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Nazi-Playlisten, -Podcasts und -Musik auf Spotify aufgedeckt!

Das Rolling Stone Magazin hat in einer aufwendigen Recherche auf vielen Streaming-Diensten verschiedene Podcasts, Playlisten und Artists, die eindeutig aus einem Neo-Nazi Kontext stammen, aufgedeckt. Vor allem die Nazi Playlist “SS Adolf Hitler Radio” auf Spotify stößt dabei derbe auf.

Nazi Musik Spotify
FOTO: cottonbro studio

Verschiedene Medien und Online-Aktivisten hatten bereist seit längerer Zeit berichtet, dass sich auf fast allen Streamingportalen um Spotify, Apple Music und co. eine wachsende Anzahl an Neonazis tummelt und dabei munter Content veröffentlicht. Auf Spotify konnten die amerikanischen Journalisten vom Rolling Stone nun sogar eine algorithmisch generierte Playlist mit dem Namen “Musikkorps Der Leibstandarte — SS Adolf Hitler Radio” finden.

Diese Playlist, die sich immer aus verschiedenen Titeln zusammensetzt, stammt tatsächlich von Spotify selbst. Bei den meisten der dort aufgeführten Songs handelt es sich lediglich um alte Märsche und Nationalhymnen, jedoch fanden die Journalisten auch Songs von “Das Luftwaffenmusikkorps 3”. Die Playlist wurde kurz nachdem der Rolling Stone Spotify mit seiner Recherche konfrontierte gelöscht. Einen Screenshot der Playlist ist beim Rolling Stone einsehbar.

Neben dieser Playlist wurde zudem der faschistische “Racial Holy War”-Podcast vom Rolling Stone gefunden und schließlich auch von Spotify entfernt. Auch ganze Genres an Nazi-Musik thematisiert der Artikel. Neben einer Vielzahl an Vertretern des relativ bekannten National Socialist Black Metal, das auf den Musiker Varg Vikernes aka Burzum zurückgeht, befinden sich zudem noch immer Musiker, die dem sogenannten “Fashwave” – also einer Art offen faschistischem EDM – zugeordnet werden können, auf verschiedenen Streaming-Plattformen.

Verschiedene Arten von Nazi Musik auf Spotify: National Socialist Black Metal

Varg Vikernes war in den 90er Jahren zu einer der führenden Köpfe der norwegischen Black Metal-Welle und spielte zwischenzeitlich Bass bei der legendären Band Mayhem. 1993 ermordete Vikernes, der schon damals als Solo-Musiker unter dem Alias Burzum veröffentlichte, Euronymous, den Gitarristen von Mayhem und einer der Gründerväter des norwegischen Black Metal. Vikernes bezeichnete sich selbst immer wieder als Rassisten und kann unschwer in einem rechtsextremen Umfeld verordnet werden. Unter anderem leugnete er mehrfach den Holocaust, bezeichnete das dritte Reich als “ideale Gesellschaft” und empfahl auf seinem Block das Buch “Mein Kampf”.

Trotzdem befindet sich die Musik von Burzum noch immer auf Spotify, Apple Music, Deezer und Tidal. Lediglich bei Amazon Music ist der Künstler aktuell nicht gelistet. Auf Spotify hat Burzum sogar über 215.000 monatliche Hörer. Auch die Band Übermensch, die dem National Socialist Black Metal zuzuordnen ist, befindet sich noch immer auf verschiedenen Streaming-Diensten. Auf Spotify hat die Band 30.000 monatliche Hörer und ist zudem als “Verifizierte*r Künstler*in” gelabelt. Übermensch sollten unter anderem bei dem später abgesagten Rechtsrock-Festival “Rock gegen Überfremdung III” auftreten und lassen sich zweifelsfrei dem rechtsextremen Spektrum zuordnen. Dennoch behält Spotify die Musik der Band nicht nur im eigenen Katalog, sondern weißt diese sogar als “verifiziert” aus.

