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Gear-Chat: Lorenz Rhode im Interview

Lorenz Rhode kommt aus Remagen und lebt und arbeitet mittlerweile in Berlin. Er ist ein begnadeter deutscher Keyboarder und Talkbox-Spieler, der mit Remixes und eigenen Produktionen seinen eigenen Stil zwischen NuFunk und House definiert hat. Das wissen auch berühmte Kollegen wie Jamie Lidell oder Detroit Swindle, die ihn als Livemusiker und Musical Director auf die Bühne geholt haben. So ist aus Lorenz ein begehrter Bühnenmusiker geworden, denn er weiß, wie man elektronische Musik auf on-stage bringt und verrät uns einiges im exklusiven Bonedo-Interview.

Lorenz Rhode (Foto: Laura Lot, mit freundlicher Genehmigung von Lorenz Rhode)
Lorenz Rhode (Foto: Laura Lot, mit freundlicher Genehmigung von Lorenz Rhode)

Du spielst live on stage bei Detroit Swindle. Wie viele Musiker seid ihr auf der Bühne und wie ist die Aufgabenverteilung?

Lorenz Rhode: Die Show ist ständig in Bewegung, wir spielen mal zu zweit, mal zu dritt und das Instrumentarium wechselt ständig. Generell ist es ein sehr Hardware-lastiges Setup, wie man auf den Videos und Bildern sehen kann! Nichts gegen Computer, aber es ist einfach ein besonderer Spaß, sich seine ganz individuelle „Höllenmaschine“ aus x Einzelinstrumenten zusammenzubauen. Die Herausforderung, Soul aus Maschinen herauszuholen, passt auch gut zum Charakter ihrer Musik, finde ich.
Detroit Swindle sind Maarten Smeets und Lars Dales, und wenn wir zu dritt spielen, hat Maarten überwiegend mit den Drumcomputern Elektron Analog Rytm und TR-8zu tun, dazu Acidlines auf TB-3 oder Acid8 und Livepercussion wie Cowbells und Shaker.
Lars hat eher die Samples und tonalen Parts im Zugriff, spielt also Loops und Einzelsounds über Keys und Pads, dazu Effekte und Abläufe. Einiges, aber immer weniger kommt dabei aus Ableton – gerade erst haben sie einen Großteil davon in den Pioneer Toraiz übertragen, das hat bei der Show neulich im „Prince Charles“ in Berlin sehr gut funktioniert, quasi als Ableton-in-a-box.
Ich bin dazu der Keyboarder und habe dafür Prophet-6, Nord Lead 2, Rhodes Piano und Talkbox. Dazu zwei Boss Effektpedale, RE-20 Space Echo und DD-20 Giga Delay. Ich verwende eine Loopstation, entweder den Electro-Harmonix 45000 oder den Boss RC-505. Damit schichte ich verschränkte, rhythmische Patterns, ziemlich spontan, wenn es sich live in einer Passage anbietet. Außerdem gibt es mir z.B. bei ’64 Ways’ die Möglichkeit, im Intro erst alle Rhodes-Parts einzuspielen und dann Mayer Hawthornes Gesangspart talkzuboxen.
Demnächst werde ich wohl den DSI Oberheim OB-6 dazunehmen, ich hatte Anfang des Jahres die Gelegenheit, an den Factory Presets mitzuarbeiten, was erstens ein großer Spaß war, außerdem innerhalb von 5 Tagen einen Berg an musikalischen Skizzen abgeworfen hat. Bin sehr angetan von dem Synthi.

Das Detroit Swindle Live-Setup: kompakt, aber effektiv. (Foto: Detroit Swindle, mit freundlicher Genehmigung von Lorenz Rhode)
Das Detroit Swindle Live-Setup: kompakt, aber effektiv. (Foto: Detroit Swindle, mit freundlicher Genehmigung von Lorenz Rhode)

Was hat Lars Dales und Maarten Smeets dazu bewegt, ihr Studioprojekt Detroit Swindle mit Liveband auf die Bühne zu bringen?

Lorenz Rhode: Ihr Liveset hatten sie schon vorher, zu zweit. Als ich dazu stieß, war es bereits sehr ausgecheckt. Ich war vor allem beeindruckt, dass sie es geschafft hatten, den Sound der Produktionen authentisch auf einen großen Maschinenpark umzusetzen, ohne größtenteils Playback zu verwenden. Sie sind da sehr detailversessen, was z.B. einzelne Drumsounds oder Summenkompression angeht. Und beide sind ziemlich virtuos mit Sequencern, Lauflichtprogrammierung und so.
Meinen Part betreffend gibt es zwei verschiedene Möglichkeiten: Wenn ich Parts bestehender Stücke live umsetze, kommt man noch mehr vom Playback weg, die Tracks werden dynamischer und flexibler. Es rockt auch einfach für das Publikum mehr, wenn sie merken, dass das alles gerade entsteht. Und was Detroit Swindle auch gerne haben wollten, sind offenere Jams, also Stücke, die nur grob angelegt werden – jeder hat ein paar Elemente, ich suche mir schon mal eine Handvoll Sounds raus und merke mir Patterns, aber dann lässt man es sich einfach entwickeln.

