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Interview mit Brody Simpson 

Neben dem Klang der Stimme gilt der Drumsound als wesentliches Merkmal einer Studioproduktion. Man denke an den stilprägenden Sound von Drums aus den Achtzigerjahren oder die Ära des Samplings und der Drum-Machines, deren Sound maßgeblich den Klang von elektronischer Musik und Hip-Hop und schließlich den Pop geprägt hat. Der australische Drummer Brody Simpson scheint all diese völlig unterschiedlichen Sounds aufgesaugt zu haben und verbindet seine Qualitäten als Drummer mit den tontechnischen Fertigkeiten eines modernen Produzenten zu einer einzigartigen Mischung.

Brody Simpson im Interview.
Brody Simpson: kreativer Drummer einer neuen Generation. / Alle Bilder zur Verfügung gestellt von Brody Simpson

In seinen zahlreichen Videos auf Social Media stellt er dabei unter Beweis, dass Drumming und Beats eine kompositorische Komponente haben, die bei ihm durch Touch, Spielstil, klangliche Vision und tontechnische Ausführung zu einer besonderen Symbiose werden, die Drummer auf der ganzen Welt inspiriert. Mal klingen seine Beats dunkel und verzerrt, teilweise hochfrequent und filigran, dann wieder erdig und druckvoll. Im Interview sprachen wir mit Brody Simpson über seine Herangehensweise an seine innovativen Drumvideos, seinen Werdegang vom Band-Drummer zum Studioinhaber und über zukünftige Projekte.

Hallo Brody, du begeisterst Drummer rund um den Globus mit deinen unglaublich innovativen Videos. Erzähl uns doch mal ein bisschen von dir und deinem Werdegang!

Ich spiele eigentlich schon Drums, solange ich mich erinnern kann. Ich glaube, ich habe mit vier Jahren angefangen und mit sechs Jahren dann Unterricht genommen. Erst einige Zeit später habe ich dann in Bands gespielt, da war ich ungefähr 17. Ich bin auf dem Land auf einer Farm aufgewachsen, weshalb ich während meiner Jugend erstmal keinen Zugang zu einer großen Musikszene hatte. Später bin ich dann vom Land weggezogen und habe in verschiedenen Rockbands gespielt. Während der Zeit habe ich irgendwann festgestellt, dass ich Recording viel mehr als live spielen mag. Deswegen habe ich mich immer mehr auf die Studioszene zubewegt.

2011 habe ich dann meinen Job im Musikladen gekündigt und mit einem befreundeten Musiker ein Studio übernommen. Seitdem habe ich mich intensiv mit Produktionen und Engineering beschäftigt und viel Wissen aufgeholt. Das geht dann doch ganz schnell, wenn man auf einmal darauf angewiesen ist, weil man plötzlich Studiobesitzer ist. (lacht)

Heute bin ich also nicht nur Drummer, sondern nehme unterschiedliche Bands in unserem Studio auf und produziere. Hin und wieder spiele ich für Songwriter, die wir in unserem Studio aufnehmen, Drums und Percussion ein und mache separat noch Remote-Drumrecording für Künstler auf der ganzen Welt.

Wie sieht dein Studio-Setting aktuell aus?

Die meisten Sessions sind mittlerweile Remote-Recording, selbst für Künstler aus der Nähe mache ich das so. Die gucken mir ja sonst durch ein Fenster über die Schulter, dann ist es natürlich bequemer, wenn sie mich per Webcam sehen und den Studiosound über Audiomovers hören können. Das ist häufig wirklich praktischer, weil ich ja sowieso die Session auch tontechnisch betreue. Durch die Remote Sessions habe ich aber eben nicht nur Zugang zur lokalen Musikszene, sondern nehme von hier für Produzenten aus England, Südafrika, Los Angeles oder Nashville auf. Das ist natürlich großartig.

Wie wählst du das Equipment für deine Sounds aus?

Ich höre meistens ein paarmal den Song durch, um ein besseres Gefühl dafür zu bekommen. Die Mikrofone und Preamps verändere ich eigentlich kaum. Besonders die elektronischen Sounds oder Drums, die extrem nach produziertem Hip-Hop klingen sollen, verlangen eine Menge Arbeit nach der Aufnahme mit Plugins. Wenn ein Sound beispielsweise sehr verzerrt sein soll, muss viel gegated oder geschnitten sein, damit es nicht klanglich total chaotisch wird. Deswegen muss ich auch meistens sehr klar mit den Produzenten und Künstlern bei der Session kommunizieren und ihnen deutlich machen, dass da noch viel im Nachhinein passiert. Wenn es aber generell schon mal etwas nach Lo-Fi klingen soll, lasse ich bei der Aufnahme schon Tape- oder Sättigungsplugins laufen, um direkt eine Grundidee für den Sound zu liefern.

