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Die besten Songs der 60er Jahre

Die 60er Jahre veränderten die Popmusik grundlegend. Aus Folk, Soul, Blues und Beat entstanden neue Formen von Rock, während Bands im Studio immer mutiger experimentierten. Diese zehn Songs zeigen, warum das Jahrzehnt bis heute nachwirkt.

Alarmy / Universal Images Group North America LLC, Alarmy / JJs, Bob Dylan, Alarmy / Tom Hanley

The Rolling Stones mit „Gimme Shelter

Gimme Shelter“ erschien 1969 in einer Phase, in der die Aufbruchsstimmung der 60er Jahre zunehmend von Krieg, Gewalt und gesellschaftlicher Unsicherheit überschattet wurde. Auch die Rolling Stones selbst befanden sich in einer schwierigen Zeit. Brian Jones musste die Band verlassen und starb kurz darauf, während die Gruppe versuchte, sich musikalisch und personell neu zu ordnen. Keith Richards entwickelte die ersten Ideen an einem stürmischen Tag in London. Aus dem Bild von Menschen, die vor dem Unwetter Schutz suchten, entstand ein Song über eine Welt, die aus den Fugen gerät. Die zurückhaltende Rhythmik und Richards’ schwebende Gitarrenfigur lassen die Bedrohung langsam näherkommen.

Den entscheidenden Höhepunkt setzt Merry Claytons Gesang. Ihre Stimme steigert sich bis an die Grenze und verleiht den Bildern von Krieg und Gewalt eine beinahe körperliche Wirkung. Als Opener von Let It Bleed wurde „Gimme Shelter“ zum Sinnbild für das Ende eines Jahrzehnts. Der Song erschien am selben Tag wie das berüchtigte Altamont Konzert und klingt rückblickend wie der Abschied von der idealistischen Seite der 60er Jahre.

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The Mamas & the Papas mit „California Dreamin’

California Dreamin’“ entstand nicht unter Palmen, sondern während eines kalten New Yorker Winters. John und Michelle Phillips schrieben den Song bereits 1963, noch bevor The Mamas & the Papas gegründet wurden. Michelle vermisste das warme Kalifornien, während draußen die Blätter braun und der Himmel grau waren. Aus diesem einfachen Gegensatz entstand einer der bekanntesten Sehnsuchtssongs der 60er Jahre.

Der Text traf Mitte des Jahrzehnts einen Nerv. Kalifornien wurde für viele junge Amerikaner zum Symbol für Freiheit, Neuanfang und ein Leben außerhalb traditioneller Erwartungen. Los Angeles und San Francisco entwickelten sich zu Zentren neuer Musik und Gegenkultur. „California Dreamin’“ erschien genau in dem Moment, als dieser Mythos an Kraft gewann. Michelle Phillips erinnerte sich später, zahlreiche Menschen hätten ihr erzählt, dass der Song sie zur Reise nach Kalifornien bewegt habe. Dabei ist der Text weniger sonnig, als sein Ruf vermuten lässt. Der Erzähler friert, fühlt sich verloren und sucht kurz Schutz in einer Kirche. Selbst das Gebet bleibt halbherzig. Kalifornien erscheint nicht als realer Ort, sondern als Vorstellung von einem besseren und freieren Leben.

Auch die Aufnahme besitzt eine ungewöhnliche Geschichte. Zunächst nahm Barry McGuire den Song auf, begleitet von den späteren Mamas & the Papas. Für deren eigene Version wurde Denny Dohertys Leadgesang ergänzt und die ursprüngliche Mundharmonika durch das markante Flötensolo von Bud Shank ersetzt. Die warmen vierstimmigen Harmonien treffen dabei auf eine melancholische Grundstimmung. „California Dreamin’“ wurde so zu mehr als einem Lied über schlechtes Wetter. Der Song bündelte das Fernweh einer Generation und half zugleich dabei, das Bild Kaliforniens als Zufluchtsort der 60er Jahre zu prägen.

