Elektronische Drums gehören schon lange zum festen Bestandteil moderner Schlagzeug-Setups – und vor allem Simmons ist die Marke, mit der diese spannende Entwicklung ihren Lauf nahm. Vom legendären Hexagon-Pad der 1980er-Jahre bis hin zu aktuellen E-Drum-Kits bietet Simmons Lösungen für Live-Drummer und Sammler.

Die Instrumente von Simmons prägten mit ihren charakteristischen analogen Sounds entscheidend den Sound des 80ies-Pop/Rock – punchige Kick-Drums, kraftvolle Snares und synthetische Toms live gespielt von Drummern und nicht aus einer Maschine. In diesem Feature werfen wir zusammen mit Wolfgang Stölzle vom Simmonsmuseum einen Blick auf die Geschichte der Marke, ihre wichtigsten Produkte und die Frage, was Simmons Drums heute auszeichnet.
- Dave Simmons – britischer Entwickler mit neuen Ideen?
- Simmons Drums – welche Modelle sollte man kennen?
- Prominente Musiker – wer spielte Simmons Drums?
- Was ist das Simmonsmuseum von Wolfgang Stölzle?
- Welche Rolle spielen heute die Simmons Drums?
- Ist Simmons ein Wegbereiter heutiger E-Drums?
- Clones, Plugins und Libraries – Tipps?
- Fazit – Retro E-Drumming
Dave Simmons – britischer Entwickler mit neuen Ideen?
Die Geschichte von Simmons beginnt mit Dave Simmons, einem britischen Ingenieur. Er hatte sicherlich viele gute, aber keine komplett neuen oder revolutionären Ideen. Vielmehr sammelte er Erfahrungen durch seine Reparaturen analoger Synthesizer und nutzte sie praktisch für eigene Projekte. Bereits in den späten 1970er-Jahren entwarf Simmons elektronische Drums. Zunächst arbeitete Simmons bei seiner eigenen Firma Musicaid in St. Albans und entwickelte analoge Drum-Synthesizer, die Percussion-Klänge synthetisch erzeugten.
Mehrere Prototypen wie der SDS-3 und SDS-4 gingen aus seinen frühen Experimenten hervor und legten den Grundstein für spätere, vollwertige E-Drum-Sets. Simmons hatte – hypothetisch formuliert – so etwas wie eine Vision: Elektronische Drumsounds sollen nicht nur als Effekt, sondern als ernsthafte Alternative oder Ergänzung zu akustischen Kits gespielt werden.

Sein Ansatz war sehr praxisorientiert: Die Geräte kombinierten analoge Synthesizer-Techniken mit Triggerpads und boten somit eine neue Ausdrucksform für Schlagzeuger, die Klangfarben jenseits des Akustischen suchten. Diese Ideen führten schließlich zur Gründung von *Simmons* als Marke für elektronische Schlagzeuge.
Simmons Drums – welche Modelle sollte man kennen?
Dave Simmons entwickelte viele Modelle. Vier davon sollte man kennen. Der frühe analoge Drum-Synthesizer SDS3 war der Startschuss. Seit 2026 bietet Behringer mit dem BDS-3 dazu den passenden Hardware-Klon. Herwig Mitteregger nutzte übrigens das Original auf Nina Hagen’s „Ich glotz TV“.

Der Klassiker ist das Modell SDS-V. Erstmal kamen hier die sechseckigen Pads zum Einsatz und ließen Simmons zu einem Blickfang werden. Auch klanglich war mit der modularen, analogen Synthese dem SDS-V viel zu entlocken.

Mit dem SDS7 wurde die Tonerzeugung von Simmons hybrid: Dieses Modell kombiniert Samples auf 8-Bit Eproms mit dem analogen Filter aus dem SDS-V. Leider war es qualitativ nicht so gut verarbeitet. Beim Transport gingen bisweilen auch gespeicherte Sounds verloren.
Das SDX wiederum war seiner Zeit voraus. Es arbeitete mit einem 16-bit-Mono-Sampler und bot als erstes elektronisches Drumkit eine Positionserkennung mit schwingend gelagerten „Symbal“ Cymbal Pads, die man sogar abstoppen (choken) konnte. Neu waren zudem die Velocity-Zonen. Dieses Luxusexemplar kostete natürlich ein Vermögen. Maximal 250 Units wurden gebaut und wer ein funktionierendes Exemplar findet, ist ein Glückspilz.

Prominente Musiker – wer spielte Simmons Drums?
Überraschend viele Drummer beschäftigen sich mit Simmons. Insbesondere Bill Bruford demonstrierte seinerzeit, was mit den E-Drums technisch-musikalisch möglich ist. Er kombiniert die Elektronik-Sounds mit seinem akustischen Set und setzte Simmons auch bei der Formation Yes ein. Phil Collins und Steve Negus von Saga nutzten es ebenso hybrid zusammen mit ihren klassischen Drumsets, Rick Allen und Duran Duran machten Simmons zum 80ies Sound, einen futuristischen Touch bekam es bei den New-Wave-Bands.
Hierzulande kamen die Simmons Drums wie vor allem das SDS-V prominent zum Einsatz – vom Rock/Pop über NDW bis hin zum Schlager. Curt Cress, Rolf Brendel von Nena, der Spliff-Drummer Herwig Mitteregger und selbst auch der Schlagzeuger der Flippers, Manfred Durban, machte Drumpads einem größerem Publikum bekannt, auch wenn sie nicht von Simmons stammen. Übrigens war das Simmons SDS-V auch in der ehemaligen DDR ziemlich verbreitet.

