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Teenage Engineering Pocket Operators Test

Praxis

Allgemeines

Die drei stylischen Synths stecken in mindestens genauso modischen Verpackungen inklusive kleiner Beipackzettel, die als Anleitung dienen. Diese sollte man auch lesen, denn wirklich selbsterklärend ist das Layout der Klang-Taschenrechner nicht. Das „Handbuch“ ist allerdings eher als eine Schnellstart-Anleitung zum Selbstversuch zu verstehen, denn einige grundlegende Fragen zur Bedienung oder Limitationen in der Benutzung werden nicht angesprochen.
Beispielsweise habe ich im Test überdurchschnittlich lange gebraucht um herauszubekommen, ob die Sounds denn nun editierbar sind oder nicht. Einfach an den Reglern drehen brachte in den meisten Fällen nämlich leider nichts, was ich zunächst nicht ganz nachvollziehen konnte. Die Lösung: Man muss Write gedrückt halten, um Soundparameter zu ändern – im Handbuch habe ich diesen Hinweis allerdings nicht direkt gefunden.
Wenn man das Prinzip dann irgendwann verstanden hat, kann man mit den kleinen Dingern dennoch ganz gut arbeiten. Was mich allerdings immer wieder störte, war die Tatsache, dass sich die 16 Taster für die Steps und Pattern nicht weiter von den restlichen Tastern absetzen und sich somit optisch nicht genügend separieren. Aber hören und schauen wir uns die Pocket Operators doch lieber erst einmal zusammen an.

PO-14 Sub

Der PO-14 Sub bietet 15 verschiedene Bass-Sounds und einen zusätzlichen Drum-Track mit 16 Samples und ist damit ein eigenständiges Gerät, mit dem man schon solo einiges anstellen kann. Dass hinter den verschiedenen Sounds verschiedene Syntheseformen stecken, ist interessant, allerdings auch relativ irrelevant, denn es lassen sich ohnehin nur maximal zwei Parameter editieren, wovon fast immer einer für das Filter bzw. die Filter-Envelope zuständig ist. Schlecht ist die Soundauswahl nicht, besonders überraschend und innovativ aber auch nicht. Witzig wird es aber im Zusammenhang mit den Effekten. Im folgenden ersten Audiobeispiel kurbele ich beispielhaft alle Sounds und ihre beiden Parameter einfach mal durch. Im zweiten Beispiel gehe ich dann alle Punch-In Play-Styles, basierend auf demselben Pattern durch, im dritten und letzten Beispiel hören wir uns dann die Effekte an. 

Audio Samples
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Sub – 16 Sounds Sub – 16 Play-Styles Sub – 16 Effekte

PO-16 Factory

Das Gleiche gilt im Prinzip auch für den Melodie-Synth PO-16 Factory. Er bietet jedoch die interessanteren Sounds, die einen schrägen und manchmal (auf eine gute Art) auch etwas billigen Lo-Fi-Charakter besitzen. Sie klingen so schrullig, wie der kleine Kasten auch aussieht. Dank der Chord Play Styles ist man in der Lage, auch polyphone Sounds zu erzeugen. Gehen wir aber lieber einfach mal alle Preset-Patterns, dann Play-Styles und Effekte durch:

Audio Samples
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Factory – 16 Pattern Factory – 16 Play-Styles Factory – 16 Effekte

PO-12 Rhythm

Die Drum Machine PO-12 Rhythm ist ebenfalls recht interessant und bietet naturgemäß die umfangreichsten Drums. Im Gegensatz zu den rein Sample-basierten Drums von PO-14 und PO-16 sind hier auch Synthesizer-Drums an Bord. Entsprechend lassen sich die Sounds auch mit zwei Parametern editieren. Gehen wir der Einfachheit halber mal alle Sounds und ihre Parameter durch.