Fashwave: Nazis im Gewand des EDM

Im Gegensatz zu rechten Rockbands ist das Genre “Fashwave” vergleichsweise neu. Hier werden faschistische und rechtsextreme Botschaften hinter elektronischer Musik verborgen. IronMensch nennt sich beispielsweise ein Vertreter des Genres. Seine Musik vertreibt er offline über einen Shop namens “86 Dresden”, der laut eigener Aussage “Fashy music for fashy goys” vertreibt. Schnell finden sich in dem Shop zudem Poster mit Schwarzen Sonnen und anderen Neonazi-Symbolen. Songs von IronMensch heißen beispielsweise “Bombs over Israel” oder “Unser Sieg”. Seine Musik ist noch immer auf Spotify, Apple Music und anderen Streaming Diensten abrufbar.

Diese Beispiele sind jedoch nur die Spitze des Eisbergs. Neben unzähligen anderen Fashwave-Künstlern wie Elessar, OBNX, Xurious hat der Rolling Stone auch nationalsozialistischen Hardcore und anderen Rechtsrock und -Punk gefunden. Die meisten der betreffenden Songs und Künstler wurden ebenfalls nicht von Spotify und co. gelöscht.

Spotify verspricht zwar “erhebliche Investitionen in menschliche und algorithmische Erkennungsmaßnahmen getätigt” zu haben um die Nutzungsbedingungen durchzusetzen und sämtliche Inhalte, die der Rolling Stone in seiner Recherche zu Tage brachte geprüft zu haben, und dennoch finden sich bis heute unzählige mehr oder weniger offen rechtsradikale bis neonazistische Musiker auf der Plattform.

Warum macht Spotify nichts gegen Nazi Bands?

Der Streaming-Dienst verbietet laut den Nutzungsbedingungen „Inhalte, die zu Gewalt oder Hass gegen eine Person oder eine Gruppe von Menschen aufgrund von Rasse, Religion, Geschlechtsidentität oder -ausdruck, Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit, Nationalität, sexueller Orientierung, Veteranenstatus, Alter, Behinderung oder anderen Merkmalen, die mit systemischer Diskriminierung oder Marginalisierung verbunden sind, aufrufen“. Wenn innerhalb der Musik ebensolche Inhalte jedoch verschleiert werden und rechtsextreme Ansichten lediglich durch Äußerungen auf Social Media oder Auftritte bei Rechtsrock-Festivals sichtbar werden, tut der Konzern nichts.

Auch die Behauptung Spotifys in “menschliche Ressourcen” gegen Nazi Musik zu investieren entpuppt sich schnell als heiße Luft. Wenn man händisch einfach nur nach “Fashwave” oder nach “National Socialist Black Metal” sucht, stößt man jeweils auf ein halbes bis volles Duzend an nutzergenerierten Playlists mit den Genre-Bezeichnungen im Namen. Solche Musik zu finden ist also absolut kein Problem.

Der einzige Grund für Spotify um Nazi Musik und rechtsextreme Inhalte zu löschen scheint öffentlicher Druck zu sein, wie er aktuell durch den Rolling Stone ausgeübt wird. In der Vergangenheit wurden immer wieder Artikel und Recherchen zu Nazi-Inhalten auf Streaming-Diensten veröffentlicht und erst danach handelten die Streaming-Dienste. Natürlich geloben viele auch dieses Mal Besserung – oder äußern sich gar nicht erst zum Thema – ob sich wirklich was verändern wird, bleibt allerdings abzuwarten.

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E. sagt:

#1 - 08.03.2023 um 19:14 Uhr

1

„Inhalte, die zu Gewalt oder Hass gegen eine Person oder eine Gruppe von Menschen aufgrund von Rasse, Religion, Geschlechtsidentität oder -ausdruck, Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit, Nationalität, sexueller Orientierung, Veteranenstatus, Alter, Behinderung oder anderen Merkmalen, die mit systemischer Diskriminierung oder Marginalisierung verbunden sind, aufrufen“. Wieso musste ich da als erstes an Deutschrap denken?

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