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Interview und Gear-Chat: Grace Risch

„Ich bin ne Mücke und ich flieg ins Licht“ singt Grace Risch in ihrer aktuellen Singleauskopplung. Und „Mücke“ ist auch der Name ihrer im August erscheinenden Debut EP mit sechs Songs.  Aber „Mücke“ stimmt nicht so ganz. Hier kommt eine junge Amazone die schon für etliche Größen wie Peter Fox und Max Herre gesungen hat und sich jetzt ihren eigenen Weg „ins Licht“ bahnt. Im 25 hours Hotel in Hamburg hatten wir ein entspanntes und interessantes Gespräch über Wedges contra In Ear, Ansagen, Lampenfieber, Co-Autoren und Produzenten wie Farhot und Maxim.


Foto: Warner Music
Foto: Warner Music

“Sich auf den Job vorzubereiten heißt einfach,
sich so gut wie möglich darauf vorzubereiten.”


Was ist für Dich der Hauptunterschied zwischen Backgroundgesang und Leadgesang? Beides hat ja eine ganz andere Funktion. 

Tatsächlich. Manche Leute denken, das ist ähnlich, aber für mich ist es fast das Gegenteil. Im Chor zu singen heißt die Stimme so weich und offen zu lassen, dass es blendet und sich mit den anderen Chorstimmen zu einer Stimme verbindet. Das ist das schönste Erlebnis für einen selbst und auch der schönste Sound. Beim Solosingen geht es eigentlich um das Gegenteil; dass die Stimme die eigene Kante findet. Man kann alles mit seiner Stimme machen. Man kann auch die ganze Zeit nur weich singen. Es geht darum nicht mit den anderen mitzugehen. Eher herauszustechen. Das muss gar nicht mit Lautstärke passieren, sondern durch den präsenten Kernsound.

Das sehe ich auch so. Gehen wir weiter Zum Songwriting. Du hast die Songs für deine kommende EP mitgeschrieben?


Ich habe alle Songs mitgeschrieben. Wir haben meistens zu dritt gearbeitet. Einige Songs hat Farhot produziert und ich hatte in der Anfangsphase immer einen Texter mit dabei. Ich singe ja erst seit ein paar Jahren auf Deutsch.

Stimmt. Die Songs Deines Gretel Albums waren noch auf Englisch.

Ich habe mich für Deutsch entschieden, da ich die Sprache, wenn ich in meiner Muttersprache gesungen habe, als etwas Besonderes erfahren habe. Ich konnte nur nicht so gut damit umgehen. Deswegen habe ich mir Unterstützung geholt. Ich habe mit ein paar ganz tollen Leuten zusammen arbeiten können. Unter anderem mit Maxim. Wir haben uns zu dritt getroffen, unterhalten, geguckt welche Musik wir nehmen. Was wir machen. Oder Fahrhot hat Klavier gespielt und wir sind dann von ganz vorne in ein Thema reingegangen. Es gab auch mal die Situation, dass ich schon etwas vorgelegt habe und wir daran weiter gearbeitet haben. Mir ist es noch nicht passiert, dass jemand anderes für mich einen kompletten Song geschrieben hat. 

War das dein Impuls die anderen Texter dazu zu nehmen?

Das wollte ich einfach. Ich hatte mit der deutschen Sprache noch viele Unsicherheiten. Ich wollte einerseits jemanden mit einem festen Geschmack, den ich schätze, den ich an die Hand nehme. Und andererseits auch jemanden, der mich versteht und weiß, was ich sagen will und mir noch andere Wege aufzeigt. Das war gut. Ich habe viel aufgesogen und kann inzwischen auch einen Song alleine schreiben wenn ich Lust dazu habe. Es ist aber auch super jemanden anzurufen, wenn ich mal nicht weiterkomme.


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“Manchmal träume ich über Musik und singe das,
morgens, noch schlaftrunken in mein Telefon ein.”

Ich habe gelesen, dass Du früher Bläser arrangiert hast. Wie bist Du dazu gekommen, wenn Du gar kein Instrument spielst?

Ich habe das eingesungen. Ich kann das ja nicht in Noten schreiben. Ich habe das einfach eingesungen.

Die ganzen Bläsersätze?

Ja, ja.

Und wie war es, als die Bläser das gespielt haben?

Super. Toll. Kann man hören auf der Peter Fox Platte.

Hast Du Lampenfieber und was sind Deine Strategien dagegen?

Auf jeden Fall!. Meine Strategie ist, mich auf jeden Fall gut vorzubereiten, und es als etwas was nicht so schlimm ist anzunehmen. Früher fand ich es ganz schlimm. Das Lampenfieber war so stark, dass meine Stimme auf jeden Fall davon beeinträchtigt war. Ich hatte einfach richtig Angst. 

Ich habe immer noch Angst. Es ist ja auch eine besondere Situation. Nackter als die Stimme geht gar nicht. Meine Strategie ist, es als etwas Gutes anzunehmen. Es ist nicht mein Feind, sondern eher ein Freund, der mir sagt: Du bist jetzt hier und in dieser Situation. Es ist wie ein Aufwachen um noch viel fokussierter zu sein. Man muss nur den Weg dahin finden und nicht dadurch aus dem Gleichgewicht fallen. 


Weitere Strategien: Sich bewegen, sich warm machen. Ich finde es wichtig den ganzen Körper zu bewegen, damit man sich nicht in einer Körperhaltung fängt und darin kleiner wird. Ich marschiere manchmal an der Bühne wie ein Raubtier hoch und runter, so dass ich meinen Raum erweitere und meine Freiheit ausdehne. Ich kann überall langgehen. Ich darf jede Bewegung machen. Ich bin auf der Bühne und darf alles. Für mich ist es gut, mich körperlich vor dem Auftritt an diesen Modus zu gewöhnen.

