Test: Strymon Fairfax – Das perfekte Pedal für den American-Woman-Sound?

Der Strymon Fairfax Preamp entstammt der Analog-Serie des amerikanischen Boutique-Herstellers und widmet sich der Schaltung des Garnet Herzog Tube Drive. Diesen raren Preamp hatte der kanadische Techniker Gar Gillies Mitte der 1960er-Jahre für den Gitarristen Randy Bachman entwickelt. Laut Strymon handelt es sich beim Fairfax um einen analogen Vollverstärker im Pedalformat, der mithilfe von JFETs die Sättigung und harmonische Verzerrung einer mehrstufigen Champ-Style-Röhrenschaltung inklusive Ausgangsübertrager nachbilden soll. Ob das authentisch gelingt, zeigt der folgende Test.

Strymon Fairfax bonedo Test
Unser Fazit:
4,5 / 5
Pro
  • tadellose Verarbeitung
  • charakteristische Sounds von angeraut bis Fuzz
  • Boost-Funktion für bereits angezerrte Amps
  • dreckige Zerrsounds
  • Sag-Regler-Variationen für leicht kaputte Klänge
Contra
  • keins

Strymon Fairfax – Das Wichtigste in Kürze

  • Was ist der Strymon Fairfax? Der Strymon Fairfax ist einEffektpedal mit einer analogen Preamp-Schaltung, die den Sound und das Spielgefühl eines Röhrenamps erzeugen soll. 
  • Welche Parameter können mit den Reglern eingestellt werden? Drive ist für den Verzerrungsgrad zuständig, Level für die Lautstärke und Sag für einen stufenlosen Sättigungsgrad.  
  • Hat der Strymon Fairfax eine True-Bypass-Schaltung? Ja, der Strymon Fairfax ist komplett analog ausgelegt, inklusive True-Bypass-Schaltung. 
  • Welche zusätzlichen Schalt- oder Regelmöglichkeiten gibt es? Ein Bright-Switch verstärkt bei Bedarf die Höhen. 
  • Braucht der Strymon Fairfax Batterie- oder Netzstrom? Der Strymon Fairfax benötigt 9 V Netzspannung (Minuspol innen) von einem optionalen Standard-Netzteil. Batteriebetrieb ist nicht vorgesehen. 
  • Das sagt der Test: Der Strymon Fairfax Preamp liefert dynamische, Amp-ähnliche Sounds vom Clean-Boost bis zu Sixties-Overdrive und rauen Fuzz-Klängen mit sehr guter Ansprache und Dynamik. 

Was ist der Garnet Herzog Tube Drive, der als Vorbild für das Strymon Fairfax dient?

Der Garnet Herzog Tube Drive war ein kleiner 5-Watt-Röhrenverstärker, ähnlich dem Fender Champ, der als Overdrive-/Distortion-Einheit genutzt wurde. Statt eine Lautsprecherbox anzutreiben, wurde das Signal stark gedämpft und anschließend in den Eingang eines zweiten Gitarrenverstärkers gesendet. So erhielt man den Klang einer voll aufgerissenen Röhrenendstufe – inklusive Endstufenkompression und Obertönen – ohne die übliche extreme Lautstärke. Entwickelt wurde der Tube Drive Mitte der 1960er-Jahre vom kanadischen Amp-Designer Gar Gillies für Randy Bachman (The Guess Who, Bachman-Turner Overdrive). Er gilt als einer der ersten Versuche überhaupt, den Sound einer voll ausgesteuerten Röhrenendstufe auf kontrollierte Lautstärke zu bringen. Beim Song „American Woman“ von Guess Who ist der charakteristische Sound zu hören. 

Was sind die besonderen Eigenschaften des Strymon Fairfax?

Sound und Schaltung des Garnet Herzog Tube Drive sind ganz eindeutig das Vorbild für den Strymon Fairfax. Zu diesem Zweck realisierten die Strymon Analog-Spezialisten die entscheidenden Elemente einer Champ-ähnlichen Röhrenamp-Schaltung vollständig mit analogen Bauteilen. Weil Röhren oder Ausgangstrafos fehlen, präsentiert sich das Ergebnis im kompakten Pedalformat. Allerdings benötigt der Fairfax eine enorme Betriebsspannung, damit er sich wie ein echter Verstärker verhält. Dafür sorgt das transformatorbasierte Netzteil, das die Eingangsspannung von 9 V Gleichstrom intern auf 40 V umwandelt. Und die verhelfen dem Fairfax zur nötigen Leistung für einen großen Headroom und ein verstärkerähnliches Spielgefühl. 