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The Who mit „My Generation

My Generation“ erschien 1965, als sich in Großbritannien eine selbstbewusste Jugendkultur entwickelte. Besonders die Mod Szene stand für moderne Kleidung, Motorroller, Rhythm and Blues und die bewusste Abgrenzung von den Wertvorstellungen der älteren Generation. The Who wurden schnell zu einer ihrer wichtigsten Bands. Pete Townshend schrieb den Song als Ausdruck dieses Konflikts. Roger Daltreys stotternder Gesang verleiht dem Stück eine Mischung aus Unsicherheit, Trotz und Aggression. Townshends Gitarre setzt harte Akzente, während Keith Moon am Schlagzeug spielt, als wäre Zurückhaltung ein persönlicher Angriff.

Besonders auffällig ist John Entwistles Bass, der an mehreren Stellen beinahe die Rolle eines Soloinstruments übernimmt. Auch die wiederholten Tonartwechsel steigern die Spannung und lassen den Song zunehmend außer Kontrolle wirken. „My Generation“ wurde zur Hymne einer Jugend, die nicht länger von Erwachsenen erklärt bekommen wollte, wie sie zu leben hatte. Seine Wirkung reicht dennoch weit über die 60er Jahre hinaus. Schließlich findet sich in jeder älteren Generation jemand, der den kulturellen Niedergang genau dort ansetzt, wo die eigene Jugend endete.

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Aretha Franklin mit „Respect

Respect“ wurde ursprünglich von Otis Redding geschrieben und 1965 aus männlicher Perspektive veröffentlicht. Aretha Franklin nahm den Song 1967 auf und veränderte dabei nicht nur das Arrangement, sondern auch seine Bedeutung grundlegend. Aus der Forderung eines Mannes nach Anerkennung wurde die selbstbewusste Ansage einer Frau, die Respekt in ihrer Beziehung einfordert.

Franklin begleitet sich selbst am Klavier und wird von Musikern aus dem Umfeld der Muscle Shoals Rhythm Section unterstützt. Besonders prägend sind die Bläser, der treibende Groove und die Antworten ihrer Schwestern Carolyn und Erma Franklin. Auch das buchstabierte „R-E-S-P-E-C-T“ und die markante Antwortpassage kamen erst mit Franklins Version hinzu.

Im gesellschaftlichen Klima der späten 60er Jahre wurde der Song schnell über seinen ursprünglichen Beziehungskontext hinaus verstanden. „Respect“ entwickelte sich zu einer Hymne der Bürgerrechtsbewegung und der Frauenbewegung, auch wenn Franklin ihn zunächst nicht ausdrücklich als politischen Protestsong aufgenommen hatte. Die Aufnahme verbindet Gospel, Soul und Pop mit einer Klarheit, die kaum Raum für Missverständnisse lässt. Franklin bittet nicht um Anerkennung, sondern fordert sie ein.

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Otis Redding mit „(Sittin’ On) The Dock of the Bay

Otis Redding nahm „(Sittin’ On) The Dock of the Bay“ 1967 gemeinsam mit Gitarrist Steve Cropper auf. Wenige Tage später starb er bei einem Flugzeugabsturz. Der Song erschien 1968 und wurde zu seinem größten Erfolg. Im Vergleich zu Reddings früheren Soulaufnahmen wirkt das Stück ungewöhnlich ruhig und nachdenklich. Der Text beschreibt einen Mann, der am Wasser sitzt, Schiffe beobachtet und keinen klaren Platz mehr im Leben findet. In einer Zeit gesellschaftlicher Umbrüche traf dieses Gefühl von Stillstand und Orientierungslosigkeit einen Nerv.

Auch musikalisch zeigt der Song eine neue Seite Reddings. Die zurückhaltende Rhythmusgruppe, Croppers klare Gitarrenfiguren und das berühmte Pfeifen am Ende schaffen eine offene, beinahe schwebende Atmosphäre. „(Sittin’ On) The Dock of the Bay“ wurde damit nicht nur zu einem Klassiker des Soul, sondern auch zu einem stillen Abschied von einem der wichtigsten Sänger der 60er Jahre.

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Janis Joplin mit „Piece of My Heart

Piece of My Heart“ wurde ursprünglich von Jerry Ragovoy und Bert Berns geschrieben und 1967 von Erma Franklin aufgenommen. Ein Jahr später verwandelten Big Brother and the Holding Company den Soulsong mit Janis Joplin in einen rauen Rockklassiker. Joplins Interpretation klingt weniger wie eine Liebeserklärung als wie ein emotionaler Zusammenbruch unter kontrollierten Bedingungen. Ihre Stimme wechselt zwischen verletzlicher Zurückhaltung und heiserer Wucht. Wenn sie immer wieder bereit ist, ein weiteres Stück ihres Herzens herzugeben, wirkt das nicht romantisch, sondern beinahe schmerzhaft konsequent.

