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Interview: Max Sansalone  – Frische Grooves aus Kanada

Der kanadische Drummer Max Sansalone macht insbesondere durch seine kreativen Grooves und innovativen Sounds in seinen Social Media Videos auf sich aufmerksam. Mit seinem filigranen Touch und technischer Versiertheit navigiert er scheinbar mühelos zwischen den Stilen hin und her. Seinen Spielstil würzt er immer wieder mit besonderen Sounds, die er nicht nur am Drumset erzeugt, sondern auch tontechnisch in seinem Studio in Montreal zu einem kreativen Statement ausarbeitet.

Schlagzeuger Max Sansalone im Interview.
Foto von Phil Lox.

Durch seinen inspirierenden Spielstil entstanden künstlerische Zusammenarbeiten unter anderem mit Ricky Lee Jones, Janelle Monae und Jidenna. Wir sprachen mit ihm über seinen Werdegang, das Auf und Ab des kreativen Arbeitens, was er von der Conga-Legende Giovanni Hidalgo besonders gelernt hat und wie sein aktueller Alltag aussieht.

Hallo Max, vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst. Viele unserer Leser kennen dich über deine Social Media Profile und die verschiedenen Videos, die du da veröffentlichst. Erzähl mal ein bisschen von dir und wie du zum Schlagzeug gekommen bist.

Ich habe mit dem Schlagzeug angefangen, als ich ungefähr 13 Jahre alt war, wenn ich mich richtig erinnere. Mein Bruder hat in einer Band gespielt und ich war total auf den Drummer fixiert. Mein Vater hat mir dann irgendwann ein Schlagzeug geschenkt und einen Lehrer besorgt, was alles ins Rollen gebracht hat. Anfangs habe ich gar nicht so viel gespielt, sondern eher nur zehn Minuten am Tag geübt. Irgendwann traf es mich aber wie aus heiterem Himmel und von da an habe ich unglaublich viel geübt und gespielt. Ich habe damals sehr viel Rush und Supertramp gehört und musste natürlich eine Menge an Material lernen, damit ich meinen Idolen nacheifern konnte. Das Album „Casino“ von Al Di Meola mit Steve Gadd an den Drums hat mich auch sehr begeistert. Ich hatte noch niemals vorher einen Drummer wie Steve Gadd gehört. Auch Dave Weckl war eine große Inspiration.

Wie ging es dann für dich weiter?

Nachdem ich die Highschool absolviert hatte, entschloss ich mich für das Musik-College in Montreal. Damals war für mich bereits klar, dass ich professioneller Musiker werden will, weshalb ich dann acht Stunden am Tag geübt habe. Ich habe das wie einen Job behandelt und war bis auf das Mittagessen von morgens bis abends im Proberaum. Für zwei Jahre musste ich dann erstmal klassisches Schlagwerk studieren, bevor ich den Fokus ganz auf das Drumset lenken konnte. Auf dem College habe ich dann viele Musiker kennengelernt und oft live und bei kleineren Studiosessions gespielt. Nach drei Jahren habe ich mir eine Auszeit vom College genommen und bei verschiedenen Privatlehrern weiter gelernt. Dafür bin ich unter anderem nach Peru, Kuba und New York gegangen. Später habe ich mich dann dafür entschieden, ans Berklee College zu wechseln und durfte da bei Giovanni Hidalgo studieren.

In seinem Studio in Montreal arbeitet Max an kreativen Sounds und nimmt für Künstler aus aller Welt auf. Foto von Phil Lox.
In seinem Studio in Montreal arbeitet Max an kreativen Sounds und nimmt für Künstler aus aller Welt auf. Foto von Phil Lox.
Bist du extra nach Berklee gegangen, weil mit Giovanni Hidalgo dort eine absolute Ikone unterrichtet hat?

Das hat sich eher so ergeben. Ich habe mich zu der damaligen Zeit sehr auf Latin fokussiert, aber habe dort natürlich auch Jazz und Funk gespielt. Giovanni Hidalgo hat der Gruppe von Studenten viel über Sound und die Grundlagen von Afro Cuban Musik näher gebracht. Ich war zu damaligen Zeitpunkt schon ziemlich tief in die Materie eingetaucht, weshalb ich das nicht unbedingt nochmal brauchte. Ich habe aber von Hidalgo besonders die Hingabe mitgenommen, mit der er sich seinem Instrument gewidmet hat. Er war sehr streng mit uns Studenten, hatte aber gleichzeitig ein großes Herz. Jeden Sonntag waren wir zu ihm nach Hause eingeladen und haben Jam Sessions veranstaltet und wenn man ihm auf dem Flur des Colleges entgegen kam, hat er einem erstmal eine dicke Umarmung gegeben und uns seine neuen Lieblingsplatten empfohlen. Er ist unglaublich passioniert und sein Herz schlägt für Musik. Das hat mich wahnsinnig beeindruckt und mich für mein Leben geprägt.