Wie sind sie auf Dich gekommen?

Lorenz Rhode: Lars und ich kennen uns schon recht lange, er hat mich vor etwa 5 Jahren einige Male mit meiner Soloshow nach Amsterdam gebucht, beispielsweise ins Paradiso oder auf die Exploited vs Gomma Labelnacht beim Amsterdam Dance Event. Um die Zeit herum gründeten sie auch Detroit Swindle und geschmacklich haben sie damit bei mir offene Türen eingerannt.

All Around The World – Lorenz Rhode kommt herum. (Foto: mit freundlicher Genehmigung von Lorenz Rhode)
All Around The World – Lorenz Rhode kommt herum. (Foto: mit freundlicher Genehmigung von Lorenz Rhode)

Welche Aspekte gilt es zu beachten, wenn man im Studio produzierte Clubmusik live mit Band performen will?

Lorenz Rhode: Da gibt es glaub ich völlig verschiedene Vorstellungen. Ich würde ja sagen, dass es nicht zwingend nötig ist, dass die Liveshow wie die Platten klingt, solange es funktioniert. Andererseits ist genau das oft die Erwartung, da elektronische Musik für den Zuschauer immer einigermaßen rätselhaft bleibt und die Situation mit anderen Konzerten nicht vergleichbar ist. Man spielt typischerweise zwischen DJs für ein Publikum, das den Sound von Studioproduktionen gewohnt ist. Dagegen will man nicht untergehen.
Wichtig ist es, sich also eine komfortable Umsetzung der Stücke zu überlegen, die einen nicht stresst, aber die effektivsten Punkte bietet, um eingreifen, variieren und reagieren zu können. Mit beiden Extremen tut man sich keinen Gefallen: Wenn man absolut jeden Blip und Bloing live spielen und aufnehmen will, honoriert das niemand und das ganze Set verwandelt sich in eine einstündige Plansequenz am seidenen Faden. Ist ein lustiger Sport, aber anstrengend. Wenn man andererseits nur eine doofe Filterfahrt nachzieht, fällt alles weg, was einen Liveauftritt ausmacht. Ich persönlich fühle mich auf der Bühne auch wie bestellt und nicht abgeholt, wenn ich nichts zu tun habe.

Lorenz Rhode auf der Bühne mit Jamie Lidell. (Foto: Laura Lot, mit freundlicher Genehmigung von Lorenz Rhode)
Lorenz Rhode auf der Bühne mit Jamie Lidell. (Foto: Laura Lot, mit freundlicher Genehmigung von Lorenz Rhode)

Du spielst auch in der Liveband von Jamie Lidell. Welche Musiker sind dort auf der Bühne und wie ist da die Aufgabenverteilung?

Lorenz Rhode: Mit Jamie war ich 2013 auf Tour, bis zum Sonar Festival waren wir zu zweit, in der Mitte der Tour kam dann der Drummer Brian „Willie B“ Wilson dazu. Jamie selbst macht alles Mögliche – er hat einen komplexen selbstprogrammierten Looper, mit dem er unglaubliche Beats und Texturen und Chöre und alles on the fly kreieren kann. Für solche Passagen braucht Jamie sonst niemanden. Er singt in 2 Mikros, eins dry, eins wet. Die Bedienung läuft über zwei Behringer BCR2000 dazu triggert er noch mit einem kleinen NI-Kontroller geslicte Vocals aus dem FX-Mikro.

Viel Equipment auf der Bühne und der Laptop steht schräg zum Publikum: Jamie Lidell und Lorenz Rhode legen sehr viel Wert auf möglichst viel Liveaction. (Foto: Lindsey Rome, mit freundlicher Genehmigung von Lorenz Rhode)
Viel Equipment auf der Bühne und der Laptop steht schräg zum Publikum: Jamie Lidell und Lorenz Rhode legen sehr viel Wert auf möglichst viel Liveaction. (Foto: Lindsey Rome, mit freundlicher Genehmigung von Lorenz Rhode)

Für klassischere Songs liefen teilweise Beats und Backing Tracks vom Band, aber auch hier war das Ziel, möglichst viel live zu spielen. Die meisten meiner Sounds kamen aus Ableton: In Jamies Studio in Nashville habe ich tagelang mit Autosampler seine Synthis abgesampelt (Rhodes Chroma, Prophet-5, OB-Xa) oder aus Spuren der Albumproduktion geschnipselt. In Abletons Instrument Rack lagen dann für jeden Songpart verschiedene Keysplits mit den benötigten Sounds vor, die per Chain Selector automatisch umgeschaltet wurden, wenn der entsprechende Songteil anfing.
Das ging mitunter so weit, dass gleichzeitig links ein Subbass gelayert mit einem Gitarrenhit lag, oben ein Funk-Lead/Chord-Sound, in der Mitte ein Clavi und aus dem Nord Lead selbst kam per MIDI-Spur der Talkbox Carrier. Kann man in diesem Video sehen, Song 2: „In Your Mind“, ab ca. 3:40 min. Zusätzlich hatten wir noch eine TR-707 und, davon getriggert, den SH-101 dabei, für roughere technoide Stücke. Gerade der 101 klingt unglaublich auf großen PAs.

