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GForce Oddity 3 Test

Der 1972 erschienene ARP Odyssey feierte in den letzten Jahren einige Comebacks. Vor rund sieben Jahren überrascht Korg mit einer Hardware-Version, 2019 folgt Behringer mit einer weiteren Neuauflage des kultigen Analog-Synthesizers. Im Softwarebereich konkurrieren GForce und Korg um das Erbe – wo steht GForce Oddity 3?

GForce Oddity 3 – authentische Emulation des ARP Odyssey

Ein durchaus flexibler Analogsynthesizer

Der zwischen 1972 und 1981 vermarktete ARP Odyssey ist selbst kein Einzelprojekt. Mindestens drei verschiedene Modelle gab es, die sich in Filter, Oszillator oder Gehäusefarbe unterscheiden. Fakt ist: Das Original und der GForce Oddity 3 verfügen über zwei synchronisierbare Oszillatoren, einen Rauschgenerator, zwei Hüllkurven und ein Sample-and-hold-Modul. Damit erzeugt der Oddity diversere Klangfarben als der Minimoog mit seinen drei Oszillatoren. Die Neuauflage Oddity 3 enthält alle drei Tiefpass-Modelle der Originale plus Hochpass-Filter. Ein zusätzlicher Gewinn sind der Ringmodulator, der Sub-Oszillator und das Stereo Panning für breite Sounds.

GForce Oddity 3: GUI.
Die Oberfläche entspricht dem originalen Panel des ARP Odyssey. Sie ist zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, wenn man sie beispielsweise mit einem Minimoog vergleicht. 

Der Oddity 3 bietet selbstverständlich noch weitere Funktionen und Parameter, die in der Hardware-Version fehlen. Neu in Version 3 sind der Distortion- und Reverb-Effekt sowie ein Vintage-Knob, der das subtil driftende Klangverhalten analoger Schaltkreise nachempfindet.

GForce Oddity 3: Erweiterteres GUI.
Der ARP Oddity bietet mehr als das Original. Einige der zusätzlichen Funktionen sind XLFO und XADSR, die sich auf dem erweiterten GUI finden.
GForce Oddity 3: Effekte.
Die neuen Effekte runden den Basisklang des GForce Oddity 3 ab.

Wie klingt der GForce Oddity 3?

Der Oddity 3 winkt mit über 2.000 Presets. Über einen neuen praktischen Browser spürt man sie gezielt auf. Bei einem solchen massiven Aufgebot muss man Klänge eigentlich nicht mehr selber erstellen, sondern nur noch die richtigen Presets finden. Navigiert man durch die neuen und gelungenen Klangprogramme, stellt man sich die Frage, ob man überhaupt noch die Hardware braucht.

GForce Oddity 3: Browser.
GForce stattet den Oddity 3 mit einer üppigen Library aus. Der Browser erlaubt eine gute Navigation zu den über 2.000 Presets.

Der Oddity klingt ausgesprochen lebendig, auf Wunsch kann er richtig frech und rotzig werden. Richtig brutal wird er aber selten, er bleibt stets angenehm. Sein Repertoire reicht von soliden Bässen über Polsynths bis hin zu schneidenden Leads. Im direkten akustischen Vergleich wirkt der virtuelle Odyssey von Korg viel weicher, nicht so erdig und lässt Präsenz vermissen.

Positiv fällt auch die klangliche Qualität des Distortion-Effekts, vor allem des neuen Reverbs, auf. Ambient Sounds mit langen seidigen Hallfahnen sind allein mit dem Oddity möglich. Daran war Anfang der 70er beim originalen Odyssey wohl kaum zu denken. Insgesamt ist der Oddity 3 mehr als ein Vintage-Synth, auch bei aktueller elektronischer Musik erledigt er einen guten Job.

Audio Samples
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GForce_Oddity3, Preset „Bite The Hand Duo-03“ GForce_Oddity3, Preset „Distorted Poly Bastard“ GForce_Oddity3, Preset Duophonic Dreams“ GForce_Oddity3, Preset „Goldlike Barbieri“ GForce_Oddity3, Preset „Drive Time“ GForce_Oddity3, Preset „Clubland Classic“ GForce_Oddity3, Preset „Acceptance“ GForce_Oddity3, Preset „Atmosphere Attack Pad“ GForce_Oddity3. Preset „Odd Wet Step“ GForce_Oddity3, Preset „Big Plucking Poly“

Ist die Emulation von GForce leicht zu bedienen?

Der Oddity 3 zeigt sich mit seinem skalierbaren Benutzer-Display und den austauschbaren Skins ziemlich nahbar. Sämtliche Parameter hat man im Blick. Der Oddysey ist aber ein wenig anders zu handhaben als der Minimoog oder der Prophet. Darauf sollte man sich einstellen.

Überaus nützlich sind die vier Macro-Regler, die in Version 3 hinzugekommen sind. Damit wandelt man die Presets schnell ab und performt vor allem expressiv. Mehr Ausdruck verleihen der programmiere Aftertouch und Velocity- Anpassung dem Ganzen. Beide Funktionen sind in der aktuellen Version integriert.

Was könnte noch verbessert werden?

Verbessern kann GForce hier eigentlich nichts, höchstens noch einmal erweitern: Ein Wunsch fürs nächste Major Update lautet ganz klar: Arpeggiator! Gern darf er über 16 programmierbare Schritte verfügen. Natürlich gibt es beim originalen ARP Odyssee weder Arpeggiator noch Sequencer. Da dieser kompakte Synthesizer vor allem bei Live-Gigs solistisch zum Einsatz kam, konnte man das leicht verkraften. Heute ist ein Arpeggiator für das elektronische Produzieren schon ein inspirierendes Tool. Immerhin kann man sich mit einigen der tollen MIDI-Effekt-Plugins behelfen.

GForce Oddity 3 – Fazit

Man muss kein großer Fan des historischen Vorbilds zu sein, um den GForce Oddity 3 richtig klasse zu finden. Dieser Software-Synth hat viel Charakter, lässt sich öfter in die Musikproduktion einbringen und klingt vor allem erfrischend anders als die zahlreichen Emulationen von Moog, Oberheim oder Sequential.

Wer seinen virtuellen Synthesizer-Park um einen geschätzten Klassiker erweitern möchte, bekommt mit dem GForce Oddity 3 die momentan beste Software. Bis Ende November 2022 gibt’s den Oddity 2 sogar um die Hälfte günstiger. Man sollte also nicht lange fackeln: Demo-Version herunterlassen oder, noch besser, direkt zuschlagen!

Ein wertvolles Instrument, Danke GForce!

Unser Fazit:
Sternbewertung 5,0 / 5
Pro
  • Authentischer und präsenter Klang
  • Passt für Vintage und aktuelle Musik
  • Umfangreiche Preset Library
  • Überzeugende Effektsektion
  • Macros für intuitive Klangformung
  • Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
Contra
  • kein Contra
Artikelbild
GForce Oddity 3 Test

Features

  • Emulation des Synth-Klassikers Arp Odyssey
  • Skalierbares GUI mit drei Original Designs
  • Vintage Knob zur Simulation analoger Komponenten
  • Vier programmierbare Macros für Echtzeitkontrolle
  • Preset Browser mit über 2.000 Factory Sounds
  • Distortion, Delay, Reverb Effekt
  • PREIS: regulär ca. 138 Euro, Einführungsangebot bis Ende November ca. 69 Euro
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von Matthias Sauer

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