Auf 12.000 Aufnahmen und mehr als 400 Millionen verkauften Tonträgern ist das Schlagzeugspiel von Curt Cress zu hören. Höchste Zeit für ein Gespräch mit einem der einflussreichsten deutschen Musiker.
Was ist das Simmonsmuseum von Wolfgang Stölzle?
Wolfgang Stölzle ist Drummer und passionierter Simmons-Fan. Er war sofort infiziert, als er 1983 in London ein Simmons in Augenschein nehmen konnte. Einige Jahre später leistete er sich ein SDS200 und kam Anfang der 2000er auf die Idee, möglichst alle Simmons-Modelle auf eBay zu ersteigern. Als studierter Medientechniker lag es für ihn nahe, seinen eigenen Blog über Vintage Simmons Electronic Drums aufzuziehen: das Simmonsmuseum.com. Bis heute haben sich etwa 50 Klangerzeuger und 150 Pads angesammelt.

Im Grunde ist es ein privat geführtes Online-Archiv und kein herkömmliches Museum mit Exponaten in verschiedenen Ausstellungsräumen. In Fachkreisen genießt das Simmonsmuseum einen guten Ruf. Hier gibt es historische Hintergründe, Dokumentationen verschiedener Modelle, Interviews, Schaltpläne und vieles mehr.
Welche Rolle spielen heute die Simmons Drums?
Wolfgang Stölzle ist sich selber nicht ganz sicher, ob Simmons heute nur für Museen interessant sein dürfte. Die Pads sind jedenfalls noch immer ein Eye Catcher und Stölzle bekommt noch immer Anfragen von Museen. Derzeit stehen eins seiner Sets im Londoner Design Museum und ein anderes Modell im Berliner Musikinstrumentenmuseum, auch im Deutschen Museum in München kann man sich ein Simmons anschauen.
Dave Simmons und das GuitarCenter konnten sich zwar auf die Vereinnahmung des Brands „Simmons“ einigen, aber für Neuauflagen diverser neuer Simmons Drums reicht es wahrscheinlich nicht – der heutige Markt ist schon hart umkämpft.
Ist Simmons ein Wegbereiter heutiger E-Drums?
Sicherlich! Auch wenn Dave Simmons sich von anderen Entwicklern inspirieren ließ, baute er mit dem Simmons SDS-V das erste ernsthafte E-Drum-Set. Alle Instrumente zuvor waren entweder Effekt-Percussion oder funktionierten als Drum Kit nicht wirklich. Mit dem sehr gelungenen Produktdesign konnte sich das Schlagzeug von Simmons auch medienwirksam positionieren. Viele Drummer performten in der den legendären britischen Musiksendung „Top of the Pops“ nur aufgrund der Optik mit einem Simmons – so zum Beispiel Spandau Ballet bei ihren Hits „True“ und „Gold“, die keine Sounds enthalten.
Neben der optischen Erscheinung ist aber auch die innovative Technologie des SDX bedeutend als Grundlage für spätere Instrumente anderer Hersteller. Die Entwickler von Roland V-Drums, Yamaha DTX oder Alesis Nitro haben sich sicherlich eingehend mit Simmons beschäftigt.
Clones, Plugins und Libraries – Tipps?
Der beste und zugleich preiswerteste Klone ist heute der Behringer BDS-3. Anders als beim originalen Simmons integriert es MIDI und schlägt sich im Behringer BDS-3 Test ziemlich gut, auch wenn sich die Klänge nicht speichern lassen. Als SDSV-Ersatz macht übrigens auch das Clavia Norddrum 3 eine gute Figur.
Beim Produzieren in der DAW kann man sich auf die beiden Erweiterungen Toontrack SDX Hitmaker und XLN Audio AD 2 Reel Machines verlassen. Ein weiterer guter Tipp ist das Plugin Simmons SDS-V VST von Aly James. Es orientiert sich an der Schaltung des SDS-V und emuliert die analoge Klangerzeugung detailliert – und dies vollkommen ohne Samples. Nicht zuletzt lohnt es sich, auch in den Preset Libraries von Synthesizern nach Simmons Drums zu schauen.
Fazit – Retro E-Drumming
Simmons Drums sind weit mehr als nur ein Relikt der 1980er-Elektronik: Sie markieren einen Wendepunkt in der Entwicklung elektronischer Schlaginstrumente. Dank der visionären Ideen von Dave Simmons, der markanten Optik der hexagonalen Pads und ihres unverwechselbaren Klangs leben sie bis heute in Produktionen und Sammlungen weiter.
Ob in originaler Hardware, modernen Reissues, virtuellen Plugins, Sample Libraries oder einfach als Inspiration für zeitgenössische Musik – Simmons ist ein Symbol für die Fusion von Technologie und musikalischem Ausdruck, die das E-Drumming nachhaltig prägte.