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Bei deinen eigenen Solokonzerten habe ich dich bislang immer allein gesehen. Wie setzt du das dann um und nimmst du dir jetzt auch mehr Musiker auf die Bühne?

Lorenz Rhode: Mein Solokonzept ist ähnlich dem, was ich bei der Jamie-Lidell-Show beschrieben habe: Viele gesampelte Synthies in Instrument Racks. Dazu Sounds aus dem Nord Lead, außerdem benutze ich den Ableton Looper, um Bass, Chords, Solo etc. zu schichten. Andere Stücke entstehen eher durch Clipmutes und -fades und Filtereien.
Eine größere Besetzung hatte ich davor! Mit meinen Mitmusikern Niko Faust und Fabian Schulz haben wir die erste Zeit zu dritt gespielt. Das war tatsächlich die aufwendigste Show, da ganz ohne Computer. Die TR-707 war das Herz, hat den SH-101 getriggert. Da der 101 nur eine Sequenz speichern kann, musste man zwischen den Stücken lautlos und auf gut Glück die nächste Basslinie reinprogrammieren und beten, dass es nicht 17 oder 63 Steps geworden waren. Dazu ESQ-1, Juno-106, 2 Kaoss-Pads, Talkbox, Mischpult, Urei-Klon. Es war herrlich, aber leider nicht mehr praktikabel, sobald das Setup flugtauglich werden musste.

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Wie bist du zum Talkbox-Spielen gekommen, wie bist du so gut geworden und welche Talkbox benutzt du?

Ein Freund hat mir um 2005 seine Heil Dunlopgegeben, weil er nicht so klarkam damit. Bis dahin hatte ich Talkboxen gar nicht auf dem Schirm. Am Anfang hatte ich die gleichen Schwierigkeiten wie jeder: „Aäeiöu“, sonst kommt nicht viel. Vielleicht war es eine gute Übung, damit Tracks aufzunehmen, denn die Technik erschließt sich vor allem am Mikro, unterm Kopfhörer. Da merkt man sofort, dass man die eigene Stimme nicht hören darf, wie man Konsonanten deutlich bekommt und wo man den Schlauch für die gewünschte Klangfarbe zwischen den Zähnen halten sollte.
Die Heil hab ich immer noch (danke Sascha!), aber für Livegigs bin ich vor langem auf die Rocktron Banshee umgestiegen, weil die flacher und leichter ist und vor allem einen eingebauten Verstärker hat.

Welche Talkbox empfiehlst du Anfängern?

Lorenz Rhode:  Eigentlich egal, aber für simple Verkabelung auf jeden Fall eine aktive wie die MXR M222 oder eben die Banshee. 

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Du hast auch bei der ZDF Neomagazin Royale Greatest Hits Sendung von Jan Böhmermann vor der Sommerpause 2016 mitgewirkt. Wie kam es dazu und wie ist deine Rolle dort?

Lorenz Rhode: Bei der Sendung war ich zusammen mit Albrecht Schrader (der gerade eine tolle Platte auf Staatsakt veröffentlicht hat) musikalischer Leiter. Wir haben also das Orchesterkonzept gemacht, die Besetzung zusammengestellt, dann die Arrangements geschrieben und die Band geleitet. Wie es dazu kam, kann ich schon gar nicht mehr sagen, unser Kontakt geht schon etwas weiter zurück.
Der Umfang hat die Sendung zu einem ziemlichen Brocken gemacht, aber wir hatten mit der Auswahl der Musiker großes Glück, es waren alle euphorisch und engagiert. Das merkt man allgemein beim Neomagazin und der Produktionsfirma btf, alle sind mit Leidenschaft dabei und manchmal kommt etwas heraus, was über reines Entertainment ein bisschen hinausgeht.

Fotostrecke: 2 Bilder Bei der ZDF Neo Magazin Royale Show vor der Sommerpause 2016 war Lorenz Rhode Jan Böhmermanns Musical Director.
Fotostrecke

Vielen Dank für das Gespräch, Lorenz!
Weiterführende Links:
Homepage: http://www.lorenzrhode.de
Facebook: https://www.facebook.com/lorenzrhode/
Soundcloud: https://soundcloud.com/lorenzrhode
YouTube: https://www.youtube.com/user/JuperSupiter

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Lorenz Rhode (Foto: Laura Lot, mit freundlicher Genehmigung von Lorenz Rhode)

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von Mijk van Dijk

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