Was bewirkt der Sag-Regler?

Das Strymon Fairfax verfügt über eine variable Sag-Schaltung, die sich laut Hersteller wie ein echter Röhrenverstärker verhält. Bei niedrigen Sag-Werten ist das Sättigungsverhalten sanft und nur leicht komprimiert, während die JFETs bei maximalen Werten „durchdrehen“ und aus der Vorspannung geraten können. Das führt dazu, dass das Signal unterbricht und laut Hersteller zu Sounds führt, die man eher von Fuzz-Effekten kennt.

Fotostrecke: 4 Bilder Der Strymon Fairfax Preamp orientiert sich am raren Garnet Herzog Tube Drive aus den 1960er-Jahren.

In welcher Qualität sind die verwendeten Bauteile?

Regler und Schalter sind von besserer Qualität, so wie man das von Strymon-Pedalen gewohnt ist. Die Regler besitzen weiße Marker, sodass man die Einstellungen auch auf dunklen Bühnen noch gut erkennen kann. Und der Fußschalter arbeitet absolut knackfrei. 

Entspricht das Angebot dem Preis?

Das Strymon Fairfax überzeugt nicht nur bei der Qualität von Schaltung und Bauteilen, sondern hat auch klanglich einiges zu bieten. Natürlich ist es ein Charakterpedal mit individuellen Eigenschaften und einem Sound, der weniger ein Schönfärber ist, sondern den Ton in eine schmutzigere Richtung lenkt. Aber das Gesamtpaket stimmt, weshalb auch der Preis von 229 Euro (August 2026) für mich in Ordnung geht. 


Aufnahmen mit dem Strymon Fairfax

Für die Aufnahmen habe ich zwei Setups benutzt: Zuerst geht es an den clean eingestellten Sovtek MIG-50H, der über ein Marshall 4×12-Cab läuft, das wiederum mit einem Royer R-10 und einem Shure SM-57 abgenommen wird. Die Signale werden in einem Chandler TG2 Preamp zusammengemischt, dann geht es ins Audio-Interface (UA Apollo 8). Für die angezerrten Amp-Sounds wird der Sovtek dann gegen einen Marshall SLP100 getauscht. Der Strymon Fairfax ist immer direkt vor die Amps geschaltet.  

Wie klingt der Strymon Fairfax mit einem clean eingestellten Amp?

Drive und Level haben Einfluss auf den Ausgangspegel, weshalb man bei Änderungen des Zerrgrades immer mal wieder mit dem Level-Regler nachjustieren muss. Beispiel 1 ist erst einmal eine nüchterne Bestandsaufnahme, wie sich der Sound bei Gain und Sag auf Minimum im Vergleich zum Bypass-Signal ändert. Und was der Bright-Switch zur Klangformung beiträgt, zumal das Pedal in dieser Einstellung etwas griffiger und präsenter klingt. Ohne Bright werden die tieferen Mitten leicht angehoben, mit Bright-Switch gibt es dann die amtliche Portion Höhen, und das ohne Ohrenklingeln. Dazu kommt die leichte Sättigung, die man für ein gutes Spielgefühl braucht. 

Audio Samples
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Clean Amp: Bypass > D7 | L13 | S7 | > Bright On (Telecaster) Clean Amp: D7 | L13 | S7 | Bright (Telecaster) Clean Amp: D7 | L13 | S7 (ES-335)

Welche Verzerrungs-Bandbreite schafft der Strymon Fairfax?

Der Startpunkt ist, wie bereits gehört, ein komplett unverzerrter Sound oder ganz leicht übersteuert mit heißeren Humbucker-Gitarren. Dazu die entsprechende Klangfärbung je nach Einstellung des Bright-Switches. Bis 12 Uhr ergibt sich ein leichter Overdrive-Sound und nach 12 Uhr nimmt der Zerrgrad zu, natürlich immer abhängig vom Ausgangspegel der Gitarre. Mit dem Level-Regler geht es bei Bedarf auch noch etwas höher, um die Amp-Vorstufe ein wenig ins Schwitzen zu bringen. Und dort stellt sich bei maximalem Drive auch der American-Woman-Lead-Sound ein (Bsp. 7).