Die verzerrten Gitarren und das schwere Zusammenspiel der Band unterscheiden sich deutlich von der ursprünglichen Soulfassung. Die Aufnahme verbindet Blues, Psychedelic Rock und die Energie der San Francisco Szene, die Ende der 60er Jahre zu einem Zentrum der amerikanischen Gegenkultur geworden war. „Piece of My Heart“ machte Joplin einem großen Publikum bekannt und wurde zu einem ihrer prägendsten Songs. Die besondere Wirkung liegt dabei weniger in technischer Perfektion als in ihrer kompromisslosen Intensität. Joplin singt den Schmerz nicht nur. Sie lässt ihn hörbar werden.

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The Beatles mit „Strawberry Fields Forever

John Lennon begann „Strawberry Fields Forever“ 1966 während Dreharbeiten im spanischen Almería zu schreiben. Der Titel bezieht sich auf Strawberry Field, ein Kinderheim der Heilsarmee nahe seines Elternhauses in Liverpool. Aus dieser Kindheitserinnerung entstand jedoch keine nostalgische Rückschau, sondern ein Song über Wahrnehmung, Einsamkeit und das Gefühl, anders zu sein. Ursprünglich war das Stück für Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band vorgesehen, erschien 1967 aber gemeinsam mit „Penny Lane“ als Doppel A Seite.

Auch die Produktion war für ihre Zeit außergewöhnlich. Lennon gefielen der Anfang einer ruhigen Version und das Ende einer deutlich dichter arrangierten Fassung. Produzent George Martin und Tontechniker Geoff Emerick mussten deshalb zwei Aufnahmen verbinden, die ursprünglich in unterschiedlichen Tonarten und Tempi gespielt worden waren. Durch Veränderung der Bandgeschwindigkeit wurden beide Fassungen so angepasst, dass sie beinahe nahtlos ineinander übergehen. Durch die Verbindung der beiden unterschiedlich aufgenommenen Fassungen wirkt das tonale Zentrum stellenweise instabil und bewegt sich im fertigen Master ungefähr zwischen A-Dur und B-Dur. Der Song ist deshalb nicht atonal, seine Harmonik vermeidet jedoch mehrfach eindeutige Auflösungen und verstärkt so den traumartigen Eindruck.

Mellotron, rückwärts abgespielte Klänge, Streicher, Bläser und George Harrisons indisches Swarmandal verstärken diese traumartige Wirkung. „Strawberry Fields Forever“ klingt weniger wie die Beschreibung eines realen Ortes als wie eine Erinnerung, die sich beim Erzählen immer wieder verändert. Genau damit wurde der Song zu einem der wichtigsten Beispiele dafür, wie die Beatles das Tonstudio in den 60er Jahren selbst zum Instrument machten.

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The Jimi Hendrix Experience mit „1983… (A Merman I Should Turn to Be)

1983… (A Merman I Should Turn to Be)“ erschien 1968 auf Electric Ladyland. Inmitten von Vietnamkrieg, Protesten und gesellschaftlicher Unruhe entwirft Hendrix eine düstere Zukunftsvision. Der Erzähler flieht vor einer zerstörerischen Welt ins Meer und sucht dort nach einem neuen, friedlicheren Leben. Musikalisch folgt das lange Stück keiner klassischen Strophe-Refrain-Struktur. Ruhige Passagen wechseln mit dichten Klangflächen, freien Übergängen und psychedelischen Effekten. Hendrix nutzt die Gitarre dabei nicht nur für Riffs und Soli, sondern erzeugt mit ihr Geräusche, Räume und beinahe filmische Bilder.

Für die Aufnahme entstanden mehrere Fassungen und zusätzliche Passagen, die später zu einem langen Gesamtstück zusammengesetzt wurden. Das Studio wurde dadurch selbst zum Instrument. Der Song zeigt Hendrix nicht nur als außergewöhnlichen Gitarristen, sondern auch als ambitionierten Komponisten und Produzenten. „1983“ gehört zu den experimentellsten Rockaufnahmen der 60er Jahre und bildet einen deutlichen Gegenentwurf zum klassischen dreiminütigen Popsong.

