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Play Alike Jimmy Nolen – Workshop

Jimmy Nolen zählt zu den großen Pionieren der Funkgitarre und gilt auch heute noch als unantastbare Referenz. Das vor allem, wenn es um prägnante Single-Notes und Akkordbegleitung im Funk, Soul, R&B, aber auch im Hip Hop geht. Die Geschichte beginnt mit James Brown, dem unbestrittenen “Godfather of Soul”, der seit dem Release seiner ersten Single “Please, Please, Please” aus dem Jahre 1956 einen kometenhaften Aufstieg hinlegte und die Musikrichtung geschaffen hat, die man heutzutage “Funk” nennt. 

Play Alike Jimmy Nolen - Workshop
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Jimmy Nolen als Gitarrist von James Browns

Wie viele bedeutende Künstler hat auch James Brown seinen Erfolg zu einem großen Teil seinen musikalischen Mitstreitern zu verdanken. Die Mitglieder seiner Band spielten in der damaligen Zeit ihre Instrumente sowohl klanglich wie spieltechnisch auf einem völlig neuen Niveau. Einer dieser legendären Sidemen war Jimmy Nolen, genannt „Chank“. Er bediente in der James Brown Band die sechs Saiten und darf damit mit Fug und Recht als Urvater der Funkgitarre bezeichnet werden.

Nolens Spiel ist eine bunte Mischung verschiedener Stilelemente, die sich aus dem Blues, Jazz und R&B speisen. In der Begleitung finden sich einerseits gedämpfte oder offen gespielte Single-Note-Lines, aber auch Akkorde mit einer Reihe von Optionstönen.

Höchste Zeit, diesem innovativen Funk-Gitarristen einen Workshop zu widmen.

Inhalte
  1. Jimmy Nolen – Biographie und Karriere
  2. Die Gitarren und Amps von Jimmy Nolen
  3. Jimmy Nolens Funk-Harmonik und Spieltechnik
  4. Papa’s Got a Brand New Bag (1965)
  5. Cold Sweat (1967)
  6. Say It Loud – I’m Black and I’m Proud (1968)
  7. Give it up or Turnit a Loose (1969)
  8. So erhaltet ihr den Funk-Sound von Jimmy Nolen

Jimmy Nolen – Biographie und Karriere

Nolen wurde am 3. April 1934 in Oklahoma geboren und griff bereits mit 14 Jahren zur Gitarre, wobei T-Bone Walker zu seinen frühesten Einflüssen zählte. Der Bluessänger Jimmy Wilson erkannte Nolens Talent und brachte ihn nach Los Angeles. Dort trat er mit verschiedenen Formationen als Begleitmusiker und Solokünstler auf, bis er 1965 auf Empfehlung von Les Buie, James Browns damaligem Gitarristen, der James Brown-Band beitrat. Damit wurde Nolen neben Maceo Parker, Clyde Stubblefield, Fred Wesley und John Starks zu einem elementaren Grundpfeiler der frühen Brown-Besetzung, bei der er von 1965 bis 1970 mitwirkte. 1970 vervollständigte Nolen Maceo Parkers Band “Maceo and all the Kings’ men“, während James Brown mit einer neuen Besetzung tourte.  “The J.B.s“ nannte sich die Formation mit Bootsy Collins am Bass und dessen Bruder Phelps “Catfish” Collins an der Gitarre. Als diese Musiker die James Brown-Band zugunsten von George Clintons Parliament bzw. Funkadelic verließen, kam es 1972 zur Reunion der klassischen James Brown Band. In dieser wirkte Jimmy Nolen bis zu seinem Tod 1983 mit.

Nolens Einfluss auf so ziemlich alle folgenden Funkbands wie “Earth, Wind & Fire”, “Chic”, “Tower of Power” und viele weitere kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Dazu prägten unzählige Samples von James Brown Songs auch Hip Hop und Rap, wie Songs von “Public Enemy”, den “Beastie Boys” oder “Cypress Hill” beweisen, sodass Jimmy Nolens Spiel auch in diesen Genres einen gewaltigen Fußabdruck hinterließ.