Wie hat das Studium der Afro-Cuban Musik dein Spiel am Drumset verändert?

Ich habe natürlich gelernt, wie man die Afro-Cuban Rhythmen am Drumset umsetzt. Vor allem das Vokabular, also einfach die Sprache dieses Stils und das Feel haben mich sehr beeinflusst und das hat sich ohne Frage auch auf andere Stile übertragen, die ich spiele.

Welche Tipps hast du für jemanden, der sich ganz neu mit diesem Stil am Drumset befassen will?

Der erste Schritt sollte natürlich das intensive Hören der Musik sein, denn da ist alles enthalten. Das Feel, der Sound und das gesamte Vokabular. Danach hilft es sehr, wenn man jemanden findet, der einem die Afro-Cuban Rhythmen am Instrument zeigen kann. Man kann zwar wie bei einem Pop-Groove einfach das, was man hört, kopieren, aber es ist vor allem die rhythmische Interaktion zwischen verschiedenen Instrumenten, die das Ganze so besonders macht. Man kann heute sicher viel online finden, aber es hilft sehr, mit jemandem zu interagieren, der sich in der Musik auskennt. Und das Beste ist natürlich, irgendwann die Länder zu bereisen, aus denen die Musik kommt.

Das Studium der verschiedenen lateinamerikanischen Stile beeinflusst bis heute Max' Spielstil. Foto von Phil Lox.
Das Studium der verschiedenen lateinamerikanischen Stile beeinflusst bis heute Max’ Spielstil. Foto von Phil Lox.
Unterrichtest du auch online?

Ja, ich unterrichte sowohl hier vor Ort in Montreal, als auch über verschiedene Online-Dienste. Dadurch komme ich mit vielen Drummern aus der ganzen Welt in Kontakt und kann Wissen weitergeben. Das genieße ich wirklich sehr.

Du hast eben erzählt, dass du viele Stunden am Tag geübt hast und das Ganze schon früh als einen Job betrachtet hast. Ist dir da nicht irgendwann der Spaß abhanden gekommen?

Ja, ich bin definitiv durch so eine Phase gegangen. Irgendwann hat auch mein Körper die acht bis teilweise sogar zehn Stunden einfach nicht mehr mitgemacht. Das war aber auch eine wertvolle Erfahrung, durch die ich die Balance zwischen Musik und dem Leben lernen konnte. Ich bin recht früh durch eine Burnout-Phase gegangen. Mein Körper hat mir eigentlich gesagt, dass ich eine längere Pause brauche, aber ich habe einfach immer weiter gemacht. Das geht auf Dauer nicht gut. Das Resultat war, dass ich dann irgendwann sechs Monate nicht mehr spielen konnte und neu lernen musste, dass es schöne Dinge außerhalb der Musik gibt, die zu meiner Heilung beigetragen haben. Ich bin dann oft Angeln gegangen, habe mir Ruhe gegönnt und eine Menge über mich gelernt. Mittlerweile weiß ich, wann ich eine Pause brauche und kann ganz gut auf meinen Körper hören. Ich habe zwar manchmal wirklich sehr lange Tage, aber danach nehme ich mir dann einen Tag frei.

Sein über die Jahre verfeinertes Wissen gibt Max nun auch im Unterricht an Drummer auf der ganzen Welt weiter. Foto von Evan Shay.
Sein über die Jahre verfeinertes Wissen gibt Max nun auch im Unterricht an Drummer auf der ganzen Welt weiter. Foto von Evan Shay.
Viele der Drummer, die dich online verfolgen, sehen dich in deinem eigenen Studio. Beschreib uns mal dein Setup.

Ich habe hier eigentlich einen recht kleinen Studioraum, bei dem ich mit vielen verschiedenen Drums experimentiere und dadurch inspiriert bleibe und möglichst immer den perfekten Sound für jeden Song finde, den ich einspiele. Ich habe über die Jahre viel Equipment angesammelt und experimentiere seit vier bis fünf Jahren sehr intensiv mit verschiedenen Sounds und auch der Möglichkeit, durch Plugins Drumsounds zu beeinflussen. In meinem Raum gibt es eine spezielle Stelle, an der die Drums wirklich richtig gut klingen. Das ist die einzige Konstante. Ansonsten wechsle ich Instrumente und Mikrofone, je nachdem, welchen Sound ich erreichen will.

