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Ginger Baker ist tot: Rückblick auf ein Leben zwischen den Welten

Peter Edward „Ginger“ Baker ist tot. Den meisten war er sicherlich als Trommler der britischen Band Cream bekannt, die offiziell von 1966 bis 1968 bestand und in welcher er mit den ebenso legendär gewordenen Kollegen Eric Clapton und Jack Bruce spielte. Cream werden als erste Supergroup bezeichnet, weil alle drei Bandmitglieder nicht nur als musikalische, sondern auch als spieltechnische Vorreiter ihrer Zeit galten. Obwohl die Cream-Songs einen starken Backbeat hatten, waren sie auf gleichberechtigte Improvisation aller Instrumente ausgelegt. Dazu passt auch, dass Ginger Baker als einer der ersten Drummer ein Kit mit zwei Bassdrums verwendete. Dies war nicht nur ein Symbol für die steigende musikalische Bedeutung des Drummers, Ginger setzte die beiden Trommeln auch für neuartig klingende, teilweise polyrhythmische Patterns ein.  

Bildquelle: https://www.youtube.com/watch?v=4Gze0PxDKgQ, unten verlinkt
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Zu den bekanntesten Songs der Band zählt „Sunshine of your love“, welches auch heute noch als Musterbeispiel für psychedelischen, ausladenden Rock steht. Dass es die Band nur zwei Jahre lang gab, sagt viel über Ginger Baker aus. Um Ruhm – der mit Cream in großem Maße kam – oder Verkaufszahlen ging es ihm weniger, er wollte musikalisch unabhängig und frei sein, und schnelle Wechsel seiner Bands und Projekte gehörten dazu. Außerdem kam es damals zu teilweise handgreiflichen Auseinandersetzungen mit Jack Bruce, welche sowohl auf einen exzessiven Drogenmissbrauch als auch auf Gingers schwierigen Charakter zurückzuführen waren. 
Ginger bezeichnete sich selbst als Jazzdrummer
Aus heutiger Sicht sind die Figuren, die Ginger Baker spielte, nicht allzu spektakulär, seiner Zeit war er jedoch damals weit voraus. Das lag nicht daran, dass er ganz offensichtlich ein großes Talent besaß, seine musikalischen Ideen zu Musik zu machen, er hatte auch eine fundierte Ausbildung, welche mit dem Klavier und der Trompete begann. Zum Drumset kam er erst später, den melodischen Ansatz und den Swing hat er jedoch auf die Trommeln übertragen. So kombinierte er furchtlos Stilistiken, die von Zeitgenossen strikt getrennt behandelt wurden. Dazu passt, dass Ginger sich selbst als Jazzdrummer bezeichnete. In Interviews erklärte er zudem, dass er sich viel mit Rudiments, Unabhängigkeit und Polyrhythmen beschäftigt habe, was seine technischen Fähigkeiten erklärt. Auf die Toms verteilte Flam Triplets und die getretenen Viertel auf einer zweiten Bassdrum wurden sein Markenzeichen, nicht nur Musikerkollegen bezeichneten seinen Stil als wild, aber präzise und kontrolliert. Als Highlight für Drummer darf sicherlich das Drumduett mit Jazz-Legende Art Blakey gelten. 
Der Song “Toad” von der Cream Reunion 2005:

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Menschlich war er kompliziert
Dass es Ginger immer um die Musik ging, beweist auch sein großes Interesse an afrikanischer Musik und deren rhythmischen Figuren. So zog er im Jahre 1970 für sechs Jahre nach Nigeria, um von dortigen Musikern zu lernen. 1971 nahm er mit „Live!“ eine wegweisende Platte mit Fela Kuti auf, auch Afrobeat-Legende Tony Allen wirkte an dem Album mit. In Afrika ging er auch seinen anderen Leidenschaften, nämlich dem Polosport und der Pferdezucht nach.
Ein Nachruf auf Ginger Baker wäre natürlich nicht komplett ohne die Erwähnung seines teilweise äußerst schwierigen Charakters. Er war dafür bekannt, Menschen nicht nur verbal vor den Kopf zu stoßen, auch körperlich konnte es in seiner Gegenwart ungemütlich werden, wenn ihm etwas gegen den Strich ging. „Beware of Mister Baker“ heißt denn auch ein Film über den Meister, welcher damit beginnt, dass er dem Produzenten Jay Bulger seinen Spazierstock auf die Nase haut. Der Anlass bestand in dem Umstand, dass in dem Werk auch ehemalige Mitmusiker zu Wort kommen, die Ginger nicht in „seinem“ Film haben wollte. 

Zildjian Awards (2013) mit Tony Allen, Jack Bruce, u.a.

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Große Doublebassdrum-Kits definierten seinen Sound
Zu Gingers bevorzugtem Instrumentarium in den 60er und 70er Jahren zählte ein silbernes Ludwig Drumset, die Becken kamen von Zildjian. Mit zwei Bassdrums, vier Toms und deutlich mehr Becken, als die meisten Kollegen damals verwendeten, fiel Ginger nicht nur spielerisch, sondern auch klanglich auf. Mit Show hatte das allerdings nichts zu tun, denn die großen Sets waren sein Mittel, sich musikalisch möglichst grenzenlos ausdrücken zu können. So übertrug er typische Jazzpatterns auf Toms und Bassdrums, später kamen afrikanische und arabische Einflüsse hinzu, die er mithilfe des großen Schlagzeugs zu seinem Sound umbaute. Später wechselte er die Marke und spielte DW Drums. Am 6. Oktober 2019 starb Ginger Baker in einem Krankenhaus in England, die Todesursache ist zum Zeitpunkt dieses Artikels noch nicht bekannt. 

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von Max Gebhardt

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