Audio Samples
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Clean Amp: Drive Check – 7-9-12-15-17 Uhr (Telecaster) Clean Amp: D15 | L10 | S7 | Bright (Les Paul) Clean Amp: D11 | L12 | S7 | Bright (Stratocaster) Clean Amp: D17 | L14 | S9 (Les Paul)

Welche klanglichen Auswirkungen haben die Einstellungen des Sag-Reglers?

Der Sag-Regler ist nicht die klassische, schön tönende Boutique-Endstufensättigung – hier geht es etwas dreckiger zur Sache. In der ersten Hälfte des Regelweges gibt es bei niedrigen Gain-Settings durchaus das typische Schmatzen, das man kennt und liebt. Aber werden Gain- und Sag-Poti weiter aufgedreht, kommen wir in die Gated-Fuzz-Abteilung. Im folgenden Beispiel hört ihr vier Einstellungen des Sag-Reglers, dabei stehen Drive auf 15 Uhr und Level auf 12 Uhr.

Audio Samples
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Clean Amp: Sag Check – 7-10-14-17 Uhr (Les Paul)

Wie klingt das Strymon Fairfax bei verzerrten Sounds?

Das Pedal präsentiert sich sehr variabel, vor allem mit verzerrtem Grundsound. Mag man die typischen, etwas kratzigeren Sixties-Sounds, geht die Sonne auf. Mit höheren Sag-Einstellungen lassen sich auch Sounds in Richtung Octavia erzeugen, bei denen sich die obere Oktave noch etwas prominenter zeigt. Mir persönlich gefällt es sehr gut, vor allem die vielen Variationen, die man alle mit dem Volume-Poti an der Gitarre erzeugen kann.  Das Pedal reagiert bestens auf die jeweiligen Pickups und die Einstellungen an der Gitarre. Auch als Boost-Pedal vor dem angezerrten Amp lässt sich das Fairfax einsetzen, mit niedrigen Gain-Einstellungen und höherem Level. 

Audio Samples
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Overdrive Amp: Bypass > D11 | L13 | S7 > Guitar Volume zurück (Les Paul) Overdrive Amp: D14 | L13 | S11 > Guitar Volume zurück (Les Paul) Overdrive Amp: Bypass > D8 | L14 | S7 (Telecaster)

Welche Mitbewerber und Alternativen hat das Strymon Fairfax?

Es gibt zwar eine Menge Boost-Pedale, aber wenn es darum geht, den typischen Garnet-Herzog-Tube-Drive-Schaltkreis zu simulieren und/oder einen entsprechenden Klangcharakter anzubieten, wird es eng. Da steht der Fairfax mehr oder weniger allein. Als Low-Watt-Tube-Amp-Schaltkreis in Pedalform wäre zum Beispiel der Origin Effects Deluxe 55 eventuell eine Alternative. Hier geht es um die Nachbildung einer Fender-Tweed-Deluxe-Schaltung inkl. Endstufensättigung.  

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Kundenbewertung:
(32)

Fazit 

Der Strymon Fairfax Preamp überzeugt mit einem äußerst dynamischen und vielseitigen Grundcharakter, der einen clean eingestellten Amp aufwerten und den Sound in eine bestimmte Richtung formen kann. Bei niedrigen Gain-Einstellungen erhält man eine angenehme Sättigung und ein griffiges Spielgefühl. Der Bright-Schalter erweitert die Klangpalette sinnvoll, während der Sag-Regler von subtiler Endstufenkompression bis hin zu rauen, fast gated Fuzz-Sounds reicht. Auch in Verbindung mit einem bereits angezerrten Amp liefert das Pedal überzeugende Sounds mit einer ausgezeichneten Reaktion auf Anschlagstärke und Volume-Poti der Gitarre. Vom Boost über klassischen Sixties-Overdrive bis hin zu markanten Lead- und Octavia-ähnlichen Sounds bietet das Fairfax eine große klangliche Bandbreite.

Artikelbild
Fairfax Preamp
Für 229,00€ bei
  • Hersteller: Strymon
  • Modell: Fairfax
  • Typ: Preamp-Effektpedal
  • Regler: Drive, Level, Sag
  • Anschlüsse: Input, Output, 9 V DC
  • Bypass: True Bypass
  • Stromaufnahme: 146 mA (gemessen) – 500 mA (Herstellerempfehlung)
  • Spannung: 9 V DC (Minuspol innen)
  • Maße: 73 × 110 × 60 mm (B × T × H)
  • Gewicht: 290 g
  • Verkaufspreis: 229 Euro (August 2026)

Herstellerseite: https://www.strymon.net/product/fairfax/

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