Weiter zu den Equipmentfragen. Hast du ein Lieblings-Livemikrofon?

Ich habe eins. Da habe ich immer bei Max Herre mit singen dürfen und es auch auf die Sarah Conner Support Tour mitgenommen. Es ist ein KSM 9 von Shure. Ich habe es von dem tollen Tonmann Toni Kern empfohlen bekommen. Ich habe sehr viel damit gearbeitet und dann immer mehr zu schätzen gewusst, wie meine Stimme damit klingt. Es ist ja wirklich abhängig von der Stimmfarbe, welche Kombi mit einem Mikrofon gut passt.

Dein Lieblings Studiomikrofon?

Hmm. Mein Lieblingsstudiomikrofon. Ich weiß gar nicht. Ich habe ein Brauner Velvet was voll ok ist. Dann gibt es noch ein paar geheime Vintage-Mikrofone, die ich tatsächlich nicht verrate. 

Einen Teil der Songs hast du bei dir zu Hause aufgenommen. Da ist die private Umgebung und man ist ganz gelöst. Was für eine Situation brauchst du im Studio um gut singen zu können?


Da brauche ich eigentlich genau das gleiche. Ich muss mir eine private Umgebung schaffen. Das sind zum einen die Leute mit denen ich zusammenarbeite. Ich habe lange Studiojobs für andere gemacht. Das ist was anderes. Das ist viel unpersönlicher. Aber wenn es wirklich darum geht ich zu sein, und alles von mir da reinzupacken, brauche ich ein sehr vertrautes Umfeld. Ich muss zu den Menschen die dabei sind – was für mich im besten Falle so wenige wie möglich sind – Vertrauen haben. Davon hängt ab mit wem ich arbeite.

Foto: Warner Music
Foto: Warner Music

Den direkten Gesangssound hast du dann aber deine Produzenten machen lassen?

Der entsteht gemeinsam, kommt aber ganz darauf an, was für ein Song es ist. Es gibt Stücke, da brauche ich mich leiser, sodass ich mich da mehr reinlegen kann und manchmal muss ich viel Platz haben. Ich brauche einen Grundsound, bei dem die Frequenzen für mich stimmen. Dass ich nicht das Gefühl habe, ich muss irgendwo was hindrücken was da nicht natürlicherweise ist, sondern der Sound soll so sein, dass alles was ich präsent haben muss einfach da ist.

Auf der Bühne. Lieber In Ear oder lieber Wedges?


Es kommt drauf an. Ich habe vor einem halben Jahr, seit langer Zeit einmal wieder mit Wedges gespielt und es war ganz toll für mich. Hätte ich gar nicht gedacht. Ich habe so lange Zeit nur mit In Ear performt.

Das heißt du kommst vom In Ear?


Ich komme von Wedges. Hin zum In Ear. Ich habe so viel damit gearbeitet und hatte letzten Herbst eine kleine Show hier in Hamburg, wo es gar nicht die Wahl gab. Das wäre auch nicht nötig gewesen. Das war ein kleiner Club und ganz toll. Ich konnte mich da so richtig reinlegen. Das war was ganz anderes. Wenn ich jetzt aber in der Mercedes Benz Arena stehe, bin ich mit Wedges wahrscheinlich verloren. Im besten Fall kann man mit beidem umgehen und ist flexibel und entscheidet je nach Location, Größe und Umständen.

Wenn Du In Ear hast nimmst Du immer beide Ohren? Manche Leute haben lieber nur ein Ohr und zusätzlich einen kleinen Monitor.

Inzwischen nehme ich beide Ohren. Aber ich habe lange Zeit, als ich angefangen habe mit In Ear zu singen gerne ein Ohr herausgenommen. Ich habe jetzt anders getrickst. Ich habe Bohrungen in meinen In Ears, sodass ich auch was von außen mitbekomme. Entsprechend muss ich meinen Mix ein bisschen anpassen damit ich nicht ganz abgeschottet bin. So komme ich sehr gut zurecht. 


Eine letzte Frage: Magst du Ansagen?

Hmm. Ich bin froh, dass ich mir keine Gedanken mehr über Ansagen mache. Es gibt ein paar Informationen die fallen sollen. Zum Beispiel:„Das ist übrigens die Single, die kommt dann und dann raus“. Ich kenn das Gefühl sich unsicher zu fühlen mit Ansagen, aber ich empfinde es mittlerweile als Freiheit zwischendrin mal irgendetwas kurz sagen zu können. Ich erzähle keine Romane. Ich könnte auch nicht beurteilen, ob ich gut oder schlechte Ansagen mache. Früher habe ich das so bewertet. Ich glaube für Ansagen gibt es kein Rezept. Ich finde es am Besten wenn jemand einfach so quatscht wie er quatscht. Für mich selbst ist das eine gute Auflockerung. Auf der Bühne bin ich so, dass ich in diesen Song reingehe, in der Stimmung des Songs bin und danach aus dieser Blase aufwachen möchte. Dann bin ich kurz mal Grace und dann darf ich in den nächsten Song mit dessen Stimmung und Rolle. Ich resette mich, atme ein bisschen durch und werde locker bevor ich wieder in der Welt des Songs bin. Ich finde es gut, das nach dem Song wieder abzustellen, über Bord zu werfen und kurz etwas erzählen zu können. Ansagen sind für mich selber etwas Befreiendes.

Grace, vielen Dank für das Gespräch.

Vielen Dank. 

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von Catharina Boutari

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