Die Gitarren und Amps von Jimmy Nolen

Jimmy Nolen setzte diverse Gitarren in seiner Laufbahn ein, zum Beispiel die Vollresonanzmodelle Gibson ES-175 und ES-5 Switchmaster. Dazu kamen eine Stratocaster-Kopie namens Fresher Straighter, eine Vox V268 Ultrasonic sowie eine Gibson Les Paul Recording. Die Instrumente waren oft mit P90 Singlecoils ausgestattet, die extrem zu dem typischen “chanky” Sound beitrugen. Als Gitarrenverstärker findet man bei Jimmy Nolen primär einen Fender Twin Reverb, dessen Treble-Regler er relativ hoch setzte.

Jimmy Nolens Funk-Harmonik und Spieltechnik

Im Funk spielen vor allem Durakkorde aus dem mixolydischen Modus oder Mollvoicings aus dem dorischen Modus eine große Rolle.

Bewegen wir uns in Dur, spielt Jimmy häufig Dominant-Septakkorde, die mit der None (9) oder der Sexte, bzw. Tredezime (13) angereichert sind. Das Ganze kommt gepaart mit ein paar spieltechnischen Finessen, die im Funktalk als “Chicken Scratch” oder “Chanking” bekannt sind. Hier werden die gegriffenen Saiten des Akkordes leicht gegen das Griffbrett gedrückt und dann wieder schnell losgelassen, um einen gedämpften „Scratching”-Sound zu erhalten. Diese Spielweise ist dann noch zusätzlich mit Ghostnotes gespickt, die heute noch zur Grundausstattung fast jedes Funklicks gehören. Hört man sich James Brown Songs wie “Out of Sight” aus dem Jahre 1964 an, bei dem Jimmy Nolens Vorgänger Les Buie noch die Gitarren bediente, wird der typische staccatoartige Anschlag bereits angedeutet. Das Prinzip wurde übrigens auch von Reggae-Gitarristen übernommen, deren Off-Beat-Sound mit den kurzen Attacks klanglich deutliche Parallelen aufweist.

Noch eine kleine Anmerkung zu den Soundfiles: Häufig bleiben Funkstücke, wenn sie nicht gerade das Bluesschema als Basis haben, sehr lange Zeit auf einer Harmonie, bevor sie nach einem beherzten “Take me to the bridge!” meist zur Subdominanten wechseln. In diesen Fällen habe ich die Transkription und den Beispiel-Track etwas abgekürzt. Auch spielt Jimmy Nolen häufig kleine Variationen in den Rhythmus-Tracks, die ich ebenfalls minimal vereinheitlicht habe. Auch habe ich in den Tracks auf die Bläsersektion verzichtet, um die Gitarrenspur deutlicher hervorzuheben.

Papa’s Got a Brand New Bag (1965)

Jimmy Nolens erste Recordingsession mit dem “Godfather of Soul” war der Hit „Papa’s Got a Brand New Bag” aus dem Jahre 1965. Dieser sollte wegweisend für die weitere Entwicklung des Funk sein, die sich mit “Out of Sight” ein Jahr zuvor bereits angedeutet hatte. Prinzipiell handelt es sich dabei um einen Blues in E-Dur und Nolen zeigt hier zum ersten Mal seinen klassischen “Chicken Scratch” mit den Akkorden E9, A7 und B7.