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Bob Dylan mit „Like a Rolling Stone

Like a Rolling Stone“ entstand 1965 in einer Phase, in der Bob Dylan seinen Folk-Hintergrund immer stärker mit elektrischer Rockmusik verband. Die endgültige Fassung wurde am 16. Juni im Columbia Studio A in New York aufgenommen. Zunächst hatte die Band den Song sogar im Walzertakt ausprobiert, bevor daraus die bekannte, treibende Version entstand. Die Aufnahme lebt von ihrer spontanen Energie. Mike Bloomfields scharfe Gitarrenlinien treffen auf Klavier, Schlagzeug und Al Koopers markante Orgel. Kooper war ursprünglich gar nicht als Organist eingeplant, doch gerade sein leicht verzögertes Spiel wurde zu einem der wichtigsten Bestandteile des Songs. Die Aufnahme entstand ohne nachträgliche Reparaturen, kleine Unsicherheiten blieben bewusst erhalten.

Auch der Text sprengte die damaligen Grenzen einer Pop-Single. Dylan beschreibt den gesellschaftlichen Absturz einer privilegierten Figur und fragt immer wieder, wie es sich anfühlt, plötzlich ohne Sicherheit, Heimat und Richtung dazustehen. Die vollständige Aufnahme dauerte mehr als sechs Minuten und war damit ungewöhnlich lang für das Radio. Columbia zögerte zunächst mit der Veröffentlichung, bevor die Reaktion von DJs und Publikum den Song doch zur Single machte. „Like a Rolling Stone“ markierte damit nicht nur Dylans endgültigen Schritt in den elektrischen Rock. Der Song zeigte auch, dass eine erfolgreiche Single lang, textlich anspruchsvoll und klanglich rau sein konnte.

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The Band mit „The Weight

The Weight“ erschien 1968 auf dem Debütalbum Music from Big Pink. Zu dieser Zeit bewegte sich die Rockmusik immer stärker in Richtung Psychedelia und große Studioproduktionen. The Band setzten dagegen auf einen zurückhaltenden Sound aus Folk, Country, Gospel, Soul und Rock, der bewusst zeitlos wirkte. Robbie Robertson schrieb das Grundgerüst des Songs in einer vergleichsweise kurzen Schreibsession. Die erste Zeile entstand, als er in seine Martin Akustikgitarre blickte und dort den Herstellungsort Nazareth, Pennsylvania, las. Der Ort im Text klingt biblisch, bezieht sich also ursprünglich auf eine Gitarrenfabrik.

Die Handlung folgt einem Reisenden, der in Nazareth immer neuen Figuren begegnet und dabei ständig weitere Aufgaben übernehmen soll. Robertson ließ sich dabei von den surrealen Filmen Luis Buñuels inspirieren, in denen Menschen versuchen, das Richtige zu tun, aber immer tiefer in Widersprüche und Verpflichtungen geraten. Die religiösen Bilder des Textes sind deshalb eher symbolisch als eine klare christliche Botschaft. Musikalisch lebt „The Weight“ vom gemeinschaftlichen Charakter der Band. Akustische Gitarre, Orgel, Klavier und eine zurückhaltende Rhythmusgruppe bilden das Fundament, während sich mehrere Sänger die Strophen und Harmonien teilen. Genau diese Mischung aus rätselhaftem Text und scheinbar traditionellem Klang machte den Song zu einem der zeitlosesten Rockklassiker der 60er Jahre.

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Was die Songs der 60er Jahre so zeitlos macht

Die Musik der 60er Jahre passt in keine einzelne Schublade. Pop, Rock, Soul, Folk und Psychedelia entwickelten sich gleichzeitig weiter und beeinflussten sich gegenseitig. Songs wurden länger, Produktionen mutiger und Texte persönlicher oder politischer. Trotzdem blieb das Wichtigste gleich: starke Melodien, markante Stimmen und Künstler mit einer klaren Haltung. Genau deshalb klingen viele dieser Aufnahmen bis heute erstaunlich frisch.

Mit zehn Songs lässt sich dieses Jahrzehnt allerdings kaum vollständig abbilden. Dafür erschienen in den 60ern einfach zu viele außergewöhnliche Titel. Einige große Namen und offensichtliche Klassiker mussten deshalb fehlen.

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