Audio Samples
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Rhythm – 16 Pattern Rhythm – 16 Sounds Rhythm – 16 Effekte

Die Step-Multipliers („Note Repeats pro Step“) sind witzig, richtig abgefahren wird es aber auch hier erst mit den Punch-In Effekten, die genau wie jeder Parameter pro Step änderbar sind. Etwas eingeschränkt ist man allerdings dadurch, dass die Effekte nur global wirken und nicht auf einzelne Sounds gelegt werden können. Apropos Kompromisse: Mutes, Solos und Mixer sind leider Fehlanzeige, was den praktischen Nutzen dann doch erheblich einschränkt.
Mit 16 Steps Länge sind natürlich keine allzu ausgefeilten Grooves möglich, jedoch lassen sich die Pattern verketten. Für meinen Teil empfand ich es allerdings am ergiebigsten, einfach zu jammen und aufzunehmen. Das Ergebnis lässt sich dann in der DAW am unkompliziertesten editieren, zumal nicht alle Stunts mit den Effekten unbedingt voraussehbar sind. Die rohen, harten Sounds gefallen mir zwar durchweg alle gut, jedoch würde ich nicht soweit gehen wollen, diese Sounds als Main-Sounds in einer Produktion zu verwenden. Für einen abgefahren Loop reicht die kleine Kiste als Ideen-Schleuder aber definitiv aus.

Fotostrecke: 3 Bilder Der PO-12 Rhythm ist für die Drums zuständig.
Fotostrecke

Umfangreiche Sync-Modes

Dank unterschiedlicher Sync-Modes können alle drei Pocket Operators miteinander und auch mit anderen Geräten in Sync gebracht werden. Sogar die Kommunikation mit meinen Volcas funktionierte prima – allerdings ohne Start- und Stop-Kommandos.

Was mit nicht so gefällt

Dass sich die kleinen Musikzwerge von allein in Betrieb setzen, wenn man sie einfach in seine Tasche wirft. Ein zusätzlicher Ausschalter wäre durchaus sinnvoll gewesen, zumal sich die Batterien recht schwer entfernen lassen. Als ich kürzlich meinen Gear-Koffer am Flughafen öffnen musste, wurde ich auch entsprechend misstrauisch beäugt – was das denn sei, das da zwischen meinen Kabeln blinke und komische Töne von sich gäbe („Bomb Squad Alert“).
Schade ist auch, dass die Kisten sich leider nicht den zuletzt gesetzten Notenwert merken, sodass man pro Step sich erneuert durch alle Notenwerte kurbeln muss, was ich als etwas bremsend empfand. Störend bleibt auch, dass man hin und wieder nicht jeden gesetzten Step erkennen kann, falls der mit dieser LED korrespondierende Sound schnell getriggert wird. Aber daran muss man sich eben gewöhnen. Mutes und Solos gibt es übrigens ebenfalls nicht, da muss man sich dann mit leeren Pattern behelfen. Ja, und MIDI gibt es auch nicht!

Sonderausstattungen

Wie bei einem Benz gilt auch bei Teenage Engineering: Jedes Extra kostet – und das saftig! Die passenden Silikon-Hüllen namens CA-12, CA-14 und CA-16 sind jeweils für knapp 40 Euro zu haben. Der „Break Away Hanger“ muss dann allerdings von der Platine gebrochen werden. Passende Display-Schutzfolien werden ebenfalls gehandelt und schlagen mit 15 Euro für den Dreierpack zu Buche.
In Relation zu den ca. 70 Euro, die die tatsächlichen Synthesizer kosten, wird klar, dass der Fokus bei den Pocket Operators am Ende doch mehr auf Design und Hipness statt auf Funktionalität liegt. Die animierten U-Boote und Kräne auf den Displays sind wirklich ein Hingucker, sodass ich die POs wärmstens als Gag-Geschenk für den Hipster, der eh schon alles hat, empfehlen kann. Musikalisch gesehen sind sie letztlich eine eher fragwürdige Anschaffung. 

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Profilbild von Andreas Flatzek

Andreas Flatzek sagt:

#1 - 15.04.2016 um 23:39 Uhr

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+1 für die Jam Session und das erstklasige Küchen Reverb! Ich geh morgen mal mit dem Video hier in Köln zum MS und frag mal, ob die eins haben :D

Kommentare vorhanden
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