Wie entwickelst du kreative Drumparts?

Ich versuche, jeden Tag möglichst unvoreingenommen zu beginnen. Wenn ich in mein Studio komme, meditiere ich für 20 Minuten und beginne dann einfach zu spielen und gucke, was kommt. Manchmal kommen neue, kreative Dinge und manchmal nicht. Wenn ich etwas finde, was mir gefällt, gehe ich diesen Weg weiter. Manchmal sitze ich aber auch auf dem Fahrrad und mir kommt etwas in den Sinn. Am Ende ist das alles ziemlich menschlich, finde ich. Manchmal ist man kreativ und manchmal eben nicht. Ich habe gelernt, das zu akzeptieren.

Mit welchen Tricks und Kniffen behandelst du deine Drums und wie gehst du damit später am Computer um?

Ich versuche erstmal, mit dem akustischen Instrument so nah wie möglich an den Sound zu kommen, den ich im Kopf habe. Wenn es also elektronisch klingen soll, nutze ich beispielsweise eher eine 18 Zoll Bassdrum ohne Resonanzfell, um einen besonders punchigen Sound zu bekommen, den ich dann mit einem Subkick Mic unterstütze, damit ich genug Low End im Bassbereich bekomme. Dann kümmere ich mich darum, dass ich einen möglichst speziell klingenden Snaresound durch Stimmung und Dämpfung erzeugen kann und mit welchem Mikrofon ich das am besten einfangen kann. Bei anderen Stilistiken betrachte ich aber das Drumset eher als ein großes Instrument und versuche, das möglichst gut einzufangen. Am Computer experimentiere ich dann mit verschiedensten EQs, Kompressoren, Filtern und Sättigungs- und Modulations-Plugins. Ich probiere da einfach, dem Sound in meinem Kopf noch näher zu kommen, entdecke aber auch manchmal im Prozess nochmal etwas ganz anderes.

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Max Sansalone in seinem Element.
Bekommen die Produzenten, für die du aufnimmst, dann immer die komplett bearbeiteten Files?

In der Regel schon. Manche möchten nochmal zusätzlich die Spuren ohne Processing haben, um flexibler zu sein. Selbst wenn sie am Ende meine bearbeiteten Files nicht benutzen, haben sie zumindest einen künstlerischen Input, der sie in eine gewisse Richtung lenkt.

An welchen Projekten arbeitest du aktuell?

Ich habe in letzter Zeit sehr viel Remote Recording gemacht und unter anderem für Janelle Monáe, Jidenna und Nate Wonder aufgenommen. Ich genieße besonders die Arbeit mit Janelle sehr, weil sie mich sehr kreativ sein lässt und ich damit viel zum Sound der Produktion beitragen kann. Für Jidenna nehme ich meistens Drumloops auf, die dann in der Produktion verwendet werden. Vor der Pandemie war ich viel auf Tour, was jetzt langsam auch wieder beginnt. Ich genieße den Prozess des Recordings aber so sehr, dass ich nicht mehr so viel live spielen will. 

Vielen Dank für’s Gespräch!
Ein Blick auf eines von Max’ Studio-Setups. Um kreativ zu bleiben, wechselt er ständig Drums und Mikrofone aus. Foto von Max Sansalone.
Ein Blick auf eines von Max’ Studio-Setups. Um kreativ zu bleiben, wechselt er ständig Drums und Mikrofone aus. Foto von Max Sansalone.

Max’ Equipment:

Drums: Vintage Drums (Rogers, Ludwig)

Bassdrum: 22“x14“

Toms: 13“x9“, 16“x16“

Snare: verschiedene Modelle

Becken: Dream Cymbals

Hi-Hat: 14“ Bliss Hi-Hat

Crashes: 20“ Bliss Crash Ride

Ride: 22“ Vintage Bliss

Website: https://maxsansalonedrums.com

Instagram: https://www.instagram.com/dimsunk

Weitere Folgen dieser Serie:
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Schlagzeuger-Interviews und Gear-Chats

Nationale und internationale Top-Drummer stehen uns in den bonedo Interviews Rede und Antwort. Wir besprechen musikalische Vorbilder, Schlüsselerlebnisse und den persönlichen Werdegang. Natürlich kommt auch das Thema Equipment nicht zu kurz.

11.12.2018
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von Alex Höffken

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