Brodys Markenzeichen sind stark bearbeitete Drumsounds, die er mit viel Liebe zum Detail selber kreiert.
Brodys Markenzeichen sind stark bearbeitete Drumsounds, die er mit viel Liebe zum Detail selber kreiert.

Hast du spezielle Plugins, mit denen du besonders häufig deine Drums bearbeitest?

Ich nutze RC-20 von XLN Audio sehr häufig. Von Waves kommt häufig das Kramer Tape oder JR37 zum Einsatz und mein Channel Strip ist der Schoeps Omni Channel. Ich nutze da auch das Gate gerne, um Attack zum Sound hinzuzufügen. Für einen besonders elektronischen Bassdrumsound nutze ich zum Beispiel gerne ein Mikrofon vor der Bassdrum, das nicht so viel vom Attack aufnimmt, füge aber das Gate vom Schoeps Omni Channel mit einem schnellen Attack hinzu und bekomme dadurch diesen besonderen „Smack“, der an eine Linn Drum erinnert. Soundtoys Decapitator ist eigentlich auch ständig am Start. Um tonal einzugreifen, verwende ich verschiedene Kompressoren und Sättigungsplugins.

Ich nutze an sich auch gar nicht so unglaublich viel Equalizer, sondern verwende die eigentlich nur, um in den Frequenzen aufzuräumen und damit Tiefen und Mitten an verschiedenen Kanälen zu definieren oder zu cutten. Um wirkliche Änderungen im Sound zu erzielen, verwende ich dann die Tube-Saturation und teilweise den EQ vom RC-20 auf dem Drumbus. Aktuell versuche ich eher nur einige Plugins zu verwenden, weil mich manchmal wirklich die Masse an Optionen erschlägt.

“Für mich reicht es häufig nicht, einfach nur ein Lo-Fi Plugin auf den Drumbus zu schmeißen …”

Eine wirkliche Bereicherung für mich war allerdings das Sonnox Oxford Gate Plugin. Wenn man das einmal verwendet hat, wird man nie wieder ein anderes Gate für Drums anfassen. Zusätzlich schneide ich aber auch immer noch einige Sounds per Hand aus und bearbeite dieses Signal dann ganz speziell. Manche meiner Videos oder Sessions haben tatsächlich drei bis vier individuelle Mixe, die am Ende einen Sound ergeben.

Brody Simpson im Interview.

Manchmal dupliziere ich auch Kick- und Snaresignale zwei- bis dreimal, nur um einen ganz speziellen Sound zu bekommen. Teilweise automatisiere ich auch verschiedene Drum-Busse, die ineinander übergehen, um den richtigen Sound für die Produktion zu bekommen. Manchmal sind auch nur zwei Ghostnotes im gesamten Take komplett anders gefiltert, gesättigt oder durch ein Delay geschickt, sodass der technische Aufwand dafür nötig ist, um die kreative Aussage umzusetzen.

Für mich reicht es häufig nicht, einfach nur ein Lo-Fi Plugin auf den Drumbus zu schmeißen und den Sound für fertig zu erklären. Das ist ein Schritt in die Richtung der Ästhetik, aber wenn die Bassdrum einen coolen Sub-Sound, aber nicht zu viele tiefe Mitten in Kombination mit den anderen Mikrofonen haben soll und die Snare einen klaren Attack, aber nicht zu Hi-Fi-mäßig klingen darf, muss man sich einfach mehr Gedanken machen. Jede klangliche Quelle ist relevant.

Das klingt nach einem sehr intensiven Arbeitsprozess. Verlierst du dich manchmal darin und merkst am Ende, dass du einen ganz anderen Weg eingeschlagen hast, als du eigentlich wolltest?

Ja, schon. Mittlerweile bin ich glücklicherweise durch jahrelange Erfahrung an dem Punkt, dass ich mit Intention ein Plugin öffne und nicht einfach nur herumsuche. Ich habe also eine Vision, wie es klingen soll und habe zumindest schon mal einen Plan, wie ich dem näher komme. Es passiert aber auch, dass ich drei Stunde mixe und merke, dass ich erst um 20 Prozent weiter gekommen bin. Das ist dann aber eher der Moment, an dem ich den Tag beende und lieber am nächsten Tag mit frischen Ohren weitermache.

Seit geraumer Zeit betreibt er ein eigenes Studio, in dem er nicht nur trommelt, sondern auch als Engineer und Produzent arbeitet.

…”Also investiere ich viel Zeit in Tuning, Dämpfung und besonders die Art, wie ich spiele. Das beeinflusst nämlich alles.”

Wie lange dauert der Mix für eines deiner Instagram-Videos?