Audio Samples
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Papa’s Got a Brand New Bag (1965) – Original Papa’s Got a Brand New Bag (1965) – Playback

Cold Sweat (1967)

Nach einer seiner Shows rief James Brown den Saxofonisten und Co-Writer Pee Wee Ellis in die Umkleidekabine und “grunzte” ihm lose eine Basslinie vor. Ellis selbst war stark von Miles Davis beeinflusst und verschmolz die Bläserlinie von „So What“ mit James Ideenentwurf. Das Resultat war „Cold Sweat“, das auf dem gleichnamigen Album aus dem Jahre 1967 als „Cold Sweat – Part 1“ zu finden ist.
Jimmy wählt hier ein Single-Note-Riff und wechselt in der Bridge zu “chanky” Akkorden. Eine zweite Gitarre spielt durchgehend ge-“chankte” Ghost Notes.

Audio Samples
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Cold Sweat (1967) – Original Cold Sweat (1967) – Playback

Say It Loud – I’m Black and I’m Proud (1968)

Mit diesem Song gab Brown sein politisches Statement ab und sprach sich für das “Black Empowerment” aus. „Say It Loud – I’m Black and I’m Proud“  wurde 1968 von James Brown mit Bandleader Alfred „Pee Wee“ Ellis geschrieben und erschien zunächst als Single. Diese hielt sich satte sechs Wochen lang auf Platz 1 der R&B-Single-Charts und wurde zu einer inoffiziellen Hymne der Black Power-Bewegung. Später wurde der Titel auf dem gleichnamigen Album sowie auf  “A Soulful Christmas” releast. Das Stück steht in Bb-Dur. Jimmy Nolen spielt hier im Hauptriff ein Lick bestehend aus Grundton, Oktave und Septime, gefolgt von einem verkürzten Bb9-Voicing auf den höchsten drei Saiten. In der Bridge geht es, wie so oft bei James Brown, auf die Subdominante und Nolen spielt ein Terzen-Lick mit Single-Note-Elementen und schönen Chord-Embellishments. 

Audio Samples
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Say It Loud – I’m Black and I’m Proud (1968) – Original Say It Loud – I’m Black and I’m Proud (1968) – Playback

Give it up or Turnit a Loose (1969)

Erneut ein Paradebeispiel für Jimmy Nolens Single-Note-Spiel. “Give it up or Turnit a Loose” wurde 1969 als Single veröffentlicht und schaffte es sogar in die Top 20 der Pop-Single-Charts. 1970 erschien der Song als Instrumental auf dem Album “Ain’t It Funky, wobei Gitarren-Overdubs hinzugefügt wurden. Jüngeren Hörern dürfte das Riff von dem Boss Hoss Song „Don’t Gimme That” bekannt sein.

Audio Samples
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Give it up or Turn it a Loose (1969) – Original Give it up or Turn it a Loose (1969) – Playback

So erhaltet ihr den Funk-Sound von Jimmy Nolen

Im Prinzip könnt ihr für den Sound von Jimmy Nolen bedenkenlos diverse Gitarrenmodelle austesten, von Stratocastern, Teles bis hin zu Semiakustik- oder Vollresonanzmodellen. Wichtiger wäre eher, den Halstonabnehmer zu verwenden, der vorzugsweise ein Singlecoil sein sollte, oder aber auf die Zwischenstellung zu gehen. Ein amerikanischer Cleansound mit aufgerissenem Treble, z. B. von einem Fender-Amp, wirkt besonders authentisch, auch wenn das nicht zwingend ein Twin Reverb sein muss. Da in der damaligen Zeit die Amps sehr laut gespielt wurden, was wohl zu stärkerer Kompression geführt hat, dürft ihr gerne einen dezent gesetzten Kompressor zurate ziehen. Auch hört man bei Jimmy Nolen ordentlich Reverb, der sicherlich vom Federhall im Amp herrührt. Hier ein Soundvorschlag mit einem UAD Api Kompressor und einem Neural DSP Imperial PlugIn.

Soundvorschlag mit PlugIns
Soundvorschlag

Damit wünsche ich gutes Gelingen mit Jimmy Nolen. Wer sich intensiver mit der Funk-Materie beschäftigen will, kann sich auch gerne den passenden Workshop vom geschätzten Kollegen Thomas Dill zu Gemüte führen.

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von Haiko Heinz

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