds.
Beim Anheben verhalten sich beide Regler wiederum wie Glockenfilter, deren Bandbreite mit zunehmendem Boost schmaler wird. Dadurch bleiben Eingriffe auch bei stärkeren Anhebungen kontrolliert und der Sound gerät nicht unnötig aus dem Gleichgewicht. Das Konzept wirkt ohne Frage sehr durchdacht und verspricht eine hohe klangliche Flexibilität.
Mit dem Gain-Regler bestimmt man schließlich den Grad der Signalsättigung. Laut Walrus Audio reicht das Spektrum von super sauberen Clean-Sounds bis hin zu subtiler Transformatorsättigung, ohne dass das Signal unangenehm aufbricht. Zusätzlich besitzt der Mantle einen -10dB-Umschalter für aktive und passive Bässe an der rechten Gehäuseseite, um den verfügbaren Headroom optimal an das Eingangssignal anzupassen.
Damit wären wir auch bei den übrigen Features bzw. Anschlüssen des Mantle angekommen. Ebenfalls rechts befinden sich der Klinkeneingang für den Bass sowie die Buchse für die Stromversorgung. Das Mantle benötigt ein 9-Volt-Netzteil mit innen liegendem Minuspol und zieht maximal 500 mA – somit kommt das Pedal problemlos mit den gängigen leistungsstarken Pedalboard-Netzteilen klar.
Auf der gegenüberliegenden Seite sitzen schließlich die Ausgänge: Neben einem trafosymmetrierten XLR-Out gibt es einen Klinkenausgang – beide können auch gleichzeitig genutzt werden. Das Signal lässt sich also parallel an Bassamp und Mischpult bzw. Recording-Equipment schicken – genau so, wie man es sich bei einem modernen Preamp/DI wünscht. Direkt neben der XLR-Buchse sitzt außerdem ein Groundlift-Schalter, mit dem sich bei Bedarf Brummschleifen beseitigen lassen.

