Ich würde sagen, dass das irgendwas zwischen anderthalb und fünf Stunden in Anspruch nimmt. Das hängt aber auch sehr davon ab, wie zielgerichtet ich beim Spielen und Engineering war. Ich spiele möglichst jede Note so, dass ich später im Mix keine großen Schwierigkeiten habe. Meist entsteht eine Idee beim Spielen und die arbeite ich dann wie eine Komposition aus. Es kann sein, dass ich so eine Idee eine Stunde lang rund spiele, nur um einzelne Noten genau so zu haben, wie ich weiß, dass sie am Ende im Mix einen großen Unterschied machen werden.

Also investiere ich viel Zeit in Tuning, Dämpfung und besonders die Art, wie ich spiele. Das beeinflusst nämlich alles. Manchmal ist es aber auch so, dass ich nicht so inspiriert bin und noch keine klare Vision beim Spielen habe. Dann sitze ich meistens sehr lange am Sound beim Mixing. Manchmal verwerfe ich auch Sachen komplett, weil ich einfach nicht zufrieden bin.

Was inspiriert dich besonders?

Am Schlagzeug selbst sind es die Instrumente und die dadurch entstehenden Sounds, vor allem wenn ich spezielle Dämpfung benutze oder die Drums anderweitig präpariert habe. Es ist wie bei Synthesizern, die ja auch eher für Sounddesign gemacht sind. Wenn die Drums nicht inspirierend klingen, wird es für mich schwer, einen coolen Drumpart zu finden. Wenn ich durch Musik inspiriert bin, dann meistens eigentlich nicht speziell durch einen Drummer. Es gibt natürlich unglaublich viele fantastische und beeindruckende Drummer, aber wenn ich die Musikrichtung stilistisch nicht mag, wird mich das selten inspirieren. Deshalb inspirieren mich Songwriting und Lyrics sehr und ich liebe spezielle Drum-Parts, die ganz klar auf den Song zugeschnitten sind. Und wenn ich an Schlagzeuger denke, kommen mir besonders Drummer wie Dan Mayo, Ian Maciak, Ned Haweeli, Gunnar Olsen und Max Gebhardt in den Sinn.

Mit seinen kreativen Instagram-Videos inspiriert Brody Simpson Drummer und Produzenten weltweit.

Was kannst du Leuten raten, die sich gerade zum ersten Mal mit Recording beschäftigen?

Der einzige Weg, wie man gut darin werden kann, ist, es einfach zu machen. Man kann sich stundenlang Tutorial-Videos angucken und das ist auch wichtig, aber das Meiste lernt man am Ende beim Machen. Als ich angefangen habe, war das Wissen online noch lange nicht so umfassend verfügbar, wie es heute der Fall ist. Eine Zeitlang habe ich grundlegende Sachen über Tutorials gelernt, aber alles andere und insbesondere die Sachen, die ich heute mit Drum-Recording mache, waren Dinge, die ich unterwegs im Kreativprozess und teilweise sogar zufällig gelernt habe. Es lohnt sich, Zeit zu investieren und man muss dafür bereit sein, so lange im Studio zu sitzen und an Sachen rumzutüfteln, bis es gut klingt.

Dein Ansatz an Drum-Mixing ist sehr kreativ. Wird es von dir auch Workshops dazu geben?

Ich plane, demnächst Mixing-Classes für kleinere Gruppen über Zoom zu geben. Dadurch können die Teilnehmer aktiv Fragen stellen und ich kann meine verschiedenen Ansätze im Detail erklären. Das wird bestimmt Spaß machen. Vielleicht mache ich später auch mal einen Youtube-Kanal, aber erstmal konzentriere ich mich auf die Mixing-Classes und möchte demnächst auch Sample- und Loop-Packs meiner Sounds veröffentlichen.

Vielen Dank für’s Gespräch!

Brodys Equipment:

Drums: A&F Drums in Raw Steel

Bassdrum: 22“x14“ oder 18“x14“

Toms: 13“x8“, 16“x14“

Snares: 14“x5“ Raw Steel, 13“x8“, 16“x3“ Raw Steel, 12“x3“ Raw Brass Rudeboy

Becken: Meinl

Hi-Hat: 14“ Foundry Reserve Hats

Crashes: 18“ Vintage Pure Trash Crash, 18“ Brilliant Thin Crash

Ride: 21“ K Sweet Ride

Sticks: Meinl Hybrid 5B

Instagram: https://www.instagram.com/brodysimpsondrums

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Nationale und internationale Top-Drummer stehen uns in den bonedo Interviews Rede und Antwort. Wir besprechen musikalische Vorbilder, Schlüsselerlebnisse und den persönlichen Werdegang. Natürlich kommt auch das Thema Equipment nicht zu kurz.

11.12.2018
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von Alex Höffken

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